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Die neue Welt · 1936-08-25 · Heft 588 (25.8.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 588 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag/ den 25* August W6 10« Jahigar« Nr* 588 V« b* I» < > "***nne vom Verleget versende,! DIE NEUE« 186 w* l'Mitem« 'othek Kien, «• m mm mm mm BEZUGSBEDINGUNGEN* Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.*--, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60« BMI MM MM mW** vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatUch Kc6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien mona«ich Dinar 14.—, viertel E MM M M K ^hrig Dinar 40.—; Rumänien monatUch Lei 40.—, vierteljährig Lei 12a—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljahrig MM) Maj M M MMf Mark 8.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig.Lewa 80—; Italien monatlich Lire S.—. vierteljährig Lire 14.-! M_I MJ M_fM Schwel« und die flbrigen Lander monatUch Schweizer Franca 160, vierteljährig Schweizer Francs 160. 2j ■Ml MW ^mmw mmm Mlt b bezeichnete Ariaelgen «lud entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8,7et. A-2Q.2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-ai-5.78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. rriedrlchstrane 7, b.17-300, i. Graben 20, U-M-o-J A. €♦ Sitzung am 25* August Aus Zürich wird gemeldet: Der Vorsitzende des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, ist aus Karlsbad in Zürich eingetroffen, um die Vorbereitungen . zur Eröffnung der A.-C.-Tagung am 25. August zu treffen, Die Sitzungen werden wie üblich streng vertraulich sein, Eine Tagesordnung ist bisher noch nicht festgesetzt. Jedenfalls ist bekannt, daß die jüdisch-arabischen Beziehungen und die gegenwärtige Lage in Palästina Hauptgegenstand der Beratungen sein werden. Unflvev§fcä*sprofe$§or ermordet Palcor meldet aus Jerusalem: Louis Billig, Professor an der Hebräischen Universität für . arabische Literatur, wurde heute morgens in seiner Wohnung erschossen aufgefunden. Daß es sich nicht um eine verirrte Kugel, sondern um ein Mordattentat handelt, beweisen die Pulverspuren, am Fenster, die darauf schließen lassen, daß die' Kugel vom Fenster aus abgezielt wurde, die ihn am Kopf tödlich traf, als er am Tisch saß und an seinem neuen Werk, über die Geschichte der arabischen Literatur arbeitete. Das vor ihm liegende arabische Buch und Manuskript waren mit Blut bespritzt. Prof .Billig, der im Alter von 39 Jahren stand, war aus London gebürtig. Er studierte am Jewish College und. in Cambridge und wurde im Jahre 1926 Mitglied der Hebräischen Universität, wo er als Autorität in der .Wissenschaft des Islam galt. Vor dem Prozeß Frankfurter Wie uns aus der Schweiz mitgeteilt wird, findet der Prozeß' des jüdischen Studenten David Frankfurter wegen seines Attentats auf den nationalsozialistischen deutschen GaufUhrer Gustloff im Oktober statt. Das gerichtsärztliche Gutachten über den Geisteszustand Frankfurters, der von Rechsanwalt Dr. Eugen Kurti vertreten wird, steht noch aus. In letzter . Zeit hat sich ein gewisser Dr. Josef Brenn als Vertreter in der Zivilklage der Frau Gustloff in Chur und andernorts ausgegeben und bei der Gelegenheit auch die Broschüre von .Wolfgang Diewerge, betitelt „Der Fall Gus11 off Verteilt. Dieser Dr. Brenn, der nach seinen persönlichen Angaben in München praktiziert, legt ein ganz besonderes Interesse am Ausgang des Prozesses an den Tag und wUl auch die Judikatur aller Mordfälle seit dem Jahre 1851 — seit dieser Zeit gilt das bündnerische Strafgesetz studiert haben mit dem Ergebnis, daß 1. nie ein Staatsanwalt einen Strafantrag unter 15 Jahren Zuchthaus gestellt habe, und 2. nie eine Strafe unter diesem Strafausmaß ausgesprochen worden sei. Es soll also hier die Tat als reiner Mord und nicht als politisches Attentat statuiert werden, um das erwähnte Strafausmaß zu rechtfertigen, Die Opfer der Palästma«Unruhen In einer soeben veröffentlichten amtlichen Statistik wird die Zahl der bis zum Abschluß des vierten Monats naph dem Ausbruch der Palästina-Unruhen, getöteten und verwundeten Juden, Engländer und Araber bekanntgegeben. Ferner enthält die Statistik Zahlen Uber Verhaftungen, Verurteilungen und Freispfüche. Die Zahl der unmittelbar durch arabische Attentate getöteten Juden betrug bis zu diesem Zeitpunkt 68 (heute, bereits 76). Durch militärische Operationen sind 130 Mohammedaner und 6 Christen gefallen. Die Verluste der englischen Truppen betragen 11 Mann. Von der arabischen Polizei sind 6 Mann gefallen. Sechs Personen (Juden und Araber) sind durch unglücklichen Zufall von Truppen getötet worden. Insgesamt sind in den ersten vier Monaten der Unruhen 227 Personen umgekommen. Bedeutend höher ist die Zahl der Verwundeten, die bei den' Juden allein 200 ausmacht. Von den verwundeten Judeu stehen 98 in Krankenhausbehandlung. 204 Juden sind im Laufe der Unruhen v e r u rteilt worden. 46 Juden, die verhaftet worden wären,, sind, freigesprochen worden und 49 Juden warten noch auf die' Aburteilung, Von den Araber» wurden 1493 verurteilt, 614 freigesprochen, 284 warten noch auf die Aburteilung. T, Ar), Brüder in Erez Israeli wir stehen zu euch! Die außerordentliche Tagung der Assefat Haniwcharim (Jüdische Nationalversammlung Palästinas)] brachte den einmütigen Entschluß der Juden Palästinas zum Ausdruck, alle Positionen im Land zu verteidigen und sich durch Gewalt nicht vom weiteren Aufbau und von den politischen Forderungen an die Mandatsmacht abhalten zu lassen. Die einzelnen Redner der Versammlung appellierten an das ganze jüdische Volk, sich an der Abwehr von Mäßnahmen, die eine Belohnung für den arabischen Terror darstellen würden, zu beteiligen. Während Erez Israel ohne Zweifel durch die Unruhen wirtschaftlich leidet, bewahrt es eine Entschlossenheit in seelischer und moralischer Hinsicht, die bewundernswert ist. Der Jischuv stellt als geschlossene Einheit einen Faktor dar, den die Palästina-Regierung nicht unterschätzen kann. Noch nie war die Meinung der jüdischen Bürger Palästinas über die Lage und über die zu ergreifenden Maßnahmen so einheitlich wie jetzt. Darum konnte die Assefat Haniwcharim ohne Uebertreibnng deklarieren: „Sollte die Mandatarmacht eine Politik einschlagen, die gegen die vitalen jüdischen Interessen gerichtet ist, so wird diese Politik auf den stärksten Widerstand stoßen/' Und der Appell an die Juden der Galuth! besagte, dem Jischuv in seinem Kampf beizustehen, das Ende des Blutvergießens zu fordern und den Plan einer Einstellung der Einwanderung zurückzuweisen. Wir Juden außerhalb Erez Israels sind uns unserer Pflicht bewußt. Wir stehen zu unseren Brüdern in Erez Israel und werden ihnen helfen in der Verteidigung ihrer Rechte. Die Kqh Kommission geht den Völkerbund nidafe an PaIästina*Beridit der Mandatskommission an den Völkerbundrat Aus Genf, wird gemeldet: Die Ständige'Mandatskommission des Völkerbundes erhebt in dem Beripht über ihre letzteTaghrigY vorgelegt werden soll, die Forderung,'daß England als Mandatarmacht für Pa 1 ä s t i n a der Kommission anläßlich ihrer Herbsttagung einen Nachtragsbericht, über die Unruhen in Palästina und deren Ursachen vorlege, ohne Rücksicht darauf, ob bis dahin eine Entscheidung über die künftige Palästina-Politik bereits getroff en sein wird oder nicht. Der auf Palästina bezügliche Teil des Berichtes der Mandatskommission weist darauf hin, daß im Laufe der Debatte über die Art der Prüfung des Palästina-Berichts der Vizepräsident der Kommission, der Belgier Pierre Orts, eine Erklärung abgegeben habe, die die Ansicht der gesamten Kommission widerspiegele: I POLEN Bekannt billige Reisen nach Abfahrten: 23. u. 30. August, 13. September 1936 RMm,äpÄ.„ . Jom-Towim Auskaufte: Dr.S.Tockcr. Reisebüro „IN DIE WELT" (W. M. Renner), Wien, IX, Liechtensteinstr. 2, Nähe Schottenring. Tel. A-14-504 . „Die Verantwortung sowohl des Völkerbundes als der Mandatarmacht ist auf verschiedene Weise durch das, was in dem Mandatsgebiet geschehen ist, berührt worden. Die Mandatarmacht ist durch ihre Beauftragten Uber die gegenwärtigen Ereignisse in Palästina dauernd auf dem laufenden gehalten worden. Andererseits sollte sich die Mandatarmacht als die Stelle betrachten, durch die der Völkerbund Informationen erhält. Bei ihrem Vorschlag, daß die Mandatarmacht anlaßlich der Herbsttagung der Kommission dieser eine völlig unerläßliche?* Information Uber die gegenwärtige Lage geben solle, hat die Kommission sowohl die Schwierlgr keiten, denen die Mandatarmacht begegnet, als auch ihre Pflicht in Betracht gezogen, den Völkerbundrat auf dem laufenden zu halten. Die Einsetzung der Königlichen Kommission mag eine ausgezeichnete Maßnahme sein, um über das, was in Palästina geschieht, Licht zu verbreiten, doch scheint die Prozedur zu langsam zu sein. Die Mandatarmacht hatte recht mit ihrem Beschluß, doch ist diese Macht nicht der einzige in Betracht kommende Faktor, und der Völkerbund könnte kaum damit einverstanden sein, daß die Einsetzung der Königlichen Kommission als Grund für die Verweigerung von Auskünften angegeben wird. Die Königliche Kommission geht den Völkerbund nichts an.' „Die entstandene Situation", so heißt es in der Erklärung des Vizepräsidenten Orts weiter, „war keineswegs eine unwichtige Sache. Was würde von dem Ueber- Waqhungsrecht des Völkerbundes über ein in seinem Namen, verwaltetes Gebiet übrigbleiben, wenn man anerkennen würde, daß der Rat darauf angewiesen sein spjl, ausführliche Informationen über ernste Ereignisse in jenem Gebiet aus Fresseberichten zu erhalten? Die Kommission hat infolge der jetzigen Unruhen bereits zahlreiche Petitionen erhalten, viele weitere werden wahrscheinlich noch einlaufen. Was würde von dem Petitionsrec&V übrigbleiben, wenn Petitionen in dringenden und ernsten Umständen erst ein Jahr nach den Er eignissen, auf die sie: sich-beziehen, geprüft werden sollten? Die Autorität des" Völkerbundes ist bereits von allen Seiten unterhöhlt worden und Versprechungen auf Grund-des Völkerbundpaktes werden immer wieder gebrochen. Dieser Augenblick", schloß Orts, „bietet die Gelegenheit, zu bekräftigen, daß Artikel 22 kein toter Buchstabe, das Mandatssystem keine Fiktion und die von der Mandatskommission geübte Aufsicht keine leere Formalität ist." Der palästinensische Generalstaatsanwalt Trust e d, der als Vertreter der englischen Regierung vor der Mandatskommission erschienen war, erklärte am Schluß der Debatte, daß die Mandatarmacht gerne einen Vertreter entsenden werde, um Auskünfte über die Ursachen der Ereignisse und der gegenwärtigen Unruhen in Palästina zu erteilen, sobald dies möglich sein werde. Leider sei die Mandatarmacht gegenwärtig nicht in der tLage, dies für ein bestimmtes Datum zu versprechen. (J. T. A.) Juden im Konzentrationslager Eine unerhörte Provokation Aus Jerusalem wird gemeldet: Zum ersten Male wurde die in den palästinensischen Notverordnungen vorgesehene Verbannungsstrafe über einen Juden verhängt. Mordechai G o 1 d z w e i g, ein sehr angesehener jüdischer Bürger von Tiberias, Inhaber einer Fiscbereikonzession, Ehrenmitglied des Makkabi, wurde verhaftet und nach Nazareth gebracht. Der Ort des ihm zugewiesenen Zwangsaufenthalts ist noch nicht bekannt Wie mitgeteilt, wurden auch Josef N a c h m a n i von der Palestine Jewish Colonisation Association (Pica), der Hotelier Gubermann und der Kaufmann Josef Abu« lafia, sämtlich aus Tiberias, festgenommen. Sie sollten in das Konzentrationslager'Sarafend gebracht werden. Die Jewish Agency hat in der Angelegenheit bei dem Distriktskommissar für den Norddistrikt, Major Keith Roach, interveniert. Die Verhafteten wurden daraufhin nach Nazareth zu einem einwöchigen Zwangsauf enthält gebracht. Von der Verbringung in das Konzentrationslager Sarafend wurde abgesehen. Die hebräische Presse kommentiert voll Erbitterung diese Maßnahme, für die augenscheinlich das Bedürfnis nach Herstellung einer Art von politischem Gleichgewicht auf dem Gebiet der Internierungen und der Wunsch, den Gefühlen der Araber entgegenzukommen, ausschlaggebend gewesen sei. (J. T. A.) Der jüdfsch*arabisdie Konflikt vor dem Haager Gerichtshof? Aus London wird gemeldet: „Times" veröffentlichen ein Schreiben des hervorragenden englischen Juristen W. H. Stoker, eines der Verteidiger der arabischen Sache vor der Shaw-Kommission im Jahre 1929, in dem vorgeschlagen wird, den Streit zwischen Arabern und Juden wie überhaupt den ganzen Komplex der strittigen Palästina-Fragen dem Internationalen Gerichtshof im Haag zur Entscheidung zu unterbreiten, (J. T, A.);

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