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Die neue Welt · 1936-08-28 · Heft 589 (28.8.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 589 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 589 vom 28. August 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Noch immer jüdische Opfer f Aus Jerusalem wird gemeldet: Drei weitere arabische Morde an Juden haben die Judenheit Palästinas tief erschüttert. Die Zahl der jüdischen Toten seit Beginn der Unruhen hat sich damit auf 79 erhöht. Der hervorragende Orientalist und Professor an der hebräischen Universität, Dr. Levi-Billig, wurde in der Nacht zum 21. August in seiner Wohnung, während er am Schreibtisch saß und arbeitete, durch ein Dum-Dum-Geschoß, welche arabische Marodeure von außen durch das Fenster feuerten, getötet. Sein Kopf war durch das gefährliche Geschoß vollkommen zerschmettert. Prof. Levi-Billig, der in London geboren, am Jews College und an der Universität Cambridge graduiert war, stand erst im 39. Lebensjahre. Er war einer der hoffnungsvollsten jüngeren jüdischen Gelehrten. Sein engeres Wissenschaftsgebiet war die Arabistik. Er arbeitete gerade an seinem Buch über die moslemitische Sekte der Schiiten, deren Erforschung er sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Mitten in seiner Arbeit traf ihn das tödliche Dum-Dum-Geschoß. (Bereits kurz berichtet. Die Red.) Ein mit jüdischen Arbeitern und Hilfspolizisten bej setztes Auto, das sich von der Siedlung M e s c h e k j Haozar nach Kfar Saba begab, wurde von Arabern aus dem Hinterhalt mit einem Kugelregen überschüttet. Zwei Insassen des Autos, der Leiter der Siedlung Meschek Haozar Melr Beikind -und der Hilfspolitist Baruch Gurewitsch, wurden getötet, vier Arbeiter, Mordechai F r i 1 i ng (27 Jahre alt), Menachem P e n i k o 1 (30 Jahre alt), das Mädchen Schoschana Glaznitzky (17 Jahre alt) und Reuben Strauß (23 Jahre alt) wurden schwer verletzt. Die Verletzung von Strauß ist besonders schwerer Natur. Die Verwundeten wurden in das Hadassah-Hospital in Tel-Aviv, die Toten nach Kfar Saba gebracht. Die jüdische Siedlung Kfar Brandeis war Gegenstand eines heftigen Angriffes arabischer Schützen, die sich auf den Hügeln rund um die Kolonie postierten. Die jüdischen Hilfspolizisten und Wächter vertrieben die Araber. Kollekftivstrafe für Juden Angriff auf Rechowoth Am Montag, den 24. August, haben arabische Terroristen versucht, das Haus Dr. Weizmanns in Rechowoth in Brand zu. stecken. Es wurde nur geringer Schaden angerichtet. Der zum Gebiet von Haifa gehörenden jüdischen Siedlung „Achusat Herbert Samuel" ist eine Kollektivstrafe von 250 Pfund auferlegt worden. In der Siedlung wurde vor kurzem eine A r a b e r i n erschossen aufgefunden. Die Tat soll von Arabern begangen worden sein, weil die Ermordete Milch an Juden verkauft hatte. Hiezu wird aus London gemeldet: „Daily Telegraph" berichtet aus Jerusalem, daß der Oberste Arabische Ausschuß von der Regierung verlangt habe, sie solle über Tel-Aviv wegen der Beschießung des Zuges am "Montag eine Kollektivstrafe verhängen und Häuser in Tel-Aviv strafweise niederreißen lassen. „Daily Herald" meldet, daß die arabische Frau auf dem K a r m e 1 getötet worden sei, weil sie Milch an Juden verkaufte. Das Blatt bezeichnet die Tat als eine der ruchlosesten des letzten Tages. (J. T. A.) Em Protest der zionastisdien Exekutive 50 arabische Sfreskfiihrer aus» dem Konzen« trationslager enölassen Aus Jerusalem: Die Vermittlungsaktion' der Herrscher arabischer Staaten bei der Palästina-Regierung hat bereits das Ergebnis gehabt, daß 25 arabische Streikführer aus dem Konzentrationslager in Sarafend entlassen wurden und daß weitere 25 Streikführer, unter ihnen der bekannte Führer der Istaklal-Partei, Auni Bei Abdul Hadi, und der Leiter des Transportarbeiterstreiks Hassan Sidky Dajani, verständigt wurden, daß sie demnächt das Konzentrationslager verlassen werden. Diese Nachgiebigkeit der Regierung hat aber den Obersten Arabischen Ausschuß nicht dazu bewegen können, die unlängst von der Regierung wiederum eingeleiteten Verhandlungen zwecks Beendigung von Streik und Terror weiterzuführen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, weil die vom Mufti geleitete Partei es abgelehnt hat, sich an irgendein Abkommen zu binden, solange die nach London entsandte inoffizielle arabische Delegation nicht nach Palästina zurückgekehrt ist. Kronprinz Feisaf m Jerusalem Mit welchem Interesse die arabischen Herrscher die »relgnlsse in Palästina verfolgen, geht daraus hervor, daß König I b n Saud von Saudi-Arabien seinen Sohn, Kronprinzen F e i s a 1, nach Jerusalem entsandt hat, um ihn bei den Verhandlungen mit der Palästina-Regierung zu vertreten. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die Zionistische Exekutive bei der Regierung Vorstellungen gegen die Einmischung arabischer Herrscher in die Angelegenheiten des Mandatsterritoriums Palästina erhoben hat, wobei die Exekutive darauf hinwies, daß schon die Entgegennahme der Ratschläge dieser Herrscher eine Konzession an die Araber und eine Präjudizierung jüdischer Interessen in Palästina bedeutet. (J. T. A.) Das 80« und 81« Todesopfer Aus Jerusalem wird berichtet: Der schwerverletzte Reuben Strauß erlag seinen Verletzungen. Er ist der 80. jüdische Tote. Von den beiden Todesopfern des Ueberfalls war Meir Bei lein d, Leiter der Siedlung Haozar, in Rischon le Zion geboren und gehörte der berühmten Kolonistenfamilie des Mitgründers der Kolonie und Bilu-Pioniers Israel Beikind an. Beikind hinterläßt Frau und Kind. Bei Lydda wurde am Freitag ein Eisenbahn- Zug zum Entgleisen gebracht. Die Jerusalemer Wasserleitung ist abermals beschädigt worden. Bei einem Zusammenstoß mit Truppen bei Tubas in der Jordangegend hat eine arabische Bande schwere Verluste erlitten. In Waadi Chama bei Gedera wurdeein großes Bombenlager entdeckt. Hundert Bomben sind bereits zur nächsten Polizeistation gebracht worden. Lastkraftwagen wurden angefordert, um die restlichen Vorräte abzutransportieren. Die 17jährige Sehoschana Glasnitzki, die bei dem arabischen Angriff auf das jüdische Auto zwischen Meschek Haozar und Kfar. Saba schwer verletzt wurde, ist soeben im Hadassa-Hbspital in Tel-Aviv ihren Verletzungen erlegen. Sie ist das 81. jüdische Todesopfer der Unruhen. Der heimtückische Angriff bei Kfar Saba hat somit vier jüdische Todesopfer . gefordert. Die Juden von Safed drohten In einem Ultimatum der Jerusalemer Regierung, die Stadt zu verlassen, falls nicht der jüdische Distriktsoffizier Jakob Bergmari, der nach Haifa versetzt wurde, in sein Amt in Safed wiedereingesetzt : wird. Das Ultimatum hatte Erfolg. (J. T. A.) Besprechungen des High Commissioner mit dem Außenminister des Irak und dem transjordanischen Premietminister Aus Jerusalem: Soeben ist bekannt geworden, daß High Commissioner Sir Arthur Wauchope den Außenminister des Irak, Nur! Pascha Es Said, den transjordanischen Premierminister Ibrahim Pascha Haschern, den Kommaridanten der transjordanischen Luftstreitkräfte, Pierce, den Chefsekretär der Palästina- Regierung, John Hathorn Hall, den Generalstaatsanwalt Truüted, das Mitglied des Regierungs- Sekretariats Buchi Abdul Hadi und den Pressechef T w e e d y zu einer Beratung eingeladen hat. Man ist allgemein 'der Meinung, daß der High Commissioner in dieser Besprechung versuchen Wird, irgend eine Lösung des Palästina-Problems zu finden. Die Konferenz, der außerordentliche Bedeutung zugeschrieben wird, wird als ein Versuch des High Commissioner angesehen, die Regierungen des Irak . und Transjordaniens zur Vermittlung in dem gegenwärtigen Konflikt zu bewegen. (J. T. A.) Assefat Haniivdsärim beim High Commissioner Jerusalem: Am Montag, 24. August, begab sich die von der letzten außerordentlichen Tagung' der Assefat Haniwcharim (Jüdischen Nationalversammlung Palästinas) gewählte Abordnung zum High Commissioner Sir Arthur Wauchope, um ihm die von der Versammlung angenommene Resolution zu überreichen. In der 14 Punkte umfassenden Resolution gibt die Assefat Haniwcharim der. Enttäuschung des Jischuw über die Haltung der Regierung Ausdruck, fordert Verstärkung und Legalisierung der jüdischen Selbstwehr und protestiert gegen den Plan einer vorübergehenden Einstellung der Einwanderung. Die Abordnung verlangt im Namen des Jischuw vom High Commissioner die schleunige Wiederherstellung normaler Verhältnisse im Lande. (J.T. A.) Für sofortige Rüdekehr der zionistischen Führer Aus Jerusalem: Die hebräische Tageszeitung „Haare z" fordert, daß entweder der Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, oder der Vorsitzende der Exekutive David Ben Gurion, mit Rücksicht auf die in Jerusalem stattfindenden Verhandlungen mit ausländischen arabischen Staatsmännern, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Ankunft des,, Kronprinzen Feisal von Saudi-Arabien, sofort nach Jerusalem zurückkehre, (J. T. A.) Vorbereitungen der Kgl« Untersudiungskommission Die Palästina-Regierung trifft bereits t e c h n Ische Vorbereitungen für die Arbeiten der Kgl. Untersuchungskommission. Im Palast-Hotel in Jerusalem wird eine Anzahl von Zimmern für die Bedürfnisse der Kommission hergerichtet. Einer Meldung der arabischen Zeitung „A Difaa" zufolge wird von dem Landwirtschaftsdepartement der Regierung für die Zwecke der Kgl. Kommission eine genaue Statistik vorbereitet, 1. über die Zahl der jüdischen und der arabischen Beamten dieses Departments mit Angabe der Bezüge, 2. über die arabischen und jüdischen Pflanzungen, sowie über den in jüdischem und arabischem Besitz befindlichen nutzbaren Boden, i Stern'sche Lehru. Erziehungsanstalt I, Wefdertorgaste 1* Tel. U-28-1-97 Volksschule für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Schulbeginn, öffentlichkeitsrecht, Haupt- und Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Fremdsprachen, Sport, Musik. 3. über den Umfang der von Juden bei Arabern durchgeführten Bodenkäufe, 4. über den Ertrag der Zitruspflanzungen. (J.T.A.) Was die Juden. Palästinas fordern Palcor berichtet aus Jerusalem: Am 24. August sprach eine Deputation des Jischuwa beim Oberkommissär vor, um ihm die von der Assefat Hanichwarim gefaßte Resolution zu unterbreiten. Die Deputation setzte sich aus Ben Zwi und Ostrovsky als Vertretern des Waad Leumi, den Vizebürgermeistern Dov Hos und Israel Rokack für die Tel-Aviver Stadtverwaltung, M. G. Lewin für die Haifaer Gemeinde, Tuwia Miller als Vertreter der Landwirte, Josef Baratz als Vertreter der Arbeitersiedlungen u. a. zusammen. Als erster ergriff der Vorsitzende des Waad Leumi, Ben Zwi, das Wort. Sowohl er als auch die folgenden Vertreter wiesen darauf hin, daß sich der arabische Terror weiter verbreite, daß die Regierung, da sie die Vorschriften des Ausnahmszustandes nicht anwende, nicht imstande sei, die Ordnung wieder herzustellen. Die Delegation drückte die Forderung des ganzen Jischuws aus, jüdische Wachen auf den Wegen, den Eisenbahnlinien, in den elektrischen Kraftstationen aufzustellen, ferner die jüdische Jugend im Kampf mit den arabischen Terroristen zu verwenden, Schutzwachen in den jüdischen Vierteln von Haifa aufzustellen. Hiebei kam zum Ausdruck, daß die arabischen Streikführer für die Terrorakte verantwortlich seien. Die Delegation forderte weitere Entschädigungen für die Opfer der Unruhen' und gab ihrer Verwunderung und Erbitterung darüber Ausdruck, daß die gleichen Ausnahmszustandmaßnahmen für die Angreifer wie für die sich Schützenden angewendet werden. Sie protestiert auch gegen die Deportation der drei Juden von Tiberias. Die Delegation wies darauf hin, daß der Jischuw wegen der letzten politischen Konzessionen, welche den Arabern unter dem Druck des Terrors gemacht worden seien, hauptsächlich wegen der Möglichkeit der Einstellung der Einwanderung während der Tätigkeit der Königlichen Kommission, sehr beunruhigt sei. Die Selbstbeherrschung des Jischuws sei bloß darauf zurückzuführen, daß . die Juden glauben, man werde ihre Rechte nicht antasten. Die Antwort des Oberkommissärs war höchst unbestimmt. Bezüglich der jüdischen Einwanderung erklärte er, daß er den Worten des britischen Kolonienministers Ormsby Gore nichts hinzuzufügen habe. Der Terror werde unterdrückt werden. Er sei entschlossen, die jüdischen Schutzkräfte zu verstärken. Für den Schutz der Grenzen bei Tel-Aviv und Jaffa werde er sich ernstlich interessieren. Was die Frage der Entschädigungen anlange, sei sie von der Entscheidung des Kolonienministeriums abhängig, könne aber vor Beendigung der Unruhen nicht diskutiert werden. Schandtaten polnischer Natflonaldemohraten Aus Warschau wird berichtet: In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend ist auf das jüdische Städtchen Wiszonki-Wipichy bei Ciechonowice ein planmäßiger Ueberfall durch eine militärisch organisierte nationaldemokratische Bande nach der Art des vor einiger Zeit von dem Krakauer nationaldemokratischen Führer Doboszynski auf das Städtchen Myslenice unternommenen Angriffs verübt worden. Etwa 150 nationaldemokratische Bauern nahmen unter der Führung eines Gutsbesitzers an dieser „Aktion" teil. Auf Befehl ihres Kommandanten nahm die in Abteilungen von 10 bis 15 Mann gegliederte Truppe mitten in der Nacht eine systematische Vernichtung des gesamten Eigentums der jüdischen Einwohner vor. Die 36 jüdischen Familien des Städtchens erhielten den Befehl, ihre Häuser sofort zu räumen. Die Juden brachten Frauen und Kinder in den benachbarten Städtchen Bronsk und Ciechanowice unter. Inzwischen wurden die Fensterscheiben aller jüdischen Häuser zertrümmert, die Einrichtungen der Wohnungen und Läden in-Stücke geschlagen, die Fußböden wurden aufgerissen, hie und da sogar die Dächer abgetragen. Erst am f olgenden Morgen (!) traf Polizei ein und nahm die Untersuchung quf. Vorläufig sind keinerlei Verhaftungen vorgenommen worden. Antisemitische Exzesse in Polen dauern ununterbrochen an. In Wilna wurde der Führer der dortigen Aguda, Szub, von Huligans überfallen und mißhandelt. Als sie gerade dabei waren, ihm den Bart abzuschneiden, wurden s,ie, von dazugekommenen Passanten vertrieben. Im Dorfe Plawa. .(bei Stry) wurde Abraham T a m s o 1, während er mit seiner Familie bei Tisch saß, durch drei Schüsse, die Huligans durch das Fenster abgaben, getötet. In der Grudecka-Gasse in Lemberg wurde der Jude Dr. Eduard Miller durch Huligans schwer verletzt. In P i e k a r i - S z 1 o n c k i e wurden an zahlreichen jüdischen Geschäften und Wohnungen die Fenster eingeschlagen. In der Zawalna-Gasse in W i' a wurde der 16jährige Abraham Gordon durch Huligans furchtbar zugerichtet. An ti jüdische Unruhen fanden auch in der Sommerfrische Niemenczim bei Wilna statt, (J.T. A.). t

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