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Die neue Welt · 1936-08-28 · Heft 589 (28.8.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 589 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE} NEUE WELT Nr. 589 vom 28. August 1936 1 3 x B ERG M AM, 1.1 RABENSfElQ 3 H|MMEL£F0Rm6 KÖLLNFRHOFQASSE 1 Reinseidenä.80 1 Herrenhemden, beste Paßform nur W NeueSortanHerrenhemden,Pyjamau.DfÄSöings fürdanHerbst bereits lagernd. In Preis und Reichhaltigkeit unübertroffen lieh zu machen; Freiheit des Bodenkaufes, um Kapital anzuziehen und eine intensive Landwirtschaft zu schaffen; gerechten Anteil an der Verwaltung des Landes, damit genügend jüdische Beamte, jüdische "Polizisten, jüdische Schutztruppen, jüdische Richter vorhanden seien. Die Geschehnisse der letzten Monate haben auf die Tagesordnung auch eine Reihe anderer „jüdischer Forderungen" gesetzt, die im gegenwärtigen Moment besondere Wichtigkeit erlangen. Nicht nur wir, sondern auch die Engländer haben in der letzten Zeit viel gelernt. Es ist bereits für alle klar, daß die Regierung des Landes, welches so wichtig für das britische Imperium ist, sich auf ihre Exekutivorgane nicht verlassen kann, die der Mehrheit nach aus Arabern und arabisierten Engländern bestehen. Lebt hier noch jemand in der Illusion einer friedlichen Märchenwelt mit gastfreundlichen Scheichs und arabischen Pferden, wandernden Kamelen und träumenden Fellachen? Anstatt der Nargileh-Pfeife handhabt man hier schon seit langem Bomben und Maschinengewehre. Und was das arabische „Edeltum" anlangt, hat es seinen genügenden Ausdruck in Tel-Aviv, Jerusalem und Safed gefunden. Die Welt muß klare „jüdische Forderungen" vernehmen, die sich aus dem letzten arabischen „friedlichen Streik" ergeben haben, der bereits 75 jüdische Opfer gekostet hat. (Die Zahl der jüdischen Toten hat sich inzwischen auf 81 erhöht. D. Red.) 1. Bewaffnung des Jischuw9; 2. Verhaftung der arabischen Führer mit dem Mufti an der Spitze; 3. Beseitigung der englischen Beamten, die sich der Sabotage und Unterstützung der arabischen Unruhen schuldig gemacht haben. 4. Beseitigung aller arabischen Beamten, welche sich an den letzten Geschehnissen beteiligt haben; 5. Schluß mit der Arablslerung des Regierungsapparats im Land, einem Prozeß, der schon sehr traurige Resultate gebracht hat; 6. Installierung einer spezieUen AusbildungsSchule für britische Beamte und Richter, welche nach Palästina geschickt werden. 7. Entschädigung an jene Juden, welche durch den arabischen Terror gelitten haben. 8. Sofortige Durchführung großer öffentlicher Arbeiten. 9. Aenderungen des derzeitigen Systems der Importzölle, welche die palästinensische Industrie ruinieren. * Gewiß gibt es noch andere jüdische Forderungen von ebensolcher Wichtigkeit und Dringlichkeit. Aber jetzt gilt es, die wesentlichsten Punkte herauszugreifen. Jede jüdische Versammlung in der Welt muß diese Forderungen als unsere „Konditionen für Friede und Ordnung" proklamieren. Es soll jeder englische Gesandte und Konsul einen Begriff von der jüdischen Stimmung bekommen. Es soll jedes Mitglied des Parlaments und des Oberhauses endlich mit den jüdischen Forderungen bekannt werden. Wir können aushalten und durchhalten — das haben die letzten vier Monate des Terrors bewiesen. Aber aus einer defensiven Haltung kann ein positiver und aktiver Faktor in unserem politischen Kampf werden. Die Zeit ist gekommen, wo endlich auch die jüdischen Forderungen gehört werden sollen. Die Araber haben Krieg erklärt und ihre „Kriegsziele" formuliert. Diese sind bekannt als „arabische Forderungen". Wir nehmen die Herausforderung an. Den Taten der Mörder und Terroristen stellt das jüdische Volk seine klaren Ziele und Absichten entgegen. „Budenfreunde" werden gewarnt Aus Stuttgart meldet die J. T. A.: Der „Enz- Bote" in Vaihingen bei Stuttgart enthält einen Artikel, der „Eine letzte Warnung an die Lauffener Judenfreunde" überschrieben ist. Es heißt darin: Geschäftsleute und die ländliche Bevölkerung von Lauffen am Neckar verkehren und handeln immer noch mit Juden. Wenn trotz aller Ermahnungen gewisse Volksgenossen glaubten, nun erst recht beim Juden kaufen zu müssen, so müßten gegen die Volksschädlinge andere Mittel ergriffen werden. „In nächster Zeit wird an der Geschäftsstelle ein Anschlagbrett angebracht werden. Wenn nun in Erfahrung gebracht wird, wer beim Juden kauft oder geschäftliche Beziehungen unterhält, wird an diesem Brett angeschlagen, damit unsere Volksgenossen auch wissen, wer zu diesen Volksverrätern in Lauffen zählt. Diese Anschlagungen werden solange erfolgen, bis auch der letzte Lauffener Volksgenosse erkannt hat, um was unser Kampf in Deutschland geht." In der gleichen Ausgabe wird dagegen Stellung genommen, daß auf dem Viehmarkt in Vaihingen immer noch jüdische Händler tätig sind. „Angesichts der Vorgänge in Spanien, deren geistige Urheber Rassegenossen der Händler sind, von denen deutsche Bauern immer noch Vieh kaufen, ist es nötig, den Bauern wieder einmal auf seine Pflicht gegenüber dem Staat hinzuweisen, der ihm sichere Lebensmögychkeitea gewährleistet hat." iiit Weekend und Heise dia bestrenommierten •W3 - Feinwurst - Selchwaren - Fleischkonserven Auch ■■■ l« Qualltat Pottversand christlichen Kultur und zu einer ständigen Gefährdung des europäischen Friedens. So berechtigt die Ablehnung dieses preußischen Geistes ist, so falsch und ungerecht wäre es, einerseits bei jedem Preußen infolge seiner Abstammung diesen Geist ohneweiters vorauszusetzen und andererseits nicht zu erkennen, daß auch viele, die der Abstammung nach keine Preußen sind, dieselbe Mentalität besitzen. Analog ist es bei den Juden. Wenn man einen bestimmten „jüdischen Geist" ablehnt, eine gewisse charakterlose Ausnützung jeder Konjunktur, eine gewisse ehrfurchtslose, zynisch zersetzende Geistesart, einen unfruchtbaren Intellektualismus, so ist dagegen nichts zu sagen. B e i jedem Juden der. Abstammung nach hingegen diesen Geist voraussetzen und nicht sehen, daß dieser Geist auch bei vielen reinen Ariern stark vertreten ist — ist töricht und ungerecht, abgesehen davon, daß dieser „jüdische Geist" für das orthodoxe Judentum überhaupt in keiner Weise charakteristisch ist, sondern für eine gewisse Art des entwurzelten liberalen Judentums. BESTELLEN SIE RECHTZEITIG IHRE schwarzen und welOen TALARE und Baratt« zu den hohen Feiertagen in der -weltbekannten Uniformierungs- und Maßschneiderei RUDOLF GOLDSTEIN, SCHNEIDERMEISTER WIEN I. TABORSTRASSE 54, Gegründet 1866, Tel. R-49-0-48 Alle Mllltarunirormen und Ausrüstungen Meinung der Presse Was generell gesagt werden muß Prof. Dr. D. v. Hildebrand schreibt in der Zeit schrift „Der christliche Ständestaat": , Abgesehen von der Unzulässigkeit einer religiösen Begründung des auf einer rein natürlichen Antipathie beruhenden Antisemitismus, muß auch vom natürlichen Standpunkt betont werden, daß jede generelle Antipathie gegen ein Volk, die sich nicht nur gegen einen bestimmten Geist wendet, sondern jedem Angehörigen eines Volkes entgegengebracht wird, well er faktisch demselben entstammt, ein Zeichen von Beschränktheit und Dummheit darstellt. Die Preußen z. B. repräsentieren im ganzen eine Mentalität, die mit Recht von den meisten anderen Völkern als unsympathisch empfunden wird. Ihr hochfahrendes Wesen, ihre Ueberheblichkeit, ihr Ueberaktivismus, das berühmte „Machen wir", ihre aggressive Art, ihr traditioneller Machiavellismus machen sie zu einem Fremdkörper innerhalb der abendländischunmöglich erweisen sollte, auf dessen Gewährleistung Großbritannien als Mandatarmacht bedacht sein muß, so wird der Streit zwischen Arabern und Juden, zwischen den einstigen, sich jetzt als bodenständig fühlenden Eroberern und den neu eingewanderten Abkömmlingen der Urbevölkerung, zugunsten des Stärkeren entschieden werden. E3 scheint — die letzten Ereignisse bestätigen es —, daß die nationalen Führer, die das ursprüngliche arabische Streikkomitee bildeten, völlig die Kontrolle über die arabische aufständische Bewegung verloren haben. In der Gruppe dieser Politiker konnte man zwei Richtungen unterscheiden: Die eine hatte den Streik auf ihr Panier geschrieben, aber mißbilligte ausdrücklich jede Art von Terrorismus. Die andere entschuldigte sie, wußte geschickt jeden Zwischenfall zwischen Arabern und der Exekutive für ihre Propaganda auszunützen und machte jeden bei den Zusammenstößen getöteten Araber zum Märtrer. Sie hoffte aber im stillen, daß der Terror nicht weiter um sich greifen würde. Diese letztere Gruppe, die bald die Führung erlangt hatte, scheint gegenwärtig nicht mehr stark genug, den entfesselten, Sturm zu beschwören." Generell muß gesagt werden: Jeder, der sich gegen einen anderen Menschen durch die bloße Tatsache seiner Abstammung einnehmen läßt — beweist damit, daß er geistig beschränkt und ungerecht ist und sich auf einer sehr niedrigen Kulturstufe befindet. Wenn ein Franzose von seinem Nachbar entsetzt abrückt, ^sobald er merkt, es ist ein „boche", obgleich er ihm vorher ganz sympathisch erschien, so beweist er damit, daß er unter die Stufe eines kultivierten, intelligenten Menschen herabgesunken ist. Wenn ein Oesterreicher, sobald er erfährt, daß jemand jüdischer Abstammung ist, die Nase rümpft und darum schon gegen ihn eingenommen ist, ja wenn er auch nur einen^ anderen n i c h t j ü d i s c h e r Abstammung a priori bevorzugt, so zeigt er sich als beschränkter, törichter Mensch, der einer wahren geistigen und moralischen Kultur entbehrt. Palästina/ die jüdische Urheimat Die amtliche „Wiener Zeitung" behandelt in einem Leitaufsatz die Lage in Palästina, in dem sie, von England erwartend, daß dieses vor dem arabischen Terror nicht kapitulieren wird, ausführt: „Das Nebeneinanderleben von zwei Völkern, die, zwar blutsverwandt, aber aus verschiedenen Kulturkrelsen stammend und verschiedenen Religionen angehörend, beide ein Recht auf Palästina geltend machen können, wirkte srtch höchst ungünstig aus. Historisch gesehen, hat natürlich die jüdische Bevölkerung den größeren Anspruch auf ein Land, das sie als die Urheimat ihres Volkes bezeichnen mag, aber in der Geschichte ha'; doch immer die Macht der Tatsachen Uber ein noch so wohlverbrieftes Recht den Sieg davongetragen, und wenn ein friedliches Nebeneinanderleben der beiden Völker in Palästina sich als r*^^^"^^^^^^^j Ganz plötzlich, für seine zahlreichen Freunde und Kollegen überraschend, starb Montag, den 24. August, der Wiener Vertreter der JüdischenTelegraphen- Agentur, Israel Hellenberg, im Alter von 56 Jahren. Aus dem Osten kommend, einer orthodox-jüdischen Familie entstammend, betätigte sich der Verstorbene schon in frühen Jahren politisch, zuerst in den Reihen der österreichischen Sozialdemokratie, die er für die Anerkennung einer spezifisch jüdischen Arbeiterbewegung gewinnen wollte, später rein publizistisch als Tagesjournalist, bis er im Jahre 1934 die Wiener Vertretung der J. T. A. übernahm. Israel Hellenberg, ausgestattet mit reichem. Wissen, geschult durch lange Erfahrung, nahm seinen schweren Beruf sehr gewissenhaft, verstand es, die Tagesereignisse nicht nur getreuest , zu registrieren, sondern sie in das große weltgeschichtliche Geschehen hineinzustellen. Hiebei kam ihm sein angeborenes politisches Talent, seine wunderbare Intuition zustatten. Ausgezeichnet war die Darstellung der jüdischen Lage Oesterreichs, Uber die er unermüdlich berichtete. Für ihn, den mutigen, präzis denkenden und formulierenden Mann, war die J. T. A. nicht ein Korrespondenz-Unternehmen, sondern ein Instrument zum Kampf für jüdisches Recht, ein Instrument, das er meisterhaft zu handhaben wußte. In der jüdischen Publizistik werden er und sein Wirken unvergessen bleiben. * Die Bestattung I. Hellenberg3 fand unter zahlreicher Beteiligung und in Anwesenheit der führenden jüdischen Persönlichkeiten Wiens Mittwoch, den 26. August, statt. Die Trauerrede in deutscher und hebräischer Sprache hielt Rabb. Dr. Murmelstein. Der Witwe und den zwei Kindern des Verstorbenen wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Die ludenpolefiik der griediBsdicn Regierung Aus Athen wird berichtet: Die judenfreundliche Einstellung der gegenwärtigen griechischen Regierung ist aufa neue durch Erklärungen bekräftigt worden, die zwei ihrer Mitglieder, der Unterstaatssekretär beim Ministerratspräsidium Papachilas und der Ernährungsminister Mayacos, der jüdischen Presse übergeben haben. „Dem hellenischen Geist", erklärte Unterstaatssekretär Papachilas, „widerstrebt jede Art von Antisemitismus. Die gegenwärtige Regierung ist getreu diesem Geist mit der festen Absicht zur Macht gelangt, die unzerstörbaren Traditionen des Hellenismus wiederherzustellen, und kann daher den Juden gegenüber nur von den herzlichsten Gefühlen beseelt sein. Die Juden sollen sich als allen übrigen völlig gleichgestellte Bürger betrachten. Sie können auf die aufrichtige Freundschaft der Regierung zählen." Minister Mayacos erklärte: „Die neuo Regierung macht keinerlei Unterschied zwischen den Bürgern. Auch die Juden werden an dieser Gleichheit teilhaben. Wenn Persönlichkeiten eine Gewähr bilden, dann können die Juden nur das größte Zutrauen zu der nationalen Regierung haben, der unter anderem drei der aufrichtigsten Freunde der Juden angehören: Ministerpräsident Metax a s, der keine Gelegenheit versäumt, um seine Sympathie für das Judentum zu bekunden, Vizekanzler Zavitsanos, der als ein Vater für die Juden von Korfu gilt, und ich.' Meine Gefühle für die Juden sind wohl bekannt. Ich habe die Verteidigung des jüdischen Bevölkerungselements in Zeiten übernommen, die für die Juden sehr schwierig waren und in denen diejenigen, die sich als Vertreter humanitärer Ideen ausgeben, ihnen den Rücken kehrten. Ich hp.tte Gelegenheit, in der Zeitung „La V o 1 o n 16" eine Artikelserie Zu veröffentlichen, in der ich ohne Zögern gegen die Feinde der jüdischen Gemeinschaft Stellung nahm. Es ist selbstverständlich, daß die Mitglieder der Regierung auch weiterhin dieselben judenfreundlichen Gefühle hegen,, wie in der Vergangenheit. (J.T.A.),

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