Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 587 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 587 vom 21. Auguat 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Vom I. Jüdischen Weltkongreß Aus Genf uird gemeldet: Der I. Jüdische Welt- Kongreß wurde am Samstag, 15. August, In später Nachtstunde geschlossen. (Die Meldung In unserer Ausgabe Nr. 586, daß der Kongreß am Freitag Vorabend zu Ende ging, sollte 'bloß besagen, daß der Kongreß seine Arbeiten zu diesem Datum beendet hatte. Da der Kongreß aber bei Einbruch des Sabbats die Wahlen der Exekutive und des Rates noch nicht vorgenommen hatte, vertagte er sich auf Samstag abend.) BESTELLEN SIE RECHTZEITIG IHRE schwarzen und weinen TALARE und Barette zu den hohen Feiertagen in der weltbekannten Uniformierunga- und Maßschneiderei RUDOLF GOLDSTEIN, SCHNEIDERMEISTER, WIEN I, TABORSTRASSE 54, Gegründet 1866, Tel. R-49-0-48 Alle Militäruniformen und Ausrüstungen In der Samstagabend-Sitzung wählte der Kongreß <irei Körperschaften, die bis zum II. Jüdischen Weltkongreß, der im Jahre 1938 tagen wird, die Geschäfte zu führen haben werden: eine Exekutive, ein A dministrative Committee und einen Rat (Council). Die Verantwortung, die die amerikanische Judenheit auf sich nahm, ist dadurch gekennzeichnet, daß die Amerikaner vier der höchsten Aemter in den ausführenden Organen bekleiden. Zum Ehrenpräsidenten des Kongresses wurde Bundesrichter Julian W. Mack gewählt. Der- Kongreß wird keinen Präsidenten haben, vielmehr haben die verschiedenen Körperschaften aus ihrer Mitte Vorsitzende gewählt: Dr. Stephen S. W i s e, Präsident dea American Jewish Congress und des Comite des Delegations Juives, wurde zum Vorsitzenden der Exekutive; Louis Lipsky, Vizepräsident des American Jewish. Congress und Ehrenpräsident der Amerikanischen Zionistischen Organisation, zum Vorsitzenden des Rates; Louis Sturz, Vorsitzender des Finanzkomitees des American Jewish Congress, zum Schatzmeister des Weltkongresses gewählt. Aus Europa gehören der Exekutive an: Robert Bollack, Paris; M. Jarblum (Paris, aber. Brasilien repräsentierend); I. Jefroykin, Frankreich; Dr. Leon Kubowitzki, Belgien; Isaac Naiditsch, Frankreich; Rabb. Dr. Nurok, Lettland; Rev. M. L. Perlzweig, London; schließlich ein vom Verband der jüdischen Gemeinden der Schweiz zu, nominierender Vertreter der Schweizer Judenheit. Vorsitzender des Administrative Committee ist Dr. Nahum G o 1 d m a n n, ständiger Delegierter der Jewish Agency for Palestine beim Völkerbund. Das Administrative Committee hat bqreits seine erste Sitzung abgehalten und die Organisation der Zentralbüros in Paris, Genf und New York vorgenommen. In der Schlußsitzung des Kongreßplenums sprachen Wise, Lipsky, Goldmann und der Führer der Orthodoxie in den U. S. A., Rabbi. Levintlxal. Ehrenpräsident Mack verabschiedete sich bereits am Freitag vom Kongreß. Die Organe des jödBsdten WeBtk®BD«fve$§e§ Der Jüdische Weltkongreß wird 7.ur Ausführung der Beschlüsse des Weltkongresses drei Organe haben: 1. Ein engeres Exckutlv-Koinltce, 2. ein Administrativ-Koniitcc (erweiterte Exekutive), 3. einen Zentralrat. Der Kongreß hat außerdem einen Ehrenpräsidenten Judge Julian W. Mack gewählt. Der Vorsitzende des engeren Exokutlv-Komitees ist Doktor Stephen S. W i s e, der Vorsitzende des Adminlstraüv-Komitocs Dr. Nahum G o I d m a n n, und der Vorsitzende des Zentralrates Herr Louis Lipsky. Diese vier Herren haben kraft ihrer Funktion in den Organen des Kongresses Sitz und Stimme. Die Mitglieder des engeren Exokutiv-Koniltees (Sitz Paris) sind die Herren: Itobert Bollack, M. Jarblum, I. Jefroykin, Dr. L. Kubowitzki I. Naidltch, Mr. M. Nur o c k, Reverend M. X. P e r 1 z w e 1 g und ein Vertreter der Schweiz, der von dem Schweizer Israelitischen Go-, meindebund zu nominieren ist. Es wurde ferner ein Fimni-Koraitoo gewählt, dessen Mitglieder zur Mitarbeit In der Exekutive herangezogen werden sollen. Das Finanz-Komitee besteht aus M. Louis Sturz als Vorsitzenden und den Mitgliedern J. Leichtmann, Councillor M. H. Davis und M. Henri de Toledo. Die Mitglieder dos Admlnistratlv-Komitees (der erweiterten Exekutive) sind: Oberrabbinor I. Alkalay, Belgrad; Bohalom As oh, Nizza; Dr. Blum, Warschau; Rabbiner Urod, Antwerpen; Dr. B a r o u, London; Ben Z w i* Jerusalem; Melr Berlin, Jerusalem; Horia C a r p, Bukarest; Prof. Simon Dubnow, Kigu; Dr. Mayer Ebner, Cernauti; Isidor Epstein, New York; Dr. Josef F i s o h e r, Cluj; Dr. Garf Unkel, Kaunas; Gellmann, New York; Abraham Goldberg, New York; Dr. Angelo Golds t ein, Prag; Dr. Gottlieb, Warschau; M. Kloynbaum, Warschau; Dr. M. Kraemer, Cernauti; M. K r i u z o n b a u m, Warschau; Dr. Kali an, Warschau; Prof. llorace M. K a 11 e n, New York; Latzky- Bertholdy, Tel-Aviv; Lestsohynskl, Warschau; Berl Look er, Tel-Aviv; Dr. S. Margoshes, New York; Prof. Jerome Michael, New York; Dr. B. Mossinson, Tel-Aviv; Nathan Ferlmann, New York; N. P r i 1 u c k i, Warschau; Ing. A. Beiß, Warschau; Dr. H. Rosmarin, Warschau; Oberrabbiner Bublnsteln, Wilna;, Dr. Schipper, Warschau; Dr. Schwarzbart, Krakau; Dr. A. Silberso he In, Lemberg; Silberstein, New York; Josef Sprlnzak, Tel-Aviv; Loul» S e g a 11, New York; Rabbiner Stern, Kanada; Szczaranski, Warschau; S z e r z o w s k 1, Warschau; Szczupakewlcz, Warschau; Dr. H. Sokal, Wien; Dr. Sommer st ein, Lemberg; Ing. R. Stricker, Wien; Dr. A. Tartakower, Lodz; Dr. J, Ten en bäum, New York; David W e r t n e 1 m, New York; Dr. Grlgory Wölfl, Kaunas; Kssisohkin, Jerusalem. Für Italien und die Schweiz wird Je ein Sit« reserviert, den die dortigen Gemeindeverbändc besetzen werden. Ebenso zwei Sitze für Südamerika. Für die Mitglieder des Zentralrates werden die Ferson&lvorschläge durch die einzelnen Landsmannschaften und Gruppen überreicht werden. PalastinaiResoluiipit dem britischen Gesandten in Bern überreicht , Der erste offllelle Akt des Jüdischen Weltkongresses war die Ueberreichung der Palästina-Resolution des Kongresses an den britischen Gesandten in Bern. Eine Delegation, geführt von Stephen Wise und bestehend aus Louis Lipsky, Dr. Mayer Ebner, Anselm Reiß und Sally Mayer, übergab dem Gesandten die Resolution als einen Willensausdruck von sieben Millionen auf dem Kongreß vertreten gewesenen Juden, die England ersuchen, die Balfour-Deklaratlon nicht zu verletzen und die arabischen Gewalttaten nicht durch Einstellung der jüdischen Einwanderung zu belohnen. Die Schlußreden auf dem Weltkongreß Na<;h Durchführung der Wahlen hielten Dr. Wise, Louis Lipsky und Dr. Goldmann Ansprachen, in denen sie für das ihnen bekundete Vertrauen dankten und erklärten, die Vehandlungen des Kongresses seien von einem durch Kenntnis der Schwierigkeiten bei den zu bewältigenden Aufgaben; bedingten Geist ernster Verantwortung erfüllt gewesen. Es sei zu hoffen, da« neue Kräfte zu dem Kongreß stoßen werden. Der Verlauf des Kongresses habe von der Entschlossenheit gezeugt, dem Vernichtungswillen des Judenhasses einen Damm entgegenzusetzen und das Weltgewissen zur Mitwirkung an der Durchsetzung der von den Jud©n erhobenen Forderung nach Gerechtigkeit aufzurütteln. * Rund um den Jüdischen Welftlcongreß Eine Feststellung In einer Aussendung einer Genfer Korrespondenz, welche auch von den jüdischen Blättern wiedergegeben wurde, hieß es: „Eine. Reihe von Landesdelegationen fühlte sich infolge des seitens der diplomatischen Ver- WARHER BROS. FIRST NATIONAL bringen AL JOLSON SINGING KID mit dem neuen Wunderkind Sybil Jason Uraufführung: Rotenturm-Kino Juden am Leben bedrohen. Als Beweis legte er einen Zettel vor, den er auf seinem Pult im Kongreßsaal gefunden hatte, dem Diensthabenden vor. Dieser las und fing zu lachen an. Der Zettel enthielt folgenden Text: „Heil Hitler! Parteigenosse! Hier in diesem Saale hat sich der Jude Lux erschossen, um so gegen die Nationalsozialisten zu protestieren. Die Partei erwartet von Ihnen, daß Sie sich an der gleichen Stelle erschießen werden, um so gegen die Juden zu protestieren. . . Der mutige Vertreter der Hakenkreuzpresse aber wurde beim Jüdischen Kongreß nicht mehr gesehen. Palästina>Resoluti'on der Aguda Auf ihrer Tagung (Kenessio Mechino) in Marienbad faßte die Agudas Jisroel u. a. eine Resolution betreffs der Ereignisse in Palästina, welche lautet: Der Zentralrat der Agudas Jisroel gibt seiner Trauer und Entrüstung über die blutigen arabischen Exzesse in Palästina Ausdruck, und in der Ueberzeugung, daß für den weiteren friedlichen Aufbau Palästinas eine Verständigung mit den Arabern erforderlich ist, spricht er seine Befriedigung aus über die Erklärung der britischen Mandatarmacht, sich unter dem Druck des arabischen Terrors keine Zugeständnisse abpessen zu lassen und an der Balfour¬ Deklaration festzuhalten. Wer von schönen weißen Zähnen spricht, denkt an Chlorodont die Zahnpaste gegen mißfarbigen Zahnbelag ' Tube S. -.90 Oesterr. Erzeugnis tretungen auf sie ausgeübten Druckes, nichts Ungünstiges zu berichten, in ihrer Berichterstattertätigkeit gehemmt. So die polnische, .rumänische, österreichische, litauische und lettische Delegation. Sie erklärten, sie seien daher nicht in der Lage, über die Situation der Juden in ihren Ländern die ganze Wahrheit zu sagen." — Die von Genf rückgekehrte Führung der österreichischen Delegation ersucht um die Peststellung, daß diese, die österreichischen Vertreter betreffende Nachricht vollkommen unzutreffend und frei erfunden ist. Zwischen der österreichischen Delegation und der österreichischen diplomatischen Vertretung fand überhaupt kein Meinungsaustausch statt und auch sonst wurde auf die österreichische Delegation nicht der geringste Druck ausgeübt, noch auch wurde der Versuch einer Beeinflussung von irgendeiner Stelle unternommen. Es ist daher auch unrichtig, daß die österreichische Delegation eine diesen Gegenstand betreffende Erklärung abgegeben hat. Eine Poss0 vor tragischem Hintergrund Der Jüdische Weltkongreß hielt seine Versammlungen in dem Saale ab, in dem vor wenigen Wochen die letzte Ratssitzung des Völkerbundes getagt hatte. In dieser Ratssitzung spielte sich das erschütterndste Drama ab, der Fall Stephan Lux. Dieser Jude hat sich, um das Gewissen der Welt gegen die grausame Judenverfolgung in Hitler-Deutschland aufzurütteln, vor dem Völkerbundrat eine Kugel durch die Brust gejagt und hat mit einem Ruf zur fühllosen Welt sein Leben ausgehaucht. . . . Nun saß auf der Estrade während des Jüdischen Weltkongressses ein in Genf allgemein bekannter Vertreter der reichsdeutschen nationalsozialistischen Presse. Die Kongreßleitung hatte ihn zugelassen, weil der Jüdische Weltkongreß auch vor den blutrünstigsten Antisemiten nichts zu verheimlichen hat. Eines Tages nun sprang dieser wackere Hakenkreuzler in höchster Aufregung vom Sitze auf und stürzte aus dem Saale. Wie bald festgestellt wurde, fuhr er geradewegs zur Genfer Polizeidirektion und bat dort um Schutz, da ihn die Takte inde Auaust natk Imtk übernehme Interventionen, Inkassi usw. günstigst. Unter „Sehr verläßlich" an die Administration dieses Blattes IIIIIIIUIIIIIIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Aus aller Welt (Meldungen der J. T. A.X Wie der Exekutiv-Direktor des AmericanJoint Distribution Committee, Joseph C. Hyman, bekanntgibt, hat Joint im ersten Halbjahr 1936 Organisationen und Einrichtungen' für jüdische Kinderfürsorge in Polen Beihilfen im Gesamtbetrage von 48.000 Dollar gewährt. Joint wird die Kinderfürsorge in Polen auch weiterhin durch Beiträge unterstützen. Von den in Polen für diese Zwecke ausgegebenen Geldern hat die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „TOZ" einen erheblichen Teil für ihre Kinderspeisungsaktion erhalten, 25.000 jüdische Schulkinder in Polen sind während des Winters auf Öffentliche Speisung angewiesen. „Prager Mittag" teilt mit: Auf zahlreichen Aus- Iagefenstem und Geschäften jüdischer Inhaber in der Jecna, Smeökagasse, und anderen Straßen von Prag II sah man kürzlich abends rote, kreisrunde Zettel mit dem Aufdruck „Zid" und anderen teilweise unflätigen Beschimpfungen kleben. * Anläßlich des 80. Geburtstages des Londoner sephardischen Oberrabbiners Chacham. Dr. Moses Gaster wird unter der Redaktion von Dr. Bruno Schindler und Dr. A. Marmorstein ein Sammelbuch mit 52 Aufsätzen aus dem Gebiet der semitischen Philologie und Literatur herausgegeben werden. Außerdem wird das Sammelbuch zwei das Leben und Wirken des Jubilars behandelnde Beiträge sowie ein Verzeichnis der von Doktor Gaster veröffentlichten Arbeiten enthalten. Moses Gaster (1856 in Bukarest geboren), 1885 wegen seines Protests gegen die Behandlung der Juden aus Rumänien ausgewiesen, ging er nach England und wurde 1887 zum Chacham der spanisch-portugiesischen Gemeinde Englands gewählt. 1923 hat er eine Reihe grundlegender Werke über jüdische Folklore und andere jüdische Wissensgebiete veröffentlicht. In der zionistischen Bewegung war er viele Jahre führend tätig; er ist einer der Mitschöpfer der Balfour-Deklaration. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland Aus Berlin; Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gibt bekannt: 1. Der Präsidialausschuß der Reichsvertretung wird durch Hinzutritt von vier Zionisten und einem Orthodoxen erweitert. 2. Der bisherige geschäftsführende Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Franz Meyer, tritt in die Geschäftsführung der Reichsvertretung ein. 3. Es wird ein „Rat bei der Reichs Vertretung" gebildet, der aus 23 Mitgliedern besteht. Er setzt sich aus 15 Vertretern der Landesverbände und Gemeinden, je einem Vertreter des Jüdischen Zentralvereins, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie fünf direkt berufenen Persönlichkeiten zusammen. Der Rat soll ia allen grundsätzlichen Fragen gehört werden,