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Die neue Welt · 1936-09-01 · Heft 590 (1.9.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 590 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 9 OIÜ Nltfifi WELT Nr. 590 vöm 1. September 1936 Aktiomkommitee-Beridit Weismann und Ben Gurion lieber die Eröffnungssitzung des A. C. liegt ein Kommunique der J. T. A. vor, worin die Ausführungen des Präsidenten Dr. Weizmann und des Exekutions mitglieds Ben Gurion enthalten sind. Laut diesem Kommunique erklärte Dr. Wei2mann, daß die zionistische Bewegung, der Jischuw und das jüdische Volk zweifellos schweren Zeiten entgegengehen, doch sei zur Verzweif lung kein Anlaß. Der Kampf um unsere Rechte und die Lebensinteressen des jüdischen Volkes werde mit aller Zähigkeit und unter Anstrengung aller Kräfte der Abwehr und des Aufbaues weitergeführt werden. Als größte Gefahr des Augenblicks bezeichnete der Redner die Möglichkeit einer Suspendierung der jüdischen Einwanderung während der Anwesenheit der Königlichen Untersuchungskommission in Palästina. Diese Gefahr noch im letzten Augenblick abzuwenden, sei die erste Aufgabe der Männer, denen die Bewegung die Verantwortung für die Leitung ihrer Arbeit auferlegte. David Ben Gurion, gab seinem Bedauern Ausdruck, daß diese Sitzung nicht in.Erez Jsrael stattfindet. Der Redner legte in kurzen Strichen die Entwicklung der politischen Lage vom 19. Zionistenköngreß bis zum Ausbruch der Unruhen am 19. April 1936 dar. Auch er unterstrich mit besonderer Schärfe die Gefahr der Suspendierung der Einwanderung, die' fälschlich als zeitweilig bezeichnet werde.,Der Vergleich mit 1921 und 1930 sei völlig unzulässig. Wenn die Regierung unter dem Druck der arabische n Gewalttaten sich gezwungen sieht, die jüdische Einwanderung zu unterbrechen, wie wollte man sich versichern, daß die arabischen Terroristen ihre Tätigkeit nicht mit verstärkter Kraft wieder aufnehmen werden, sobald. die Einwanderung wieder gestattet werde? Ben Gurion wies auf die erhöhte Verantwortung hin, die auf der gesamten zionistischen Bewegung in allen Ländern* in, der nächsten Zeit lasten werde. Politische Fragen Aus Zürich meldet die J. T. A. unter dem 27. August. Das Aktionskomitee trat in seiner Sitzung am Dienstag, den 25. d.f abends, in die Debatte über die politischen Exposes Dr. Weizmanns und der Mitglieder der Exekutive ein. Die Debatte wurde am Mittwoch Vor- und Nachmittag fortgesetzt. Es beteüigten sich an derselben Dr. A. Katzenelson, Raw Meif Berlin, S. Zuchowicki, Dr. I. Schwarzbard, M. Großman, B. Locker, H. Farbstein, K. Blumenfeld, J. N a i d i t s c h, Dr. A. Barth u. a. m. Von allen Rednern würde mit besonderer Schärfe betont, daß eine wenn auch* nur zeitweüige Unterbrechung der Einwanderung den wiederholten Erklärungen der britischen Regierung, sie werde vor Gewalt und Drohungen nicht; zurückweichen, .widersprechen würde und überdies als Verletzung des Mandats und der Interessen des jüdischen Volkes gewertet werden müßte. Sehr-lebhaft wurde in diesem Zusammenhang die Frage der Stellungnahme zur Königlichen; Untersuchungskommission erörtert., Hinsichtlich der arabisch-jüdischen Beziehungen wurden insbesondere die Fragen der Bodenpolitik und des zukünftigen politischen Zusammenlebens beider Völker besprochen. Von allen Rednern wurde auf die Notwendigkeit der sofortigen politischen Aktivierung der jüdischen Massen in allen Ländern, sowie der Durchführung einer großzügigen' F i n a n z a k t i o n zur Stärkung des Jischuw und der Aufbauarbeit der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency hingewiesen. Präsident Ussischkin kündigte die Einsetzung einer 18gliedrigen politischen Kommission ran, die nach Abschluß der politischen Debatte in die Behandlung der. Einzelprobleme eintreten wird. ' Frage und Antwort Aus Zürich wird weiters gemeldet:, Präsident Dr. Weizmann las während der1 Sitzung eine ' ihm von privater Seite zugekommene Mitteilung, derzufolge nach bisher unbestätigten Berichten aus arabischer Quelle der High Commissioner Sir Arthur Wauchope den arabischen Führern bei den am Mittwoch Nachmittag stattgefundenen Beratungen versprochen ■ haben sollte, die Einstellung der jüdischen Einwanderung am Freitag, den 28. August, zu verkünden. Das Präsidium des Aktions-Komitees wandte sich daraufhin mit einer Anfrage an die offiziellen Stellen in London. Durch die Antwort, die soeben auf diese Anfrage eintraf, wird die Mitteilung aus Jerusalem weder dementiert, noch bestätigt. Es wird nur erklärt, daß, falls eine offizielle Ankündigung über die Einstellung der Einwanderung nach Palästina erfolgen sollte, dies nicht vor Mitte der kommenden Woche geschehen werde. Stellung zur KgL Kommission Im weiteren Verlauf der Generaldebatte gab die Mehrzahl der Redner der Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Königlichen Untersuchungskommission, für Palästina, wenn auch unter gewissen Voraussetzungen, Ausdruck. Einige Vertreter der Allgemeinen Zionisten sind der Meinung, daß die Zusammenarbeit verweigert werden sollte, falls es zu einer Einstellung der Einwanderung komme. Nur eine kleine Minderheit lehnt jede Zusammenarbeit mit . der Kommission grundsätzlich ab. Die allgemeine Aussprache über politische Fragen Wurde mit einer zweistündigen Rede Ben Gurions abgeschlossen. - Die weitere Behandlung der. polltischen Fragen wurde der politischen Kommission Uberlassen, in der sämtliche Riehtungen ihrer proportioneilen Stärke gemäß vertreten sind. Die Mitglieder der Exekutive Elieser Kaplan und Jizchak Grünbaum referierten über finanzielle und wirtschaftliche Fragen des Palästina- Aufbaus.' . ' Die Arbeiten der politischen komnussion Aus Zürich wird gemeldet: Die für Freitag, den 28. August, angesetzt gewesene Plenarsitzung des Zioni- I «tischen Aktionskomitees konnte nicht abgehalten werden, ' da die Beratung der Politischen Kommission an diesem Tage fortdauerte. Die Politische Kommission hat eine Subkommission zur Ausarbeitung tlor Beschlüsse eingesetzt. Noch während diese Sitzung der Polltischen Kommission andauerte, verließ Präsident Dr. Weizmann Zürich, tun sich nach London zu begeben, wo die zionistische Situation eine noch ganz ungeklärte ist, Es Wird hier nicht angenommen, daß in der Frage der Einstellung der jüdischen Palästina-Einwanderung eine Entscheidung bereits getroffen worden sei. (Siehe aüch Seite 1.) (df.T. A.) Die A.-C.-Sitzung geht am 1. September zu Ende. Wellpolitik der Woche Sechzehn kommunistische Führer, darunter einige jüdischer Abstammung, sind in Moskau auf Grund eines Todesurteils erschossen worden. Ohne Gnade, mit einer Brutalität, die man in bezug auf den Kreml längst schon Vergessen hatte. Denn die letzten Jahre zeigten die Sowjetunion auf einer Entwicklungslinie, die in gewissem Sinn zu demokratischen Formen führen konnte, nachdem einmal der sozialistische Bau des Riesenstaates gesichert schien. Die füsilierten jüdischen Kommunisten gehörten der Opposition an. Stalin hatte sich bereits„Europa ein wenig genähert, während Sinowjew, Kamenew und die anderen den sogenannten Lenin-Kurs, den äußersten Sowjetradikalismus, angewendet wissen wollten. Ihr Inspirator zur, Ermordung Stalins — so hieß es im Prozeß — war T r o t z k i, der seinerzeit als Gegenpol Stalins und. als dessen gefährlichster Konkurrent verbannt wurde und heute noch in Rußland großen Anhang hat. Nun, diese Opposition wurde hinweggefegt. Soweit sie „jüdisch" war, mußte sie fallen, da Stalin den sozialistischen Aufbau Rußlands auf nationaler Basis durchgeführt wissen wollte und daher die Vertreter des abstrakten Sozialismus ablehnte. Das Exzesse und antisemitische Attacken der Eisernett Garde und der Cuza-Anhänger —, und eine Entwaffnung aller bewaffneten Verbände angekündigt. Innenpolitisch wird also die vom Dritten Reich infizierte und subventionierte nationalistische Propaganda eingedämmt werden. Außenpolitisch wird sich das gereinigte Rumänien auf die Kleine Entente, Frankreich und Sowjetrußland stützen. Die Schwenkung gegen Deutschland, die eine Zeitlang befürchtet werden konnte, vollzieht sich nicht. Rumänien bedarf zur Realisierung seines außenpolitischen Konzepts: „K o 1lektive Sicherhei t", einer starken Armee. Daher Aufrüstung, daher Miliiardenkredit. * Im Zusammenhang mit der Reise des polnischen Generalinspektors Rydz-Smigly nach Paris bekommt die Politik des Ostens ein neues Gesicht. *Die französische Diplomatie sieht sich nach Jahren schwerer Krisen und äußerlicher Mißerfolg© rehabilitiert. Polen, die Sphinx zwischen Hitler- Deutschland und Sowjetrußland (insbesondere nach Pilsudskis Tod), tritt wieder aktiv in den diplomatischen Bereich des Westens. Man übertreibt nicht, wenn man das Erscheinen des polnischen Generalissimus in Frankreich als Beginn der Erneuerung der polnischfranzösischen Entente, auffaßt. Jedenfalls wird sich Polen endlich entscheiden müssen, ob es seinen „Freundschaftsvertrag" mit Deutschland als eine Bindung seiner außenpolitischen Aspirationen ansieht oder ob es wieder in das Konzert der Westmächte eintreten will. Vielleicht bedeutet die herzliche Begrüßung des polnischen Heerführers in Paris (sogar die kommunistische „Humanite" ruft „Es lebe Polen!" aus)' den Anfang einer neuen Aera in den Beziehungen zwischen Frankreich und Polen. o. r. Möbel kau ff man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswahl! Tei Izah Iiingen! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Rußland Stalins war nicht mehr in dem hohen Grad um die Weltrevolution besorgt wie die paar Anhänger Trotzkis, die Juden Sinowjew, Kamenew, Lurje u. a. Sie, die seinerzeit mit Lenin und . Trotzki die Grundlägen der Sowjetunion geschaffen hatten, mußten jetzt unter dem Aspekt der Nationalisierung -Rußlands abtreten, und, wenn, sie es nicht freiwillig taten, vom russischen Schauplatz weggefegt werden. Ob. ihr Geständnis des Hochverrats und der Mordabsicht echt war oder nicht — die Tatsache, daß sie Stalin unbequem geworden waren, läßt sich nicht bezweifeln. Ihr Schicksal ist grauenhaft. Mit einer Wollust, die nur äußerster Fanatismus begreiflich macht, häbenJ sie alles Jüdische in sich zum Ersticken gebracht, alles Jüdische-außerhalb ihres Seins systematisch zu vkrnichten, zu verleugnen versucht. Sie wollten Rußland, glücklich machen. Viele Jahre ging es ungestört. Schließlich aber gebot ihnen nicht der Sozialismus, sondern der Nationalismus, der fremde Nationalismus,, halt. Wie hatten sie am jüdischen, Volk gesündigt! Ueberall in der Welt, wo das Proletariat sich zum, Kampf um bessere Lebensbedingungen , erhob, wies, man auf die — jüdischen Bolschewiken, weiche den Frieden der Länder bedrohen, und schlug - in einen -Antisemitismus um, für den man ejn billiges Motiv gefunden hatte. Sogar in Palästina war. die bolschewikische Hand fühlbar. Am 10. Juni 1936 veröffentlichte die Kommunistische Partei Palästinas einen Aufruf, in dem es hieß: „Die Opfer, die im jüdischen und arabischen Jischuw gefallen .sind, sind Produkt einer Provokation der dunklen Elemente im jüdischen Jischuw." Welche Entartung! Und welches Ende! Hochbegabte, in ihrem politischen Radikalismus zweifellos auch ehrliche Männer haben sich, als sie sich' vom jüdischen Stamm loslösten und „fremden Göttern" dienten, ihr Todesurteil gesprochen. Wie fruchtbar. Wäre ihr Talent gewesen, wenn sie es für ihre jüdischen Stammesgenbssen in Sowjetrußland verwendet hätten-! Das Schicksal wollte es anders. Anstatt ihnen auf dem Weg zur Weltrevolution zu folgen, hat Stalin sie niederknallen lassen, sie, die „tollen Hunde, bis-. sigeri Schlangen, Mörder, Verräter, Faschisten..." > . # Der plötzliche Rücktritt des rumänischen Außen- . ministers T i t u 1 e s c u vermochte einige Augenblicke' [ lang nervös zu machen. Denn der Ruf dieses Mannes war weit über die Grenzen Rumäniens hinaüsgedruhgen; Titulescu war eine europäische Figur — die Persönlichkeit, welche Rumänien mit Europa verband. Zuerst schien sein Rücktritt eine Schwenkung Rumäniens nach der extrem-nationalistischen, also' häkenkreuzlerischen Seite zu bedeuten. Aber die Er-' klärungen des Ministerpräsidenten Taterescu lassen eine andere, günstigere Deutung zu. Taterescu hat; nämlich erklärt, daß eine künstliche Beunruhigung sich in eine dauernde Aktion von Uebergriffen- und Gewalttaten umzuformen schien — gemeint sind Ende dies Araberafreik§? Vermittlung Muri Pasdias Aus London wird berichtet: Wie „Exchange Telegraph" mitteilt, haben die arabischen Führer beschlossen, auf Grund der Versicherung des irakischen Außenministers Nuri Pascha, die Regierung werde die jüdische Einwanderung einstellen, sobald die Gewalttätigkeiten aufhören, in'den nächsten Tagen eine Proklamation zu erlassen, durch die der Streik als beendet erklärt wird« „News Chronicle" 'erklärt, die Proklamation der arabischen Führer über die Einstellung des Streiks werde Freitag, den 28. August, erfolgen. Der Oberste arabische Ausschuß habe am Mittwoch nach heftiger Debatte das Vermittlurigsangebot Nuri Paschas angenommen. Man glaubt, fügt das Blatt hinzu, . daß die Suspendierung der Einwanderung nach einem gewissen Intervall verkündet werden wird, damit eine direkte Verbindung mit dem Aufhören der arabischen Gewalttätigkeit vermieden werde. Ferner teilt das Blatt mit, ' daß Hunderte Syrer sich den arabischen .Banden anschließen, Sie erhalten regelmäßige Löhnung, Verpflegung,- Waffen und Munition. In Transjordanien wurde eine Bande organisiert, die die Aufgabe'hat, die Oelleitung gleichzeitig an verschiedenen Stellen zu beschädigen. {Kapituliert England? . . Reuter meldet aus Jerusalem: [ Man erwartet, daß die Araber bis zu Ende dieser Woche den Streik beenden wer.den.. Diese Nachricht hat in ganz Palästina Erleichterung hervor-, gerufen. Die jüdische Presse richtetunichtsdestoweniger an die Adresse der britischen Regierung bittere Vorwürfe, daß sie, wie sie bekanntgibt, wahrscheinlich zur Einstellung der Jüdischen Einwanderung auf einige Zeit übergehen wird. Die jüdische Presse sagt, daß^Großbritannien in dieser Kampagne vor den arabischen Gewalttätigkeiten kapituliere, obwohl die ursprünglichen britischen Versicherungen in dem Sinne lauteten, daß die jüdischen Interessen nicht verletzt werden. ''' ' Modi keine Entscheidung . Der Oberste arabische Ausschuß trat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, an der zahlreiche Vertreter aus allen Teilen des Landes sowie die Mitglieder der aus London zurückgekehrten inoffiziellen Delegation teilnahmen. Man hatte allgemein erwartet, daß das arabische Streikkomitee die sofortige Einstellung des Streiks verkünden werde,' da den arabischen Führern vom High Commisslono'r mitgeteilt worden war, daß er im Falle eines Scheiterns der gegenwärtigen Verhandlungen zur Proklamierung des Kriegsrechtes in Palästina schreiten werde. Trotz dieses Ultimatums wurde keine sofortige Entscheidung getroffen, sondern beschlossen, auf die Rückkehr des nach Amman abgereisten- Außenministers des Irak, Nuri Pascha es Seid, zu warten, Der Abbruch des Streiks ist jedoch mit Bestimmtheit für die nächsten Tage zu erwarten. Der bekannte - Istaklalf Uhrer und'Generalsekretär des Obersten arabischen Ausschusses, Auni Bei Abdul H a d i, ist am Mittwoch aus dem Konzentrationslager Sarafend entlassen worden. Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders auf merksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet.. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon Nr, R-41-4-20. ' ®

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