Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 587 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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.&y /> Preis 20 Groschen Freitag/ den 21« August 1936 16« Jahrgang um V« b« b« Zeitung . .. ,erleger versendet „Journal expedie par redlten*«1 DIE NEUE WELT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monaUlch Zloty vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monaUlch Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.--; Jugoslawien monatlichi Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-; Enmänien monatlich Lei 40.-, viertel jährig Lei 120.—: Deutschland monaUlch MarkX—, vierteUährlg Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig. Lewa 80.—; Italien monaUlch Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätssir. 8, lel A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS SPOIEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „O R BIS" l. Kärntnerstrane 41, R-si-5.78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro l. Frledrlehstrane 7, b.it-ioo, i. Graben 20, iM*.o.3S Was tun? Genau vor einem Jahre tagte in Luzern der letzte Zionistenkongreß. Die Berichte, welche damals über das Aufbauwerk in Palästina erstattet wurden, waren von Freude, Stolz und Hoffnungsfreudigkeit durchtränkt. Kaum zu bändigender Zustrom von Menschen und Kapital, ein Land, das einzige Land, in welchem es keine Arbeitslosigkeit, kein Defizit in der Staatswirtschaft gibt, wo jedes neue Unternehmen einschlägt, während überall die mächtigsten und ältesten zusammenbrechen, überquellende Lebensfreude und im Ueberfluß berstende Kassen. Das Werk ist für immer gesichert! Als dem Sprecher dei$$denstaatler in der peheraldebatte oblag mir der Auftrag, in den Chor der Freude die Warnung zu schreien.'Bin schwerer Auftra%>;WO sich alles freut und an Erfolgen berauscht, der mieselsüchtige Nörgler zu seinivlä':j^i^ic^e8>'GQzwitscher hineinzuunken. Ich mußte den Teufel an die Wand malen. Ich mußte daran erinnern, daß die beste1 i*ionierarbeit und Wirtschaftsführung unzulängliches Stückwerk und ein Bau auf Sand bleibt, wenn die durch sie errungenen Stellungen nicht politisch, gesichert werden. Wer ohne politische Sicherung arbeitet, wird von seinem Arbeitsplatz verjagt, und um so früher und gründlicher verjagt, je besser und erfolgreicher er arbeitet. Ich erinnerte daran, daß die Juden in unzähligen Ländern dieser Welt vortreffücti, gearbeitet haben. Aber da sie nicht Herren im Hause, sondern nur geduldete Aftermieter waren, hat man sie weggetrieben und andere haben die Früchte jüdischer Arbeit geerntet. Ich mußte sagen, daß uns in Palästina, in dem von uns so herrlich "entfalteten Palästina, das gleiche Schicksal ereilen wird, wenn nicht im Zionismus Selbstbesinnung Platz greifen "wird, Besinnung daran, daß nicht der, Transport von .Menschen und Geld die primäre Aufgabe ist, sondern die Arbeit und der Kampf um politische Sicherung, darum, daß die Welt unser Jlecht auf den Judenstaat anerkenne. Ohne diese Anerkennung gibt es keine gesicherte jüdische Zukunft. Wir müssen fordern und fordern, sonst wird man uns nichts geben und alles nehmen. Fröhlicher Beifall flog im Saale auf, als mir Präsident Weizmann die Belehrung, erteilte,.daß eine neue Kuh in Palästina wichtiger sei,. als alles Gerede von Politik und politischer Sicherung. Und unnütz seien politische Betrachtungen, weil die Kuh deshalb nicht um einen Liter mehr Milch geben wird.. Jetzt, kaum ein Jahr ist um, gibt es im damals so glücklichen Lande Unglück über Unglück. Stockung der Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Flüchtlingselend — Pogrom. Im jüdischen Nationalheim wiederholt sich mit fürchterlicher Präzision, was sich in der Diaspora abgespielt hat. Niemand fällt: den' Arabern in' den Arm. Kein teilnehmender Freund an; unserer Seite. Und wir selbst? Wir haben gelernt zu arbeiten, wir haben verlernt zu kämpfen. Der Araber spielt die politische Karte aus und gewinnt Aufmerksamkeit und Verständnis. Wir verweisen auf unsere ehrliche, fruchtbare Arbeit im Lande und niemand hört uns an. In wenigen Tagen wird sich der oberste Rat der Zionistischen Organisation, das Aktionskomitee,; versammeln. Die banale Phrase von der entscheidenden Stunde ist eindringliche Gegenständlichkeit geworden. Ja, eine entscheidende Stunde ist da und sie m& ge- Mörder ohne Richter Wien, 20. August 1936. Seit dem ersten Mordschuß in Palästina, den man als Beginn der „arabischen Revolte" bezeichnen kann, sind volle vier Monate ins Land gegangen. Innerhalb dieses Zeitraumes gab es keine ruhige Stunde mehr: Mord, Raub, Brand, Verwüstung als Ausfluß bestialischer Begierden folgten einander in unerbittlichem Tempo. Wenn anfangs geglaubt werden konnte, daß die arabischen Gewalttaten der Ausfluß eines plötzlich ausgebrochenen Verwüstungswahns seien, der sich mit der Zeit, vornehmlich unter der Abwehr der palästinensischen Administration, legen werde, so haben seither die Exzesse etwas anderes erkennen lassen: eine Gewaltpolitik der arabischen extrem-national istischen Führer mit dem Endziel, den jüdischen Aufbau zu stören, aufzuhalten und die britische Palästina- Exekutive zur Anerkennung dieser Aspirationen zu zwingen. Die arabischen Führer, d. i. das Oberste Arabische Komitee, das den Streik proklamierte und durchführen ließ, hatte es von allem Anfang an leicht., Er stieß auf '„ keinen Widerstand; ^des' für! Palästinas eine harte Probe gestellt. Im Bewußtsein des Rechts, der Anerkennung moralischer Prinzipien, und schließlich der Verantwortung für das ganze jüdische Volk haben unsere Brüder in Palästina eine bis an die Grenzen jeglicher Selbstbeherrschung gehende Geduld an den Tag gelegt. Sie wollten — auch im Abwehrkampf — keine Blutschuld auf sich laden« Sie wollten lieber Opfer bringen, als zu Gegenmaßnahmen greifen, die einen aktuellen Konflikt zu einem dauernden hätten machen können. Sie wollten der Welt zeigen, daß friedliche Arbeit auf allen Gebieten menschlicher Betätigung die Parole des jüdischen Palästina-Aufbaues sei. Für diese Aufopferung, für dieses — wir können es ohne Uebertreibung sagen — in der Geschichte des Pioniertums einzig dastehende Märtyrertum wurde das in Palästina schaffende jüdische Volk schlecht belohnt. Sogar als kleine jüdische Schulkinder, als pflichteifrige jüdische Krankenpflegerinnen von mörderischen arabischen Kugeln getroffen wurden, wußte die palästinensische Administration nichts mehr zu tun, als wieder nach den Uebeltätern zu — fahnden. Nach jeder Attacke, nach jedem Mord liest, man, Jeden Sonntag—billige Sonderfahrten mit ff nr nach IU n Cl CX©fHO W i f Z Nächste Abfahrten: 23. u. 30. August früh „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Telephon IM6-4-9» „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroll, VII, Mariahilferstraße 42, Telephon B-38-2-68 Schicksal Verantwortlichen, des Herrn Sir Arthur Wauchope; es konnte sich sogar der Hoffnung hingeben, seitens der Palästina-Administration mit einer wohlwollenden Neutralität belohnt zu werden. Denn Maßnahmen, wie sie von einer bewaffneten Macht, zudem noch Mandatarmacht, bei dergleichen Fällen erwartet werden, wurden nicht getroffen. Man ließ allzulang die arabischen Banditen gewähren und im Land selbst die Meinung aufkommen, daß man für die Politik der arabischen Terroristen Verständnis habe, bloß mit den Methoden nicht ganz einverstanden sei: Erst als die Attacken der arabischen Meuchelmörder sich auch gegen britische Polizei und Armee richteten, antwortete Sir Arthur Wauchope mit schärferen Mitteln, die allerdings immer von der — teils in Flugzetteln, teils im Radio----kundgegebenen Mahnung begleitet waren, man möge doch endlich brav sein und sich auf die Einsicht der Mandatarbeamten verlassen. Inzwischen wurde die Geduld des Jischuws auf nützt werden. Sie darf nicht in herzerschütternden Berichten und ins Leere verhallenden Protesten und Appellen verstreichen. Das Aktionskomitee muß den Kurs des Zionismus gründlich ändern, das Steuer herumreißen. Zum Aktionskomitee kommt eine Leitung, die organisatorisch und wirtschaftlich manche gute und ehrliche Arbeit geleistet, aber in der politischen Führung und als Repräsentant des jüdischen Volkes gegenüber der Welt völlig versagt hat,. die versagen mußte, weil sie vom politischen Zionismus Theodor Herzls abgeirrt war und keinen politischen Willen hatte. Aus dem Aktionskomitee muß eine Führung hervorgehen, nicht, wie bisher, eine Verwalterin der Wirtschaft, der Organisation und der Geldsammlungen. Die Leitung muß ideell umgestaltet und personell ergänzt werden, daß sie imstande ."sei, das jüdische Volk mit dem Willen zum Judenstaat und zu heroischer Verteidigung des jüdischen Palästina zu erfüllen und die Anerkennung der Welt für die gerechte jüdische Sache zu erringen. Robert Stricker. _ daß Araber verhaftet, Bombenwerfer gefaßt, Terroristenbanden unschädlich gemacht worden seien. Anfangs gar konnte man hören, daß die britische Polizei arabische Mordbrenner vom Tatort — v e rscheucht (!) habe. Ein neckisches Spiel, wäre es nicht so blutig ernst, so erschütternd tragisch! Von einem Gerichtsurteil, das man als Sühne für die Greueltaten ansehen könnte, ist uns nichts bekannt. Mörder streichen übers Land, aber von Richtern keine Spur. Wie groß muß die Empörung des Jischuws sein, wenn er sich endlich entschlossen hat, in einer Deklaration des Jüdischen Nationalrats an den Oberkommissär kundzugeben, daß wir kein Vertrauen mehr zu einer Verwaltung haben, welche Mordbrennern politische Geschenke verspricht. Die Geduld des Jischuws ist zu Ende. Wir haben seine Zurückhaltung bewundert, seine Beherrschtheit als Notwendigkeit angesehen, weil wir Vertrauen xu, ihm hatten. Wir werden auch weiterhin zum jüdischen Jischuw in Palästina stehen. Er soll wissen, daß wir seiner in den schweren Stunden gedenken und daß er auf uns, die wir in der Gallith leben, rechnen kann, wenn er Entschlüsse faßt, die für das Schicksal des jüdischen Palästinas entscheidend sind. o. r. METR0-G0LDWYN-MAYER III GALA-SAISON Jeanette IflacDoHcdd \ Hdso* £ddy ||| UmHuufo DER TRIUMPH DER FILMKUNST REGIE; W. S. VAN D YKE älte-fäna L I <fyeert~AW I.