Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 587 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 587 vom 21. August 1936 DIE NEÜE WELT SdteS Nach dem Riesenerfolg bei der Festvorstellung in Salzburg singt LAWRENCE TIBBETT der berühmte Bariton von der Metropolitan- Oper in New York in METROPOLITAN iiiiiintf iiiiltliiiliiiiiiiiiiiiiiflilf iiiiiii iiiiifiiiiiiiiiifiiiif ab heute im: SchOttenring-KinO (engl. Fassung) LUStSpiClthCater (In deutscher Sprache mM WodfeHStaegd Die alle Klage Das Zentralkomitee des Misrachi-Weltverbandes hat verlangt, daß in die Tagesordnung der 4.ktions-Komitee-Sitzung, die am 25. August in Zürich eröffnet wird, ein besonderer Punkt über die von dem letzten Zionistcnkongreß gefaßten und nach Ansicht des Misrachi bisher nicht durchgeführten Beschlüsse über die Wahrung dos Religionsgesetzes in Palästina aufgenommen werde. Meldung aus Jerusalem. Von den österreichischen Nationalsozialisten „Wenn wir das Versprechen der deutschen Regierung auch als ehrlich gegeben ansehen (und dazu sind wir gezwungen), so haben wir uns dennoch der Fortdauer des nationalsozialistischen Kampfes zu versehen. Schon die Demonstrationen bei der Freilassung der Amnestierten und später die unerhörten nationalsozialistischen Ausschreitungen bei der Olympiafeier... belehren uns darüber, daß die österreichischen Nationalsozialisten nicht gesonnen sind, ihren Kampf um Oesterreich ohneweiters aufzugeben." „Linzer Volksblatt", August 1936. Zum Selbstmord Stephan Lux' ,Jm Völkerbund ist koschres Blut geflossen, Ein Jud hat gestenhalber sich erschossen. Er tat damit der Welt nach außen kund, Erschossen ist der Völkerbund." „Der Stürmer", August 1936. Sinn der Sdiekelkampagne In einer Konferenz zionistischer Verbände der Vereinigten Staaten ist beschlossen worden, eine 125.000- Dollar-Schekelkampägne einzuleiten. In einer Resolution wird erklärt, nur eine Massenbekundung des jüdischen Willens durch die Schekeikampagne werde die englische Regierung zwingen, die Rechte der Juden in Palästina zti' schützen. ' J.-T.-A.-Meldung aus New York. Audi in Palästina durchzusetzen Bis Palästina eine. Filmproduktion besitzt, wie sie beispielsweise Aegypten heute bereits in seinen Miss- Studios (mit dem großen arabischen Markt hinter sich) hat, dürfte wohl noch einige Zeit vergehen. Angesichts der Positionen, die Juden in allen Zweigen der Filmhersiellung in den größten Produktionsländern besitzen, sollten sie es aber auch in Palästina durchsetzen. .Dr. A. Markus, Haifa („Palästina"). Rassensp ielerei Bei allen Völkern und Rassen^ die wirkliche sportliche Begabung . besitzen, entfaltet sich der . Sport auf breiter Basis. Ganze Schichten des Volkes nehmen daran teil; aus Brauch und Sitte, Mythus und besonderer körperlicher und seelischer Verfassung wächst der Sport heraus, Aufmerksamkeit und Achtung aller Volksgenossen begleiten die sportlichen Veranstaltungen, wohin immer wir schauen. Gerade das fehlt beim jüdischen Volk ganz und gar. Für sie ist es eine rein intellektuelle Angelegenheit; sie haben erkanntt daß der Sport das Leben erhält und ihre Kraft steigert, und daher nehmen die Spitzen dieses Volkes daran teil und versuchen, in ihrer nationalzionistischen Bewegung auch', nach imten zu wirken und die anderen Volksgenossen zur Teilnahme daran zu bewegen. Prof. L. Tirala (München), „Sport und Rasse". Pflicht, Jude zu bleiben „Jetzt wie einst sind alle Juden, im Osten oder im Westen, Juden, weil — sie es eben sind, weil das nationaljüdische Gefühl in ihnen noch lebendig ist und unbewußt auf ihren Willen wirkt. Allein die Sehnsucht nach Gleichberechtigung läßt jene Juden sich selbst und andere täuschen, indem sie offen die Existenz der jüdischen Nation leugnen und darum gezwungen sind, ihr Judentum durch äußerliche logische Gründe zu rechtfertigen, als ob wirklich jeder von ihnen sich die nötige Muße genommen hätte, mit aller Sorgfalt und Klarheit die Frage zu erwägen, ob er Jude bleiben solle, und zu diesem Zwecke in die Tiefen der theologischen und philosophischen Forschungen eingedrungen und erst nach vorurteilsloser Prüfung aller Gegengründe zu dem Resultate gekommen wäre, daß es seine Pflicht sei, Jude zu bleiben." Aus Achad Haams Schriften. Ausländische Araber unter den Aufrührern Aus Jerusalem: Die Kairoer Tageszeitung „Mokattam" meldet, daß es Arabern aus Syrien und dem Irak gelungen sei, illegal nach Palästina zu kommen und sich den Aufrührern anzuschließen. Aus Jaffa sind zahlreiche Araber, die letztens aus dem Hauran nach Palästina gekommen waren, in ihre Heimat zurückgeschickt worden. In Haifa wurde ein englisches Unterseebot stationiert, das die Aufgabe hat, Waffenschmuggel auf dem Seeweg aus Syrien nach Palästina zu verhindern. Drei Drusen wurden hei Ueberschreitung der Grenze aus Syrien nach Palästina verhaftet. Es wurden bei ihnen tteyolyer. und 4200 Stück Munition gefunden, JJ» T, A...I Soll man mit der König!« Kommission kooperieren? ■mr « r,__n___- /rr^t A «,J«-\ Von Meir Großmann (Tel*Aviv) Als die ersten Nachrichten über die geplante Königliche Kommission zu uns drangen, waren sich alle darüber einig: Ein neuer Schlag, eine neue Sorge! Man war vom ersten Augenblick an überzeugt, daß die Kommission nicht nur überflüssig, sondern schädlich sei, daß sie das Land bloß nervös machen werde. Und doch, so urteilte man, dürfe der Zionismus nicht hilflos auf der Anklagebank sitzen. Es sei seine Pflicht, sich zu bemühen, das neue Forum in eine Plattform für unsere berechtigten Beschwerden zu verwandeln; die Kommission als Tribüne für eine große geschichtliche Anklage gegen das schädliche Regime zu benützen. Es sei dies nur dann zu erreichen, wenn man mit der Kommission freundlich kooperiert, trotz des Gefühls, daß sie nichts anderes ist als ein Mittel für neue Bedrückungen. Aber schließlich: Wovor hätten wir uns denn zu fürchten? Unsere Hände sind rein. Die zionistischen Erfolge von 1930 bis 1936 sind die besten Argumente im Messen der Kräfte mit dem Gegner. Diese positive Stellungnahme zur Königlichen Kommission kam — trotz ernster Zweifel, welche unaufhörlich auftauchten — vor allem als Ausfluß der Haltung der Londoner Regierung in den ersten Monaten der palästinensischen Unruhen zum Vorschein. Man dachte, daß die englischen Regierungskreise endlich erkannten, wer die Ruhestörer und wer die wirklichen Aufbauer sind und auf wen man sich in kritischen Zeiten verlassen kann. Weiters: die Sympathien des Parlaments und der englischen Presse waren durchaus auf unserer Seite. Man konnte damit rechnen, daß die Kommission" erst dann eingesetzt würde, bis im Lande volle Ordnung herrscht, und daß ihre Aufgaben beschränkt sein würden auf die Feststellung, wer die direkten Schuldigen an den blutigen Ereignissen seien. * Die zwei letzten Monate haben alle optimistischen Erwägungen über den Haufen geworfen. Sowohl in London als auch in Jerusalem hat sich die Lage geändert, und nicht zu unseren Gunsten. Die englischen Sympathien haben zu zerrinnen begonnen, man ist in London plötzlich flau geworden. Mehr noch: die antizionistischen Stimmen haben sich vermehrt. Außerdem sind die Absichten der Regierung bekannt geworden, nicht bloß die „arabischen Leidenschaften zu besänftigen", sondern auch Englands Politik in Palästina zu ändern. Ende Juli ist klar geworden, daß die Gefahr nicht bloß in der Möglichkeit der Suspen- Die siinffe iOiiifjc Die den sprödesten Bart wie im drübergleiten wegwischt, ist nur dierung der Einwanderung liegt; daß die Regierung ernstlich an weitgehende, einschneidende Aenderungen ihrer Politik gegenüber dem Zionismus denke — Aenderungen, die gegen uns gerichtet sind. Die geänderte politische Lage zwingt uns, die frühere Stellung gegenüber der Kgl. Kommission zu revidieren. Aus einem unschuldigen Beruhigungsmittel ist die Kommission plötzlich zu einem präzisen politischen Instrument geworden, welches man in unser Haus hineinbringen will, um dort bestimmte feindliche Akte auszuführen. Auf Grund einer genauen Prüfung der Lage muß man jetzt zur Ueberzeugung kommen, daß der Jischuw keine andere Wahl hat, als die Kooperation mit einer Kommission abzulehnen, die sich anschickt, scheinbar bereits beschlossene antizionistische Pläne auszuführen. Vor zwei Monaten korinte man noch glauben, daß die Königliche Kommission vielleicht eine unschuldige Sache sei. Heute gibt die politische Entwicklung Grund zur Annahme, daß sie schwere Gefahren für den Zionismus mit sich bringt. Deshalb ist die Warnung am Platz: Seid vorsichtig! Liefert euch nicht mit Leib und Seele einem eventuellen Gegner aus! Die beste Methode in der geschaffenen Lage ist die Rolle von Beobachtern, die. ihre Arbeit fortsetzen. Unter den gegebenen Bedingungen ist es viel besser, nicht zu kooperieren, sich nicht in den Gerichtskorridoren zu bewegen, sich nicht mit unserem vornehmen Nachbarn herumzuschlagen, nicht mit gebeugtem Kopf vor den hergesandten Richtern zu stehen. . Trotz der klar ausgedrückten zionistischen Gegnerschaft ist die Königliche Kommission Tatsache geworden, Sie wird zweifellos in kurzem ins Land kommen und mit der „Ausforschung" beginnen. Nicht jede bittere Tatsache, vor die man uns stellt, muß von uns akzeptiert werden. Wenn wir solch einen Weg gehen, sind wir gänzlich verloren. Man muß endlich, insbesondere nach Monaten von „Hawlaga" (Zurückhaltung, Beherrschtheit), den Mut haben, sich „Tatsachen" entgegenzustellen, oder versuchen, ihre Bedeutung durch einen systematischen Kampf zu mindern. So wollen beispielsweise die Araber die „Tatsache" des Mandats, die „Tatsache" der vierhunderttausend Juden im Land, die „Tatsache" unserer 100-Millionen-Pf und-Investition nicht anerkennen... Und darum versuchen sie mit allen Mitteln, diese Tatsachen zunichte zu machen. Und scheinbar, wirkt das; denn jeden« falls führt ihr Kampf zu fortwährender Revision der Regierungspolitik. Die Kommission Ist Tatsache. Aber es hängt von uns Juden ab, ob wir sie freiwillig als das höchste Tribunal anerkennen, welches das Recht hat, nicht nur über die Errungenschaften von achtzehn Jahren zu Gericht zu sitzen, sondern auch unser Schicksal für weiterhin zu bestimmen. Neues Wiener Konservatorium (27. Sdiuljahr) Musikvereinsgebäude Unterricht vom ersten Anfang bis zur letzten Ausbildung «Staatsprüfung) durch erstklassige, vom fctadtschulrat zur Kenntnis genommene Lehrkräfte / Theorie, Oesang, Klavier und alle Orchesterinstrumente / Opern-, Schauspiel- und Dirigentenschule / Ilgen« Klnderebtttllung (für sechsbls zwölfjährige Schuler). Anmeldungen ab 1. September im Musikvereinsgeoäude. Daselbst Auskünfte und Prospekte jederzeit. Es liegt zweifellos in unserer Hand, der Kommission unser Vertrauen zu schenken, ihr Prestige hochzuhalten und damit von vorneherein den Richterspruch anzuerkennen oder vom ersten Augenblick an unser Mißtrauen auszudrücken Und ihre Bedeutung zu reduzieren, indem wir sie als Instrument von vorausbestimmten antijüdischen Absichten erklären. Die „Hawlaga" der letzten drei Monate war klug und zweckmäßig. Das bedeutet aber nicht, daß sie immerwährend und in allem den Geist passiven Hinnehmens — Allah, es ist uns so beschieden!! — Was können wir tun? — Vermögen wir etwas zu ändern? — an den Tag legen. Jeder verantwortliche Mensch wird zugeben, daß ea in Palästina überhaupt nichts zu „forschen" gibt. Alle Tatsachen und alles Material ist schon lang bekannt* Neues Material wird die Kommission aus dem Jerusalemer. Fels kaum herausschlagen. Wozu also müssen Menschen) in dieser Sache nach Palästina kommen? Nur eines wird die Kommission erreichen: Sie wird das ganze Land aufregen, dem Jischuw schweren Schaden bringen, da monatelang alles in der Luft hängen wird, und bei den Arabern Hoffnungen erwecken. Die Kommission ist überhaupt nicht notwendig, daher muß man aus seiner Haltung die Konsequenzen ziehen. * Die Kommission ist ein Schlag ins Gesicht der '' Juden, weil sie das erste tatsächliche Resultat der arabischen Unruhen vorstellt. Täuschen wir uns nicht darüber, es ist ein politischer Erfolg der Araber. Sie haben die Regierung gezwungen, anzuerkennen, daß hinter dem Terror ernste Ursachen stecken, die man ausforschen muß. Während alle zionistischen Memoranden bisher ohne eine Spur von Folgen geblieben sind, haben die arabischen Banditen die englische Regierung zu schnellem Handeln, gebracht. Was auch immer für Absichten das Londoner Kabinett bezüglich des Zionismus haben und wie immer man auch die Bedeutung der englischen Ausforschungskommission verkleinern mag, kann man doch nicht leugnen, daß die Absendung einer Kommission an und für sich ein unfreundlicher Akt uns. gegenüber ist. Wenn wir ein Kooperieren mit . den Abgesandten Ormsby-Gores ablehnen, bringen wir damit ganz deutlich unseren scharfen Protest gegen diese Sache zum Ausdruck. Wir stellen vor der Welt fest, daß keinerlei Kommissionen imstande sind, unsere politischen Grundlagen in Palästina zu ändern. In dieser negativen Stellung liegt ein wirklich positiver politischer Akt. Sie ist das erste Anzeichen, daß wir bereit sind, den Kampf aufzunehmen. Wedgwoods Anfragen, im Parlament betreffs der promuselmanischen Sympathien des Lord Peel, des Vorsitzenden der Kommission, und die Mitteilung des „Spectator", daß kein Mitglied der Kommission irgend welche Beziehungen zu jüdischen Kreisen hat, bestätigen den ersten Eindruck, den man bekommt, wenn man die Biographien der sechs Kommissionsmitglieder liest. Durchwega feine, ehrenhafte, ältere Herren mit Erfahrung im Kolonial- oder diplomatischen Dienst. Aber warum gerade diese berufen sind, das Mandat zu interpretieren, bleibt eine Frage. Der Sekretär der Kommission ist ein Beamter des Kolonienministeriums. Was das bedeutet, wissen wir noch von der Shaw-Kommission her: Eine enge und direkte Verbindung mit dem „Apparat". Die Kompetenz der Kommission ist sehr vorsichtig formuliert, aber jedenfalls kann man leicht ersehen, daß sie gewiß die Aufgabe hat, zu untersuchen, ob die Verwirklichung des Mandats überhaupt möglich ist. Ihre Aufgabe besteht darin, festzustellen, ob die jüdischen und arabischen Beschwerden berechtigt sind, und bejahenden Falles die entsprechenden Vorschläge zu machen. Es Inu» ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dr. MAIR PAIS =§ Wien I, Franz-Josefs.Kai it Tel. R81-5-3Q AllUllllililllllH