Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 591 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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TTr. 591 vom 4. September 1036 DIE NEUE WELT Seite 3 rBi n Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol;unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners^S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. d ltfö wmm Das 100%reine Kokosnußfett lur echt in Originalpackungi DSCHAU Judenstaafepartei als Sonderverband der Zionistischen Weltorganisation anerkannt Auf der Tagesordnung des Zionistenkongresses in Luzern 1935 stand das Gesuch des Weitverbandes der Judenstaatszionisten (Jüdenstaatspartei) wegen Anerkennung als Sonderverband der Zionistischen Weltorganisation. Der Kongreß übertrug dem Aktionskomitee die Prüfung und Erledigung des Ansuchens. Nunmehr hat das A. K. auf seiner Tagung in Zürich festgestellt, daß das Ansuchen den organisatorischen Bestimmungen der Weltorganisation entspricht und der Judenstaatspartei den Charakter eines Sonderverbandes (Föderation) zuerkannt. Die Zionistische Weltorganisation setzt sich nunmehr aus folgenden Spnderverbänden zusammen: Allgemeine Zionisten (Gruppe A und B), Poale-Zion, Misrachi und Judenstaatspartei. tootkwfuefel Zum Hakenkreuz in Rumänien Es versetzt mich in Erstaunen,. daß man auch in Rwmänien das Hakenkreuz fördert, ich achte und schätze Rumänien als einen liberalen Staat. Gehören Minderheiten denn nicht auch zur Nation? Nationalismus ist Liebe zum Volk und zum Land. Eine Bewegung gegen einen Teil des Volkes kann nicht Nationalismus genannt werden. Es gibt heute keine in Rasse und Religion einheitliche Nation. Wir haben auch in Frankreich „Minderheiten". Die meisten Elsässer sprechen deutsch, die Bretonen verstehen unsere Staatssprache fast gar nicht, ebeno die Bewohner des Languedoc, die Basken, die Italiener? an der Riviera. Sind sie deshalb schlechte Franzosen? Kein Franzose glaubt, daß eine Haß- und Vernichtungsbewegung gegen diese „Minderheiten" eine nationale Beilegung wäre. Senator Justin Godart (Paris) 1936. Das Barometer Die Meldungen aus Jerusalem über eine voraussichtlich baldige Rückkehr friedlicher Verhältnisse durch Abbruch des Araberstreiks haben am Donnerstag, den 27. August, zu einer Kurssteigerung palästinensischer Werte auf der Londoner Börse gpführt. J.-T.-A.-Bericht uas London. Nation und! Rasse ,J)ie Nationen sind keine Rassen mehr, wie zur Zeit des Urmenschen, da die Menschen in rassisch unvermengten Herden lebten. Die Nationen sind heute bereits die geistigen Gemeinschaften des Gefühls und der Wertung. Das Rassentum ist nur eine Komponente in der Nationalität, aber nicht der rassenmäßige Ursprung, sondern das ungarische oder, deutsche, historische Bewußtsein macht jemanden zum Mitglied der ungarischen, bzw. deutschen Nation. Es wäre der größte Fehler, jemand deswegen aus dem ungarischen Leben auszustoßen, weil sein Name fremd klingt oder weil er fremden Ursprungs ist." Prof. Jul. Komis (Budapest). Spanische Revolte und jüdische Viehändler Angesichts der Vorgänge in Spanien, deren geistige Urheber Rassegenossen der Händler sind, von denen deutsche Bauern immer noch Vieh kaufen, ist es nötig, den Bauern wieder einmal auf seine Pflicht gegenüber dem Staat hinzuweisen, der ihm sichere Lebensmöglichkeit gewährleistet hat. „Enz-Bote", Vaihingen (Deutschland), Aug. 1936. Kenntnis des Arabertums Die i bescheidenste Forderung ist, daß jeder, der in der zionistischen Politik mitreden will, eine allgemeine Ausbildung in Ar ab e r künde erhalten soll. Wer in irgotdeiner Funktion für den Zionismus tätig ist, muß dieser Grundvoraussetzung für das Verständnis der arabischen Welt entsprechen. Dr. Abr. Heschel (Berlin). Das Scfiidcsal der schwarzen luden Die Häuptlinge der F alaschas jüdischer Religio n haben der neuen italienischen Regierung ihre Ergebenheit zum Ausdruck gebracht und dem Gouverneur Pirzio Birolo einen schriftlichen Treuschwur geleistet. Der Gouverneur seinerseits hat erklärt, daß die italienische Regierung den jüdischen Falaschas nicht nur die gleiche Kultürfreiheit und den gleichen Respekt einräume, wie sie den anderen Religionen in Italienisch-Ostafrika eingeräumt werden, sondern daß sie mit Interesse die Entwicklung dieser friedfertigen und arbeitsamen Minorität verfolgt, die auf dem Territorium der Amhara ansäßig ist. ■ Amtl. ital. Kommunique, Aug. 1936. Wie stehts mit dem Versprechen? Die Bürger dieses Landes, die auf dem Boden des Gesetzes stehen, haben gegenüber schärfsten Provokationen in den letzten Wochen eine vorbildliche Zurückhaltung an den Tag gelegt.. Diese Zurückhaltung beweist ihre innere Stärke und ist zugleich eine große Hilfe für die Regiening. loh versichere Ihnen wiederholt, daß kein Streik und kein Terror die Regierung dazu bringen werden, auch nur ein Jota von ihrem festen Beschluß abzuweichen, ihre Virpfiohtungen aus dem Mandat vollständig m erfüllen, Sir Arthur Wauchope auf der Tel-Aviver Messe, 26. Mai 1936. Die Juden im spamseben Bürgerkrieg Aus Barcelona wird geschrieben: Die. Ankündigung einer zweiten Judenvertreibung aus Spanien, die ein bei einem aufständischen Offizier gefundener Entwurf einer neuen spanischen Verfassung enthielt, ist keine leere Drohung, wie die Vorfälle in Saragossa beweisen. Saragossa befindet sich seit Beginn der Revolution in der Hand der Aufständischen, wird jedoch seit Wochen belagert. Die Erregung, in der sich die Belagerten befinden, richtete sich nicht nur gegen die als Anhänger der Madrider Regierung bekannten Kreise, sondern auch gegen die Juden. Die Zahl der Juden in Saragossa ist verschwindend gering. Drei jüdische Angestellte des Warenhauses Sepu, an dessen Gründung Emigranten aus Deutschland beteiligt sind, wurden verhaftet und sollten nach La Corunna geschafft werden, um von dort aus Spanien ausgewiesen zu werden. Ueber ihr Schicksal ist bisher nichts bekanntgeworden. Radio Sevilla setzt seine Anschuldigungen gegen die Juden fort. In Marokko wurde der jüdischen Gemeinde Tetuan, die etwa 7000 Köpfe zählt, eine Kriegssteuer von 500.000 Peseten auferlegt. Die Gemeinde Ceuta (zirka 3000 Juden) mußte 450.000 Peseten zahlen. Viele marokkanische Juden sind durch den Zwang, zu dieser Steuer beitragen zu müssen, in eine wirtschaftliche Notlage gekommen. Denn der Betrag von 150 Peseten, wie er z. B. in Ceuta auf den Kopf der Gemeinde entfiel, bedeutet eine Summe, mit der viele Familien des Mittelstands in Marokko im Monat auskommen müssen. Um die große Zahl der Verdächtigen, unter denen sich viele Juden befinden, unter sicherer Aufsicht zu haben, ist von General Franco ein Konzentrationslager geschaffen worden. Aber die Juden kümmert das nidrt ♦ ♦ ♦ Aus Zürich wird berichtet: Vor einigen Tagen erschoß sich in einem Zürcher Hotel der berühmte Berliner Filmregisseur Dr. Otto D a h 1 s h e i m, Schöpfer des schönsten Südseefilms. Als Motiv der Tat wird wirtschaftliche Not angenommen. Jetzt erfährt man, daß Dr. Dahlsheim „Ni cht arier" war und als solcher aus der Filmproduktioh in Deutschland ausgeschaltet wurde. Zwei seiner projektierten Filme konnte er in Deutschland nicht mehr anbringen. Für den soeben fertiggestellten Film „Kopfjäger auf Borneo" durfte er nicht mehr als Autor und Regisseur zeichnen und erhielt auch nur — obwohl er die Expedition und den Film geleitet hatte — eine geringe „Abfindung". Dr. Dahlsheim wurde zuerst durch seinen Film mit Rasmussen „Paals Hochzeitsreise" (Nanuk) bekannt, der auschließlich mit Eskimos gedreht wurde. Weltberühmt wurde Dr. Dahlsheim durch sein Filmwerk „Die Insel der Dämonen", den größten und authentischsten Film über die Mysterien der Südsee-Insulaner. * Der Fall des Juden Dahlsheim ist einer von Tausenden. Hinter den „Filmen mit Arierparagraph" türmen sich jüdisches Elend und Verzweiflung. Aber es gibt Juden, welche nicht wissen wollen, was hinter der Leinwand vorgeht. Sie lassen sich in ihrem „reinen" Vergnügen nicht stören und genießen die von Juden gesäuberte Kunst. Wenn man ihnen Vorhalte macht, weichen sie feige aus oder antworten zwnjsch und grob. Zertretene jüdische Würde, vernichtete jüdische Existenzen, verzweifelte Väter und Mütter, hungrige Kinder..* das alles kümmert sie nicht. Der Mensch will seine Bequemlichkeit und sein Vergnügen haben. Nidil Abschaum, sondern Elite In den „Times" schreibt der englische Archäologe D. A. E. Garrod, der während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in engem Kontakt mit den Fellachen stand, über die Beziehungen zwischen Juden und Arabern und kommt zu dem Schluß, daß die beiden Völker friedlich nebeneinander leben könnten, wenn nicht eine ehrgeizige arabische Clique das Verhältnis absichtlich trüben würde. Bei der Diskussion des Bodenproblems und der Einwanderungsfrage ist Garrod immer wieder aufgefallen, welche völlige Unwissenheit über diese Tatsachen besteht. „Ich möchte", so schreibt er, „meinen tiefsten Respekt für den Mut und die Beharrlichkeit der jüdischen Pioniere aussprechen wie auch für ihre Standhaftigkeit gegenüber den Provokationen. Diese Menschen sind nicht, wie oft behauptet wird (ausschließlich von nationalsozialistischer Seite. Die Red.), ,der Abschaum Osteuropas', sondern eine Elite — eine sorgfältig ausgesuchte Gruppe junger Männer und Frauen, von denen viele ihre früheren Berufe aufgegeben haben, um unter den schwierigen Bedingungen landwirtschaftlicher" Arbeit in Palästina zu leben. Auch diejenigen, die nicht mit dem Zionismus sympathisieren, täten gut, dies anzuerkennen und sich von Mißdeutungen fernzuhalten. Die fromme Helene Die ehemalige Florettweltmeisterin Helene Mayer, die auf der Berliner Olympiade für Deutschland den zweiten Platz belegte, ist das Kind eines Offenbacher jüdischen Arztes und einer arischen Mutter, die zum Judentum übergetreten war. Der Vater, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Offenbach und Vorsitzender der Offenbacher Ortsgruppe des Jüdischen Zentralvereines, ließ sein Kind im jüdischen Glauben erziehen. Als Helene Mayer, die nach Hitlers Machtantritt aus Deutschland emigrierte und in Kalifornien. sich als Sprachlehrerin durchschlug, von Tschammer-Osten eingeladen wurde, Deutschland auf der Olympiade zu vertreten, wobei ihr, der „Nichtarierin", die Reichsbürgerschaft versprochen wurde, tauchten Gerüchte auf, daß ihr die Reichsbürgerschaft auf der Grundlage zugesprochen werden sollte, daß sie das Kind einer arischen Mutter sei; ihren inzwischen verstorbenen jüdischen Vater wollte man — nach bekannten Beispielen — als nicht existent betrachten. Folgender Bericht der „Landeszeitung für das Rhein-, Main- und Lahngebiet", Wiesbaden, vom 26. August 1936 zeigt Helene Mayer schon ganz als Enthusiastin des Dritten Reiches. Das Blatt schreibt: Am Samstag fand auf Einladung des Bürgermeisters Dr. Albrecht ein Ehrenabend statt, in dessen Mittelpunkt Helene Mayer stand. Mit starkem Beifall wurde die Olympiasiegerin begrüßt. Erfreut dankte Helene Mayer für den ihr bereiteten Ehrenabend. Sie plauderte sehr interessant über ihre Eindrucke in Berlin, „Man ist de*