Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-07-31 · Heft 581 (31.7.1936) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 581 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712206--5932-2719617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 DIE NEUE WELT Nf. 581 vom 31. Juli 1936 RABENSTEIQ 3 HIMMELPFORTG. 5 KÖLLNGRHOFQÄSSE 1 EIHZ1G Iii ÜHEHÜ1 Reinseiden-Herren- Hemden, be9<e Paßforin Sf nur ~ R«int9ldtn-Knlthos* nur S 3.90 GRÖSSTE AUSWAHL In Pyjamas u.Batfemfiiitel Viele Sorten VrAermel-Remden — «tc. Meinung der Preise Gegen Belohnung der Banditen Die „Palestine Post" erklärt, daß der arabische Streik sich immer mehr als eine rein arabische Angelegenheit erweise. Unter Hinweis auf den in den letzten Tagen verstärkten Terror und insbesondere auf den Bombenanschlag auf die Talmud-Thora-Schule erklärt die „Palestine Post", Müßiggang sei nicht nur aller Laster Anfang, sondern auch der Grund für ein Sinken der Moral zu einer Tiefe, die Gefühllosigkeit gegenüber den ungeheuerlichen Ausbrüchen erwarten läßt. Zur Verantwortung für die begangenen Verbrechen müßten nach Ansicht der „Palestine Post" die arabischen Wortführer gezogen werden, die in wohlgesinnten Kreisen in London den arabischen Protest als eine durchaus friedliche, mit keinerlei Gewaltakten verbundene Aktion darstellen. „Wir haben uns jedoch weniger mit der Lügenhaftigkeit arabischer Politiker zu befassen", führt der Artikel weiter aus, „als mit dem Widerhall, den sie zu erwecken suchen. Was auch immer das Ergebnis der Untersuchungen der Kgl. Kommission sei, kein Araber darf den Eindruck gewinnen, daß politische Konzessionen zu erzwingen sind, wenn man junge Burschen zu Bombenattentaten auf hilflose Schulkinder dingt. Nichts würde die Grundlagen einer geordneten Gemeinschaft mehr erschüttern als eine solche Konzession, selbst wenn 3ie mit Ormsby-Gores Versicherungen, daß die Regierung sich durch Gewalt und Einschüchterungsversuche nicht beeinflussen lassen werde, gedacht wird. Wenn man den Arabern sage, die Einstellung der Einwanderung sei eine offene Frage, so könnte man ihnen ebenso gut sagen: Gesetzlosigkeit macht sich bezahlt. „Die Helden der arabischen Revolulution", so schließt der Artikel, „haben den Gipfel ihres Heldentums erreicht". * Im selben Zusammenhang erscheint im „Haare z" ein in ironischem Ton gehaltener Artikel, in dem erklärt wird, daß nun tatsächlich das Blut von Kindern vergossen wurde, was ein Beweis für das Talent einer nationalen Regierung ist und den Juden vor Augen führt, wie sehr sich die Engländer, Araber und Christen vor der Zukunft unter einer solchen arabischen nationalen Regierung fürchten. Dieses Attentat Kvurde einen Tag nach Ormsby-Gores Ankündigung im Unterhaus verübt, derzufolge die Regierung sich die Entscheidung über eine vorübergehende Einstellung der Einwanderung bis zum Eintreffen der Kgl. Kommission vorbehalte. Ein Versuch, eine Einstellung der Einwanderung herbeizuführen, erklärt „Haarez", wäre eine Belohnung für die Mörder und die schrecklichste Strafe für ihre Opfer. * „D a w a r" weist darauf hin, daß nicht zum ersten Male Kinder das Ziel eines Angriffes geworden sind, und erinnert an den Brandstiftungsversuch am Säuglingsheim und an die Schüsse auf das Waisenhaus in Jerusalem; diesmal jedoch sei der Versuch gelungen und das Blut von Kindern vergossen worden. Palästina als Investition stand Das Handelsblatt des „Manchester Guardian" hat eine 22 Seiten starke Palästina-Sonderbeilage veröffentlicht, in der die wirtschaftlichen Errungenschaften in Palästina als phänomenal bezeichnet werden und erklärt wird, daß der palästinensische Handel trotz der politischen Schwierigkeiten, mit denen das Land jetzt zu kämpfen hat, sich gegenüber heftigsten Widerständen behauptet. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß unter geordneten friedlichen Verhältnissen der Fortschritt in Palästina weitergehen werde. Die Beilage enthält zahlreiche von jüdischen und nichtjüdischen Fachleuten geschriebene Artikel über alle Gebiete des palästinensischen Lebens, insbesondere über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. In dem ersten Artikel, der von A. Goldwater (Direktor der Palestine Corporation Ltd.) verfaßt ist, wird festgestellt, daß Palästina als Gebiet für sichere Investitionen gilt; öffentliche Anleihen im Gesamtbetrage von Uber fünf Millionen Pfund seien für verschiedene Institutionen in Palästina in London gezeichnet worden, darunter eine Anleihe von 500.000 Pfund für die J e w i a h A g e n c y und eine von einer Million Pfund für die Stadtgemeinde Tel-Aviv. Auch englische Versicherungsgesellschaften un4 Industriekonzerne sind durch Anleihen und Investitionen an Palästina wesentlich interessiert. In weiteren Artikeln werden Kapital und Warenimport, verschiedene Probleme des Absatzes palästinensischer Erzeugnisse, die Genoaaenschaftsbewegung, aas Bankensystem und die Errichtung eines Jüdischen Nutionalheims in Palästina behandelt. Zimmer oder Kabinett, möbliert, rein, eventuell mit Verpflegung, an Herrn oder Dame zu vermieten. Katz, II., Reichsbrückenstraße 8/10. Die Juden in Spamsdt-Marokko Aus Paris: Aus Oran berichtet der „TempB", daß die reaktionäre Militärdiktatur in Spanisch-Marokko äußerst streng: gehatulhabt wird und zu antisemitischen Maßnahmen Anlaß gnb. Die Nachricht, daß zahlreiche Juden in Melilln ohne weiter» hingerichtet worden seien, ist zwar unrichtig, aber fast die gesamte jüdische Gemeinde in Melilla wurde verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. (J. T. A.) Die antisemitischen Unruhen in PoBen Aus Warschau: Die Angriffe auf Juden in verschiedenen Orten Polens dauern an. Im Kurort Ciechoczynek wurde der zur Kur weilende greise Rabbiner von Zdunska-Wolja, Issachar Beer, vom Kunstmaler Gurski und einem anderen Huligan bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen und am Auge gefährlich verletzt. Die Huligans wurden festgestellt und nach Aufnahme des polizeilichen Protokolls freigelassen. (J. T. A.) tür ö e i e g e n h e 11 s k ä u f e Wien VIII. .-.» a d t b a h n v t n d u k I 23 be Lerchen'eidersfrai'i.' Telephon1 A-2i-5'31 Die AirasfedKung deutscher luden durdi Ica Aua Berlin: Nachdem Ende 193Ö zwanzig jüdische Familien aus Deutschland duroh die Jewish Colonization Association (Ica) in ihrer Argentinien-Kolonie Avigdor zur Ansledlung gelangt sind, hat sich die Ica entschlossen, ein erweitertes Ansiedlungsprogramm durchzuführen. Im Laufe eines Jahres werden weitere 150 Familien, die durch den Beauftragten der Ica bereits ausgewählt sind, in den Ica-Kolonien zu landwirtschaftlicher Arbeit angesiedelt werden. Von diesen Familien, die in der Regel mindestens drei männliche und eine weibliche Arbeitskraft umfassen müssen, wird ein Familienmitglied nach einer vierwöchigen landwirtschaftlichen Vorschulung im Landwerk Neuendorf zur Ausbildung auf ein Jahr der Familie nach Argentinien vorausfahren.. Die Ausbildung erfolgt teilweise in landwirtschaftlichen Schulen, teilweise bei alten Siedlerfamilien. Wenn sich das vorausfahrende Familienmitglied während dieser Ausbildungszeit bewährt, wird die Familie innerhalb eines Jahres angefordert und in den Ica-Kolonien in Argentinien angesiedelt werden. Die Ica hat außer dieser Erweiterung ihres Kolonisationsprogramms in Argentinien nunmehr auch dair'' begonnen, jüdische Familien aus Deutschland in BraiL.ien auf einem Areal in der Nähe der Stadt Rezende, 190 km von Rio de Janeiro entfernt, anzusiedeln. Auf dem von der Ica erworbenen Gut werden den einzelnen Familien Siedlungsgrundstücke in einer Größe von etwa 20 Hektar in Pacht gegeben, die landwirtschaftlich intensiv und nach dem System der .gemischten Wirtschaft bebaut werden sollen. Es ist vorgesehen, daß die Siedler in einer Zeit von etwa zwanzig Jahren Eigentümer des Siedlungsgrundstückes werden können. Für diese Ica- Siedlung sind in erster Linie die vertriebenen Siedlerfamilien aus Groß-Gaglow (bei Berlin) vorgesehen, deren Zahl durch die Auswahl weiterer von dem Beauftragten der Ica bereits geprüfter Familien erhöht werden soll. Die ausgewählten Familien werden zusammen mit ihren Angehörigen und den ihnen beigegebenen Hilfen zur Ansiedlung gelangen. (J. T. A.) fiit Weekend md Reise die bestrenommierten "1103 Feinwurst - Selchwaren - Fleischkonserven la aualltat Auch Postversand Angst vor dem hebräischen Wort Aus Frankfurt a. M.: Die Gestapo in Frankfurt a. Main hat soeben die folgende Verfügung erlassen, von der man annimmt, daß sie bald auch im übrigen Deutschland Gültigkeit haben wird: „Der Gebrauch der hebräischen Sprache in öffentlichen Versammlungen ist verboten, es darf nur deutsch gesprochen werden. Verboten ist auch der Gebrauch einzelner Phrasen oder Worte in Hebräisch, auch wenn sie unmittelbar darauf ins Deutsche übersetzt werden." (J. T. A.) Unaufhaltsamer Rückgang trotz relativ guter Wirtschaftslage Ein bekannter tschechischer Statistiker, der Prager Universitätsdozent Dr. B o h ä c, behandelt in der Zeitschrift „Staticky Obzor" die berufliche Schichtung und die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Böhmens, das heißt jenes Teiles der tschechoslowakischen Republik, welcher einst das alte Königreich Böhmen und später das österreichische Kronland bildete. In Böhmen zählte die jüdische Bevölkerung bei der Volkszählung im Jahre 1930 76.301 Köpfe, das ist um 3476 Köpfe oder 4,36 Prozent weniger als 1921, wobei der Anteil des Judentums an der Gesamtbevölkerung des Landes von 1,2 auf 1,07 Prozent zurückging. Von diesen 76.301 Juden in Böhmen gehörten 38.253, also die Hälfte, der Berufegruppe Handel und Geldwesen an, weiter 13.694 Industrie und Gewerbe, 7135 öffentlichen Diensten und freien Berufen, 1569 Landwirtschaft, 1013 Transportgewerbe, 960 Militär und 13.677 anderen Berufen und Berufslose. Hiebei sind auch die FamiIienangehörigen mitgezählt. Bohaö weist darauf hin, daß sich die Juden in den böhmischen Ländern seit je dem Handel und den freien Berufen zuwandten, welche Tendenz sich in der letzten Zeit noch verstärkt hat, so daß 1930 bereits 50,1 Prozent der jüdischen Bevölkerung des Landes der Berufsgruppe Handel und Geldwesen angehörten, gegen 47,9 Prozent im Jahre 1921. Aber trotzdem ist, wie in allen anderen Berufsgruppen, so auch hier, die verhältnismäßige Vertretung der Juden zurückgegangen, und zwar von 8,35 auf 6,04 Prozent, während die Juden in den freien Berufen und öffentlichen Diensten mit 1,96, in Industrie und Gewerbe mit 0,46 und im Transportgewerbe mit 0,25 Prozent vertreten waren. Bohaö schreibt u. a.: Der langsame Verfall des Judentums, der zahlenmäßig allerdings noch teilweise durch Zuzug aus dem Osten aufgehalten wird, macht sich bereits in allen Berufen, auch im Handel und im Geldwesen, geltend, obzwar sich die Juden in ihnen, | besonders in der Berufsgruppe Handel und Geldwesen, immer stärker konzentrieren. Die neuen Geschäfte, die im letzten Jahrzehnt in großer Zahl zugewachsen sind, befinden sich fast durchwegs in nichtjüdischen Händen. 1921 gab es im ganzen Lande 9102 jüdische Warenhändler, das waren 12,8 Prozent sämtlicher Warenhändler, 1930 hingegen war die Zahl auf 8064, bzw. 8,5 Prozent gesunken. „Daß diese Entwicklung auch in Zukunft, und zwar in verschärftem Tempo vor sich gehen wird, beweist die geringe Zahl jüdischer Lehrlinge in dieser Branche. Es scheint allerdings, als ob die Juden nur aus dem Detailgeschäft verdrängt würden, während sie im Großhandel ihre Position behaupten." Schwer zu bestimmen ist die Bedeutung der Juden unter den selbständig Tätigen, denn hieher zählen sowohl die Weinen Handwerker, unter denen es nur ausnahmsweise Juden gibt, wie auch die großen Industrieunternehmer, unter die sich viele Juden emporgearbeitet haben, so daß das jüdische Kapital in der Industrie eine wichtige Rolle spielt. Zahlenmäßig ist in der Industrie das jüdische Element im Rückgang und selbständig tätige Juden gab es in Böhmen in Industrie und Gewerbe nur noch 2716 gegen 3345 im Jahre 1921 (1,6 gegen 1,8 Prozent). Gering ist die Zahl der Juden im Post- und Eisenbahndienst, wie überhaupt in den öffentlichen Diensten. Die Juden sind im Staatsdienst heute noch schwächer vertreten als vor dem Umsturz, denn die Zahl der Juden in der staatlichen und öffentlichen Verwaltung einschließlich Justiz hat sich von 310 im Jahre 1921 auf 134 im Jahre 1930 und im Schulwesen von 222 auf 198 vermindert. Die Zahl der selbständigen jüdischen Aerzte und Advokaten hat stärker zugenommen, als der allgemeinen Zunahme entsprechen würde. Nur vereinzelt findet man Juden in der Landwirtschaft. Sie machen nur 0,9, also nicht einmal ein ganzes Promille der landwirtschaftlichen Bevölkerung aus und sind hauptsächlich Gutspächter (106) und Gutsbesitzer (403), aber auch ihre Zahl hat sich gegen 1921 stark vermindert. Die soziale Gliederung der Juden ist — bemerkt Bohäö abschließend — völlig verschieden von der sozialen Schichtung der tschechischen und auch der deutschen Bevölkerung des Landes. Die Juden besitzen keine Landwirte und ihnen fehlen die Arbeiterschichten, die mit den Landwirten überall den Kern der Nation bilden, aus dem sich diese regeneriert. Sie waren genötigt, sich einseitig dem Handel zuzuwenden; sie erwarben zwar große Vermögen und erlangten einen vorherrschenden Einfluß im Wirtschaftsleben, aber sie unterliegen auch sehr stark den degenerativen Einflüssen des Milieus der vermögenden Bourgeoisie. Die einseitige rationalistische Richtung unserer Zivilisation hat ihre traditionelle Frömmigkeit untergraben und damit ihre Existenz bedroht. Die Assimilation und die freiwillige Unfruchtbarkeit der bourgeolsen Schichten bedeuten schließlich den Untergang des Judentums in den böhmischen Ländern. Aufhalten kann ihn lediglich ein Zustrom aus dem Osten, den wir besonders in Prag beobachten können; aber diese Emigration scheint voz'läung nicht stark genug zu sein, um eine Regeneration der Juden in den böhmischen Ländern bewerkstelligen zu können." Palästinenser in Wien. Wie bereits bekannt, Bind am Donnerstag, den 16. Juli, mit dem Dampfer „T e 1 A v 1 v" der Palestine Shlpplng Company, Generalvertretung für Oesterreich, Reisebüro „Universal", Wien, I„ Kärntnerring 3, 150 Palästinenser zu längerem Aufenthalt in Wien eingetroffen. Den gemeinsamen Bemühungen der öchlffsgosellschaft und der A u a t r o- Palästlnenalschen Handelskammer in Tel- Aviv -Haifa Ist es Uber Vorschlag der Wiener Generalvertretung gelungen, eine wettere Gruppe von zirka 200 Personen zu akqulrieren, die mit dem gleichen Dampfer am Mittwoch, den 29. d. M., In Trlest und am Donnerstag, den 80. Juli, in Wien, gleichfalls zu längerem Aufenthalt, hier eintreffen werden. Mit Rücksicht auf viele Anfragen trägt sich die Palestine Shipping Company, Generalvertretung für Oesterreich, Reisebüro „U h iversa 1", mit der Absicht, anfangs Oktober eine stark ermäßigte Gruppenreise nach Palästina zu veranstalten, worüber noch Einzelheiten bekanntgegeben werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.