Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 587 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712212--5974-2719665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 2 "3=r DIE NEUE WELT Nr. 587 vom 21. August 1936 Bomben in Tel*Avi'v Vom Atteni&r keine Spur Aus Jerusalem wird gemeldet: to. Tel-Aviv spielte sich am Sonntag, 16. August, •in entsetzlicher Vorfall ab. Aus dem Zuge Jaffa—Tel- Aviv—Lydda, der eine der belebtesten Hauptstraßen von Tel-Aviv kreuzt, wurde am Sonntag vormittag, während der Zug die Straße passierte, auf die am Bahnübergang wartende Menge eine Bombe geworfen, die explodierte und eine große Verwüstung anrichtete. Jeden Sonnta« billige Ferien- _ ... Sonderfahrten mit der Csern. Allg. Zeitung n«h POLEN und CZERNOWITZ Nächste Abfahrten: 33. und 30. August 1*36 ' Anmeldungen auttchiicüiich Keisebüro „HarienbrücKe". i, Rotenturrnstr. 26, R-24-2-8687 Ein jüdisches Kind wurde getötet, zwanzig jüdische Einwohner wurden verletzt, elf von ihnen so schwer, daß sie ins Hadassa-Krankenhaus gebracht werden mußten. Der Täter, der ein Zugspassagier oder ein Eisenbahnangestellter sein muß, wurde Ws jetzt nicht ermittelt. Reuter meldet, daß in einem Dorfe der Scharon- Ebene ein Jude von arabischen Plünderern erwürgt wurde. Die palästinensische Fresse stellt fest, daß allein In den letzten zwei Tagen zwölf Juden durch arabische Anschläge aus dem Hinterhalt getötet wurden und daß die Zahl der jüdischen Todesopfer seit Beginn der Unruhen bereits neunundsechzig beträgt. Ueber die Ermordung der drei jüdischen Hilfspolizisten und des jüdischen Mädchens in der Nähe der. Haifaer Gartenvorstadt Newej Schaanan (siehe vorige Nummer) ist noch mitzuteilen: Die Polizei hat festgestellt, daß sich die arabischen Schützen D u m - D u m- Geschosse bedient haben; die Körper der Toten wiesen darum fürchterliche Wunden auf. Das Auto,, in dem sich die Ueberfallenen befanden, wurde durch eine Steinbarrikade aufgehalten. Als die Insassen aus dem Auto stiegen, um die quer über den Weg gelegten Steine zu entfernen, wurden sie beschossen. Der Hilfspolizist Awner Goldhaber, der allein dem Tode entkam und die .-Pplizeihilfe herbeiholte, bemerkte in der Nähe der Barrikade einen Araber zu Pferd, der die im Hinternalt verborgenen Schützen befehligte und ihnen die Richtung zeigte, in die sie schießen sollten. Der Name des getöteten Mädchens ist Branka Cohn; sie war 25 Jahre alt und wohafe in-.TelrAviv. - :■<■■■■ Am Samstag, 15. August, explodierte eine'.'.von Arabern geschleuderte Bombe am Strand -von Tel- Aviv,- ein Schaden entstand nicht. Eine nichtexplodierte zweite Bombe wurde in der Nähe von der Polizei aus dem Sand ausgegraben. Auf die Wohnsiedlung Tel- Litwinski bei Tel-Aviv wurden in der vergangenen Nacht im Verlauf von vier Stunden etwa 400 Schüsse abgegeben. Die jüdischen Hilfspolizisten vertrieben die Angreifer. Bewaffnete Araber haben die Kolonie Merez überfallen und die Pumpanlage beschädigt. In Migdal wurden 400 Orangenbäume ausgerodet. Im Hinblick auf die Lage hat die Regierung beschlossen, die bisher an Regierungsbeamte erteilten Urlaubsbewilligungen zurückzuziehen. Beamte, di-J ihren Urlaub bereits angetreten haben, dürfen das Land nicht verlassen. (J. T. A.) Palcor berichtet: Ueber den Bombenanschlag in Tel-Aviv wird jetzt berichtigend gemeldet, daß die Bombe aus dem Fenster eines die Herzl-Straße passierenden Personenzuges auf die Straße geschleudert wurde, wobei 20 Personen Verletzungen erlitten. 16 wurden ins Spital geschafft, darunter drei Schwerverwundete. Ein achtjähriges Jemenitenkind, das schwer verletzt worden war, ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. In Tel- Aviv herrscht infolge dieses neuen Verbrechens größte Spannung. Eine große jüdische Menschenmenge, die sich auf der Chaussee von T e 1 - A v i v nach Jaffa angesammelt hatte, wurde von englischer Polizei auseinandergetrieben, wobei zwei Juden verhaftet wurden. Der nächste Eisenbahnzug, der durch Tel-Aviv passierte, wurde von einer empörten jüdischen Menschenmenge mit Steinen bombardiert. Die Jewish Agency hat sich an die palästinensische Regierung gewandt mit der Forderung, alle Schritte zu unternehmen, um die an den heutigen Ausschreitungen in Tel-Aviv Schuldigen ausfindig zu machen; außerdem soll die Regierung eine Zusicherung geben, daß derartige Ausschreitungen sich in, Zukunft nicht wiederholen werden. Falls eine solche Zusicherung nicht gegeben werden kann, verlangt die Jewish Agency die Unterbrechung des Zugsverkßhrs von Jaffa. Die Tel-Aviver Stadtverwaltung hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, von Gewalttaten Abstand zu nehmen und in dieser schweren Stunde Disziplin und Würde zu bewahren. 71 jüdische Tote Aus Jerusalem: Der aus Deutschland eingewanderte 25jährige jüdische Elektrotechniker Julius Wagschal wurde auf dem Wege von Tel-Aviv nach Sarafend, wohin er zur Ausführung einer Reparatur an der elektrischen Anlage der Militärgarnison gerufen wurde, aus dem Hinterhalt von Arabern erschossen. Er ist der 70. jüdische Tote, der Haruhen, Das aus einem fahrenden Zug auf einen belebten Punkt von Tel-Aviv verübte Bombenattentat hat unter der Judenheit ungeheure Erregung ausgelöst. An der Attentatsstelle In der Herzlstraße versammelte sich eine große jüdische Menge, die erbitterten Protest gegen die Palästina-Regierung erhob, die es unterläßt, gegen Banditen und Kindermörder durchzugreifen. Englische Polizisten zerstreuten die Demonstranten. Das durch das Bombenattentat getötete Kind ist ein achtjähriger Knabe namens David A1 b a 1 e h. Von den 22 Verwundeten wurden die folgenden neun Schwerverletzten in das Hadassa-Hospital gebracht: Jecheskiel Misrachi (41 Jahre alt), William Fettzweig (42), Jizchak Alton (48>, der 19jährige sephardischc Jude Jizchak Jamil, Melr Schämai (35), Jizchak Katz (23), Bruno Karkson (33), Sarin Russo (22) und Willi Schwarz (25 Jahre alt). Zum erstenmal nach vier Monaten blutigen arabi- . sehen Terrors kam es zu einem Vergeltungsakt jüdis-cherseits. AK nach dem Bombenattentat ' wieder ein Zug durch Tel-Aviv nach Jaffa fuhr und Araber der Gewohnheit gemäß Steine aus dem Zug auf jüdische Passanten schleuderten, bewarfen Juden den Zug ebenfalls mit Steinen, wodurch zwei arabische Passa- Restaurant Stefanie tehhfcfc* Hugo u. Julie Herlinger geb. Zollner \WJ ii, Taborstraße 12 Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten giere verletzt wurden. Arabische Agitatoren in Jaffa nützten diesen Umstand aus, um. das Gerücht zu verbreiten, es seien in Tel-Aviv Dutzende Araber getötet worden. Ein großer arabischer Mob sammelte sich an, wurde aber von der Polizei mit Knüppeln zerstreut, wobei einige Araber verletzt wurden. Auf dem' Markt zwischen Jaffa und Tel-Aviv kam es zu, einer Schlägerei zwischen Arabern .und Juden, wobei .der 40jährige jüdische Arbeiter Schimon Zarafilo verletzt .wurde. . . Die Führer des Jischuw gaben in einem Telegramm an den JHigh .7 Commissioner Sir Arthur Wauc.hope ihrer tjief sten^Entrüstung darüber Ausdruck, daß die britische 'Administration nicht durchgreift,,., um^ Mördera^jUir Handwerk zu legen. Die '* Ttegieruns^x^f^ K{^^^S^^n'%n^^'1i(iv 'ÄnärcKie " im Lande eini:Ende^ZU5 .|r^^en.:M;:.fpf •.v;<=';_ 7"'./ In der Nätier'vön Jaffa wurde auf einen Autobus fejn -^^^S^irTr^^x^^^ englischer Soldat verletzkund^ der-jüdische-;Gj|at^ur; getötet wurde. Er ist der 71, ■ j ü dri's c h. e Tote. ■'( J. ]TV A.) Alle Damen geht es an! OMSA die einzig vollkommen geruchlose Enthaarungscreme Probetube S 1.- / Durch Omsa-Vertrlöb Wien 1. Bezirk, Kohlmarkt Nr. 10 Hinterhalt angeschossen. Natja Fink war sofort tot, während Nechama Zedek kurz nach dem Anschlag verstarb. Die Erbitterung in jüdischen Kreisen über diesen Doppelmeuchelmord ist um so tiefer, als die beiden jungen Krankenpflegerinnen sich freiwillig zu dem sehr schweren Pflegeriiinendienst am Krankenhaus In Jaffa, wo nur Araber und fast keine Juden gepflegt werden, gemeldet hatten. Bei der dritten jüdischen Toten des Tages handelt es sich um die 23jährige Chaja Freund, die bei einem arabischen Feuerüberfall auf die jüdische Kolonie Ramat Hakowesch -getötet wurde. Der arabische Terror in T i b e r i a s dauert unvermindert an. Arabische Trupps bewarfen' die jüdischen Wohnungen in der Altstadt mit Steinen, wobei vier Juden schwer verletzt wurden. In der Nähe der jüdischen Siedlung BeitWeganbei Jaffa wurde ein Araber erstochen aufgefunden. Der Ausriahmszustand wurde über. Tiberias und die benachbarte Allenby-Brücke verhängt. (J. T. A.); Dizengoff an den High Commissioner Aus Tel-Aviv: Bürgermeister Mcir Dizengoff hat im Namen der Stadtverwaltung von Tel-Aviv an den High Commissioner Sir Arthur Wauchope ein Telegramm gerichtet, in dem er ihm von dem Bombenattentat in der Herzl-Straße Mitteilung macht. Die Stadtverwaltung fordere von der Regierung dringende Maß* nahmen, um dem arabischen Terror und der im Lande herrschenden Anarchie ein Ende zu machen.. Am Nachmittag fand eine außerordentliche Sitzung des Tel-Aviver Stadtrates statt. Es wurde beschlossen, der Regierung vorzuschlagen, ein Scheinwerfersystem einzurichten, damit Polizei und Militär auch nachts ihre Aktionen gegen die Terroristen durchführen können. Die Tragödie des Safeder Thoraschreibers Alter Unger, der mitidrei Kindern bei einem Bombenanschlag den Tod fand, hat die gesamte jüdische Bevölkerung in tiefe Erschütterung versetzt. Der furchtbare Eindruck wird jetzt noch dadurch vertieft, daß die Großmutter der Kinder und Mutter des Thoraschreibers aus Schmerz wahnsinnig geworden ist. Man. sieht sie den ganzen ^ag .umi die Unglücksstätte schreiten und die toten Kinder suchen. Die Obduktion hat ergeben,, daß bei allen Kindern Üngers Gewehrschüsse die Todesursache waren. 33 Araber, wurden im Zusammenhang mit den Morden in Safcd ver-« haftet und nach Akko gebracht. Ein arabisches Haus in Safcd wurde zur Strafe für den Anschlag niedergerissen^ zwei weitere Häuser sollen noch niedergerissen werden» (J. T. A.) Möbel Große Auswahl! kauft man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Edelmann Teilzahlungen! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenffelderstr. 12 Ormsby*Gore kommt nidit nach . Palästina Aus, London: Vom Colonial Office wird der J. T. A. mitgeteilt, daß die Meldungen,, wonach der. Kolonienminister Ormsby-Gore, der, jetzt seinen Urlaub in der Nähe von Alexandr i e.n verbringt,; naoh Palästina zu kommen gedenkt, -jeder Grundlage entbehren. Aus Jerusalem: „Falastiin" meldet, daß die Kgl. Kommission, berits arbeitet und telegraphlsche Anfragen, betreffend Palästina-Verhältnisse, an die Jerusalemer Regierung gerichtet hat. Alle Departements seien mit der Vorbereitung angeforderten Materials beschäftigt. (J. T..A-) ,.?£ksjmltkskto-$eMuetito9> Verstärkung der jüdischen Polizei Palcor meldet aus Jerusalem: Der High Commissioner hatte heute vormittag eine längere Unterredung mit Moshe Shertok Uber die politische Lage und insbesondere das Problem der Sicherheit. Sir Arthur Wauchope gab seine Zustimmung zu einer Verstärkung der jüdischen Hilfspolizei Um mehrere hundert neue Polizisten. Man hofft, daß damit die ursprünglich geforderte Anzahl von 2500 erreicht wird. Drei jüdische Mädchen ermordet Aus Jerusalem: Der Montag, 17. August, war wiederum ein Tag der Trauer für die Palästina-Judenheit: Drei junge jüdische Mädchen wurden von Arabern aus dem Hinterhalt erschossen, womit die Zahl der jüdischen Toten seit Beginn deir Unruhen auf 74 gestiegen ist. Die beiden jungen jüdischen Krankenpflegerinnen Natja Fink und Nechama Zedek, die im Regierungskrankenhaus von Jaffa Dienst zu tun pflegten, wurden am Montag abends, als sie sich zum Nachtdienst begaben, I unmittelbar vor dem Eingang zum Krankenhaus aus dem Die Frauen Safeds an Königin Mary Aus Jerusalem: Die jüdischen Frauen von- Safed haben unter dem Eindruck des Bombenattentata' auf die Familie des Thoraschreibers Unger ah Königin- Mary von England und ah den Koloniehminister : Ormsby-Gore Telegramme gerichtet, in denen sie; Schutz vor Angriffen auf Kinder verlangen. Wegen des Bombenanschlages in der Herzl-Straße in Tel-Aviv sind alle Vergnügungsstätten in Tel-Aviv geschlossen worden. (J. T. A.) Die hebräische Presse zu den Mordtaten . Palcor meldet: „Davar" bringt auf der Titelseite eine große UeberBchrlft: „Wer Ist schuld an dem Blutvergießen in Safed und Half a?" „Will die Regierung", so fragt die Zeitung, „daß wir völlig an ihr verzweifeln? Wir wer-, den immer wieder die Begierung anklagen, die mit den Mördern und ihren Anführern verhandelt. Bomben und Kugeln werden uns nicht einschüchtern; wir worden uns unser Recht und die Hoffnung unseres Volkes nicht nehmen lassen. Wenn wir. auch an anderen verzweifeln müssen, so können wir uns doch auf uns selbst verlassen.« . . „Haarez" schreibt: „Wenn es sein muß, können uuiiore Feinde uns morgen schon voll gerüstet sehen. Wir wollen Frieden; aber wenn wir zum Kampf gezwungen werden, sind wir bereit." ,,I)i)ar Hajo m": „Es geht nicht an, daß das -Xand sich noch länger der Herrschaft von Mördern unterwirft, die täglich neue Opfer fordert. Wir können diese Situation nicht länger ruhig mltanschen." Trauer in Haifa Palcor meldet aus Haifa: Nuch Zehntausenden zählende Menschenmengen beteiligten Bich an dem Begräbnis der Opfer de» MordUberfalles am Carmel. Die Särge waren In die -z 1 o n 1stiBchen Farben gehüllt; an der Spitze des Zuges maraohierte die j ü d i s c h e P o 1 i z e i mit den Hilfspolizisten. In den Grabreden von Rabbi Kanlol und Gemeindevertretern sowie Vertretern der Arbeiterschaft wurden schwere Vorwürfe gegen die Politik der Regierung erhoben, die eine Fortdauer der Ausschreitungen zulasse. Auf ein Sirenengeheul sämtlicher Im Hafen liegenden Schiffe legten die jüdischen Hafenarbeiter die Arbeit auf eine halbe Stunde nieder, wodurch auch die arabischen Lästträger gezwungen waren, dio Arbeitspause einzuhalten. Während dea Begräniaeea ruhte in gana Haifa die Arbeit in jüdischen Betrieben» ..... ...