Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 584 (11.8.1936)
- Date
- 1936-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712209--5955-2719643- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DCE NEtJE WELf Nr. 584 vom 11. August 193$ haß verdammt. Der der Unterredung beiwohnende Präfekt der Provinz Ober-Rhein erklärte, er werde die antisemitischen Aktionen in seinem Verwaltungsbezirk energisch unterdrücken. Es wurde dabei darauf hingewiesen, daß die antisemitischen Propagandisten vom Dritten Reich her instruiert und unterstützt werden." Eine Tatsache, die durch zahlreiche Belege erhärtet worden ist. Wie Goebbels arbeitel Sehr intensiv wird die antisemitische Hakenkreuzpropaganda im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Frankfurter-Prozeß in der Schweiz betrieben. Eine Flut von Propagandaschriften ergießt sich über die Schweizer. Nur ein kleiner Teil der schweizerischen, zum Teil in französischer Sprache erscheinenden Presse ist dieser Propaganda erlegen, während die bedeutenden Blätter sich nach wie vor dem Einfluß der reichsdeutschen Auslandspropagandastelle verschließen. Gelegentlich des Berner Prozesses um die „P r otokolle der Weisen von Zion" und des Attentats auf den reichsdeutschen Gauleiter für die Schweiz, Gustloff, versuchten die Nationalsozialisten jede direkte Verbindung mit der Schweiz zu leugnen und die schweizerische Hakenkreuzbewegung als autochthon hinzustellen. Nun erbringt das Zürcher „V o 1 k s r e c h t" den dokumentarischen Beweis dafür, daß die schweizerische „Fronten-Bewegung", das ist die nationalistische antisemitische Front, auch materiell vom Dritten Reich unterstützt wird. Die Zeitung reproduziert das Photo eines Briefes, den der Führer der Frontisten Friedrich Eisenegg e r, Inhaber und verantwortlicher Direktor des Lausanner Verlages Alba S. A., Herausgeber des welschen frontistischen Organs „Front national", an das Berliner Propagandaministerium gerichtet hat. In dem Brief, dem ein Empfehlungsschreiben des berüchtigten Ulrich Feischhauer (Experten der Nazis im Berner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion") beigelegt war, heißt es: „... Durch die in meiner Presse öfters sehr scharfen und erfolgreichen Angriffe gegen die in der schweizerischen Bank- und Geschäftswelt dominierenden jüdisch-freimaurerischen Kreise wurde mir gegenwärtig unmöglich gemacht, die nö tigen Gelder für den normalen Weiterbetrieb meines Verlages in der Schweiz selbst aufzutreiben. Mein liquides Vermögen habe ich in dem jahrelangen Kampf im Dienste der Nationalen Front vollständig aufgebraucht, so daß ich gezwungen bin, zur Verwertung meines in Deutschland investierten Geldes zu schreiten, wenn unser so mühsam aufgebautes Unternehmen nicht klanglos untergehen soll." Eisenegger bittet in dem Brief, ihm Beträge in Sperrkonten von insgesamt 280.000 Reichsmark, die ihm verschiedene Freunde in Deutschland zum Aufbau seines Verlages zur Verfügung gestellt, haben, zum Transfer in die Schweiz freizugeben, und zwar sollen ihm. die Reichsmark in Devisen zum amtlichen Tageskurs (Goldmarkwährung) ausgezahlt werden. Weiters bittet er, daß ihm ein Darlehen in Höhe von RM. 15.000 gegeben und nach der Schweiz transferiert wird. „Volksrecht" erfährt, daß der Brief erst abgeschickt wurde, nachdem in mehreren Konferenzen die Sache mit Vertretern des Goebbelsschen Propagandaministeriums vorberaten war. Und wieder Spanien Die Syndikalisten und Anarchisten Spaniens geben in Barcelona einen „Informationsdienst" heraus, der ein interessantes Bild von den Vorgängen in Spanien hinter der Front liefert, in jenen Landesteilen, die sich in der. Gewalt der Regierung befinden. Vor allem erfährt man daraus, daß die Reichsregierung, beziehungsweise die NSDAP., in Spanien eine intensive Tätigkeit entfaltet. Es gibt eine Landesgruppe „S p a n i e n - P o r t u g a 1" der NSDAP:, die direkt der Reichsleitung in Berlin unterstellt ist. Die Gestapo arbeite in Barcelona unter dem Decknamen „Hafendienstamt". Landesführer von Spanien ist ein gewisser Anton Leistert, der nach Ausbruch des Bürgerkrieges aus Spanien geflohen ist und vor wenigen Tagen in Berlin von Hitler empfangen wurde. Die NSDAP, wollte in Barcelona ein Braunes Haus bauen. An der Spitze der Aktion stand der deutsche Generalkonsul. Marokko, Elsaß, Schweiz, Spanien — Länder, nach denen Berlin das Hakenkreuz zu exportieren versucht! luden bei der Olympiade Aus Budapest: Karl K & r p ä t i, der von der ungarischen Mannschaft in Berlin Olympionike im Ringen geworden ist, gehört der jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Sein Vater ist Pächter und Grundbesitzer in Debrecen. Der 30jährige Karpäti hat mit beispielloser Energie vor vier Jahren innerhalb zwei Monaten das Material der letzten zwei Gymnasialklassen bewältigt, um die Reifeprüfung ablegen zu können, weil er sonst nicht in die Landeshochschule für Körperkultur hätte aufgenommen werden können. Er wurde bald Trainer des Ringerverbandes. Nach seiner Rückkehr wird er im jüdischen Gymnasium zu Debrecen einen Posten als Körperkulturprofessor erhalten. Die ungarische Florett-Siegerin Ilona E1 e k- Schacherer, die Beslegerin Helene Mayers, ist Halbjüdin; ihr Vater ist Jude, die Mutter Christin. Von Beruf Ist sie Fremdenführerin. Die Unruhen in Palästina Von der Streikbewegung Aus Jerusalem: Der Oberste Arabische Aus- Schuß, der in seiner am 1. August abgehaltenen Sitzung au keiner Entscheidung über Fortführung oder Beendigung des Streiks gekommen ist, beabsichtigt nunmehr, Uberhaupt keinen Beschluß über eine formelle Beendigung des Streiks mehr zu fassen, sondern den Dingen Ihren Lauf zu lassen und abzuwarten, bis der Streik von selbst abebbt. Die Mitglieder des Obersten Arabischen Ausschusses haben sich soeben nochmals zu einer Aussprache mit Emir Abdullah nach Amman begeben, um mit Ihm Über die Stellungnahme zur Kgl. Kommisston zu beraten. Die Forderungen an die Kgl. Kommission Der Oberste Arabische Ausschuß hat sich darüber geeinigt, daß die Forderungen, die der Kgl. Kommission vorzulegen sind, vorher ausgearbeitet werden sollen. Dagegen bestehen zwischen den Mitgliedern des Ausschusses starke Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die weitere Taktik. Ein Teil des Komitees verlangt einen Waffenstillstand, damit die Kgl. Kommission ihre Arbeit aufnehmen könne. Die Anhänger Nashashibis sollen für die Einstellung des Terrors, aber für die Fortführung des Streiks sein, während die Anhänger des Mufti und des Bürgermeisters Doktor Khalidi der Ansicht sind, daß Streik und Terror sich voneinander nicht trennen lassen und beide einzustellen sind. Die palästinensischen Notverordnungen Aus London: Wie den „Times" aus Jerusalem gemeldet wird, wurden einzelne durch gerichtliche Entscheidungen der letzten Zeit aufgedeckte schwache Punkte der palästinensischen Notverordnungen durch eine Reihe von Ergänzungsbestimmungen beseitigt. So werden die den Distriktskommissären erteilten außerordentlichen Befugnisse auch ausdrücklich auf die stellvertretenden Distriktskommissäre ausgedehnt und die Bestimmung, durch die der unbefugte Besitz von Schußwaffen und Explosivstoffen mit fünfjährigem denen jBJmir Abdullah auf die Aussichtslosigkeit des Versuches, England zu demütigen, hingewiesen habe, bereits Anzeichen eines Friedenswillens zu bemerken seien, die zu den besten Hoffnungen berechtigen. (J.T.A.), Der 54« jüdisdhe Tote Aus Jerusalem: Der 45jährige aus Polen eingewanderte Siedler Seef Lindenfeid aus der neuen» Kolonie Tagla wurde auf der Straße nach Chodora ermordet, lindenfeld fuhr mit seiner Frau auf einem Wagen nach Chedera, um dort Gemüse zu verkaufen. Auf halbem Wege begegnete Ihnen ein Auto, dessen jüdischer Chauffeur die Frau Lindenfelds einlud, mitzufahren. Als der allein auf dem Wagen gebliebene Kolonist viele Stunden später noch nicht in Chedera eingetroffen war, ging man ihn suchen und fand ihn neben seinem Wagen ermordet. Das Pferd war weggeführt worden. Wieder ein Jude erschossen Aus Jerusalem: In der Nacht zum Freitag ist in einer Orangenpflanzung in der Vorstadtsiedlung Hatikwa bei Tel-Aviv der aus Konstantinopel eingewanderte 27jährige Reuben Levi erschossen worden. Er ist das 35. jüdische Todesopfer. Der Tote wurde In Tel-Aviv unter starker Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Dem Tel-Avlver Vizebürgermeister Rokach wurde nicht gestattet, anläßlich der Beisetzung eine Rede vor dem Rathaus in Tel-Aviv zu halten. Auf dem Friedhof geißelte er das Vorgehen der arabischen Terroristen, die ihren Heldenmut im Hinterhalt beweisen.Mögen 8ie doch, rief er aus, uns in offenem Kampf entgegentreten und ihren Mut zeigen. (J. T. A.), Will die PalästinavRegierung keine Ent* Schädigung zahlen? Aus Jerusalem: Nach einer Havas-Meldung hat die Palästina-Administration der englischen ßtandatarmacht bekanntgegeben, daß sie keine Entschädigung für die während der gegenwärtigen Wirren erlittenen Schäden zahlen werde. (J. T. A.) Mobil kauft man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Edelmann Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswahl! Tel Izah lungenl Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 bis lebenslänglichem Gefängnis bestraft werden kann, wird sich in Zukunft auch auf Munition beziehen. Die Geldquellen des arabischen Aufruhrs Aus Jerusalem: Ein Araber namens Abu Said, der aus Beirut nach Palästina gekommen war, wurde verhaftet. Man fand bei Ihm Quittungen, aus denen hervorging, daß durch ihn Geldmittel aus Geheimfonds im Auftrag des aus Syrien verbannten Araberführers Scheich Shekib Arslan zur Unterstützung des Aufruhrs in Palästina dorthin gebracht worden waren. Drei arabisdie Könige an England? Aus Jerusalem: Die arabische Presse meldet, daß die Könige des Irak und des Hedschas sowie der Iraam des Jemen der englischen Regierung eine Note betreffend Palästina übermittelt haben. (J. T. A.) Londoner AraberaDelegation nach Palästina zurückgereist Aus London: Die von Jamal el Hussein! geführte inoffizielle arabische Delegation, die in den letzten Wochen in politischen Kreisen Englands für die arabischen Forderungen Propaganda gemacht hat, trat am 5. August die Rückreise nach Palästina an. „Evening Standard" meldet, den Arabern werde das Zugeständnis einer vorübergehenden Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht gemacht werden, da die Regierung, solange der Streik andauert, keine Verhandlungen wünsche. Die Entscheidung über Fortsetzung oder Einstellung der Einwanderung werde ausschließlich von der Regierung in London getroffen werden. In Regierungskreisen glaube man, daß die arabische Revolte höchstens nur noch wenige Wochen andauern könne. (J. T, A.) Die Flüchtlinge in TehAviv* Aus Jerusalem: Infolge der Einstellung der Regierungsbeiträge zur Unterstützung ,der jüdischen Flüchtlinge In Tel-Aviv und der darauffolgenden Weigerung der Tel-Aviver Gemeinde, die ihrerseits geleisteten Beiträge welter beizusteuern, droht die Lage der Flüchtlinge kritisch zu werden. 500 Flüchtlinge demonstrierten vor dem Regierungsamt in Tel-Aviv und forderten Obdach und Brot. Sie wurden von der Polizei zerstreut. Danach begaben sich zahlreiche Frauen zur Gemeinde, wo sie ihre Lage schilderten. Die Frage wird jetzt von der Gemeinde und von der Stadtverwaltung gemeinsam beraten. (Palcor.) Die Besprechungen in Amman Aus Jerusalem: Im Gegensatz zu den ersten Meldungen, denen zufolge die Besprechungen zwischen Emir Abdullah von Transjordanien und der Delegation palästinensischer Araber ergebnislos verlaufen sein sollen, wurde in Amman selbst ein Kommunique" veröffentlicht, in dem es heißt, daß nach den zum Zwecke der Beendigung der palästinensischen Unruhen geführten Unterhandlungen die Delegierten in „hoffnungsvoller Stimmung" abgereist seien. Andererseits erklärten die Mitglieder des Komitees nach ihrer Rückkehr in Jerusalem, die Besprechungen hätten keinen abschließenden Charakter getragen. Es heißt, der Emir habe vorgeschlagen, daß die Araber als Gegenleistung für ein Versprechen, daß die jüdische Einwanderung während der Anwesenheit der Kgl. Kommission eingestellt werden soll, den Streik und die Gewaltakte beenden sollen. Ferner habe der Emir versprochen, vom High Commissioner, Sir Arthur Wauc h o p e, die Freilassung der politischen Gefangenen zu verlangen. In Jerusalemer Kreisen glaubt man, daß die vom Emir vorgeschlagene Lösung akzeptiert werden wird. Aus London: Der „Times" wird aus Jerusalem gemeldet, daß nach den Verhandlungen in Amman, bei _iiiuL; i Notverordnung über Verhängung von Kollektivstrafen Aus Jerusalem: Die Aufhebung der über Gaza verhängte Kollektivstrafe durch den Obersten Gerichtshof hat die Palästina-Regierung voranlaßt,, ein» ergänzende Bestimmung zu der Verordnung über die Verhängung von Kollektivstrafen zu erlassen. Das Gericht hatte seine Entscheidung damit begründet, daä der Hign Commissioner seine Befugnisse überschritten habe, weil die Strafe wegen eines Vergehens verhängt wurde, das zeitlich vor dem Erlaß der betreffenden Notverordnung lag. Durch das neue Amendement wird nunmehr bestimmt, daß die Verodnung rückwirkend vom 19. April, dem Beginn der Unruhen, an Geltung haben soll. Gleichzeitig wird angeordnet, daß auch von Gerichten in ihrer Rechtmäßigkeit angefochten ei Kollektivstrafen als gesetzmäßig anzusehen sind und als gültig erhoben gelten sollen. (J. T. A.)| Zusammen§dhluß der religiösen Arbeitergruppen Gegen die linke Histadruth Aus Marienbad wird gemeldet: Mittwoch, den 5. August, hielt die Kenessio Mechino (Vorbereitender Kongreß der Weltorganisation der Agudas Jisroel) eine Sitzung ab, in der der Präsident der Poale Agudas Jisroel (Arbeiterflügel der Aguda) in Palästina, Dr. Isaak Breuer, der vom Zug direkt in den Tagungssaal kam, ein aufsehenerregendes Referat erstattete. Der Hapocl Hamisrachi (Arbeiterflügel der orthodox-zionistischen Misrachi-Organisation). — so teilte Dr. Breuer mit — ist an die Poale Agudas Jisroel mit dem Vorschlag herangetreten, daß beide Organisationen der orthodox-jüdischen Arbeiterschaft sich zu einem „Pool Hacharodl" ' (der strenggläubige Arbeiter) zusammenschließen,; um sich dem „untragbar gewordenen Terror und dem ' Gesinnungsdruck der Histadruth Haowdlm (gewerkschaftlich organisierter jüdischer Arbeiterverband Palästinas) wirkungsvoller entgegenstellen zu können". Dr. Isaak Breuer setzte sich für die Schaffung einer solchen Vereinigung ein und ersuchte die Kenessio Mechino um einen entsprechenden Beschluß. Dr. Breuer teilte weiter mit, daß der Hapoel Hamisrachi bereits einen diesbezüglichen Statutenentwurr genehmigt hat, wonach die neuzuschaffende Vereinigung sich lediglich mit wirtschaftlichen und Arbeitsbeschaffungsfragen zu befassen hätte. Die Zusammensetzung der Leitung soll nach dem Fiftyfifty-Prinzip erfolgen. In religiösen Fragen entscheidet verbindlich der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel. Mit dem Zusandekommen dieses Vertrages löst Hapoel Hamisrachi alle bestehenden Vereinbarungen mit der Histadruth Haowüim. Der Beschlußfassung in Zusammenhang mit diesem Antrag sieht man mit größter Spannung .entgegen. (J. T. A.),