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Die neue Welt · 1936-08-14 · Heft 585 (14.8.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 585 (14.8.1936)
Date
1936-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite '4 DIE NEUE WELT Nr. 585 vom 14. August 1936 1 RABENSTEIG 3 < H1MMELPFORTG. 5 A KÖLLNERHOFGASSE 1 w ^——■ i ii 11 EINZIG IN (DIEN!!! dft Reinseidcn-Herren* hemden, b4Ste Paßf°rm nur .83 ffa/nitldtn Kniehose nur S 3.90 In Pyjomas u.Bademfintel viele Sorten v2-nermel-licmöen ......" cte. Er forderte die Juden auf, sich unter den demokratischen Mächten Alliierte zu schaffen. Die Nachmittagsdiskussion schloß mit der Aufstellung einer Kandidatenliste, für die Bestellung der Vorsitzenden an die verschiedenen Kommissionen, die der Kongreß sich gibt, ab. In der Abendsitzung Aussprache über die Palästinafrage. Zu Worte sind gemeldet: Jizchak Grünbaum, Berl Locker, Louis Lipky. * Im Verlauf der Generaldebatte berichtete Kaisermann über die jüdische Situation in Kanada und schilderte, wie die Juden Kanadas erfolgreich den Antisemitismus bekämpfen. Der Kanadisch-Jüdische Kongreß hat in den wenigen Jahren seines Bestehens auf diesem Gebiete sehr gute Arbeit geleistet. Der amerikanische Arbeiter - Delegierte Louis S e g a 1 berichtete über die Nazi-Umtriebe in den Vereinigten Staaten und über Diskriminierungen von Juden im amerikanischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Die Juden Amerikas, sagte Segal, fürchten diese Dinge nicht. Sie glauben an das amerikanische Volk und an den hohen Geist des Liberalismus, der in Amerika herrschend ist. Dennoch aber stehen die amerikanischen Juden vor der Notwendigkeit, der Propaganda der deutschen Nazis entgegenzuwirken. Louis Segal wandte sich der Lage der jüdischen Arbeiter in den verschiedenen Ländern zu und beklagte es, daß jüdische Arbeitgeber in dem Glauben, 3ich auf diese Weise vom antisemitischen Druck zu befreien, ihre jüdischen Arbeitnehmer auf die Straße setzen. Diese Arbeitgeber aber täuschen sich; durch ihre Willfährigkeit gegenüber den Judengegnern erreichen sie nur, daß die wirtschaftliche Position beider Klassen untergraben wird. (Die Verhandlungen werden fortgesetzt.) Anion Dickmann Budapest Dolly Diekmann, geb. Frisch Wien Vermählte Statt jeder besonderen Anzeige Neue Zertifikate . Aus Jerusalem: Die Regierung hat heute der Jewish Agency 140 Zertifikate zugestellt, von denen 100 für deutsche Jugend und 40 für das H u b e r m a n- Orchester bestimmt sind. Die deutschen Jugendzertifikate waren bisher, wie die Zertifikate für Studenten, in einem besonderen Schedule vorgesehen, für das die Jewish Agency eine Anzahl von 450 beantragt hatte; diesem Antrage ist jedoch seitens der Regierung nicht stattgegeben worden. (Paleor.) ToscaniiUffKonzefftie in Palästina Im Zusammenhang mit den Unruhen in Palästina wurde die Besorgnis wach, daß die bereits angesagten Konzerte des von Bronislav Hube rm a n gegründeten Philharmonischen Orchesters nicht werden stattfinden können. Zur allgemeinen Genugtuung erfahren wir nunmehr, daß die in Rede stehenden Konzerte bloß eine Verschiebung erfahren haben und daß das Eröffnungskonzert unter der Leitung Arturo Toscaninis am 26. Dezember d. J. in Jerusalem stattfinden wird. Das Programm enthält: Mendelssohn: Musik zum „Sommernachtstraum", Beethoven: „Leonoren"- Ouvertüre Nr. 3, Beethoven: V. Symphonie und eine vierte Programmnummer, die noch bestimmt werden wird. Anschließend an das Eröffnungskonzert wird Toscanini das gleiche Programm in verschiedenen Städten Palästinas dirigieren, darunter einmal als Arbeiter- Symphoniekonzert. Hierauf wird das Orchester, gleichfalls unter Toscaninis Leitung, eine Tournee von vier Konzerten in Aegypten absolvieren. Sämtliche von Toscanini geleiteten Konzerte werden ohne Solisten stattfinden. Adolf Busch wird der Solist des nächsten Frogrammes sein, das in Palästina nach der Rückkehr des Orchesters aus Aegypten absolviert werden wird. Dieses Konzert wird von Generalmusikdirektor Hans Wilhelm Steinberg geleitet worden. Dann wird der berühmte Dirigent Issay Dobrowen einen Monat lang als Dirigent des Orchesters wirken. Hierauf wird wieder Steinberg das Orchester leiten, nach ihm Kapellmeister Michael Taube. * Bronislav Hubermann wird seine Lehrtätigkeit an der Wiener Staatsakademie, die er schon vor etwa sechs Monaten unterbrochen hat, nicht wieder aufnehmen, da ihn seine verschiedenen künstlerischen Aufgaben sowie seine Organisationsarbeit beim Aufbau des Palästina- Orchesters viej zu sehr in Anspruch nehmen. Er hält sien gegenwärtig in Salzburg auf, um mit Toscanini die Vorarbeiten für das Erifcfnungskonzert zu besprechen. Personalnachricht. Zur Vermählung des Frl. Dolly Frisch mit Herrn Anton Dickmann, Budapest, gratuliert herzlichst Samuel Bloch. Facharzt für Geburtshilfe Dr. Paul Kunstadt ist vom Urlaub zurückgekehrt und ordiniert wieder VIII., Josefetädterstraße 21. Rund um den Kongreß Julian W, Made Ehrenvorsitzender Aus Genf: Der Jüdische Weltkongreß wählte in seiner Sitzung am Sonntag abend Richter Julian W. M a c k zu seinem Ehrenvorsitzenden. Mack, 1866 in San Franzisko geboren, war 1805—1911 Professor an der Nordwestern University und der University of Chikago und später Richter an verschiedenen hohen Gerichtshöfen der Vereinigten Staaten. 1918—1921 war er Präsident der Zionistischen Organisation von Amerika, er war auch Vorsitzender des ersten Amerikanisch-Jüdischen Kongresses und 1919 in Paris Vorsitzender des Comite des D61e"gations Juives. Er begründete den Palestine Development Council, dessen Präsident er wurde. Die fünf Kommunisten aus U* §♦ A* Aus Genf wird uns berichtet: Nach dem Referat von Kubowitzki über die Organisation des Kongresses fand die Wahl des Präsidiums statt, die einstimmig erfolgte. Daran schloß sich der Bericht des Legitimationsausschusses. Zum Kongreß sind 291 Delegierte aus 32 Ländern, davon 262 gewählte und 29 Virilisten (sowie Mitglieder der Exekutive) erschienen. Fünf Mandate wurden nicht anerkannt. Es handelt sich um fünf Vertreter aus U. S. A., welche als Kommunisten gelten. Da für TJ. S. A. der American Jewish Congress die Wahlen zum Weltkongreß durchführte und die erwähnten fünf Vertreter in seiner Liste nicht vorhanden waren, hat der Legitimationsausschuß diese Mandate nicht anerkannt. Für die Bestätigung der Mandate kämpfte — nach langen Debatten in den Landsmannschaften und Fraktionen — F i n e (Arbeiterring, England) mit der Motivierung, daß sich die amerikanischen Kommunistenvertreter von den Kommunisten in Palästina distanziert hätten. Louis L i p s k y (U. S. A.) sprach sich gegen die Teilnahme der fünf Kommunisten aus, die in New York sowohl auf Versammlungen als auch in ihrer Presse die antizionistische Hetzpropaganda hemmungslos betreiben. Durch die Ausschaltung der amerikanischen Kommunisten ist die Gefahr einer Zellenbildung im Bereich der Kongreß-Delegierten vermieden. Was Polen vom Weltkongreß erwartet Aus Warschau wird gemeldet: Die „Gaze 11a Polska" und andere einflußreiche Organe des Regierungslagers übernehmen von der halboffiziellen Agentur des Außenministeriums „Polska Informacja Politisza" einen anläßlich des Jüdischen Weltkongresses geschriebenen Artikel, in dem auf die Bedeutung der Auswanderung für die Lösung der wirtschaftlichen Judennot hingewiesen wird. In dem Artikel heißt es u. a.: Es ist zu erwarten, daß der Jüdische Weltkongreß eine umfassende Diskussion aller jener Fragen auslösen wird, die auch Polen, das mit seinen 31/, Millionen Juden nach den Vereinigten Staaten die größte jüdische Bevölkerung hat, interessieren müssen. Polen ist relativ überbevölkert. Wir haben zuviel Menschen in den Dörfern, wir haben eine ungünstige Struktur in Handel und Industrie, einen Ueberfluß an ungesunden kleinen Werkstätten. Vierzig Prozent der Juden Polens leben von Handel und Vermittlung, außerdem gibt es einen sehr hohen Prozentsatz Juden in den freien Berufen und bei den „beruflich Passiven". Sogar nach Ansicht jüdischer Führer (gemeint ist die ungeschickte Rede Jizchak Grünbaums, der kürzlich in Warschau ausführte, daß es Alle Damen geht es an! OMSA die einzig vollkommen geruchlose Enthaarungscreme Probetube S 1.— / Durch Omsa-Verlrleb Wien 1. Bezirk, Kohlmarkt Nr. 10 in Polen 1 Million Juden — zu viel gebe. Anm. d. Red.) hat eine Million in Polen keine gesunde wirtschaftliche Existenzbasis. Als kapitalarmes Land muß Polen eine wenigstens teilweise Lösung seines Bevölkerungsproblems durch Verstärkung der Auswanderung suchen. Diese Notwendigkeit, die für das gesamte Bevölkerungsproblem besteht, bezieht sich damit auch auf die Juden. Jüdische Verfasser berechnen, daß zwecks Lösung der Judenfrage in Polen die Zahl der jüdischen Auswanderer jährlich 100.000 erreichen muß. Infolge der begrenzten Möglichkeit einer Auswanderung nach Palästina muß die Arbeit der jüdischen Organisationen, die die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden repräsentieren, darauf gerichtet sein, auch andere Auswanderungsländer ausfindig zu machen. Der Weg zu neuen Gebieten muß der jüdischen Emigration hauptsächlich durch diejenigen Länder eröffnet werden, die an einer teilweisen Lösung der Judenfrage interessiert sind und deren Rolle in der Weltpolitik es ihnen ermöglicht, das ganze Proolem einer praktischen Behandlung zuzuführen. Weltverband der jüdischen Jugend Aus Genf: Am 12. und 13. August tagte in Genf eine Konferenz von Vertretern der verschiedenen jüdischen Jugendorganisationen unter der Leitung des Präsidiums des Weltverbandes der jüdischen Jugend. Die Konferenz wird sich mit der Lage der jüdischen Jugend in allen Ländern befassen und über Maßnahmen zur Erleichterung dieser Lage beraten und beschließen. Auch soll über "die Verbreiterung der Basis des Weltverbandes der jüdischen Jugend beraten werden. Der Verband will dem Jüdischen Weltkongreß üi Genf Materialien über die Nöte der jüdischen Jugend unterbreiten und ihn zu Beschlußfassungen veranlassen. Der Verband wird sich auch mit aktiver Propaganda für den Jüdischen Weltkongreß als ständiger Judentums- Organisation befassen. Er wird sich bestreben, unter der Jugend den Geist aktiver Kameradschaft zu stärken. Schon heute gehören dem Weltverband der jüdischen Jugend 15 Jugendorganisationen verschiedener Länder an. In Frankreich, Algerien, Rumänien, Schweiz, Danzig bestehen bereits Landesorganisationen der Verbände jüdischer Jugend. Außer diesen Ländern werden auf der Konferenz am 12. und 13. August mehrere Jugendorganisationen anderer Länder sowie eine Reihe Delegierter des Jüdischen Weltkongresses teilnehmen. Hakenkreuz im Saal des Jüdisdhen Weltkongresses Aus Genf: Trotz der starken Polizeibewachung gelang es einigen Nationalsozialisten, sich in das Batiment Electoral, wo der Jüdische Weltkongreß abgehalten wird, einzuschleichen und am Eingang ein großes Hakenkreuz anzumalen. Das Hakenkreuz wurde sofort weggewischt, die Polizeiwache verstärkt. (J. T. A.) fiU töeekml mtd Käse die bestrenommierten "1«D Auch Feinwurst Selchwaren Fleischkonserven HB ia Qualität Postversand Der Kongreß sollte bespitzelt werden Aus Bern: Der Führer der schweizerischen Frontisten Friedrich E i s e n e g g e r, der als Nazi-Agent in der Schweiz" gearbeitet und in engen Beziehungen sowohl zum deutschen Auswärtigen Amt in der Wilhelmstraße als auch zum Reichspropagandaministerium in Berlin gestanden hat, wurde nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Bern verhaftet. Wie bereits mitgeteilt, hat die Schweizer Presse den Text eines Briefes Eiseneggers an Goebbels veröffentlicht, in welchem Eisenegger auf die Ueberweisung von großen Geldsummen für die Arbeit in der Schweiz gegen „Juden und Freimaurer" drängte. Der Brief an Goebbels trug auch eine Empfehlung des berüchtigten „Sachverständigen" im Berner Prozeß um die „Protokolle" Oberstleutnant Ulrich Fleischhauer, Leiters der Erfurter internationalen Antisemitenzentrale. Die Bundesstaatsanwaltschaft gelangte aber in den Besitz einer Reihe anderer, den schweizerischen Staatsbürger Eisenegger viel ernster belastender Dokumente, darunter eines Briefes Fleischhauers, in welchem Eisenegger gebeten wird, den Jüdischen Weltkongreß in Genf zu bespitzeln. Die Untersuchung gegen Eisenegger ist im Gange. (J.T.A.) Audi Ulrich Fleischhauer Aus Bern: Die Anklage gegen Friedrich Eisenegger wird auch auf den deutschen Oberstleutnant Ulrich Fleischhauer in Erfurt ausgedehnt. Die Anklage lautet auf Organisierung eines politischen Nachrichtendienstes und Anwerbung von Agenten hierfür. Inoffiziell wird bestätigt, daß der Auftrag Fleischhauers an Eisenegger dahin lautete, ein System zur Bespitzelung des Jüdischen Weltkongresses einzurichten. Man glaubt aber nicht, daß sich Fleischhauer einem schweizerischen Gericht stellen wird. (J. T. A.) Die Fraktionen des Kongresses Aus Genf: Nachdem der Jüdische Weltkongreß Richter Julian W. Mack zum Ehrenpräsidenten gewählt hat, wählte der Kongreß in sein Präsidium den Dichter David Pin ski, Dr. Nahum Goldmann, Louis L i p s k y, Dr. Benzion Mossinson, Dr. Stephen S. Wise, den ehemaligen polnischen Senator Raphael Szereszewski, Dr. Rosmarin, Ing. Anselm Reiß, den ehemaligen Abgeordneten des lettländischen Sejm Rabbiner Dr. M. Nurok, den Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindoverbandes Doktor Sally Meyer, I. Jefroykin, Paris, den Vorsitzenden des Verbandes der Synagogengemeinden Englands Rat Davis und Oberrabbiner Brodt (Antwerpen). In das Kongreßsekretariat wurden entsandt: Doktor Margoshes, Max Holländer, Dr. Markus Kremer, Rabbi M. H. Stern, Adv. Blum und M. Kruker. Die Arbeitergruppen sämtlicher Länder haben sich auf dem Kongreß zu einer Arbeiterfraktion zusammengeschlossen, der sowohl zionistische wie nichtzionistische Arbeitervertreter angehören. Ferner wurde auf Anregung von Rabbiner Dr. M. Nurok und dem Präsidenten der Misrachi-Organisation Amerikas L. Gellman ein religiöser Block gebildet. Ueber 80 amerikanische Delegierte, fast ein Drittel des gesamten Kongresses, haben sich unter Führung von Dr. Stephen S. Wise zu einer Einheitsfront zusammengeschlossen. In der konstituierenden Fraktionssitzung wurde Louis Lipsky zum Vorsitzenden und Mendel Fischer zum Schriftführer gewählt. Obwohl die Amerikaner die größte und einflußreichste Gruppe auf dem Kongreß sind, haben sie beschlossen» keine Mehrheit oder führende Stellung in den einzelnen Kommissionen für sich in Anspruch zu nehmen. — Am Sonntag Nachmittag fand ein Bankett der amerikanischen Delegation statt, bei dem von den Teilnehmern 5000 Dollar für den Kongreß gezeichnet wurden.

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