Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 583 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 583 vom 7. August 1936 DIENEUE WELT Seite 5 ttöfMkeUett. äee fUmuäusUk m Palästina Von Erich Borck (Tel-Aviv) Es gibt in Palästina, obwohl eine Anzahl kleinerer jüdischer Filmfirmen vorhanden ist, noch keine Filmindustrie. Diese wurden zum Teil nur zür Herstellung eines einzelnen größeren Kulturfilms gegründet, zum anderen Teil arbeiten sie ohne irgendwie nennenswertes eigenes Kapital und erzeugen im Auftrag jüdischer Institutionen und Unternehmungen der Industrie und des Handels kurze Kultur- und Reklamefilme. Im vergangenen Jahre wurden, neben drei größeren Kulturfilmen und einer ständigen Wochenschau, kaum mehr als zwanzig solcher „Shorts" und Beiprogrammfilme hergestellt. Auf dem Gebiete desreinenSpielfilms gab es überhaupt nur wenige Versuche mit untauglichen Mitteln. Schließlich hört man aus dem arabischen Sektor der palästinensischen Bevölkerung bisher nur hin und wieder von Projekten. Der arabische Film wird in Aegypten hergestellt, wo es eine technisch glänzend ausgerüstete Filmindustrie gibt, die ihre Fühler merkbar nach Palästina ausstreckt. Obwohl diese kurze Uebersicht über die Filmindustrie in Palästina auf den ersten Blick skeptisch stimmen könnte, gibt eine nähere Betrachtung jedoch Veranlassung zu einem durchaus begründeten Optimismus für die Zukunft ihrer Entwicklung. Die Anfänge der palästinensischen Filmindustrie haben ihre Existenzberechtigung gewiesen. Das hier praktisch aber noch unerforschte und noch in keiner Beziehung eroberte ' Gebiet des Spielfilms trägt in der Tat alle Möglichkeiten zu einem bedeutenden Aufschwung der heimischen Filmindustrie in sich. Vergegenwärtigen wir uns zunächst, daß die klimatische Eignung Palästinas zur Filmherstellung nach allen bisherigen Erfahrungen geradezu als ideal zu bezeichnen ist. Fast drei Viertel des Jahres sind absolut regenfrei. Das Land hat aber überdies allen anderen film-' herstellenden Länder der Welt gegenüber einen ganz einzigartigen Vorteil: Es liegt entfernungstechnisch so ungewöhnlich günstig und zentral, daß ohne große und kostspielige Reisen in einer S chneelandschaft spielende Filme — wenn man die bequem und billig zu erreichenden nahen Nachbarländer in Betracht zieht — genau so leicht gedreht werden können wie Filme, deren Handlung im gemäßigten europäisch-amerikanischen oder im tropischen und subtropischen Klima abläuft. Palästina und seine nächsten Nachbarländer umschließen — nur wenige Autostunden voneinander entfernt — so gewaltige Kontraste, wie den tiefsten Punkt der Erde und das Hochgebirge, die nackte Wüste und Gebiete üppigster Fruchtbarkeit. Wer weiß, welche Unsummen an Geld und Zeit durch die bei den allermeisten Filmen nun einmal unumgänglich notwendigen Außenaufnahmen von den großen Produktionsfirmen aufgewendet werden müssen, wer weiß, wie ungeheuer die teuren Reisen zu Außenaufnahmen den Filmetat belasten, wird Palästinas Sonne und namentlich den gewaltigen Vorteil, den die leichte und schnelle Erreichbarkeit nahezu aller Erscheinungsformen der Landschaft darstellt, außerordentlich zu schätzen wissen. Ueberdies geht ja neuerdings die Tendenz der internationalen Produktionen in großem Umfang wieder dahin, im Freien spielende Szenen tatsächlich wieder als echte1 Außenaufnahmen zu drehen. Alle technischen Erfordernisse der Filmproduktion, unter anderem ein modernst ausgestattetes kleines Studio und eine in jeder Beziehung absolut zuverlässig und einwandfrei'arbeitende Entwicklungs- und Kopieranstalt, müssen natürlich zur Herstellung von J Filmen, die das technische Niveau des Weltstandards erreichen sollen, als Selbstverständlichkeiten vorausgesetzt werden; denn ohne ihr Vorhandensein im eigenen Land kann keine laufende Produktion auf die Dauer ökonomisch wirtschaften. In dieser Beziehung gibt es an sich keine Schwierigkeiten: sie sind mit genügendem Kapital und unter guter fachmännischer Führung jederzeit zu überwinden. Ich möchte hier vor Halbheiten dringend warnen. Der Fachmann und erstklassige Apparaturen sind die Vorbedingungen zweckmäßiger Arbeit. Der geringste Dilettantismus vermag von vornherein jede Basis eines Erfolges zu untergraben. Hinsichtlich der Absatzmöglichkeiten palästinensischer Spielfilme sind die Verhältnisse etwas eigenartig gelagert. Der Palästinamarkt selbst sichert keine ausreichende Rentabilität. Der am Innenmarkt zu erzielende Ertrag ist zu gering, um die Produktionskosten zu decken. Eine palästinensische Filmproduktion wird auf jeden Fall darauf angewiesen sein, mindestens einen Teil des Weltmarktes zu erobern, wobei die arabischen Nachbarländer nur mit größeren Einschränkungen in Betracht kommen. Als sicherer Faktor darf aber wohl der jüdische Markt d e r K r d e, der ja sehr groß und sehr ertragreich ist, eingesetzt werden. Darüber hinaus ist t es schon schwieriger, die Möglichkeit eines dauernden Erfolges abzuschätzen. Er wird zum sehr erheblichen Teil von der W a h I des zu verfilmenden Stoffes abhängen. Es ist klar, daß hier nur solche Stoffe verarbeitet werden sollten, welche Probleme von allgemein menschlichem Interesse behandeln und nach Stimmung j und Motiv der jeweiligen Aufnahmebereitschaft des Weltmarktes angepaßt sind. Dabei ist nie außer acht! zu lassen, daß alle diese Filme in der Idee und in der j Darstellung — es gibt filmgeeignete und hochbegabte Darsteller in Palästina — von spezifisch palästinensischem Gepräge sein müssen und die eigenartige Einmaligkeit der palästinensischen Landschaft weitestgehend ausnützen.. Ohne, diese Grundsätze der Stoffwahl würden auch Produkte einer palästinen- Alle Damen sieht es an! OMSA die einzig vollkommen geruchlose Enthaar u ngscreme Probefiibe S 1.— / ' Durch Omsa»Vertrieb Wien 1. Bezirk, Kohlmarkt Nr. 10 sischeri Filmindustrie durchschnittliche Standardware bleiben, die ebenso gut öder ebenso schlecht in den Studios Amerikas oder Europäs hergestellt werden könnten. An Stoffen der obenerwähnten Art besteht jedoch kein Mangel; sie sind in der einzigartigen Vergangenheit und in der nicht minder einzigartigen Gegenwart unseres Landes in Hülle und Fülle zu finden. Ein Hinweis auf das Problem der Sprache für in Palästina herzustellende Filme soll nicht vergessen werden. Schwierigkeiten gibt es auch in dieser Beziehung nicht. Die moderne Filmtechnik besitzt vollendete Lösungen, die Versionen in allen Sprachen einwandfrei ermöglichen. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß die Möglichkeiten der Filmindustrie in Palästina immens sind und das höchste Interesse und die sorgfältigste Prüfung seitens, des großen Anlagekapitals verdienten. , Die Filmindustrie in Palästina hat — um es zu wiederholen — zunächst die; Möglichkeit, den jüdi-. sehen Filmmarkt für sich zu erobern, der großen fi 1 mkünstlerisehen Leistung aber steht ohnedies eine Welt offen! Mäßigste Preise — Große Auswahl — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborstraße 52 Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Anfragen: Tel. R-41-4-20 „Die Neue We 1t" stellt in sehr dankenswerter Weise ihre Spalten immer und immer wieder dem Kampf gegen den Arierparägraph-Film zur Verfügung. Vielleicht darf an dieser Stelle zum erstenmal nachdrücklichst darauf hingewiesen werden, daß es einen arabischen Film gibt, der jedenfalls vor dem rein jüdischen (palästinensischen) Film einen weiten Vorsprung hat und sich — ganz nebenbei — doch vielleicht bald atif dem deutschen Filmmarkt mit Wochenschau-Ausschnitten bemerkbar machen dürfte. Die jüdische Initiative hat sich auf diesem Gebiet in den Hintergrund drängen lassen. Sie sollte aufmerksam sein, 'bevor es zu spät ist. Vergessen wir etwas nicht» was die Entwicklung der Filmindustrie in Palästina geradezu zur nationalen Notwendigkeit stempeln könnte: Der Film istials Kulturträger von ungewöhnlicher Bedeutung. Er ist einer der geistigen Leistungsmaßstäbe eines Volkes und, darüber hinaus, durch sein künstlerisches Niveau an sich ein Idealmittel nationaler Propaganda. immer 4 m Aus Jerusalem wird gemeldet: Aus Haifa trifft die Meldung ein, daß am Sonntag, den 2. August, morgens zwei jüdische Wächter in einer Haifa benachbarten Siedlung von Arabern erschossen wurden. Gleichfalls am Sonntag wurde in der Nähe der großen Moschee in Haifa der Inspektor der Haifaer arabischen Polizei von ' Arabern erschossen. Ein Polizist in Begleitung des Inspektors wurde ebenfalls von einer Kugel getroffen und schwer verletzt. Wie Reuter meldet, wurde die Naphtharöhrenleituag (Pipe Line), die von den Petroleumfeidern des Irak nach Haifa führt und die der Irak Petroleum Company gehört, etwa zwei Meilen vom Jordan entfernt durch eine Ar a'berßande gesprengt! Das in hohem Bogen emporsprudelnde Oel wurde von der Bande in Brand gesteckt. Weiters wird' gemeldet: Militär und Polizei haben eihe Aktion zur Säuberung des jüdischen Berglandes von den die Straße Jerusalem—Te 1 -Aviv bedrohenden. Banden unternommen. Mehrere Höhlen, die den Wegelagerern als Unterschlupf dienten, wurden mit Dynamit gesprengt. In dem Dorfe Mughar ist eine Werkstätte zur Erzeugung von Bomben entdeckt worden. Der Besitzer des Hauses wird von der Polizei gesucht. In S a f e d wurde ein arabischer Polizist erschossen. Der Täter entkam. Bei der Verfolgung der Spuren der Araberbande, die den jüdischen Hilfspolizisten Jechiel Haimowitz in Kf ar Saba erschossen hat, wurden von der Polizei in einem IS Kilometer entfernten Dorf mehrere Araber verhaftet. Der Distriktskommissär verhängte ülber das Dorf eine Kollektivstrafe, die in Form von Getreide eingezogen: wurde. Die Wasserpumpstation der Palestine Potash, C o. am Toten Meer ist niedergebrannt worden. Der arabische Wächter wurde erschossen. Bei einem Angriff der Araber in Südpalästina kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Arabern und briti- - schem Militär, wobei ein Araber getötet und ein britischer Soldat verwundet wurde. Die Bewachung der Pipe Line Aus Jerusalem: Der Oberbefehlshaber des transjordanischen Grenzkorps hat im Hinblick auf die Oelleitung der Irak-Petroleum-Gesellschaft die Scheichs der Beduinenstämme des Kreises Adschlun zu sich berufen und ihnen erklärt, daß bei einer Wiederholung der Anschläge den Beduinendörfern Kollektivstrafen auferlegt werden würden. Die Scheichs haben sich schriftlich verpflichtet, im Fall eines nochmaligen Anschlags auf die Röhrenleitung eine Kollektivstrafe von 1700 Pfund für jedes Dorf zu bezahlen. (J. T. A.) Beveiis 53 jüdische Tote Aus Jerusalem: Ueher den Tod von zwei jüdischen Hüfspolizisten in der Nähe von Haifa wird jetzt bekannt: Zwei jüdische Hilfspolizisten, der 22jährige Jehoasch Zoll er und der 23 jährige Jizchak Kalischewski, beide aus Polen stammend und seit einiger Zeit der Wachmannschaft der jüdischen Kolonie Yokneam bei Haifa, zwischen dein Kärniel und den Bergen Sebulun gelegen, zugeteilt, gingen Sonntag nachts auf eine Wachpatrouille und kamen nichtmehr zurück. Am Montag morgen fand man sie erschossen in der Nähe der Kolonie auf. Der Kopf des einen war von einem D u m -Dum- Geschoß getroffen und. vollkommen zerschmettert. Das tragische Ablöben der beiden jungen Juden hat die Judenheit in Nordpalästina tief erschüttert. Die Benützung von Dum-D.um-Geschossen durch die Ter-, roristen hat stärkste Empörung hervorgerufen. Jehoasch Zoller und Jizchak Kalischewski sind das 5 2. und 53. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhen. (I. T. A.) Forderung nach Absetzung f udengegnerischer ' arabischer. Beamlei Aua Jerusalem: Die Exekutive hat der ftegierung ein Memorandum überreicht, in welchem «sie die Ersetzung derjenigen arabischen Beamte«, die das Memorandum mit der; Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung unterzeichnet haben, durch jüdische Beamte oder durch Araber, die nicht mit den Unterzeichnern des Memorandums solidarisch sind, fordert. (J. T. A.) ■ ' > ■ JBoself Utphali 155 Freiheit Aus Jerusalem: Der jüdische Wächter Josef Urphali, der nach den Unruhen des Jahres 1929 wegen Ueberschreitung der Notwehr zum Tode verurteilt und später zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt wurde, ist auf Grund der anläßlich des R egierungsJubiläums'König Georg V. verkündeten Amnestie am Samstag gleichzeitig mit mehreren anderen Gefangenen in Freiheit gesetzt, worden. Der zweite Jude, der nach den Unruhen von 1929 zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden war, Sinicha Hink es, war schon im Juni 1935 freigelassen worden. * Das Jaffaer Gericht sprach einen jüdischen Chauffeur, den Araber beschuldigten, auf dem Wege nach Petach Tikwah vorsätzlich ein arabisches Kind überfahren zu haben, frei, wobei Richter Copeland in der Begründung ausführte, die vernommenen arabischen Zeugen hätten erwiesenermaßen falsches Zeugnis abgelegt. (J. T. A.) " ' Urteil des Obersten Gerichtshofes Aus Jerusalem: Der Oberste Gerichtshof Palästinas hat nach seiner Entscheidung, durch die die Verhangung von Kollelctivstrafen als ungesetzlich erklärt wird, nunmehr gegen eine weitere Maßnahme der Verwaltungsbehörden, nämlich gegen die I n t e r n i erungpolitischerAgi.tatoreninKonzentrat i o n s 1 a g e r n, Stellung' genommen. Das Gericht hat die Behörden aufgefordert, die Gründe darzulegen, warum der Jerusalemer Rechtsanwalt und Führer des Streikkomitees Sidky Hassan Dajani nicht aus dem Konzentrationslager entlassen werden könne. Es handelt sich hier um einen P r o b e f a 11, der für alle Internierungen in Konzentrationslagern maßgebend sein könnte, da das Gericht sich auf die aus dem englischen in das palästinensische Recht übernommenen, Garantien für die Freiheit der Person beruft. . Bund jüdischer Frontsoldaten. Das am 18. Juli 1936 verschobene, Sommerfest der B. O. G. n des Bundes jüdischer Frontsoldaten findet am 8. August 1936 in der Meieret Krieau bei jeder Witerung statt. Beginn 20 Uhr. Das Rejnerträgnis wird zur Errichtung der Gedenktafel im LeopoldstSidter Tempel verwendet.