Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 584 (11.8.1936)
- Date
- 1936-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen Dienstag/ d«n tu Aagort!#♦ Jefergmig Nr« 584 V* b* h. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par redlteur" I Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER ORBIS 3POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poin. Reisebüro „O R BIS" I. Kärntnerstraße 41, R-21-5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro ' I. FrledrlchstraQe 7, B-sr-soo, i. Groben 20, U.f».o.s* A* Session in Zürich Die aus zionistischen Kreisen stammende Nachricht, daß die Session des Zionistischen Aktions- Komi t e c s nicht am 27. August in Zürich, sondern am 336- -August in London beginnen wird, hat sich als nicht autoritativ erwiesen. Die Zionistische Exekutive zog die Frage von Ort und Zeit der Session nochmals in Erwägung, weil einige Mitglieder der Exekutive es nicht für zweckmäßig hielten, in der jetzigen schwierigen politischen Lage London zu verlassen. Wie nun die Jüdische Telegraphen-Agentur zuverlässig erfährt, hat die Zionistische Exekutive nach .Befragung der Mitglieder des Aktions-Komitees endgültig beschlössen, daß die diesjährige ordentliche Aktions- Komitee-Session am 25. August in Zürich eröffnet werden soll. .-..• ,, . „ ■ Vorschläge der Gruppe B ' Aus Jerusalem: "Der Weltverband A11 gem einer Zionisten (Gruppe B) in Palästina hat beschlossen, der bevorstehenden Tagung, des .Aktionskomitees den Vorschlag zu unterbreiten^ daß im Falle einer Einstellung der. Immigration die Jewish Agericy mit der Kgl. Untersuchungskommissiön nicht kooperieren;.'soll. Ferner soll vorgeschlagen, werden, daß das Aktionskomitee seinen Wunsch nach der Rückkehr der Revisionisten in die Zionistische Organisation zum Ausdruck bringen soll. (Palcor.) ' Was hat Waudiope versprochen? Aus Jerusalem meldet Palcor u. d. 7* August: Dle-„Allivva" vom 6. August veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Konferenz der Araberführer in Amman, demzufolge der Emir Abdullah folgende Erklärung abgegeben haben soll: „Der High Commissioner hat mir versprochen — und ich glaube seinen Versprechungen —, daß,'falls der Terror aufhört, die S Uppen di er ung der jüdischen Einwanderung und die Befreiung der in den Konzentrationslagern Internierten angeordnet werden wird." Die gesamte jüdische Presso Palästinas nimmt jku dieser Erklärung des Emirs Abdullah Stellung und verlangt, daß unzweideutig gesagt werde, ob ein solches Versprechen, das mit allen früheren diesbezüglichen Aeußorungen im Widerspruch stünde, tatsächlich von Sir Arthur Wauchope gemacht worden ist. In der Nummer der „Alliwa" vom 7. August wird zugegeben, daß der gestrige Bericht Ungenauigkeiten enthielt. Näheres wird darüber nicht ausgesagt. Ein gefährliches Kompromiß Aus London wird berichtet: „Manchester Guardian"' erklärt, die englischen Regierungskreise seien1 darüber enttäuscht, daß die Ankündigung der Kgl. Kommission von den Arabern so kühl aufgenommen wurde. Schiffsplätze für die Mitglieder der Kommission seien für Oktober belegt worden. Daraus sei aber nicht mit Bestimmtheit zu folgern, daß die Kommission abreisen wird, wenn die Araber bei ihrer Taktik der Gewalt bleiben. Man glaubt aber, daß eine etwaige frühe Beendigung der Unruhen eher aus Mangel an Mitteln, als aus Mangel an dem Willen, den Streik fortzuführen, erfolgen würde. Laut der Feststellung des Kolonienministers Ormsby-Gore — so heißt es in der Notiz des „Manchester Guardian" weiter — werde die Regierung die jüdische Einwanderung nicht einstellen, solange die Unruhen andauern. Was aber eine Einstellung der Einwanderung nach Beendigung der Unruhen betrifft, so sei hierüber eine Antwort nicht erfolgt; man könne den Schluß wagen, daß es in diesem Falle zu einer Ein- wander ungseinstellung für die Dauer der Untersuchung durch die Kommission kommen wird. Man deutet bereits an, daß es sich vielleicht nur um eine teilweise Einstellung, wie anläßlich der Untersuchungen der Shaw-Kommission im Jahre 1920, handeln wird; damals wurden Einwanderer mit einem Kapital , von über 500 Pfund zugelassen, nicht aber die . auf Grund der Labour-Schedule ins Land kommenden armen Einwanderer. Dies scheine ein gefährliches Kompromiß zu sein, das sowohl die Juden wie die Araber verstimmen Würde. ,(J. T. A.V BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, flerteljänrjg S 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1,50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlieh Dinar 14.—. viertel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlieh Mark 1.—, vierteljährig Marie 3.—; Bnlgarlen monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—» Italien monatlich Lire B.—, vierteljährig Lire 14.—s Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anseigen sind entgeltlich. Redaktion u,Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7 el. A~20-2~78 — Erscheint Dienstasta.Freitag Der I. Jüdische Weltkongreß eröffnet Aus Genf wird uns geschrieben: Nach jahrelangen Vorbereitungen in allen Landern, wo Juden wohnen, sind fast 300 Vertreter der Judenhelt zum Jüdischen Weltkongreß in Genf zusammengetreten. Nicht die ganze Judenhelt ist vertreten. Einzelne Gruppen haben sich der Mitarbeit versagt, zum Teil aus persönlichen Motiven, zum Teil aus Verkennung der Situation, in der sich das jüdische Volk befindet, zum Teil aus Opposition gegen die nunmehr an die Oberfläche gedrungene Tatsache, daß das Judenproblem nicht mehr mit den Augen der Emanzipation betrachtet werden kann; daß es nur mit Hilfe der Völker selbst gelöst werden kann. Von diesem Schönheitsfehler abgesehen, kann die Eröffnung des I. Jüdischen Weltkongresses am 8. August im Saal des Großen Rates des Kantons Genf, In welchem auch die Vollversammlung des Völkerbundes ihre Tagungen abhält, als historisches Ereignis gelten. Der Vorsitzende des Kongresses Rabbi Dr. Stephen Wise (New York), der mit 70 amerikanischen Delegierten erschienen war, begrüßte die Delegierten und Ehrengäste, u. a. den französischen Generalkonsul in Genf P e r o n, den Ersten Sekretär der polnischen Delegation beim Völkerbund,*den Staatsrat des Kantons Genf Ehr l er, den Prof. Rappard als ständiges Mitglied - der schweizerischen Völkerbunddelegation, den amerikanischen Pro fessor M. O. Hudson (Verfasser der Minoritätenklauseln der Friedensverträge, den Repräsentanten der Genfer protestantischen Kirche Sordet, worauf er Begrüßungstelegramme des schweizerischen Außenministers Bundesrat Motta, Lord Robert Geoil (London), des Vorsitzenden des auswärtigen Ausschusses des französischen Senats B er enger, des ständigen französischen Völkerbunddelegierten Paul-Boncour, des Vorsitzenden der amerikanischen Gewerkschaft Green, des Präsidenten Dr. Chaim Weizmann vorlas. In Ihren Eröffnungsansprachen hoben Dr. Stephen Wise und Dr. Nahum Goldmann, der Vertreter der Jewish Agenoy beim Völkerbund, die Gründe hervor, die die Einberufung dieses I. Jüdischen Weltkongresses notwendig gemacht haben. Nach der Eröffnung sprachen der Genfer Staatsrat Ehrler und Prof. Rappard, der als Privat» mann das Wort ergriff, um zu erklären, daß es keine geschlossene Front der Nichtjuden in der religiösen und rassischen Intoleranz gebe und daß überall dort, wo die Jüden verfolgt sind, die Freiheit eingeengt werde. Wissenschaft ohne Freiheit sei undenkbar. Dr. Mossinsohn (Tel-Aviv) gedachte in hebräischer Sprache der jüdischen Opfer in Palästina.. Die ganze Versammlung erhob sich von ihren Plätzen. (Näheres «im'Innern des Blattes*), Hakenkreuz — Exportartikel Wir haben vor kurzem gelesen, daß in eine jüdische Kolonie Palästinas zwei Araber kamen und um Wasser baten, um — als ihnen die hilf reiche Hand eines jüdischen Kolonisten das erbetene Wasser reichte — auf diesen Juden aus nächster Nähe Revolverschüsse abgeben zu können. Eine heimtückischere Art des Mordens läßt sich gar nicht ersinnen. Sie erinnert an die Methode der deutschen Konzentrationslager, wo die SA.-Wächter den Gefangenen zum Ausbrechen verleiten und ihn dann hinterrücks — als „auf der Flucht erschossen" — niederknallen. Wie denn überhaupt die Terrorakte der arabischen Banditen in Palästina an Methoden der Wiener Nationalsozialisten (1933 bis 1934) erinnern, die bekanntlich Meister im Bombenwerfen, Drähtezerschneiden, Brückensprengen u. ä. waren. Der Mord in Algier Vor kurzem wurde der Großmufti von Algerien ermordet. Ein junger Mann im Burnus, ein Mohammedaner, trat auf den Großmufti zu, um ihm scheinbar zum Zeichen der Verehrung nach Landessitte die Stirn zu küssen, in Wirklichkeit jedoch den tödlichen Bussaadi (Dolch) ins Herz zu stoßen. Obwohl der Täter erwiesenermaßen ein Moslem war, versuchten gewisse antisemitische Kreise, den Verdacht gegen die Juden zu lenken. Der Versuch mißlang. Die Juden hatten am wenigsten Grund, dem Großmufti ans Leben zu wollen, der nicht nur mit größter Schärfe gegen die Judenpogrome in Oran und Constantine aufgetreten ist, sondern auch aktiv gegen die von dem Bürgermeister von Oran, Abbe Lambert, geführte antisemitische Propaganda Stellung genommen hat. Erst wenige Tage vor seiner Ermordung hatte der Großmufti ein Telegramm an die Regierung in Paris gesandt, um sie davon zu unterrichten, daß hinter der gegenwärtig in Paris weilenden Delegation der algerischen Jungtürken, die eine Reihe scharfer antisemitischer Forderungen gestellt hat, nur ganz geringe Teile^ der moslemitischen Gesamtbevölkerung stünden. Es herrscht jetzt die Ueberzeugung vor, daß der Großmufti mit diesem Telegramm sich selber das Todesurteil geschrieben, indem er die Rache der Antisemiten auf sich geladen hat. Die arabische Nationalistenbewegung Algeriens ist scharf antisemitisch. Die von dem Arzt Ben Djellul geleitete panarabische Liga „Der nordafrikanische Stern", die ursprünglich lediglich dem wirtschaftlichen Kampf gegen die Juden das Wort redete, ging seit 1933, seitdem die deutschen Nazi^-Einf lüsse in ihrer Mitte die Ueberhand gewannen, zum aktiven Kampf gegen die Juden über. Die von dem Algerier Abd-el-Wahab geleitete internationale panmoslemitische Organisation „Muselmanische Gemeinschaft" hat ihren Sitz seit einigen Jahren in Berlin und beeinflußt die französischen antisemitischen Verbände. Seit einigen Jahren treibt sich der Bruder des Rudolf Heß, des Stellvertreters Hitlers, in Nordafrika herum, um eine antisemitische Propaganda unter den arabischen Moslems zu betreiben. Von Goebbels mit Geldmitteln reichlich versehen, hat er einigemal bereits die nordafrikanischen Araber, vornehmlich in Algerien, zu blutigen Aufständen aufgehetzt. Zahlreiche antisemitische Flugzettel und Reichsmarknoten wur« den bei den Exzedenten gefunden. Die spanischen Aufständischen Auch in Spanisch-Marokko sind Spuren haken* kreuzlerischer Tätigkeit zu finden. Die Aufständischen erfreuen sich sichtbar nationalsozialistischer Sympathie und Unterstützung. Ihre judenfeihdlichen Parolen stammen aus Berlin. In Spanien selbst, wohin sich seit Beginn des Hakenkreuzregimes einige tausend Juden geflüchtet haben, versuchen Emissäre des reichsdeutschen Propagandaministeriums gegen die jüdischen Emigranten zu hetzen. Einige hundert dieser Unglücklichen, sind als „Kommunisten" verhaftet worden. Ueber. ihr Schicksal ist vorläufig nichts bekannt. Mehreren gelang es, ein englisches Schiff zu erreichen, das sie nach Gibraltar brachte, von wo sie nach Gdynja (Gelingen, Polen) gelangten. Im französischen Elsaß Die Nachbarn des Dritten Reiches haben große Mühe, sich der antisemitischen Infiltrierung zu erwehren. In der letzten Zeit wurden der Elsaß und die Schweiz intensiv bearbeitet. Eine elsässische Delegation kam vor einigen Tagen nach Paris, um mit dem französischen Unterstaatssekretär, de Tessan die Formen der Bekämpfung der antisemitischen Propaganda im Elsaß zu bebedeutenden Blätter sich wie' vor dem Einfluß der sprechen. Die J. T. A. meldet hiezu aus Paris: „De Tessan gab die Versicherung ab, daß die Regierung der Volksfront Antisemitismus und Rassen-