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Die neue Welt · 1936-07-31 · Heft 581 (31.7.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 581 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 581 vom 31. Jufi 1936 DIE NEUE WELT Seite? lßt(Uk6MIU6äii ™ w ^VfTlfVrVIWIfWIflr Die unnatürliche Galut öoit ftai jeder JYafion ifcren Platz angewiesen und 'dem jüdischen Volk Erez Israel als seinen Ort zugeteilt. Die Galut bedeutet das Verlassen des natürlichen Ortes. Aber alle Dinge, die ihren natürlichen Ort verlassen, verlieren ihren natürlichen Halt, bis sie an ihren Platz zurückkehren. Die Zerstreuung Israels unter den Völkern ist etwas Unnatürliches. Da die Juden eine nationale Einheit bilden, und zwar in weit höherem Grade als die anderen Völker, ist es nötig, daß sie wieder zu einer faktischen Einheit werden. Auch ist es nach der Ordnung der Natur nicht erträglich, daß eine Nation die andere knechte; denn Gott hat jede Nation für sich geschaffen. Die Galut kann also nach dem Naturgesetz nicht ewig dauern. J. F. Baer (in „Galut", Schocken-Verlag, Berlin). Hauptsache t Judentaufe „Um der Araber willen und aus wirtscliaftlichen Gründen wird es sicher notwendig sein, die augenblickliche jüdische Einwanderungszahl beträchtlich zu reduzieren. Aber was immer sich ereignen magt es wird doch im Heiligen Land für alle Zeit eine große jüdische Bevölkerung sein. Es ist daher nötig, daß die kirchliche Judenmission in der Lage ist, ihr Werk in größerem Maßstab durchzuführen, als es bisher möglich war" Kirchliche Nachrichten („Times", Juli 1936). Geheimnis der jüdischen Geschichte Die Menschheitsgeschichte ist nichts anderes als eine Sammlung erschütternder Tatsachenberichte zur Illustration der Wahrheit, daß aller guter Wille zusammen <nicht ausreichtt um die gute Tat zu verwirklichen. Das Judentum weiß um dies Geheimnis des geschichtlichen Gescliehens. Darum unterstellt es menschliches Handeln der gesetzgewordenen, ewigen, unwandelbaren Wahrheit der Thora. Dr. B. Kurzweil, „Die Bedeutung der Thoragesetze für unsere Zeit". Das dankbare Vaterland Der ,iBund erblindeter Krieger" (Berlin) teilte soeben dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mit, daß der Reichspostminister es mit Schreiben vom IS. Juli 1986 abgelehnt hübe, die Kriegsblinden gewährte Ermäßigung der Telephongebühren auch auf jüdische Kriegsblinde zu erstrecken. J.-T.-A.-Meldung aus Berlin. Rumänische Hoffnung Welche Ironie des Schicksals! Im Jahre 1818 hat ein Jude, Disraeli, Lord Beaconsfield, uns vor der Vernichtung durch die russischen Alliierten gerettet. Vielleicht wird itns jetzt wieder ein Jude, Leon Blum, vor dem deutseh-magyarischen Einfall, der sich am Horizont bereits abzeichnet, retten. Zeitung „Neamul Romanesc" (Bukarest 1936). Schwache Abwehr Jedet Schritt, die jüdische Einwanderung nach Palästina aus anderen als wirtschaftlichen Erwägungen zu beschränken, könnte vom jüdischen Volk als nichts anderes denn als ein Angriff auf seine legitimen Rechte beurteilt werden. Das offiz. zion. Organ „New Judäa" (London). Jüdische Volksgesduchte ,JDer hebräische Geist sucht die Wirklichkeit' Gottes nicht jenseits aller Dinge, sondern er entdeckt sie überall in der eigenen Volksgeschichte. Das hebräische Volk in seinen größten Vertretern erlebt seine eigene geschichtliche Erfahrung in ganz anderer Spantweite und Tiefe als die anderen Völker, es erfaßt die verborgensten Verkettungen zwischen Schuld und Schicksal. Und ebendiese Hinwendung auf die Allgegenwart Gottes im konkreten Menschenschicksal ist wohl die größte Seite der hebräischen metaphysischen Begabung, in keiner anderen Volksgeschichte gibt es eine Gestalt wie den Propheten Nathan, der den König wegen Beraubung eines Untertanen zur Rechenschaft zieht. Was Europa auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit errungen hat, ist das Werk des jüdischen Gottes innerhalb der arischen Welt; der hohe Prozentsatz der Juden in den modernen sozialen Bewegungen ist noch ein Reflex dieser gewaltigen Antriebe." Der deutsche Professor W. Foerster (Paris) 1936. Judischer Kampf gegen Antisemitismus in England Aus London; Auf einer vom Jüdischen Arbeitsausschuß einberufenen, von Rallin geleiteten Konferenz von 200 Delegierten jüdischer Freundschaftsverbände, Gewerkschaften, Synagogen, Jugendklubs und Frontsoldaten, wurde über Maßnahmen zur Abwehr der antisemitischen Gefahr in England beraten, und Aktionen beim Parlament, sowie Massenprotestkundgebungen beschlossen. In der zur Annihme gelangten Resolution -wird erklärt, daß die Existenz der englischen Judenheit bedroht sei, falls man die Faschisten weiter gewähren lasse, die bereits in den Londoner Bezirken Hackney, Shoredich und Bethmal Green auf beträchtliche Erfolge hinzuweisen haben. Jüdische Passanten werden angegriffen, jüdische Ladeninhaber terrorisiert, Synagogen durch Bekleben mit judenhetzerischen Plakaten entweiht. Es wurde beschlossen, mit allen jenen Kräften zu kooperieren, die den Faschismus bekämpfen und einen ständigen jüdischen Ausschuß zum Kampf gegen den Antisemitismus zu bilden. Der Boykott gegen HitlerrDeutschland soll intensiviert werden. Der neugebildete Ausschuß soll mit dem Board of Ejeputies bei dessen Sonderfeldzug gegen den Antisemitismus in England zusammenarbeiten. Vom Parlament wird gefordert, alle jene Organisationen zu verbieten, die Bich rassische und religiöse Diskriminierung und Auftistzung zur Aufgabe machen. (J. T, A.), Noch immer Streik und Bomben Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Beginn dieser Woche war durch ein Wiederaufflackern der Kämpfe zwischen Arabern und britischem Militär genkennzeichnet. Britische Truppeneinheiten begannen wiederum eine energische Säuberungsaktion im Gebirge. Von militärischer Seite wird mitgeteilt, daß bei einem Gefecht zwischen britischen Truppen und Arabern in den Hügeln von Judäa 12 Araber getötet wurden. Aus verschiedenen anderen Teilen des Landes wird über Zusammenstöße zwischen Militär und Arabern berichtet, wobei acht Araber getötet wurden. Vier Araber wurden durch Explosion eigener Bomben verletzt, davon zwei schwer. 19 Araber wurden zum Teil wegen Waffenbesitzes, zum Teil wegen Terrorisierung der Bevölkerung verhaftet. Im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag gegen die jemenitische Talmud-Thora-Schule in Tel-Aviv befinden sich zwei Araber in Haft. Die Bombe wurde in der Mittagszeit, als die Kinder aus dem Schulgebäude strömten, geschleudert. Die zwei schwerverletzten Kinder sind der elfjährige Schmuel B a r c h i a 1 und der neunjährige Israel Cohen. Die hebräische Presse unterstreicht aus dem Aufruf des Bürgermeisters Dizengoff besonders die Stelle, in der darauf hingewiesen wird, daß das barbarische Attentat auf Kinder bis heute von den arabischen Führern, die bei jeder Gelegenheit betonen, daß sie einen „friedlichen Streik" führen, nicht verurteilt worden ist. Die Presse unterstreicht, daß damit die „Friedfertigkeit" der für die jetzige arabische Bewegung Verantwortlichen ihr wahres Gesicht gezeigt hat. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich bei der jüdischen landwirtschaftlichen Kadoorie-Schule auf dem Berge Tabor. Einer der Wächter der Schule, der aus Polen eingewanderte 29jährige Israel Wertheim, wurde durch einen unglücklichen Zufall durch die Kugel aus dem Gewehr eines Kameraden getroffen und lebensgefährlich verletzt. Er erlag bald darauf seinen Wunden. Er hinterläßt Frau und Kind. Wertheim ist das 5 0. j ü d isehe Todesopfer seit Beginn der Unruhen. Zum I.Male Orlglnalaufnahnten aus GallZien, Serbien und Tirol in dem gigantischen Österreichischen Kriegsfilm aller Fronten P*U9V an utfer Ausschließlich Originalaufnahmen aus Kriegsarchiven Ab heute: Gartenbau I., Busch II., Haydn VI., und KolOSSCUm-Xino IX. 7 Produktion: EFU-FILM, Wien VII. Während einer Schießerei in Haifa zwischen einem arabischen Polizisten und einem bewaffneten Araber geriet der unversehens zwischen die Kämpfenden gekommene 60jährige Jude Menasche Steinberg, der seit 40 Jahren in Palästina lebt, in eine solche Aufregung, daß er an einem Herzschlag verstarb. Der Araber wurde von den Polizisten erschossen. Am Samstag wurde unweit der Talmud-Thora- Schule in der Brennerstraße, die das Ziel des verhängnisvollen Bombenangriffs war, wiederum eine Bombe geschleudert, die keinen Schaden anrichtete. Zeitweilige Einstellung der Einwanderang? Aus London wird gemeldet: „Daily Herald" glaubt, daß die Einwanderung nach Palästina doch bis zur Fertigstellung des Berichtes d^r Royal Commission eingestellt werden wird, wovon man sich Beruhigung verspricht, so daß die Kommission im Herbst mit der Untersuchung wird beginnen können. (J. T. A.) ^SrPoIenu.Czernowitz Abfahrt: Jeden Sonntag Auskünfte: Dr. S. Tocker, Reisebüro ,In die Welt' (W. M. Renner) Wien IX, Liechtensteinstraße 2 (beim Schöttenring). Tel. A-14-504 Anschlag auf die Pipe Line Aus London: Wie jetzt bekannt wird, wurde am' 26. Juli ein Sprengstoffanschlag auf die Pipe Line der Irak Petroleum Company verübt. Nachdem tausend bewaffnete Angehörige des Beduinenstammes Beni Sakhir von der Irak Petroleum Company Geld bekommen hatten, um die Oelleitung in Transjordanien zu beschützen, hatten in der vergangenen Woche Agitatoren aus Palästina die Scheichs gegnerischer Stämme dazu aufgereizt, die Leitung zu sprengen, wenn ihre Stämme nicht ebenfalls Subventionen von der Irak Petroleum Company erhalten. Die Regierung hat daraufhin den Stämmen schwere Strafen angedroht. Die Erregung bei den Beduinenstämmen nimmt zu. Ein Zusammenstoß ist stündlich zu befürchten. (J. T. A.) Der hundertste Streiktag Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) als das exekutive Organ der legalen jüdischen Landesorganisation Knesseth Jisroel und die Leitung der orthodoxen jüdischen Organisation Agudas Jisroel fordern in Aufrufen die jüdische Bevölkerung auf, am 9. Ab, Montag abends und Dienstag, den traditionellen Marsch zur Klagemauer und das Exekutieren der Kinot (Klagelieder) an der Klagemauer zu unterlassen. (Bekanntlich hat das Rabbinat schon einige Tage vorher das Verweilen an der Klagemauer am 9. Ab aus Sicherheitsgründen verboten. Die Red.) Begründet werden diese Aufrufe und Maßnahmen mit der Verbreitung aufreizender Legenden durch die Araber. Die Legenden lauten dahin, daß die Juden am 9. Ab machtvolle Manifestationen an der Klagemauer planen. Diese Legenden werden unterstützt durch einen Aufruf des Mufti an die Araber Palästinas, sich zur „Verteidigung der Heiligen Stätten gegen die Juden" zu sammeln. Die Spannung erfährt eine Verschärfung dadurch, daß auf den Montag, den Vorabend des 9. Ab, der 10 0. Streiktag der Araber, fällt, der nach Anordnung des Obersten Arabischen Ausschusses zum Anlaß feierlicher Manifestationen genommen werden sollte. Außer in Jerusalem wurde besonders in Jaffa für eine besonders große Manifestation am Montag agitiert. Arabische Agitatoren verbreiteten das Gerücht, daß vier Araber von Juden getötet worden seien. Daraufhin rottete sich eine große Menge an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Aviv zusammen und drohte, in Tel-Aviv einzudringen, um „Rache" zu nehmen. Die Menge sah aber ein, daß sie angesichts der Sicherungen durch Stacheldraht und durch verstärkte Polizei- und Militärabteilungen nicht werde vordringen können; sie zerstreute sich, ohne daß es zum Gebrauch der Waffen kam. * Anscheinend auf Weisung des Obersten Arabischen Ausschusses sahen die Araber von den. geplanten außerordentlichen Manifestationen am 100. Streiktag, Montag, den 27. Juli, ab. In den Moscheen ganz Palästinas fanden Gottesdienste statt, wobei die folgende Parole verkündet wurde: „Das Endziel der arabischen Bestrebungen ist gewiß ereichbar, der Tag. des Sieges nähert sich schnell." Die arabische Presse prahlt damit, daß der Streik auch 200 und 300 Tage wird fortgesetzt werden können. Nur in T i b e r i a s kam es am 100. Streiktag zu einer außergewöhnlichen Manifestation, die schwere Folgen hatte. Die arabischen Demonstranten versuchten in das jüdische Viertel einzudringen, wurden aber von Polizei und Truppen zurückgetrieben. Zwei Juden und zwölf Araber -wurden verletzt. Erpressung an syrischen Juden Aus Beirut: Der Korrespondent der United Press t of America erhielt die folgende Mitteilung aus Syrien: Der antijüdische Boykott tuid Streik , der Araber in Palästina ist auch . für die Araber sehr kostspielig. Die arabische Kreise fanden aber einen Ausweg aus der Geldnot, und zwar beschlossen sie, mit Hilfe ihrer Stammesbrüder in Syrien die Juden selbst den Streik finanzieren zu lassen. Die arabische Bevölkerung Syriens beteiligt sich zwar , nicht an dem Streik, sie zwingt jedoch die wohlhabenden jüdischen Einwohner, Bankiers, Geschäftsleute usw., Beiträge für den Streikfonds der Araber Palästinas zu leisten. Die „Beiträge" werden als „Geschenk der Araber Syriens an ihre Brüder in Palästina" überwiesen. (J. T. A.) Das Recht auf die Kflagemauer Aus Jerusalem: Der Distriktskommissär von Jerusalem, Major Campbell, gab den jüdischen Institutionen die Zusicherung, daß durch das Fehlen von betenden Juden an der Klagemauer am diesjährigen 9. Ab kein Präjudiz geschaffen wurde und daß das Recht der Juden, am 9. Ab an der Klagemauer zu weilen, fortbesteht. (J. T. A.) Neuer Vermittlungsversuch Emir Abdullahs Aus Jerusalem, 28. Juli. Eine Abordnung des Obersten Arabischen Ausschusses mit dem Großmufti von Jerusalem an der Spitze hat sich am Sonntag, 26. Juli, auf Einladung Emir Abdullahs von Trans Jordanien zu Besprechungen nach Amman begeben. Dieser Besuch steht im Zusammenhang mit einem neuen Vermittlungsversuch des Emirs, der einen Ausweg aus der schweren politischen Krise in Palästina finden will. (J. T. A.) Inu* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre HVI durch behördlich konz. Realitätenkanzlei Wien 1, Frqtw-Josefs Kai 1, Tel. R-21-5-30 Erstklassige Referenzen! i

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