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Die neue Welt · 1936-07-31 · Heft 581 (31.7.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 581 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 381 vom 3l. Juli 1936 DIB NEUE WELT Seite 5 Wie kann der Streik beende! werden? Aus Jerusalem wird gemeldet: Der allgemeinen etreikmüdi^keit Rechnung tragend, sucht der Oberste Arabische Ausschuß nach einem Weg für den Abbruch des Streiks, ohne bisher zu einem festen Entschluß gekommen zu sein. Ueber die letzte Sitzung des Ausschusses erfährt man, daß von den Anhängern des Großmufti beantragt wurde, am Morgen nach dem 100. Streiktag eine Erklärung zu veröffentlichen, in der die Beendigung des Streiks mitgeteilt und der arabischen Nation der Dank für die Entschlossenheit ausgesprochen wird, mit der sie vor der Welt und vor England Ihre schweren Leiden und den festen Willen dargetan habe, gegen dio zionistische Politik der Regierung zu kämpfen. Die Partei Nashashibis anderseits beantragte, der Oberste Arabische Ausschuß solle sich anläßlich des hundertsten Streiktages auflösen und damit das Beispiel befolgen, das Dr. Welzmann gab, als er 1030 noch der Veröffentlichung des Passfleldschen Weißbuches demissionierte. Eine Einigung kam nicht zustande. In den Kreisen der jüdischen Kaufmannschaft Jerusalems herrscht die Ueberzeugung vor, daß die arabischen Kaufleute lieber heute als morgen ihre Läden wieder öffnen würden, wenn sie die Gewähr dafür hätten, daß ihnen nicht sofort die fälligen Wechsel der Großhändler und Banken präsentiert würden. Die a r a b i s c h e n Kaufleute, die die Wiederherstellung normaler Verhältnisse ersehnen, würden sich sicherlich vor dem Terror der „Schabab", der jugendlichen arabischen Nationalisten, zu schützen wissen, fürchten jedoch die Oeffnung der Läden ohne vorherige Verkündung eines Moratoriums. Bezeichnend für die Lage ist es, daß in dem Dorf En Sittim bei Safed der Mukhtar den Fellachen bekanntgegeben hat, der Streik sei" beendet, er nehme Arbeitsmeldungen entgegen. Nördlich von PetachTikwah hat eine Zusammenkunft von Beduinenstämmen dieser Gegend stattgefunden, in der erklärt wurde, es sei schon an der Zeit, den Streik zu beenden. Scheich Schaker Abu Kischek, der seinerzeit wegen seiner gemäßigten Haltung das Dorf verlassen und in einem Krankenhaus Zuflucht nehmen mußte, wies darauf hin, daß er die Resultate dieses Streiks vorausgesagt habe. In der letzten Zeit kommen häufig Araber aus dem Stamm Abu Kischeks nach Petach Tikwa und bitten um Arbeit. Efnzise JOdlsche Handelsschule für Knaben und Mädchen Abendkurse Wien II, Taborstraße 39, Telephon B5-6-57 Utiterricht nach dem normalen Lehrplan der Handelsschulen. Erst kl. Lehrkräfte. Aufn. tägl. v. 10-12 u. 3-5 Uhr. Prosp. graiis Wirtedtaftlsdiei aus Palästina Meldungen der „Palnews" Landwirtschaftliche Produkte Obwohl die GemUseernte in dieser Saison reichlich ausgefallen ist, findet, wie der Regierungsbericht mitteilt, Infolge der anormalen politischen Verhältnisse nur eine sehr geringfügige Verkaufsbewegung in die Städte statt, wo hohe Preise erzielt werden. In den Dörfern erzielt das Gros der Gemüseernte abnorm niedrige und unlohnende Preise. Kartoffeln sind zum Teil nicht geerntet; große Mengen von Tomaten und verschiedenen anderen Gemüsearten werden infolge der Schwierigkeiten, sie unter den gegenwärtigen Umständen in die Städte zu bringen, nicht abgeerntet. Die Gemüsebauern und Kaufleute, die ihnen Erntevorschüsse gegeben haben, erleiden daher große Verluste. Nur kleine Mengen der Melonenernte gelangten in die Städte, wo sie hohe Preise erzielten, der größte Teil der Ernte, der gereift ist, verbleibt jedoch auf den Feldern. Auch in den übrigen landwirtschaftlichen Produkten finden geringe Umsätze bei wenig veränderten Preisen statt. Nur beschränkte Quantitäten von Milchprodukten, Geflügel und Eiern gelangten in die Städte und erzielen dort höhere Preise als gewöhnlich, in den Dörfern verbleibt jedoch der große Teil dieser verderblichen Produkte zurück und muß zu außerordentlich niedrigen und unlohnenden Preisen verwertet werden. Was die Fruchternte anbetrifft, so ist die Aprikosenernte besser als in den ganzen letzten Jahren ausgefallen, jedoch bestehen große Absatzschwierigkeiten. Die Apfelernte verspricht günstig auszufallen. Die Tafeltraubenernte reift, heran. Für die Bananenernte von Jericho bestehen große Transportschwierigkeiten, der Verderb der Frucht ist die Folge. Bananen erzielen in Jericho 20 Müs per Rottel gegenüber 70 Müs im letzten Jahre. Weniger Gründungen Die Gründungstätigkeit hat im ersten Halbjahr 1936 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreshalbjahr infolge der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse einen starken Rückschlag erfahren. Die Zahl der im ersten Halbjahr 1936 gegründeten Aktiengesellschaften beläuft sich auf 89 gegenüber 167 im ersten Halbjahr 1935, das autorisierte Kapital auf rund 0,5 Millionen pal. Pfund gegen 2,2 Millionen pal. Pfund. Der starke Rückgang des autorisierten Kapitals gegenüber dem Vorjahr erklärt sich daraus, daß im ersten Halbjahr 1935 eine Reihe großer Aktiengesellschaften mit einem Kapital von mehreren hunderttausend Pfund registriert würde (u. a. die Agricultural Mortgage Company mit einem Kapital von 400.000 pal. Pfund). Es ist aber zu berücksichtigen, daß das autorisierte Kapital in vielen Fällen das tatsächlich zur Verfügung stehende Kapital mehr oder weniger stark übersteigt. Günstige Orangenernte Nach' den gegenwärtigen Aussichten wird die Orangenernte in den jungen Plantagen eine große sein, in den älteren sind die Ernteaussichten normale. Die Aussichten für Grapefruit in den alten und jungen Pärdessim sind durchschnittlich gute. — In der kommenden Saison werden nur Kisten mit minimal 120 Früchten zum Export zugelassen. ' ft Alle Damen geht es an! OHSA die einzig vollkommen geruchlose Enthaarungscreme Probetube S 1.— / Durch Oman-Vertrieb Wien 1. Bfexirk, Kohlmarkt Nr. 10 Import- und Exportbewegung Der Import hat.sich im Mai unter der Auswirkung der Unruhen von einer Höhe von pal. Pf. 1,547.981 im Vorjahr auf pal. Pf. 944.169, d. h. um pal. Pf. 603.812, bzw. 39 Prozent, vermindert. Gegenüber Mai 1934 macht der Importrückgang fast 30 Prozent aus. Während sich der Nahrungsmittelimpprt gegenüber dem Vorjahr um 25,5 Prozent, der Rohstoff Import um 19,3 Prozent reduzierte, ging der Import industrieller Fertigwaren von pal. Pfund 954.480 im Vorjahr auf nur pal. Pfund 445.447 im Mai dieses Jahres zurück, er senkte 'sich also um 53,3 Prozent! Der Export reduzierte sich von pal. Pf. 64.919 im Vorjahr auf pal. Pf. 42.686 im Mai 1936, da im Mai 1935 noch Reste von Zitrusfrüchten exportiert wurden, was in diesem Jahr nicht mehr der Fall war. Der Export von Rohstoffen und industriellen Erzeugnissen bewegt sich dagegen auf der Höhe des Vorjahres5. Der Reexport ist etwas zurückgegangen. Vom Rückgang des Imports werden fast alle Waren stark betroffen. PaläsfinatRegieriifig und Fliiditlfitgsfrage Aus .Tel-Aviv: Die/ 7?el-Aviver Jüdische Gemeinde hat sich zum Protest gegen die Haltung der Regierung in der FlUchtlingsfrage (die Regierung hatte nach langen Verhandlungen eine Beihilfe von nur 500 Pfund bewilligt) von der Mitwirkung bei der Flüchtlingshilfe zurückgezogen. (J. T. A.) Schwierige Lage der Palästina Industrie Aus Jerusalem: In einer von der Jerusalemer Ortsgruppe des palästinensischen Industriellenverbandes veranstalteten Fressekonferenz wurde die schwierige Lage geschildert, in die die Industrie Palästinas infolge der Unruhen geraten ist. Der Referent wies darauf hin, daß die Industrie schon anläßlich des Ausbruchs des itallenisch-abessinischen Konflikts infolge der dadurch entstandenen Panik schwer zu leiden hatte. Nach vorübergehender Besserung der Lage kam es zu den Unruhen, die die Situation der Industrie in kritischer Weise verschlechterten. Auf allen Wirtschaftsgebieten mit Ausnahme der Lebensmittel- und Papierindus t r i e sei ein Niedergang, festzustellen. Eine Anzahl von Fabriken sei durch die Unruhen vollkommen zugrunde gerichtet worden; diejenigen, die das Erzeugungstempo nicht herabsetzten, haben große Warenvorräte geschaffen, für die es augenblicklich keine Absatzmöglichkeit gibt. Das hat zu Arbeiterentlassungen geführt. Viele Fabriken, werden zu völliger Betriebseinstellung genötigt »ein, falls die gegenwärtigen Zustünde in Palästina noch längere Zelt andauern. Welt weniger bedenklich' wäre die Lage der Industrie, wenn nicht so viele Artikel, die heute schon in guter Qualität in Palästina hergestellt werden, noch immer aus dem Ausland bezogen würden. Das gilt z. B. von Wirkwaren, Möbeln und Zement. Fast achtzig Prozent dieser Waren, für die im letzten Jahr über 850.000 Pfund1 an das Ausland bezahlt wurden, seien im Lande selbst erhältlich. Huberman-Örchestcr Der Palästina-Orchester-Verband kündigt an, daß das Philharmoniker-Orchester in der konzertsaison 1936/37 10 Konzerte in Tel-Aviv, 8 in Jerusalem und 8 in Haifa geben Wird. Als Dirigenten werden Toscanini, Issay Dobrowen, H. W. Steinberg und andere auftreten. Ein „ehrloser" Jude startet nicht Wir erhalten folgende Zuschrift: Verehrliche Redaktion! Zu Ihrem Artikel iii der Ausgabe vom 28. ds. „Ein .ehrloser' Jude startet nicht", möchte ich bemerken, daß die Heranziehung der Helen Mayer zum Vergleich mit Judith Deutsch von zwei Gesichtspunkten aus nicht stichhältig ist. 1. Nannte Helen Mayer für die Olympiade unter „unwiderstehlichen" Zwang, weil ihr die deutsche Reichsregierung für ihren Start die deutsche Staatsbürgerschaft zusicherte; 2t hätte Helen Mayer durch ein Nichtstarten den Erfolg, des deutschen Teams gefährdet, da sie auf Grund ihrer bisherigen Leistungen unbedingte Anwartschaft auf einen der drei ersten Plätze im Fechten hat. Judith Deutsch,: Ruth Langer und die inzwischen disqualifizierte Goldner haben in ihren Bestleistungen nicht annähernd jene Zeit gezeigt, die die, Holländerinnen, Japanerinnen; und Reichsdeutschen an der Spitze der Schwimmerinnen sehen werden, so daß ihre Absage an das piympia-Komitee einen österreichischen Gesamterfolg nicht im mindesten beeinträchtigt. Es ist anläßlich der Olympiade in Berlin ein offizielles Nachschlagewerk „Wer ist's?" erschienen, in dem man die Namen Fein, Finczus, Guth, Schlanger, Lion und die aller Österreichischen jüdischen Schwimmerinnen vergebens sucht. Aberselbst Rudi Ball und der frühere Tennismeister Daniel Prenn erscheinen nicht angeführt. Es ist wieder ein klärer Beweis, daß, wie Sie mehrfach in Ihrem Blatte erwähnten, die sportliche Seite der Olympiade hinter die gigantische Propaganda für das Dritte' Reich zurücktreten muß. Mit jüdischem Sportgruß Ing. K. M. HittdeiqtetosiMMAustm" OLGA KADIICH, BAD VÖSLAU Für Kinder von 3 Jahren aufwärts. Beste Erfolge auch bei schlecht essenden u. schwerer etzlehbaren Kindern. Erstklassige Verpflegung. Von Aörzten empfohlen. Spoit, Spiel, Unterricht. Ganzjährig geöffnet jetzt SCHUBERTPLATZ 3 IN NEU ADAPTIERTER VILLA m $edim&#lte SMmAtMkeiH „Schwer zu sein ein JucV" — bei Morris Schwartz Man ist gewöhnt, bei einer Aufführung von Scholem Alechems unsterblicher Komödie zu lachen, „daß alles kracht". Man lacht über den Jungen Sjomka, der, immer bei Appetit, ohne Unterlaß die Tür öffnen muß, über die ein wenig zudringliche Hausfrau, über die Verlegenheiten der beiden Studentenkollegen (des Juden und des Christen) und schließlich sogar über den ehrenwerten Hausherrn David Schapira „fun di echte Schapiras", In der Inszenierung von Morris Schwartz sind alle Töne gedämpft. Lustigkeit wird zu Heiterkeit, Melancholie zu Schmerz, Verlegenheit zu Tragik. So wird, aus einem „Lustspiel" ein heiteres Konversationsstück mit tragischem Unterton. Alles geht vornehm, gedämpft, „balbattisch" vor sich. Es sind keine Kleinbürger da, sondern fast „gutsituierte" Bürger. Es ist kein Stück Rußland, sondern ein Stück New York — East End. Und er selbst, David jSchapira, stellt nicht den nervösen, hastigen, geschäftigen Börsenmakler vor. Morris Schwartz nimmt ihn als ernsten würdigen Mann, der seinen Beruf als bürgerlichen Beruf ansieht, der ein ehrenwertes Haus führt, Gäste aufzunehmen versteht; der einer Familie vorsteht, die Respekt beansprucht und zugeteilt erhält. , Der traditionellen Auffassung von „Schwer zu sein ein Jud'" ist also Morris Schwartz ausgewichen. Er zeigt uns einen anderen Scholem Alechem,^einen, der mehr an — Tewje erinnert, und der Börsenmakler Schapira erscheint uns oft als ein städtischer Tewje, als Tewje des Salons. In diesem Sinn wirkt das Stück mehr als Thesenstück. Der Scholem Alechemsche Humor geht dadurch mehr in die Tiefe als in die Breite; wirkt distinguierter, hoffähiger. Aber, die allerletzten Pointen, die im Tonfall und in der Geste stecken, drohen Gefahr, verlorenzugehen. So wurde beispielsweise aus dem tolpatschigen, aber in seinem kindlichen Gemüt immer noch übermütigen und weltfremden Sjomka ein Knabe, der schon die Last des verfemten und vom rauschenden Leben ausgeschlossenen Juden auf seinen Schultern trägt; aus dem Studenten Schneursqhn ein Mensch, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat . . . Mit einem Worts Scholem Alechem im Smoking! Nichtsdestoweniger hatte, die Aufführung fühlbare Höhepunkte, hatte auch Stil. Es wirkte neu, es wirkte aktuell, schmerzlich, zeitnahe, so daß das Publikum, vom ersten Augenblick gefesselt, Mühe hatte, sich inmitten der Szenen vom Applaudieren zurückzuhalten. Frau Lipman als Schapira war als Hausfrau wie als Mutter und Gattin von vorlauter Güte* Ester Go.ldenberg.als Tochter des Hauses von keuschem Liebreiz und stark in ihren Herzensausbrüchen, Eni L i t o n ein schwermütiger. Sjomka. Alex Stein, der christlich-jüdische Student Ivan Ivanow, blendete wieder durch meisterhaft gezeichnete Details, während Grudberg als Schneursohn durch verhaltenes Spiel die Sympathien aller auf reiner Seite hatte. Wie immer die Auffassung sein mag — ein Glück, Scholem Alechem spielen zu sehen. Das Publikum war ergriffen, dankte stürmisch!' Ein echt jüdischer Theaterabend. Morris Schwartz wurde ge« feiert. q. r.

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