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Die neue Welt · 1936-08-25 · Heft 588 (25.8.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 588 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 588 vom 28. August 1936 ■■■* RUNDSCHAU Der Bode als Gärtner Immer wieder verlangt de> jüdische Jischuw die Aufnahme von Juden in die palästinensische Polizei und die Anerkennung der bewaffneten jüdischen Hilfspolizei als offizielle ständige Polizeitruppe der Regierung. Diesem Ersuchen wird nicht willfahrt. Die arabischen Polizisten und Hilfspolizisten dominieren, insbesondere in den arabischen Vierteln, so daß die Suche nach den Banditeh erschwert ist. Die Meuchelmörder und Bombenwerfer verschwinden in den Verstecken und die arabischen Hüter der öffentlichen Ordnung können ihrer nicht habhaft werden: sie sehen und hören nichts. Nun eine J.-T.-A.-Meldung, welche unsere Darstellung der Lage bestätigt: „Eine Polizeipatrouille verhaftete auf der Landstraße zwischen Haifa und Jagur einen arabischen Hilfspolizisten, der in einer Handtasche Dynamit und Material zur Herstellung von Bomben bei sich trug." Ein Beweis also dafür, daß die Palästina-Administration Araber als Polizisten beläßt, obwohl ihr längst schon bekannt sein sollte, daß die arabische Polizei ihre mordenden Stammesgenossen nur in den seltensten Fällen zu finden weiß. Polizei als Helferin (oder Hehlerin) bei Verbrechen — das ist eine Erscheinung, die sich die gegenwärtige Palästina-Administration vorbehalten hat. Nicht allzu empfindlich ♦ ♦ ♦ Wie alle Welt weiß, geht es dem deutschen Hakenkreuz nicht bloß darum, die Juden zu entehren und zu entrechten, sie moralisch zu verfemen, sondern sie auch wirtschaftlich zu vernichten. Die oftmals wiederholte Behauptung der reichsdeutschen Machthaber, daß den Juden nun — nachdem man sie aus der deutschen Kultur ausgeschaltet hat — die wirtschaftliche Betätigung unbenommen sei, hat sich vom ersten Augenblick an als Bluff, als Heuchelei erwiesen. Diejenigen, welche nach der, Olympiade neue Entscheidungen in der Judenpolitik erwarteten, haben recht behalten, ücr Prager „Venkov", das Organ der tschechoslowakischen Agrarpartei, schreibt in seiner Ausgabe vom 19. August; „Dieser Tage fuhr eine führende Persönlichkeit der jüdischen Welt Englands durch Prag, die vom Jüdischen Weltkongreß in Genf kam und. die mitteilte, daß in Genf zuverlässige Informationen über neue Maßnahmen eingetroffen sind, die von der deutschen Regierung in der Judenfrage vorbereitet werden. Wie üblich, soll der Kongreß der nationalsozialistischen Partei in Nürnberg die günstige Gelegenheit zur Proklamierung der Maßnahmen bieten. An informierten Stellen ist schon. seit langem bekannt, daß im deutschen Finanzministerium ein Gesetzentwurf vorbereitet liegt, der eine besondere Steuerpraxis für jene Betriebe und Unternehmungen vorsieht, deren Inhaben Juden sind. Den nichtarischen Staatsbürgern wird es in Zukunft verboten sein, gegen die Steueraüsschreibung Rekurs einzulegen; die Vorschreibung der Finanzbehörde wird endgültig sein. Die Besteuerung der Juden soll von vornherein höher bemessen sein als die der Arier. In dem Motivenbericht heiße es, daß die bisherige Judengesetzgebung die wirtschaftlichen und Eigentumspositionen der Juden nicht allzu empfindlich getroffen habe. Der Präsident der Reichsbank, Dr. Schacht, sei ein Gegner dieses Gesetzentwurfes. Die Entscheidung, die in Hitlers Händen liege, soll bald fallen." Wie die Entscheidung ausfallen wird, läßt sich leicht denken. Und da gibt es noch Menschen, und sogar Juden, die von der Möglichkeit einer Erleichterung des jüdischen Schicksals im Dritten Reich faseln! Der Mord an den zwei Krankenschwestern Zwei jüdische Krankenschwestern, Natja Fink und Nechama Zedek, wurden — wie wir bereits berichteten — auf dem Weg ins Jaffaer Regierungsspital, wo sie freiwillig Dienst machen wollten, meuchlings ermordet. Diese scheußliche Bluttat hat im ganzen Land Entsetzen erregt und auch gewisse arabische Kreise fühlen sich durch diesen, von ihren arabischen Stammesgenossen verübten Mord kompromittiert. Von einem politischen Kampf kann keine Rede mehr sein. Mordlust, Blutgier, Zerstörungswut sind die Ursachen der Schandtaten. Einzelne arabische Stimmen wagen sich vor, scheinbar unter dem Eindruck der allgemeinen und nunmehr auch der englischen Meinung . . . Wie Palcor meldet, bringt in einem amtlichen Kommunique" der High Commissioner sein tiefstes Bedauern über den Mord in Jaffa zum Ausdruck; er stehe voller Abscheu vor diesem brutalen Verbrechen, dem völlig unschuldige Menschen zum Opfer gefallen seien. Er sei überzeugt, daß mit Ausnahme von einigen wenigen verbrecherischen Individuen ganz Palästina seinen Abscheu vor diesen entsetzlichen Ausschreitungen teile, deren Höhepunkt in der Ermordung von zwei jüdischen Schwestern erreicht sei, die sich der Pflege von Kranken, ohne Rücksicht auf Rasse und Religion, gewidmet haben. Der High Commissioner wendet sich an die gesamte Oeffentlichkelt mit dem Aufruf, den Behörden bei der Unterbindung von Mord- und Gewalttaten behilflich zu sein. Sehr spät kommt die Klage und die Bitte des Herrn Wauchope. Gleich bei Beginn der Unruhen verlangten die Juden Palästinas von der Administration eine Kundgebung, in der ganz deutlich die Verurteilung aller Gewaltakte 2um Ausdruck gebracht werde, und sie verlangten weiters, daß die Behörden die Mitwirkung der Bevölkerung an der Unterblndung der Terroraktionen möglich machen. Endlich, nach vier Monaten, steht Herr Wauchope voller Abscheu vor den brutalen Verbrechen der arabischen „Freiheitshelden" ... Der Bürgermeister von Jaffa hat ebenfalls den Mord an den zwei jüdischen Krankenschwestern in einer Erklärung an die Presse scharf verurteilt. Allerdings weist die „Palestine Post" (Jerusalem) in einem Artikel auf die Unaufrichtigkeit der arabischen BeUeldserklärung zum Mord an den beiden Krankenschwestern hin. Die AraberfUhrer, schreibt das Blatt, haben keinen der früheren Mord- und Gewaltakte verurteilt oder sich irgendwie von der allgemeinen Hetze und dem Terror distanziert. Die arabische Presse hat unverhüllt gegen jüdische Krankenschwestern in Jaffa gehetzt, und diese Hetze ist von den Führern nicht verurteilt worden. In der vorliegenden Erklärung wird außerdem mit keinem Wort eine Beendigung der Gewaltakte verlangt, und ohne eine solche Forderung ist die ganze Erklärung wertlos und unaufrichtig. Die sie walten ließ, die Geister, wird die Palästina- Regierung: nicht los. Eine charakteristische Meldung bringt Palcor: „Der Gemeinderat der auf der Grenze zwischen Tel-Aviv und Jaffa liegenden, zum Jaffaer Stadtgebiet gehörenden sieben jüdischen Stadtviertel hat die Tel-Avlver Stadtverwaltung verständigt, daß sie nicht länger zu dem in eine Mörderhöhle verwandelten Jaffa gehören wollen und sich von heute ab, ohne die Genehmigung der Regierung abzuwarten, als der Stadtverwaltung Tel-Aviv unterstellt betrachten, die sie gleichzeitig um Aufnahme in die Tel-Aviver Stadtgemeinde bitten. Man erkennt aus diesem Faktum, daß die arabische Revolte auch wirtschaftliche und soziale Folgen nach sich gezogen hat. Regelmäßiger Reitedlenst der „Cxern. Allg. Ztg.1 n.* POLEN u„d CZERNOWITZ Nächste Abfahrten: i«. Angntt und 11. Jtpt«mb«r tW4 Anmeldungen autichlicftllch Im Reisebüro _ „M » r I n b r U c K e", l, Rotenturimtr. 26, R-24-2-86/8? Resefvieret jetzt schon Plätze für die Reisen zu den hohen Feierlagen I _ Wer sich nicht mit arischen Zertifikaten ausweisen kann, wird verprügelt. In den Abend- und Nachtstunden überfallen die Mitglieder dieses organisierten Gesindels unschuldige Passanten, die von der feigen Horde brutal und lebensgefährlich mißhandelt werden. Das geschieht manchmal auch rumänischen Bürgern, die man für Juden hält. In Jugoslawien ist es bisher zu keinen antijüdischen Exzessen gekommen, aber die deutschsprachige Presse In S. H. S. bedient sich bereits einer Terminologie, die uns aus den Hakenkreuzblättern des Dritten Reiches hinlänglich bekannt ist. Unsere Behauptung („Die Neue Welt" vom 11. August 1936), daß die nationalsozialistischen Thesen des deutschen Reiches in alle Länder hineingetragen werden, wird jetzt wieder — bezüglich Spaniens — bestätigt. „News Chronicle" bringt einen sehr ausführlichen Bericht aus Barcelona, In welchem die S p i t z e 1- und Terrortätigkeit der deutschen Nationalsozialisten in Spanien auf Grund von Dokumenten charakterisiert wird. Aus den Dokumenten ist zu ersehen, daß ein ununterbrochener Schmuggel von nationalsozialistischem Propagandamatorial mittels deutscher Dampfer, und zwar mit Zustimmung der betreffenden Reeder, sowie mit Flugzeug nach Spanien vor sich gegangen ist. Der Leiter der deutschen Gestapo in Spanien, Cords, ordnete durch ein streng vertrauliches Zirkular eine Ueberwachung der Mitglieder des deutschen diplomatischen Dienstes, sowie überhaupt aller Deutschen in Spanien, z. B. Kaufleute, Angestellte, Arbeiter, Kellner usw., an; es sollte insbesondere die politische Einstellung und die Rassezugehörigkeit aller dieser Menschen geprüft und darüber Bericht erstattet werden. Sogar der frühere deutsche Gesandte in Spanien Graf W e 1 c z e k, jetzt Botschafter in Frankreich, mußte seine rein arische Abkunft nachweisen. Ueber den deutschen Konsul in Sevilla, Drage, lag ein sehr ungünstiger Bericht vor: Es wurde über ihn gesagt, daß er als Leiter der Firma Baquera Kusche & Martin verschiedene Juden beschäftigt und auch gesellschaftlichen Nobel kauft man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Edelmann Große Auswahl! Teilzahlungen! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Geschäfte mit mditansdier Kunsf Die deutschen Museumsleitungen geben bekannt, daß eine Neuordnung der deutschen Kunst- und Autographensammlungen „nach rassischen Gesichtspunkten" bevorstehe. Und sie geben weiters bekannt, daß die von jüdischen Künstlern und Autoren stammenden Werke entfernt werden. An sich wäre zu dieser Meldung nichts zu sagen, da ja die Nichtarier, also auch die Künstler — die lebenden wie die toten — aus dem Bereich des deutschen Nationalsozialismus ausgeschaltet werden; ein Prozeß, der immer mehr fortschreitet, da er ja zur Norm des Dritten Reiches gehört. Im Frühjahr 1933 wurden tausende Bücher in Deutschland verbrannt, Bücher, deren Autoren der hakenkreuzlerischen Weltanschauung nicht entsprachen. Es geschah dies in der ersten Glut des neuen Regimes. Viel „Sachgut" ging dadurch verloren. Heute ist man im Dritten Reich praktischer. Man könnte natürlich die Bilder und Bücher jüdischer Autoren in Museen und Bibliotheken vernichten. Aber man kann sich zu solch einem Tun nicht entschließen. Weg sollen sie, die Werke der Untermenschen, aber mit Rebach. Die deutschen Museen und Bibliotheken bieten nämlich die jüdischen Werke den jüdischen Privatsammlern im Ausland an. Man wird jetzt also auf dem internationalen Kunstmarkt Bilder von Liebermann, Ury, Israels, Orlik, Chagall, Piasaro, Faseln, Isaak Grunewald, Bücher von Heine, Börne, Lassalle, Einstein und Autogramme der Nobelpreisträger Haber, WilLstädter, Heyse, ferner von Spinoza, Mendelssohn, Meyerbeer... zu sehen bekommen. Wenn der Ramsch verkauft ist, werden die neuen Autoren, wie Julius Streicher u. ä., drankommen. Und das nennt man: 'Neuordnung! Vor einer anti jüdischen Herbstkampagne Der „Pester Lloyd", das große deutschsprachige demokratische Organ Ungarns, zeichnet in einem Leltaufaatz vom 16. August die Gefahren der extremnatlonalistischen Propaganda und Hetze in Rumänien und Jugoslawien, wo seit kürzerer Zelt die berüchtigten Hakenkreuzthesen durch die Presse verbreitet werden. Diese Feststellung eines seriösen, in der Behandlung nationaler und rassischer Fragen sachlichen Blattes darf nicht unterschätzt werden. Eine Reihe von Vorfällen bezeugt deren Richtigkeit. So meldet das „Czernowltzer Morgenblatt": Bezahlte. Agenten und sonstige Nutznießer des Importierten Geistes der Unterwelt stören die Ruhe. Sie inszenieren täglich brutale Ueberfälle auf eine ganz bestimmte Volksschicht: die Juden. Menschen mit allen Merkmalen der Verkommenheit und der 'moralischen Dekadenz, mit Stöcken und Knüppeln bewaffnet, halten Passanten an und fordern von ihnen Legitimationen über ihre religiöse und nationale Abstammung. Verkehr mit Juden pflegt Drägc wurde ins Verhör genommen und mußte versprechen, sein Unternehmen von Juden zu reinigen und auch jeden gesellschaftlichen Verkehr mit Juden zu meiden. Der Sender der Rebellen-Generäle in Sevilla fährt in seiner von deutscher Seite beeinflußten antijüdischen Propaganda fort und verkündet, daß die Juden eine führende Rolle in der „linken Revolution" in Spanien spielten und daß „jüdische Dele- *gierte aus Frankreich, Belgien und Italien" in Barcelona hetzerische Reden gehalten haben. Wie wenig Juden auf die Entwicklungen in Barcelona Einfluß hatten, zeigt jedoch schon die Tatsache, daß allein in Barcelona infolge der ungesicherten Verhältnisse etwa 50 jüdische Familien geflüchtet sind, Ebenso sind die wenigen jüdischen Familien, die in Palma de Mallorca, Ibiza und San Sebastian ansässig waren, fast sämtlich abgereist. Durch die Sozialist erüng der Kinos in Barcelona wurden zahlreiche deutsche Emigranten betroffen. Es kann also von einer Anteilnahme der Juden an dem Bürgerkrieg überhaupt nicht die Rede sein. Und nun zu Oesterreich! Das „Linzer Volksblatt" beschäftigt sich mit der Frage, wie sich gewisse österreichische Nationalsozialisten nach dem deutschösterreichischen Normalisierungsabkommen verhalten werden. Das Blatt zitiert Ui a. einen Rundbrief der deutschen Studentenschaft In Berlin, in welchem erklärt wird, daß der Kampf „auf rein weltanschaulicher Grundlage" weltergehe. Warum allerdings von der deutschen Studentenschaft aus die Kampfziele der Österreichischen Nationalsozialisten aufgezeigt werden, geht aus folgendem Satz des Rundbriefes hervor: „Zu Punkt 5 (Kampf gegen die Juden und den politischen Katholizismus) muß ein Großteil der Arbeit Im Deutschen Reich geleistet werden/' Dieser Passus kann wohl nur dahin gedeutet werden, daß nach wie vor von selten der reichsdeutschen Studentenschaft die Hakenkreuz- Agitation in Oesterreich geführt werden wird — also ein eklatanter Bruch des Abkommens zwischen Wien und Berlin. Wir können uns auf eine unterirdische antijüdische Herbstkampagne gefaßt machen. Etwas von Julius Streicher Aus Prag wird gemeldet: Die Zeitschrift „Die Deutsche Revolution", herausgegeben von Doktor Otto Strasser, dem besten Kenner der Geschichte der Nationalsozialistischen Partei und ihrer. Führer, erzählt in ihrer Ausgabe vom Sonntag, den 23. August, die, übrigens allgemein bekannte, Tatsache, daß Julius Streicher, Herausgeber des „Stürmer", der „wohl das Ekelhafteste darstellt, was die perverse Phantasie eines notorischen Sadisten ersinnen kann", vor längerer Zelt „wegen sexueller Vergehen, in seiner Eigenschaft noch dazu als Lehrer, mit Schimpf und Schande entlassen wurde". Die Zeltyng fügt die, bisher weniger bekannte, Tatsache hinzu, daß Streicher im Jahre 1933 „einige Zelt lang krank lag, da ihn die Brüder eines von ihn> dauernd mit Anträgen verfolgten jüdischen Mädchens schwer verprügelt hatten". (J. T. A.),

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