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Die neue Welt · 1936-07-28 · Heft 580 (28.7.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 580 (28.7.1936)
Date
1936-07-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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m. m vom 28. Juli 1936 DIE NEUE WEL1 Seite 3 1 Vom j'üdfodten Weltkongreß Wie aus Genf mitgeteilt wird, findet die Eröffnung des Judischen Weltkongresses am 8. August statt. Eine Sitzung der Exekutive des Weitkongresses wird am 5. August abgehalten. Aus aller Well Die brave Palästina-Regierung Nach langen Verhandlungen, die zwischen der Stadtverwaltung von Tel-Aviv und der Palästina-Regierung über die Frage der Unterstützung von 3000 jüdischen Flüchtlingen geführt wurden, die sich in dem Gebiet von Tel-Aviv aufhalten, hat die Regierung der Stadtverwaltung eine Beihilfe von 500 Pfund für die FlüchtUngsfürsorge überwiesen. Außerdem hat die Regierung der Stadtverwaltung erlaubt, eine Anleihe von 1500 Pfund für Fürsorgezwecke aufzunehmen. Palästina—Polen Für die ersten vier Monate dieses Jahres hat Palästina zum erstenmal, seitdem es mit der Republik Polen in Handelsbeziehungen steht, eine aktive Handelsbilanz gegenüber diesem Lande aufzuweisen. Polen hat In diesem Zeitraum von Palästina für 4,824.680 Zloty Waren bezogen, während der Export Polens nach Palästina in derselben Zeit einen Wert von nur 2,300.657 Pfunds! repräsentierte. Es ergab sich somit ein Ueberschuß von 2,515.023 Zloty zugunsten Palästinas. 7 ' „Nicht auf der Tagesordnung" In der Sitzung des Unterhauses forderte Geoffrey Mander vom Außenminister Anthony Eden, daß er von der deutschen Regierung die Zusicherung verlange, daß sie die Olympischen Spiele nicht zu politischer Propaganda im Sinne des Nazismus ausnutze. Minister Eden wies diese Forderung zurück. „Können wir nicht", fragte Mander weiter-, „zumindest eine gewisse Sicherheit erlangen, daß die Verfolgung der Juden nicht sofort nach Beendigung der Olympischen Spiele einsetzen v/erde?" Minister Eden erklärte, die Frage nicht beantworten zu können; sie figuriere nicht auf der T/a gesordnung. Deutsche Juden nach Kuba Das Mitglied des Kongressses der Vereinigten Staaten William I. S i r o v i c h, der bekanntlich die prinzipielle Zustimmung des Präsidenten Gomez und der lieigerung von Kuba zur Seßhaftmachung von 200.000 deutschen Juden auf Kuba erhalten hat, ist mit Flugzeug aus dem Osten in Hollywood eingetroffen und erklärte soeben dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, daß Louis B. Mayer, Vizepräsident der Metro-Goldwyn-Mayer, eine der prominentesten Figuren in der amerikanischen Filmindustrie, sich bereit erklärt hat, den provisorischen Vorsitz im Ausschuß zu Ubernehmen, der jetzt zur Durchführung des Plans der Seßhaftmachung deutscher Juden auf Kuba in Bildung begriffen ist. Türkische Minderheitenpolitik Der „Angriff* und die anderen nationalsozialistischen Zeitungen berichten mit einer gewissen Genugtuung, daß die türkische Regierung Ausländern das Betreten der 19 Kilometer breiten Uferstrecke längs der Dardanellen nicht gestattet und ferner Juden und Griechen die Ansiedlung verboten hat. Diese Bestimmung entspricht der Minderheitenpolitik der Türkei, die vor einiger Zeit auch zu der Judenaustreibung in Thrazien geführt hat. Einer der Hauptbefestigungapunkte der Dardanellen ist Gallipoli, wo während des Weltkrieges die in Aegypten gebildete jüdische Legion (Maultierkorps) zuerst eingesetzt worden ist. Jür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Aus New York wird berichtet: Das Administrative Commlttee des American Jcwish Congress beschloß, eine Untersuchungskommission in die mittel- und südamerkanischen Staaten zu entsenden, um der judenhetzerischen Propaganda der deutschen Nationalsozialisten in diesen Ländern entgegenzuwirken. Der Sonderbevollmächtigte des Keren Hajessod für Latein-Amerika, Manuel Graiver, überbrachte dem Kongreß das Ersuchen von 15 jüdischen Gemeinden Latein-Amerikas, dem immer unerträglicher werdenden nazistischen Antisemitismus entgegenzuwirken. Die Deutsche Transocean-Agentur verbreitet ununterbrochen in der Presse Meldungen, in denen die „Gefährlichkeit" der Juden für die Völker dargestellt und die Nürnberger Rassengesetze verherrlicht werden. Unter der Bauernschaft und der städtischen Jugend werden antisemitische Broschüren, ebenso illustrierte Journale und Flugzettel verbreitet. Auch die Regierungsbeamten werden dahin beeinflußt, die Einwanderung von Juden nicht zuzulassen. Die Nazipropaganda ist besonders stark in Argentinien, Chile, Peru, Columbia, Costa Rica und Mexiko. Die von den Nazisten beeinflußte Presse propagiert die Schaffung von Gesetzen, die die Juden in der Wirtschaft isolieren sollen. Ein in Costa Rica erlassenes Dekret, das jüdische Familien, besonders die aus Polen stammenden, die ihre Angehörigen ins Land zu bringen wünschen, verpflichtet, eine hohe Garantiesumme zu hinterlegen, bedeutet faktisch die Einstellung der jüdischen Einwanderung. * Aus London wird gemeldet: Der Board of Deputies hat beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die den Zweck haben soll, die. Aktionen'gegen die in letzter Zeit sich häufenden Angriffe auf die englische Judenheit zu vereinheitlichen. Die Kommission wird aus Mitgliedern der verschiedensten Richtungen bestehen, einschließlich der sogenannten „ A k t i v i s t e n". Diese bestehen aus einem Kreis jüdischer Menschen, die sich in letzter Zeit wiederholt gegen die Untätigkeit des Board of Deputies bei der Verteidigung des Ansehens der englischen Judenheit gewandt haben. (J. T. A.)„ Wie sieht es um die jüdi'sdte Einwanderung? Eine englische Meldung Aus London wird gemeldet: Der „Daily Telegraph" vom 25. Juli teilt mit, daß die Einwanderung nach Palästina für die Zeit der Arbeit der Königlichen Kommission wahrscheinlich eingestellt werden wird. Laut Information des „Daily Telegraph" glaubt man, daß die Unruhen in Palästina aufhören werden, sobald gemeldet wird, daß die Königliche Kommission im Herbst ihre Tätigkeit aufnehmen wird. Stellungnahme der Exekutive Ueber die Stellungnahme der Exekutive zur gegenwärtigen politischen Situation in Palästina sprach in einer Pressekonferenz in Manchester der stellvertretende Vorsitzende der English Zionist Federation, Rev. M. L. P e r 1 z w e i g. Er betonte, daß die Jewish Agency grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der Kgl. Kommission für Palästina im Rahmen der vorgesehenen Prozedur bereit sei, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Untersuchung keinesfalls über die durch die, Mandatsbestimmungen gesetzten Grenzen hinausgeht. Mit voller Schärfe wandte sich Rev. Perlzweig gegen jede Möglichkeit von Konzessionen an die Araber unter dem Druck von Terror und erklärte, eine Einstellung der Einwanderungin diesem Augenblick würde tatsächlich nichts anderes als eine Prämie für die Anzettelung von Unruhen bedeuten. Von der zionistischen Führung, erklärte der Redner, werde eine intensive politische Aktion in parlamentarischen Kreisen durchgeführt. Weidmann in Karlsbad Präsident Dr. Chaim Weidmann begab sich am Sonntag, den 26. Juli, zu einem dreiwöchigen Kuraufenthalt nach Karlsbad, da er von den Anstrengun« gen der letzten vier Monate körperlich schwer mitgenommen ist. Die letzten Erklärungen des Kolonienministers Ormsby-Gore haben in jüdischen politischen Kreisen erneut Befürchtungen ausgelöst. Man meint, daß die Möglichkeit einer vorübergehenden Einstellung der Einwanderung durch seine Bemerkungen nicht vollständig beseitigt wurde, sondern daß in ihnen eher die Absicht der Regierung zum Ausdruck kam, sich zwar vor Gewalt und Einschüchterung nicht zu beugen, aber „nach wesentlichen Gesichtspunkten" vorzugehen. (J. T. A.) . . .## Für Kinder von 3 Jahten aufwärts. Besle Etfolpe auch bei schlecht essenden u. schwerer erziehbaren Kindern. Erstklassige Verpflegung. Von Aerzten empfohlen. Spott, Spiel, Unterricht. G b n z I I h r i g geöffi-el jetzt SCHUBERTPLäTZ 3 IN NEU ADAPTIERTER VCLL Ymtz §ireihmüMqkeit ewmte Läge Zahlreiche Anzeichen sprechen dafür, daß die arabischen Führer, welche ihre Anhänger zu den Terrorakten aufgehetzt und in den Streik getrieben haben, jetzt einen Rückzug suchen, der nicht ihr Prestige auf ein Minimum herabmindert. Denn auch die in England weilenden arabischen Delegationen haben vorläufig noch keinen in die Augen springenden Erfolg zu verzeichnen. Uber die Lage liegen folgende J.-T.-A.-Nachrichten vor: Neue Movdansdilage Aus Jerusalem: Hier kam es zu einem heimtückischen Anschlag auf den 60jährigen Mordechai Bauer. In der Nähe eines Waisenhauses trat ein arabischer Jugendlicher auf Bauec-izu und fragte ihn: .„Kama haschaa?" (V/ie spät ist es?) Als Bauer nach seiner Uhr sah, gab der Jugendliche mehrere Schüsse auf ihn ab, die seine rechte Lunge durchbohrten. Bauer wurde in das Hadassa-Krankenhaus eingeliefert. Sein Befinden ist ernst. Er ist erst im September 1935 aus Polen nach Palästina gekommen. In der Kolonie Nathania wurde der jüdische Wächter Eliah Rosenberg durch arabische Marodeure angeschossen und am Arm verletzt. Arabische Banden Uberfielen bei Tulkarem eine britische Militärpatrouille. Ein britischer Soldat wurde getötet, vier Soldaten wurden verletzt, davon zwei schwer. In den Vorstädten von Jaffa und Tel-Aviv wurden insgesamt sieben Bomben geworfen. In Jaffa selbst wurden zwei Bombenanschläge gemacht. An der Oellinie der Irak Petroleum Company wurde durch Explosionskörper einiger. Schaden angerichtet. Als ein Anzeichen dafür, daß die Lage in Palästina sich immerhin entspannt hat, wird die Ankündigung der Regierung angesehen, daß sie in Zukunft nur noch einmal täglich das amtliche Kommunique über die Unruhen herausgeben wird. Zur SirerkFage Aus London: Die „Morning Post" meldet aus Jerusalem, daß der erste organisierte öffentliche P r otest von Arabern gegen den ihnen aufgezwungenen Streik in der Form eines Memorandums erhoben wurde, das Jaffaer Straßenhändlcr an den Chefsekretär der Palästina-Regierung zur Weite rleitung an den High Commissioner gerichtet haben. In dem Memorandum verlangen die Händler Polizeischutz, um ihre Tätigkeit wieder aufnehmen zu können. Aus London: Die „Times" veröffentlichen einen Bericht aus; Jerusalem, in dem. das nahe Ende des Araberstreiks vorausgesagt wird. Hauptsächlich sei es der Mangel an Mitteln, der die Araber zur Beendigung der Streikbewegung zwinge. Dio lange Dauer des Streiks wird in dem Bericht damit erklärt, daß das Schließen der Läden eine bloß formelle Maßnahme war, während in Wirklichkeit der Geschäftsverkehr hinter geschlossenen Türen weiterging, Ein Streik der arabischen Regie r u n g s b'e a m t e n werde von der Streikleitung gar nicht gewünscht, da der Streikfonds hauptsächlich durch Beiträge dieser Beamten gespeist w«rde. Die jüdische Einwanderung sei infolge der Unruhen im ersten Halbjahr 1936 auf 16.400 Einwanderer, etwa die Hälfte der Einwanderung im gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres, gesunken. Im Juni habe die Einwanderung bloß 1500 Seelen ausgemacht. Dieser Rückgang der Einwanderung sei ein A n s p o r n für die Fortführung des Kampfes. Die Königliche Kommission Aus London: (J, T. A.) Die Zusammensetzung der Kgl. Kommission, die nach Palästina zur Entgegennahme der Beschwerden von Juden und Arabern entsandt werden soll, zeigt, daß weder Mitglieder des Unterhauses noch Vertreter irgendeiner politischen Partei ihr angehören. Die Mitglieder der Kommission können als „ältere Staatsmänner" bezeichnet werden. Sic sind sämtlich hervorragende Kenner der Verhältnisse des Orients. Seitens der Regierung wird betont, daß die Kommission ihren Bericht und ihre Empfehlungen nur der Regierung unterbreiten wird, die selbst die endgültige Entscheidung treffen und darüber eine parlamentarische Debatte herbeiführen wird. Wie weiterhin verlautet, wird die Kommission keine Beratungen mit irgendeiner der lnteresslertfift Parteien abhalten, sondern in völliger Unabhängigkeit ihren Bericht formulieren. . =» In der Sitzung des Unterhauses am letzten Mittwoch erklärte der Kolonienminister Ormsby-Goro, die britische Regierung ziehe keine Aenderung ihrer Politik gegenüber Palästina in Betracht, bis sie nicht in den Besitz des Berichtes, der R o y a 1 C o m m i a s i o n gelangt ist. Weiter erklärte der Kolonienminister, die Lage in Palästina sei immer noch ernst. Wurde Palästina den Arabern versgurodaen? Aus London:-Die Frage, ob Paalästina während des Krieges den Arabern von England versprochen worden ist, wird durch eine Zuschrift an die „Times" erneut aufgeworfen. James A. Malcolm verneint diese Frage, indem er zur . Begründung anführt, daß die palästinensischen Araber während des Krieges vollkommen von der Welt abgeschlossen worden waren -und nichts von einer Vereinbarung mit Emir Feisal gewußt hätten. Wenn irgend ein Versprechen ihnen gegeben worden wäre, so hätte es wahrscheinlich nur durch Feisal geschehen können und das wird ihnen fast unbekannt geblieben sein. Malcolm ist'der Ansicht, daß Emir Feisal den Wortlaut der Balfoür-Deklaration vor ihrer Veröffentlichung gekannt hat. Folglich habe Feisal durch sein Uebereinkommen mit Dr. Weizm'ann und auch durch seinen Beitritt zum Völkerbund zusammen mit. 52 anderen "Nationen und einschließlich zweier ariderer arabischer Staaten die Balfour-Deklaratibn und das Palästina-Mandat gebilligt. Gerüchte Aus Jerusalem meldet .Palcpr: Die Zionistishe Exekutive veröffentlicht ein kategorisches Dementi der Meldung im';;Häbo ke r", dersufolge Dr. Weizmann seine Zustimmung zu einer Einstellung der Immigration während der Tätigkeit . der Königlichen Untersuchungskommission gegeben habe; diese Meldung, hatte „Haboker" einer arabischen Quelle entnommen. Die Exekutive erklärt, daß ihre Vertreter In Jerusalem und London der Regierung-mündlich und schriftlich ihren entschiedenen Widerstand gegen die Sistierung der Einwanderung in welcher Form immer mitgeteilt haben. Die durch arabische Agenten in. Umlauf gesetzten Gerüchte, die das Gegenteil vorgeben, bezwecken die Vereitlung der Bemühungen der Exekutive, eine Einstellung der Einwanderung zu verhindern.- . SU Aus Jerusalem wird berichtet: Am Donnoretug, den 24. Juli, mittags, schleuderte ein Araber ein" Bmnhp in die je ra.e nJLt i sc he Ta lmud Thora-Sohulo in der Brenner-Straße von Tel-Aviv, wo hunderte Kinder weilten. Die Bombe explodierte und verletzte sieben Kinder im Alter von. 8 Ws 13 Jahren, zwei von ihnen so erheblich; däß'lsle In das Krankenhaus geschafft werden mußten. Diese Tat hat In der jüdischen Bevölkerung ungeheures Entsetzen und Zorn ausgelöst; man sieht in ihr ein Zeichen zunehmender Bestialität bei abnehmender Kampikraft MV arabischen Marodeure, Die Wirkung des Bombenanschlags wurde dadurch abgeschwächt, daß die Bombe an der ümzäuuung des Schulgebäudes abprallte und eine andere als die vom Attentäter gewollte Richtung nahm. Sonst wäre das Unglück ein weit größeres gewesen. Ein jüdischer Passant, der Zeuge des Anschlag» war, verfolgte den flüchtenden Terroristen, wurde aber von einer Gruppe Araber, anscheinend Genossen des Attentäters; aufgehalten und schwer geschlagen, so daß

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