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Die neue Welt · 1936-08-07 · Heft 583 (7.8.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 583 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 583 vom T.' Auguat 1930 DIE NEUE WEL? Seit« 3 Presse und Priesferlum Auf der Weltautstellung de» katholischen Presse itn Vatikan Von unserem römischen P.-N.-G.-Korrespondenten. Um den $0. Geburtstag des gegenwärtigen Papstes, Pius XI., auf würdige Weise zu feiern, wurde beschlossen, eine ihm zu Ehren zusammengestellt« Presseschau des christlichen Äeitungswesens in aller Welt dem Publikum freizugeben. Vieles Interessante und auch für den Juden Wissenswerte wurde hier von fachkundiger Hand geschaffen. Der erste Teil' der Ausstellung ist der allgemeinen Entwicklung des Zeitungswesens, seiner Organisation und Bedeutung für das Leben gewidmet. Was vor der Erfindung der Buchdruckerkunst „Zeitung" genannt werden möchte, ist bloß ein schwacher Vorläufer. Erst mit Gutenberg ist der Weg zur Entfaltung und Vervollkommnung der Zeitung gegeben. Verbesserungen und Erfindungen wetteifern miteinander, räumliche tmd zeitliche Distanz, werden durch technische Vollkommenheit überwunden und der Menschengeist triumphiert! In einem besonderen Raum wird man in die Werkstatt des Nachrichtendienstes eingeführt. Es werden hier über 40 der „bedeutsamen Nachrichtenbüros der Erde" aufgezählt. Vergebens sucht man unter diesen die „Jüdische Telegraphenagentur" (J. T. A.). Eine Reihe von Ziffern und schematischen Darstellungen ergänzt das Gesamtbild. Man erfährt z. B., daß auf 100.000 Einwohner in der 3 c h. w e i z 20,7 Tageszeitungen kommen, in" Amerika 10,38, in Oesterreich 0,21 und in Italien bloß 0,019. Dies will nicht besagen, daß die Italiener keine eifrigen Zeitungsleser sind; sie lesen bloß eine und dieselbe Zeitung, da, es inhaltlich, was Politik und Wirtschaft betrifft, keine großen Unterschiede in der Darstellung gi;bt. Hingegen haben die Zeitungen in Italien Riesenauflagen, während in demokratischen Staaten, den zahlreichen Parteien und Richtungen entsprechend, viele Zeitungen, aber mit kleinen Auflagen, existieren. An anderer Stelle wird man über die rasche Zunahme der Erdbevölkerung unterrichtet. Im Jahre 1810 gab es insgesamt 628 Millionen Menschen, im Jahre 1924 waren es 1821 Millionen; heute, im Jahre 1936, bereits 2069 Millionen. Interessant ist das Wachstum der Bevölkerung Europas in den letzten sechs Jahrhunderten: Im Jahre 1350: 10O Millionen, im Jahre 1900: 406 Millionen und im Jahre 1936 : 496 Millionen Ein^fcner. Die Religionen der Erde verteilen sich folgendermaßen: 650 Millionen Christen (35,7 Prozent der Gesamtmenschheit; von denen aber bloß über 400 Millionen dem Vatikan unterstehen, die restlichen sind Protestanten), 570 Millionen B.ud d h i s t e n (31,3 Prozent), 250 Millionen M o ha mm.edaner (JL3,7 Prozent), 235 Millionen Brahmanen (12,9 Prozent), 90 Millionen Heiden (Schamanen und Fetischisten, 4,9 Prozent) und schließlich 13,6 Millionen Juden (0,75Prozent, scheinbar sind hier die Juden Rußlands nicht mitgezählt). Damit schließt der allgemeine Teil der Ausstellung.' Die n&chjteji; 53 Säle sind,* nach-Ländern geordnet, der katholischen Presse aller Völker und Zungen und der weitverzweigten katholischen Missionstätigkeit gewidmet, Die Christen eines jeden Landes — mit Ausnahme/von Deutschland und Sowjetrußland — habpa hier ihre Tageszeitungen, Zeitschriften und sonstigen Publikationen, die christliche Religion betreffend, ausgestellt. Bei größter Achtung vor jeder religiösen Ueberzeugung und beim Höchstmaß an Zurückhaltung vor jeder Kritik innerchristlicher Angelegenheiten nimmt den Besucher, hier manches .wunder; ja, man traut oft seinen Augen sieht. Betrachten wir einmal beispielsweise die Abteilung'-P o 1 e n. In. ganz großer Aufmachung sind hier die Zeitungen „Warszawski Dziennik Narodowy", „A B. C", „Wie^r Warszawski'' usw-*) : zu sehen. Was aber ist nun der ,,Warszawski Dziennik Narodowy"? Das Zentralorgan der 'Nationaldemokraten (Endekes) |n Polen, jener Leute, die sich der schändlichsten Methoden des Radauantisemitismus bedienen, die ohne Unterlaß zum J^aasenpogrom hetzen und auch tatsächlich nicht wenige, jüdische Menschenleben auf ihrem Gewissen haben. Das alles tun diese Leute im Namen Christi, im Namen seiner Lehre. Man muß zweifellos annehmen, daß dies* genau wie dem Geist der christlichen Lehre, so auch dem Willen des obersten Kirchenfürsten widerspricht. Aber wir Vermissen leider das mahnende, zurechtweisende Wort, das diesen Bluthetzern: ihre Sünden vorhält oder ihnen das Recht zur;Berufung auf Christus abspricht. Am Eingang zur Weltausstellung wird in mehreren europäischen ßpjactyen in Riesenlettern verkündet: „Der Journalist hat ein öffentliches Amt von hoher Bedeutung, das sich bis WV Erhabenheit des Priestertüms. aufschwingen HaWn-" "Wie schön und erhaben ist dieser Satz Ufld wie wenig maßgebend für die Herren Pater Czeczak,!>ater Bichlmirtr, Pater Schmidt und ihresgleichen. Diese Herren haben die „Erhabenheit des Priestertüms" bereits erreicht, aber mißbrauchen es &röbllcji,, indem sie das alte jüdische Volk, welches ihnen ihren Religionsstifter geschenkt hat, beschmutzen und die jüdische Lehre verunglimpfen. Wie weit entfernt sind doch von dieser „Er- *) Dabei muß erwähnt werden, daß nur die betönt Katholischen, etwa halbamtlichen Organe des Vatikans gezeigt werden; von Wiener Tageszeitungen beispielsweise bloß die „Reichspost" und das „Kleine Srolksblatt", habenheit des Priestertüms" all die Verleger und Mitarbeiter der obenerwähnten Zeitungen und ihre Kollegen in anderen Ländern! Sie, welche, in den Mantel der christlichen Religion gehüllt, ihren dunklen Geschäften nachgehen und ihrem Haß freien Lauf lassen, sie, welche anstatt der Nächstenliebe zu huldigen, Pogrom auf unschuldige Menschen predigen. Sollte all das von oberster kirchlicher Seite nicht als Schändung des Christentums betrachtet werden? Sollte Papst Pius XI., als er bei der Einweihung dieser Ausstellung die versammelten katholischen Journalisten herzlich willkommen hieß, der hier ausgestellten katholischen Presse mit hohen Ruhmesworten gedachte und ihr seinen apostolischen Segen für die Zukunft erteilte, auch an die obenerwähnten Presseerzeugnisse und ihre Verfasser gedacht haben? Nein, wir können es nicht glauben, wollen es nicht glauben. Billige und bequeme IR UT-So n de rr eisen nach Polen u. Czemouritz am 9., 16. und 83. August 1936 „IRUT", Wien I, Karltplati 1. Telephon U-44-5-79 Zusammenwirken der Judenheize in Barcelona und in Berlin Der Berliner „V ö lkische Beobachter" bringt Nachrichten aus Barcelona, die zum größten Teil augenscheinlich erlogen sind, die aber auf das Treiben der Nazi-Kolonie in Barcelona und das Zusammenwirken der Judenhetze in Berlin und in Barcelona ein. Licht werfen. Der „Landesgruppenleiter Spanien", Hellermann, und sein Syndikus Weniger von der deutschen Handelskammer in Spanien klagten einem Reporter des „V. B.", das spanische Volk sei „an sich keineswegs deutschfeindlich eingestellt", es sei „jedoch von jüdischen, zumeist deutschsprechenden Elementen und Kommunisten geleitet und von diesen gegen die Deutschen aufgehetzt" worden. Gegen die Deutschen richte sich die Wut der „Kommunisten, •Anarchisten und Syndikalisten sowie der freigelassenen Zuchthäusler, die allein die Gefolgsmänner der Juden und russischen Drahtzieher sind". Der Landesgruppenleiter Hellermann mußte Barcelona verlassen, um dem „sicheren, ihm zugedachten Tode zu entgehen". Frau Irene Hermus, die das Büro der Deutschen Arbeitsfront versah, erzählte dem Reporter: „Isnbesondere waren es fünf aus Deutsch- ErlOsmifi von der täglichen Qual , ist die sanft-scharfe land stammende Juden, die immer wieder kamen und die Anschrift des Landesgruppenleiters erpressen wollten. Doch ich blieb standhaft, bis am Freitag früh einer dieser Juden eine mitgebrachte Petroleumkanne ergriff, den Inhalt über mein Kleid schüttete und einigen Kommunisten zurief: „Die wird sofort verbrannt!" Daß es den deutschen Nazis in dem von den Linksparteien beherrschten Barcelona schlecht geht, kann man verstehen. Allein die Behauptung, daß Juden irgendwie bei den Vorgängen in Barcelona eine Rolle spielen, ist von Anfang "bis zu Ende erlogen; z. B. auch die Behauptung Hellermanns, daß er „nur mit Hose und, Hemd bekleidet" sich mit seinen Freunden traf und erfuhr, daß „die Juden mit seinem Bild in der Hand systematisch ganz Barcelona absuchten". — Die bekannten Greuellegenden der reichsdeutschen Hakenkreuzpresse! Spanische Faschisten kundigen neue Austreibung der Juden an Aus Madrid: In den von den Aufständischen besetzten Gebieten verbreiten die stark unter dem Einfluß der deutschen Nazis stehenden spanischen Faschisten Aufrufe, in denen sie die Vertreibung aller Juden im Falle ihres Sieges ankündigen. Jeden Sonntag billige Ferlen-Son- _ «..—,« dertohrten mit der Czern. Allg. Zeitung n»ch POLEN u«d CZERNOWITZ P ■ Nächste Abfahrten: 9. und 16. August 1*16 ■ Anmeldungen auitchlicfliich Reisebüro „Marienbrücke'S I, Rotenturmstr. 26, R-24-2-«6,87 Typhusbazillen de* z/sdiwarxen Legion" Aus New York: In dem Prozeß gegen die „Schwarze Legion" von Detroit, zu deren Zielen Insbesondere auch antisemitischer Terror gehörte, gab der Staatsanwalt MacRea bekannt, daß einer der . Angeklagten, der Drucker der Legion, William Guthrie, ihm mitgeteilt habe, die Terroristen hätten geplant, viele Juden von Detroit mit Typhusbazillen zu infizieren. Die Durchführung dieses Planes habe er verhindert, indem er sich weigerte, seinen Keller für die Herstellung von Typhuskulturen zur Verfügung zu stellen, und mit der Anzeige bei der Polizei gedroht habe. Auch habe er den Verschwörern, zu denen ein hoher Beamter der Legion, ein Apotheker und ein Bakteriologe gehörten, erklart, die Sache könne zu einem Fall „Frankenstein" werden und zur Vernichtung der ganzen Stadt führen. Man hatte beabsichtigt, Bazillen aus den gezüchteten Kulturen der den betreffenden Personen gelieferten Milch und dem Käse beizumischen, (J. T. A-X Nach Amerika"6^ auf den Dampfern i i Aug. 12. „AQUITANIA* g Aug. 19. „OUEEN MARY" | Aug. 26. „AQUITANIA" f§ ff Aug. 20. „BERINOARIA" I 1 CUNARD WHITE STAR LTD. I | WIEN I, KÄRNTNERRING 4, TEL. U-42- 0-43, U-46-2--18 | üülllllii. iKfoäteasfUe^d Die Auffassung von drüben ,J)as österreichisch-deutsche Abkommen ist etwa interimistische Lösung vor dem Anschluß. Vom militärin sehen Standpunkt bedeutet es die Sicherung der deutschen Verteidigung in den Alpen, vom wirtschaftlichen Standpunkt bildet es den ersten Schritt zur Gründung eines Mittel- und Südosteuropa umfassenden Wirtschaftsreiches," „Deutsche Wirtschaft", Berlin, Juli 1936. Judenhall und Nächstenliebe „Wenn dem Christen im Rahmen der nationalsozialistischen Weltanschauung ein Antisemitismus aufgedrängt wird, der zum Judenhaß verpflichtet, so steht für ihn dagegen das christliche Gebot der Nächstenliebe." Aus der Prötestschrift der Deutschen Evangelischen Kirche an Hitler 1936. An wessen Adresse! „Es hat sich noch nie gelohnt, Menschen unmenschlich zu behandeln." „Frankfurter Zeitung",. 26. Juli 1936. Die Bibel für alle Dr. Eduard Ken6z-Kurländ,er aus Kosice teilt mit, daß der Abiturient des Gymnasiums in Kosice, Anton Daniel, der einer Zigeunerfamilie entstammt, die Bibel in die Zigeunersprache übertragen hat. Es ist dies die erste Übertragung der Heiligen Schrift ins Zigeunerische. . J.-T.-A.-Meldung. Konfessioneller Friede in Oesterreich ,Jn unserem Lände, das sich bewußt und betont das Ethos unseres Glaubens zum Grundsatz gemacht hat, kann jeder nach seinem Glauben leben. Der konfessionelle Friede ist bei uns keineswegs gefährdet." Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, A\igust 1936. Juden nach Kuba „Wir wissen, daß Kuba ein Land ist, in dem zum Teil aus klimatischen und zum Teil aus anderen Gründen Juden in verschwindender Anzahl haben wohnen können. Im Jahre 1983 gab es dort insgesamt etwa 3000 Juden... Wenn nun in einem Augenblick, in dem das Auswanderungsproblem für die Juden der Welt eir\e$ der wesentlichsten, bittersten und schwierigsten Probleme ist, ein Abenteurer behauptet, r;zweihunüerttausenä Juden aus Deutschland — das aber, bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als sämtliche auswanderungsfähigen, Juden, die in Deutschland wohnen -— ansiedeln zu köntien, so überschreitet das schon die Grenzen der Abenteuerlust, und die Metro-Goldwyn-Mayer, die sich (was auch unwahr? scheinlich genug ist) daran beteiligt, sollte den Stoff schleunigst zum Vorwurf -, eines Hochsiaplerfilms benützen. Nach den Hauptdarstellern wijd man nicht allz\t lange suchen müssen." Dr. J. Prinz („Isr. Familienblatt", Berlin), August 1936.; Immer Wieder //Ehre" „In der nazistischen Lehre kann ein. Vertrag nur dann als gültig betrachtet werden, wenn er der Ehre und dam Recht der Staatserhaliung entspricht, welche beiden Begriffe natürlich nur der subjektivßn Auffass u ng desselben Staates anheimgegeben sind. J Prof. Louis Le Für (Paris) 1936. MMMMMMMMMMM^M^MMWa^^^nMHp^MMMMM» Inliu ausländische Hausbesitzer verwalten ihre n \V1ENER HAJÜfSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei 1 Dr. MAIR PAIS §j Wien I, Frqny.Josefs Kqf 1, Tg|T R21-5-30 ÜB E r s t k I a s s i g e Referenzen!

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