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Die neue Welt · 1936-08-21 · Heft 587 (21.8.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 587 (21.8.1936)
Date
1936-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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feite 4 DtE NEUE WELT Nr. 587 vom 21. August 1935 ßxBEIMU RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTQ. 5 KÖLLNERHOFGASSE 1 E1HZ16 1H WEH III ) Reinseidcn-Herren- Hemden, beste Paßf0™ R*int*lden-Kni«hof nur S 3.90 GRDSSTE AUSWAHL In Pyjamos u.Bademfintei VlelßSorten1 -nermel-Hemdcn —— etc. besteht also die Möglichkeit einer verhängnisvollen Prozedur, die uns wieder in einen Winkel verjagen wird, wenn wir von vornherein die Kommission als die berufene Instanz anerkennen. Das Mandat ist auf keinen Fall eine rein innere Angelegenheit Englands. Es gibt hier noch andere Partner und Instanzen, wie den Völkerbund, Amerika und hauptsächlich uns Juden. Nicht die Araber, sondern just uns Juden. Weshalb sollen wir unsere im Mandat gesicherte Position aufgeben und uns den Faktoren zweiter Ordnung unterwerfen? Nur durch eine prinzipielle negative Stellungnahme, durch eine kalt-höfliche „Non-Cooperation" können wir die Tür für eine Appellation offenlassen. * Man kann nicht voraussehen, was das Aktionskomitee beschließen wird. Nach der Mentalität der Mehrheitsparteien kann man annehmen, daß diese gewiß den Weg des geringsten Widerstandes beschreiten werden, der in unserem Falle heißt: Kooperation. Ich will niemandem böse Absichten unterschieben, aber wir erinnern uns noch an die Haltung der zionistischen Vertreter vor der Shaw-Kommission; und gerade deshalb, weil die Gefahr besteht, daß solch ein Zustand sich wiederholt, ist es wichtig, daß sich im Jischuw eine politische Gruppe befindet, welche frei ist vom offiziellen Verzichtsgeist. Diejenigen, welche eine Kooperation für schädlich halten, müssen ihr direkt ins Gesicht alles sagen, was sie von ihrer Zusammenstellung, ihren Aufgaben hier im Land denken. Die Kommission muß vor allem fühlen, daß sie nicht Juden mit ausgebreiteten Armen begegnen wird. Sie soll wissen, daß wir uns nicht an ihre Beschlüsse gebunden beträchten und daß wir sie nicht als höchstes Gericht anerkennen. Sie kommt ins Land ohne unser Einverständnis und ohne unseren Segen. Wir glauben auch nicht daran, daß sie die Lösung der verwickelten Fragen bringen wird, auf deren Basis die falsche Interpretation seitens der Regierung wegen der sogenannten doppelten Verpflichtung liegt. Auch die „Hawlaga" hat Grenzen. ••* Non-Copperation mit der Königlichen Kommission bedeutet nicht, daß die Zionistische Örganisaton und alle ihre Parteien ihre politische Aufklärungsarbeit einstellen. Die negative Stellung zu einem untauglichen Mittel darf nicht als unfreundlicher Akt gegenüber dem englischen Imperium gedeutet werden, mit welchem uns große, historische Interessen verbinden. Noch bevor die Kommission kommt, und die ganze Zeit während ihrer Arbeit in Palästina müssen wir unsere politische Tätigkeit hundertfach verstärken. Anstatt die Zeit und Energie in einem Jerusalemer Regierungszimmer zu vertrödeln, wo man uns wieder auf eine Beschuldigungsbank hinsetzen und eine Verteidigungsstellung einzunehmen zwingen wird, ist es viel zweckmäßiger, vor die öffentliche Meinung der Welt hinzutreten, vor allem aber vor die öffentliche Meinung von England und A m e r i k a — mit klar formulierten Forderungen und konstruktiven Plänen. Non-Cooperation heißt absolut nicht zu Passivität herabsinken, es bedeutet vielmehr: Eine größere Mobilisierung der Kräfte. Der Jüdische Klub der Jugend (J.K.J.) | veranstaltet Samstag, den 22. August 1936 (bei Regenwetter Samstag, den 29. August 1938), eine lustise Donau-Nachtfahrt - „Neptun" I An Bord; Musik, Tanz, Akademie: Erwin Engel, Eugen Hoffmann, Vinko I Kamza, Karl Rodeck u. die Theatargruppe des J.K.J. Ueberraschungen. r Abfahrt pünktlich Uhr vom Vorkai (Abgang Morzlnplatx) Kartenvorverkauf: Bronner, I, Graben 28; „Hakoah", I, Wieslngerstr. II JOdiecho Kurturttelle, I, Kai 3; J. K. J., Cafe- Relsenleitner, I, Kai 59 General Franco beschwichtigt Aus Casablanca wird gemeldet: Mit großer Schwierigkeit ist es gelungen, mit den jüdischen Gemeinden in Spanisch-Marokko in Verbindung zu kommen. Immerhin konnte bisher festgestellt werden, daß die Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Mellila, die von den Aufständischen verhaftet wurden, nicht erschossen worden sind. General Franco, der Oberbefehlshaber der nationalistischen Truppen, hat an die jüdische Gemeinde von Tetuan ein Schreiben gerichtet, in dem die Juden aufgefordert werden, die judenfeindlichen Reden, die zu Beginn der Aufstandsbewegung im Sender von Sevilla gehalten wurden, nicht zu beachten und nicht ernst zu nehmen. Dieses Schreiben hat den Zweck, den Juden die Pille der ihnen auferlegten Zwangsabgaben zu versüßen. Den jüdischen Gemeinden in Spanisch-Marokko sind neuerdings recht empfindliche „freiwillige Abgaben" zugunsten der Aufständischen auferlegt worden. Die jüdische Gemeinde von Tetuan ist zu einer neuen Kontribution von 500.000 Pesetas gezwungen worden. Die acht in Spanisch-Marokko bestehenden jüdischen Gemeinden setzen nach den bisher erlangten Informationen ihre Tätigkeit fort, geraten aber infolge der ihnen auferlegten Kontributionen in ein immer tieferes Elend. ,(J. T. A.) Jüdisches £ek* m dtei Etdteiteu Der In Johannesburg (Südafrika) lebende Chirurg Dr. Benzion Shein, Delegierter des Keren Kajemeth für die britischen Kronländer, ist in Budapest eingetroffen, wo er einige Zeit an der gynäkologischen Abteilung des Spitals der Pester Isr. Religion» gemeinde zu Studienzwecken arbeiten wird. Dr. Sheln wirkt auch auf fachliterarischem Gebiete und hat u. a. In der Schweiz eine Arbeit Über die Blutsenkungsgeschwindigkeit bei verschiedenen Veränderungen der Schilddrüse publiziert. Dem JTA.-Vertreter gegenüber gab Dr. Shein eine Darstellung de» Lebens der jüdischen Bevölkerung in drei Erdteilen. Er hatte vom April 1933 bis Oktober 1934 ganz Australien, Neuseeland, Japan, China, die Philippinen, Niederlftndisch-Indien, Ceylon, Brltisch-Indien und Aden aufgesucht. Er erzählt darüber: In Australien leben in den fünf Hauptstädten Perth, Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane etwa 25.000 bis 30.000 Juden, hiervon ungefähr 20.000 in Sydney und Melbourne. Rund 40 Prozent stammen aus osteuropäischen Ländern, die übrigen aus englisch sprechenden Staaten, in Melbourne und Sydney herrscht ein reges jüdisches Leben und man kann hier Tempelgemeinden von der Ultra-Orthodoxie bis zur liberalsten Neologie finden. Es. gibt jüdische Klubs, jüdische Wochenblätter, sehr oft jüdische Versammlungen. Die jüdische Bevölkerung ist zionistisch, ausgesprochene A.itizionisten existieren nicht. Ich habe auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung sehr viel Interesse für Palästina und das jüdische Aufbauwerk feststellen können, Fife Weekend M$d Reise EISEN - Feinwursi Selchwaren Fleischkonserven BBHBMBflBl la Qualität Auch Postvertand In jeder australischen Stadt wurde ich aufgefordert, vor christlichen Organisationen Vorträge über jüdisches Leben und Zionismus zu halten. In Sydney z. B. wurde ich von der methodistischen Kirchengemeinde eingeladen, am Sonntag morgens von der Kanzel zu sprechen. Ich wurde der Versammlung durch den ältesten Reverend vorgestellt, und in dem Augenblick,. da ich zu sprechen begann, intonierte der Kirchenörganist „Hatikwah". In Australien wie in Neuseeland habe Ich aktive christliche Zionisten angetroffen, die sich Christadelphier nennen. Ihr Zionismus hat einen religiös-mystischen Charakter. Sie glauben daran, daß nach der Rückkehr der Juden In das Heilige Land und nach dem Wiederaufbau ErezIsraels das „Millenium", die tausend glücklichen Jahre, für die Menschheit beginnen. In jeder Stadt haben die Christadelphier einen Tempel, wo sie jeden Sonntag anläßlich des Gottesdienstes die letzten Neuigkeiten aus Palästina lesen und besprechen. In jeder Wohnung eines Christadelphiers ist eine Nationalfondsbüchse aufgestellt und es werden regelmäßig ganz beträchtliche Summen an die Keren Kajemeth-Zentralstelle nach Jerusalem geschickt. Auf Neuseeland verteilt sich die jüdische Bevölkerung auf die vier Städte Oakland und Wellington (Nordinsel) und Christchurch und Daneden (Südinsel); in den beiden erstgenannten beträgt ihre Zahl je tausend, in Daneden siebenhundert, in Christchurch dreihundert. Dem Zionismus wird die größte Beachtung geschenkt. Die Presse veröffentlichte Leitartikel über die zionistische Bewegung, in der Stadt Hamilton auf der Nordinsel, auf der es keine Juden gibt, bereiteten mir der Bürgermeister und die Geistlichkeit einen fürstlichen Empfang am Bahnhof. Nun zu China: In Hongkong fand ich eine kleine jüdische Gemeinde. In Schanghai, wo 4,5 Millionen Seelen leben, gibt es rund 100.000 Europäer, darunter etwa 10.000 Juden. Unter diesen sind 1500 bis 2000 Sephardim aus Bagdad, die übrigen sind Russen. Der größte Teil der Schanghaier Juden ist von dem Wunsche beseelt, nach Erez Israel auszuwandern. Eine Anzahl von ihnen hat bereits Grundstücke am Karmel bei Haifa erworben, um dort eine Vorstadt (Mischor Hakarmel) zu erbauen. In Japan existiert nur in der etwa 500.000 Seelen zählenden Stadt K o b e eine jüdische Gemeinde mit 60 Familien, 20 sephardischen und 40 aschkenaslschen, die sich ausschließlich im Import und Eport betätigen. In Manila, der Hauptstadt der Philippinen, leben etwa hundert jüdische Familien. Auf der niederländisch-indischen Insel Java leben zirka tausend Juden verstreut. Die zionistische Bewegung ist hier sehr gut organisiert. Es bestehen zwei zionistische Wochenschriften. Auf Sumatra gibt es in Medan eine kleine jüdische Gemeinde. In Penang leben 30 bis 40 jüdische Familien. Dann besuchte ich Colombo auf der Insel Ceylon und schließlich Bombay. Dort existiert, eine jüdische Gemeinde von mindestens 10.000 Seelen, überwiegend Sephardim. Einige tausend gehören aber den „B'n e Israel" an; es sind dies schwarze Juden, die der indischen Urbevölkerung ähneln. In* A d e n kam ich mit einer jemenitischen Gemeinde in Berührung. Großes Elend herrscht unter den Emigranten, die aus Jemen kommen, um nach Palästina auszuwandern. In Südafrika schließlich leben rund 70.000 Juden, davon 30.000 in Johannesburg und Umgebung, etwa 12.000 in Kapstadt und Umgebung, der Rest verteilt sich auf sechs größere Städte und mindestens 150 kleinere Orte. Die südafrikanischen Zionisten spenden die größten Beträge für den Keren Hajessod und sie stehen mit ihren Schekelgaben an erster Stelle der Weltjudenheit. Die ältere Generation der südafrikanischen Juden stammt zumeist aus Litauen. Das materielle Leben der südafrikanischen Juden ist recht befriedigend; wenngleich keine ausgesprochenen Millionäre existieren, lebt doch die Mittelklasse bedeutend besser als in Europa. Aus der politischen Unterwelt In der Annahme, daß die politische Weltlage bis auf weiteres dem Nationalsozialismus deutscher Prägung günstig sein wird, machen sich Abenteurer und Persönlichkeiten aus der polltischen Unterwelt daran, ihre Suppe auf dem Hakenkreuzfeuer zu kochen. Man bemüht sich an Berlin heranzukommen. Den bequemsten Vorwand bietet da die Judenfrage. Man beginnt gegen die Juden loszugehen, um in gleichen Schritt und in eine Weggemeinschaft mit den braunen Machthabern zu kommen. Ein typisches Beispiel bieten die jetzt in Wien stark angebotenen Zeitungen „8-UhrBlatt" und „12-Uhr- Blatt". Schon der Umstand, daß diese Blätter sich fast ausschließlich mit österreichischen Fragen befassen, nicht in Oesterreich selbst, sondern im imgarischen Oedenburg (Sopron) verfaßt und gedruckt werden, daß in Ungarn keine Nummer verkauft und die Gesamtauflage nach Wien geschafft wird, gibt zu denken. Der Inhalt aber noch mehr. Mit besonderer Nachdrücklichkeit werden judenhetzerische Meldungen von deutschen Nachrichtenstellen übernommen. Wohin der Kurs geht, zeigt aber deutlich die in einer der letzten Nummern gebrachte „E n t h ü 11 u n g", daß das Judentum darangeht, Oesterreich zu bolschewisieren. Da heißt es: „Der Herbstfeldzug soll von keinem Geringeren als dem berüchtigten ungarischen Juden -und Mordbrenner Bela Kun geführt werden. Eine merkwürdige Tätigkeit soll auch der Brünner jüdische Fabrikant LÖwbeer, der österreichischer Konsul ist, entwickeln. Dieser Herr soll ansehnliche Summen zur Verfügung stellen." Ueber die Tendenz dieser „Meldungen" kann kein Zweifel bestehen. Antisemitische Verhetzung. B61a Kun wird zum Juden ernannt und ein jüdischer Funktionär, der viele Jahre dem österreichischen Staate im Auslande ehrenhaft dient, wird zum Verräter, Spion und Verschwörer gestempelt, von Leuten, deren politische Wege sich ins Dunkle verlieren. Durch Verbreitung solcher Hetznachrichten ist dem Wohle Oesterreichs schlecht gedient und durch Besudelung seiner Vertreter im Auslande noch weniger. Die österreichischen Juden werden aber jetzt wissen, was sie von dieser „Presse", die auch ihnen ziemlich aufdringlich angeboten wird, zu halten haben. Alle Bücher. Mäßigste Preise ~ Große Auswahl — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborstraße SS Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Anfragen: Tel. R-41-4-20 Zionistische Mittelschulverbindungen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Zwecks Gründung eines Alten-Herren- Verbandes werden die Alten Herren aller zionistischen Mlttelschulverblndungen ersucht, ihre Adressen an den Ring der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen zu Händen Herrn Hans Scharmatz, Wien, I., Eßlinggasse 16, bekanntzugeben. Billige Sommerrelsen nach Polen finden nach wie vor an jedem Sonntag statt. Es empfiehlt sich, schon jetzt Plätze für die Reisen nach Polen und Czernowitz zu den Jom-Towim zu reservieren. Nähere Auskünfte bei Dr. S. Tocker (Reisebüro „In die Welt"), Dt, Liechtensteinstraße 2, Tel. A-14-504. E Neuassentierte sollen nicht vergessen, Extrauniformen bei der 70 Jahre bestehenden, in der ganzen Welt bekannten Uniformierungsanstalt Rudolf Goldstein, Wien, II., Taborstraße 54, zu bestellen. Ö

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