Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 585 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 585 vom 14. Augusjt 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 Palästina: Erhöhter Terror Aus Jerusalem wird gemeldet: Der 22jährige Ascher Rosenfeld wurde bei der Bewachung einer Orangenpflanzung in Ness Ziona von Arabern aus dem Hinterhalt erschossen. Er ist der 56. jüdische Tote. Der 38jährige Siedler Benjamin Schuster in Äfoza wurde auf der Schwelle seines Hauses durch Schüsse verwundet. Er wurde in das Hadassah-Krankenhaus gebracht. Die Siedler Israel Weinstein, Menachem Keller, Mosche Gostorp und Zippora Schwartz wurden durch die Explosion einer Bombe verwundet. Die Verletzungen des Eigentümers des Hauses sind schwer. Nachdem die Bombe explodierte, wurde das Gehöft von arabischen Schützen beschossen. Am Montag, 10. August, nachmitags wurden zwei britische Flieger durch das Feuer der aufständischen Araber schwer verletzt. Der eine der Flieger erlag bald darauf seinen Verletzungen. In den Außenbezirken von Jerusalem bei K i r j a t Chajim, Nescher Jabniel und Kfar Jawez ist es zu Schießereien gekommen. Abteilungen des transjordanischen Grenzwachkorps haben in den Bergen bei Hinereth einer arabischen Bande ein Gefecht geliefert, Ein Araber ist gefallen. Von dieser Woche an werden die Autokolonnen, die zwischen Tel-Aviv und Haifa verkehren, statt wie bisher von zwei, von vier Militärautos begleitet sein. Außerdem fährt ein kleines Auto mit einer Radiostation mit. Bei Tel Mond wurden in den beiden letzten Tagen 3000 Orangenbäume vernichtet. Eine Bande bewaffneter Araber raubte 250 Schafe aus Kfar Chitim. Die Regierung hat wieder Flugblätter abwerfen lassen, in denen jede Unterstützung der Rebellen durch Lieferung von Nahrungsmittel und Gewährung von Unterkunft verboten und darauf hingewiesen wird, daß die Kgl. Kommission erst nach völliger Säuberung des Landes von den Banden nach Palästina kommen wird. (T. T. A.) Neue Todesopfer Aus Jerusalem: Der am 1. August bei einem Spaziergang in Haifa von arabischen Terroristen schwer verwundete 20jährige sephardische Jude Josef Kaleb ist seinen Verletzungen erlegen. Er ist der 57. jüdische Tote seit Beginn der Unruhen. Ein Autobus wurde auf der Fahrt nach Safed aus dem Hinterhalt beschossen. Der 26jährige Jehuda Rokach wurde hierbei schwer verletzt. * Der Bürgermeister der jüdischen Kolonie M i z p a h am Genezareth-See wurde bei einem Bombenanschlag getötet. Er ist das 58. jüdische Todesopfer. In einem Haus ' in der - jüdischen Kolonie Rosch-Pinah an der Grenze der Kolonie wurde eine Bombe geschleudert, bei deren Explosion vier Juden und eine 23jährige jüdische Frau verletzt wurden. Auch die englischen Verluste mehren sich. In der Nacht zu Dienstag wurden zwei britische Soldaten, getötet und zwei schwer verletzt. Am Dienstag vormittag wurde in der Jerusalemer Altstadt ein Geheimpolizist durch Schüsse aus dem Hinterhalt schwer verletzt. Der bei Nablus durch Explosion einer Mine getötete britische Offizier ist der Leutnant R. M. F e s t i n g. Bei Anabta wurde eine Militärpatrouille von Arabern beschossen. Die Patrouille erwiderte das Feuer. Vier Araber fielen. Der Feuerüberfall auf zwei Angehörige der britischen Luftstreitkräfte, von denen einer fiel und der zweite verletzt wurde, geschah in der Nähe des Rockefeller-Museums in Jerusalem. Bei Ras-el-Ain ereignete sich aus bisher noch unbekannter Ursache ein Eisenbahnunglück. 28 Güterwagen brachen führerlos in eine alleinstehende Lokomotive, auf der der Heizer und ein Zugsbegleiter getötet wurden. Bei der gleichen Station wurden um Mitternacht Eisenbahnwagen von einer arabischen Bande vernichtet. Schnell alarmierte Truppen griffen die Araber an, töteten vier, nahmen drei gefangen und erbeuteten viel Munition. (J. T. A.) Eine Mahnung Amerys an England Aus London: In einem längeren Schreiben an die „Times" erklärt der ehemalige Kolonienminister A m e r y, daß sich England nicht in Ehren den aus dem Mandat ergebenden Verpflichtungen entziehen könne. Ein Nachgeben gegenüber der Unbotmäßigkeit der Araber würde bei diesen nur die Hoffnung erwecken, daß das ganze Mandatssystem über den Haufen geworfen werden könnte, wenn sie nur durchhalten. In Palästina stünden zwei Völker gegeneinander, von denen das eine hoch entwickelt, das andere zurückgeblieben sei. Wolle man den Arabern das allgemeine Stimmrecht geben, dann könnten sie alles sabotieren, so lange die Juden in der Minderheit seien. Die Gleichberechtigung beider Nationen müsse dadurch gesichert werden, daß Juden und Araber einen gleichen Anteil an der Gesetzgebung erhalten, ohne Rücksicht auf ihre zahlenmäßige Stärke. Dieses Regime sollte von der englischen Krone auf ewig garantiert werden, und darauf könnte eine dauernde Politik in Palästina aufgebaut werden. |(J. T. A.) Bevorstehendes Ende des Streiks in Palästina? Aus Jerusalem: Der Korrespondent der United Press of America erhielt Informationen, denen gemäß es nach 16 Wochen erbitterten Kampfes, in dem 300 Menschen getötet und über 500 verwundet wurden, es zum erstenmal so aussieht, als begännen die Araber die Hoffnungslosigkeit ihres Widerstandes gegen die englische Macht einzusehen. Der Streik kann vielfach nur mit gewaltsamen Mitteln durch Einschüchterung der arabischen Massen und Androhung von Repressalien weitergeführt werden. Die Bauern und Kleinhändler leiden schwer unter der Wirtschaftsstagnation und erwarten nichts sehnlicher als die Rückkehr normaler Zustände. Die Araberführer bemühen sich daher gegenwärtig um das Kompromiß, welches die Zusicherung eines wenigstens zeitweiligen Verbotes der jüdischen Einwanderung seitens Englands enthalten soll. Ein solcher Vergleich würde den Führern der arabischen Bewegung die Möglichkeit geben, den Streik abzublasen, ohne sich in den Augen der Gefolgschaft eine zu große Blöße zu geben. Das strenge Durchgreifen des britischen Militärs gegen bewaffnete arabische Insurgenten soll dazu beigetragen haben, den Widerstandswillen der Araber zu brechen. Besonders in den letzten Gefechten, bei denen die Engländer auch Flugzeuge und Maschinengewehre einsetzten, waren die arabischen Verluste sehr hoch, während die Verluste der Engländer ziemlich geringe waren. (J. T. A.) Streik*Terror Aus Jerusalem: Ein Teil der arabischen Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten in Haifa wurde heute durch Terroristen verhindert, zur Arbeit zu gehen. Diejenigen, denen es trotzdem gelang, auf ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen, sollen Drohbriefe erhalten haben. Weiter wird aus Haifa gemeldet, daß ein Teil der arabischen Angestellten der Iraq Petroleum Company nicht zur Arbeit kommen konnte, da eine Gruppe Terroristen sie zum Aussteigen aus dem Zuge nach Haifa zwang. Das Streik-Komitee in Haifa bemüht sich intensiv, die Streikbewegung weiter auszudehnen, bisher jedoch mit wenig Erfolg. Der Versuch, die arabischen Hafenarbeiter zum Streik zu bewegen, ist mißlungen. (Palcor.) (jfO&Et^tSUHUt iür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Die Immigrationscfrage Aus Jerusalem: Die Regierung hat offiziell die (von uns bereits erwähnte) Meldung in der arabischen Zeitung „Adifaa" dementiert, wonach der High Commissioner, falls erforderlich, zum Verbot der Einwanderung bevollmächtigt sein sollte. In dem Dementi, das auch durch Rundfunk bekanntgegeben wurde, wird betont, daß die vom Kolonienminister in seiner Erklärung vom 22. Juli dargestellte Sachlage keinerlei Aenderung erfahren habe. (Palcor.) Ein interessanter Freispruch Aus Jerusalem: Drei jüdische Landwirte aus Rechoboth, die unter der Anklasre standen, Araber zur Ausrodung von Bäumen in einer jüdischen Plantage bei Rechoboth engagiert zu haben, wurden in Tel-Aviv von dem englischen Richter Bodllly freigesprochen. Die Verhandlungen, die im ganzen Lande größtes Interesse hervorgerufen hatten, dauerten eine ganze Woche. Bei der Urteilsverkündung -wies der Richter noch besonders auf die Unzulänglichkeit der arabischen Belastungszeugen hin. (Palcor.) Streik bei der flrakffPetfroleum«Ge§elIschaft Aus Jerusalem: Bei der IraJk-Petroleum-Gesellschaft in Haifa ist der Streik erklärt worden. Agitatoren des arabischen Streikkomitees haben den Versuch unternommen, die Regierungsbeamten und Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten in Haifa zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Nach mehreren stürmisch verlaufenen Versammlungen sind tatsächlich einige Angestellte in den Streik getreten. Die jüdischen und ägyptischen Arbeiter der Werkstätten setzten jedoch die Arbeit fort. Im allgemeinen ist die Lage in Haifa unverändert. Siebzehn Araber wurden wegen Versuches, andere Araber zum Streik zu zwingen, verhaftet. Weitere acht Araber wurden wegen unbefugten Waffenbesitzes, fünf wegen des Versuches. Explosivstoffe aus Regierungsbeständen zu stehlen, festgenommen. Der Presse wurde untersagt, über die Bewegung bei den Regierungsbeamten und Hafenangestellten zu berichten. In Jerusalem haben mehrere höhere arabische Beamte der Mandatsregierung Drohbriefe erhalten, daß sie ermordet werden, wenn sie sich nicht innerhalb von zehn Tagen der Aufständischen-Streikbewegung anschließen (J. T. A.) Britischer Oflizier getötet Aus Jerusalem: Ein britischer Offizier kehrte im Kraftwagen in Begleitung eines Feldwebels und zweier Soldaten von einem Scharmützel gegen Araber nach Nablus zurück, als der Wagen plötzlich auf eine Landmine oder andere Explosivstoffe stieß, die auf der Landstraße aufgehäuft waren. Infolge der Explosion stürzte das Automobil in eine Bergschlucht, wodurch der Offizier sein Leben einbüßte. Wiederum wurde die Ueberlandsleitung der Irak- Erdölgesellschaft von arabischen Nationalisten beschädigt. Die Saboteure zündeten das ausströmende Petroleum an> wodurch ein riesiger Brand entstand. Brandschutzabteilungen aus Transjurdanien sowie Mechaniker wurden eilends nach der Brandstelle im Beisan- Distrikt geschickt, um das Feuer zu löschen und die Leitung auszubessern. (J. T. A.) Flüchtlingsfürsorge Vom 11. August ab wird der Waad Leumi gemeinsam mit der Tel-Aviver Gemeinde die Flüchtlingsfürsorge übernehmen. Damit ist der erste Schritt zur Lösung dieses Problems getan. (Paleor.) Flüchtlingshochkommissar Neill Malcolm Aus Genf: In der Sitzung am Montag erschien der Hochkommissär des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, General Sir Neil! Malcolm, und wurde Neues Wiener Konservatorium (27. Schuljahr) Musikvereinsgebäude Unterricht vom ersten Anfang bis zur letzten Ausbildung (Staatsprüfung) durch erstklassige, vom atadtschulrat zur Kenntnis genommene Lehrkräfte / Theorie, Gesang, Klavier und alle Orchesterinstrumente / Opern-, Schauspiel- und Dirigentenschule / Eigene Klnderabteltung (für sechstes zwölfjährige Schüler). Anmeldungen ab 1. September in Mu8lkvereiti8geDäude. Daselbst Auskünfte und Prospekte jederzeit. vom Präsidium des Kongresses begrüßt. Sir Neill Malcolm, der soeben aus Deutschland in Genf eingetroffen war, ergriff selbst das Wort und gab die Versicherung ab, er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um das Schicksal der Flüchtlinge zu verbessern. Der Vorsitzende des Schweizerischen Israelitischen Gemeindeverbandes, Sally Meyer (Zürich), warnte den Kongreß davor, einen vorgefaßten Standpunkt gegen die Assimilation einzunehmen. Für zahlreiche Juden, sagte er, sei die Diaspora kein vorübergehender Zustand, sondern eine unumstößliche Tatsache, weil sie sich mit dem Lande, in dem sie wohnen, unzertrennlich verbunden fühlen. (Votkeitstikfet. Diesmal ist der Wochenspiegel dem I. Jüdischen Weltkongreß gewidmet. Die nachstehenden Bemerkungen sind der Eröffnungsrede des Präsidenten Rabbi Doktor Stephen Wise entnommen. Der Jüdische Weltkongreß ist eine völlig freimiliige, auf dem Grundsatz der Zusammenarbeit aufgebaute Vereinigung von Vertretern jener Juden der ganzen Welt, die sich entschlossen haben, ihren Platz in ihm einzunehmen. Er kann nicht mehr Macht haben als ihm von den Juden, die er vertritt, übergeben worden ist, nicht mehr Autorität, >als sich aus der Weislieit seiner Verhandlungen und aus der Reinheit seiner Ziele ergibt. * Wir, die wir uns auf dieser ersten Sitzung des Jüdischen Weltkongresses zusammengefunden haben, wir sind erfüllt von Glauben. Wir glauben an unsere Fähigkeit, unser Volk Verständnis zu lehren, wir glauben an unsere Fähigkeit, offen das Gewissen der Menschheit anzurufen. Wir glauben an jene moralische Kraft, die es nicht zulassen wird, daß ein Volk zugrunde gehen wird, das durch nahezu vierzig Jahrhunderle seine Fähigkeit zu leiden und zu ertragen, seine Fälligkeit zur höchsten Vervollkommnung bewiesen hat; ein Volk, das nicht sterben wird, wenn es nicht selbst so will, ein Volk, dessen Wille zu leben das Wunder der Geschichte und die höchste Vollendung des Geistes ist. * Wir behaupten nicht, daß der Jüdische Weltkongreß ein Parlament sei, noch versuchen mir den Eindruck zu erwecken, daß er das gesamte Judentum vertrete. Niemals wird irgend ein Jüdischer Kongreß das gesamte Judentum vertreten. Wohl aber stellt sich die Frage, ob es einer Zahl von böswilligen Gruppen, wie klein sie auch sein mögen, die dem Jüdischen Weltkongreß ihre Mitarbeit und Unterstützung verweigern, gestattet sein darf, der jüdischen Weltkongreßbemegung entgegenzutreten und sie zu verhindern. Keine Gruppe von ängstlichen und assimilationslüsternen Juden darf die Macht haben, den Kongreß zu verneinen und den Willen eines Volkes zu hintertreiben. * Es mag unbewußt geschehen, aber darum ist es nicht weniger wahr, daß wir selbst unseren Feinden die Waffen gegen uns in die Hand geben, dadurch, daß es uns nicht gelingt, zusammenzustehen, es sei denn ganz vorübergehend, in der Absicht Not zu lindern. Unsere Unfähigkeit zu organisierter Verteidigung und Aufrechterhaltung unserer Rechte als Juden ist eine Einladung, eine Versuchung, ja eine Herausforderung an die Feinde Israels, ihre ganze Grausamkeit und Niedrigkeit an uns auszulassen. * Wir vom Jüdischen Weltkongreß, wir Vertreter des Volkes, von dem wir auf die eine oder andere Weise erwähnt worden sind, rvir müssen unser Volk trösten, wir müssen ihm nahe sein, wir müssen zu ihm sprechen; zu ihm und für es; ivir müssen für unser Volk und mit unserem Volk handeln. Und zu unserem Volk, unseren jüdischen Brüdern auf der ganzen Welt sagen wir, gehorsam dem Befehl des Propheten nicht nur: „Tröste dich, tröste dich mein Volk", sondern mir wollen gemeinsam in ihrem Namen, ihrem Geiste und ihrem Interesse handeln, so daß sie überreichlich Grund haben sollen zu Trost, zu hohem Mut, zu glücklicheren Visionen. Aus Prof« Dubnows Beqrüßiincgsaclresse Gelingt es nicht, auf unserem I. Weltkongreß, unserer allwelllichen Gründungsnersammlung, innerliche Zerrissenheit und Parteistreif igkeiien zu überwinden und ein Weltorgan zu schaffen, das den Willen des jüdischen Volkes oertritt, dann werden mir in dem gegenmärligen, für unsere Situation in der Welt so gefährlichen Zustund der Anarchie verbleiben.