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Die neue Welt · 1936-07-28 · Heft 580 (28.7.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 580 (28.7.1936)
Date
1936-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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»Site 2 das Versprechen gegeben haben, „allen Olympia- Gästen höflich zu begegnen, auch wenn sich Juden unter ihnen befinden sollten." Auf diese befristete Gnade wird jeder ehren* hafte jüdische Sportler und Sportfreund verzichten. Zu groß ist die seelische Erschütterung und — sagen wir es frei heraus — Erbitterung. Von einer see» lischen Erbitterung spricht auch ein in der Wiener katholischen „Reichspost" erschienener Leitartikel. (Der 11. Juli von katholischer Warte." Von einem österreichischen Kirchenfürsten.): „Die seelische Erbitterung", heißt es darin, „die in diesen drei Jahren auch in sehr guten Österreichischen nationalbewußten Familien groß geworden ist, kann nur jener verstehen, der seihst in diesen Kreisen aurgewachsen ist. Dafür fehlt der Auslandspresse, auch wenn sie katholisch ist, oft die Möglichkeit, tieferer Einblicke. Ea wird lange dauern und viel Klugheit erfordern, bis in Oesterreich diese Wunden vernarben und ein normaler Zustand herbeigeführt werden kann. Besonders das von der jüdischen Presse reichlich geförderte Ausspielen des Oesterreichertums gegen das Deutschtum mußte empörend wirken auf alle jene, denen die Geschichte Oesterreichs, die jahrhundertelang zusammenhing mit dem gesamten Deutschtum, aus eigenen Forschungen und Beobachtungen bekannt war." Wenn der österreichische Kirchenfürst unter der „jüdischen Presse" die nätionälbewußte jüdische Presse, kurzum die zionistische Presse versteht, dann beruht seine Feststellung auf einem Irrtum. Die national jüdische Presse hat sich niemals in die österreichisch-deutschen Belange eingemischt. Niemals ist es einem Vertreter der nationaljüdischen Presse oder überhaupt einem Juden eingefallen, das Oesterreichertum gegen das Deutschtum auszuspielen; ebensowenig wie den Umstand zu bekritteln, daß zwei deutsche Nachbarstaaten ein Uebereinkommen getroffen haben, welches ihre Beziehungen normalisieren soll. Die jüdische Presse verdient absolut nicht den Vorwurf der Einmischung in nicht jüdische Angelegenheiten. Sollte hingegen der österreichische Kirchenfürst mit der „jüdischen Presse" etwa die liberale gemeint haben, also eine solche, an der heute noch Juden mitarbeiten, dann muß ihm bei allem Respekt für seine Person und sein Amt gesagt werden, daß gerade die betonte österreichische Bodenständigkeit die Spannung Deutschland gegenüber verschärft hat. Die gesamte österreichische, unter vaterländischer Führung stehende Presse von Wien bis Feldkirch hatte dreieinhalb Jahre fast nichts anderes zu tun, als dem Leser die Divergenz österreichischen und reichsdeutschen, d. i. deutsch-christlichen und hakenkreuzlerischen Wesens in seinem ganzen Umfang vorzuführen, ihn vor der nationalsozialistischen Weltanschauung zu warnen, kurzum, ihn dahin aufzuklären, daß „wahres Oesterreichertum" und „Deutscher Nationalsozialismus" einander ausschließen. Dieser Aufgabe hat sich nicht irgend eine jüdische Presse unterzogen, sondern das österreichische Schrifttum, dem das Attribut „deutschchristlich" naturgegebene Selbstverständlichkeit war und ist. Die seelische Erbitterung, soweit sie den jüdischen Menschen betrifft, verlangt nicht Genugtuung in Form einer Spannung zwischen Oesterreich und Deutschland. Aus ihr resultiert das Bedürfnis, sich von einem Bereich (in welchem jetzt die Olympiade abgehalten wird) zu distanzieren, der diese Erbitterung verschuldet hat. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes ist es gewiß nicht großzügig gedacht, von den jüdischen Sportlern Oesterreichs den Verzicht auf ihre Ehre zu verlangen. (Es gibt natürlich unter den 16 Mülionen Juden einige, deren sportlicher Ehrgeiz jüdische Ehre zuschanden macht.) Die „Wiener Stadt-Stimmen" (wir zitieren dieses Blatt als Vertreter des vaterländischen und Sportfront-Gedankens) schließt ihre Betrachtung über den Fall der jüdischen Sportlerin Judith Deutsch: „Für Oesterreich, die Oesterreichische Turn- und Sportfront und jeden vaterländisch Eingestellten, gleichgültig welcher Konfession, ist der Fall Judith Deutsch mit der Feststellung erledigt, daß er mit erschreckender Deutlichkeit einen höchst bedauernswerten Mangel an österreichischem Gemeinschaftsgefühl offenbart..." Bitteres Unrecht gegenüber der Hakoahnerin! (Wobei wir gar nicht die Tatsache, daß seinerzeit die deutschchristlichen Turner Oesterreichs in Deutschland nicht antreten wollten, als Vergleich heranziehen.) Mit Freude und Stolz wird jeder österreichische Jude für die Farben Oesterreichs kämpfen, überall und jederzeit; die Entsendung zu internationalen Spielen als Ehre empfinden; in höchster Hingabe mit den anderen wetteifern . . . Eine Episode aus dem hakenkreuzlerischen Kulturbereich sei — wie sehr sich auch die Feder sträuben mag — heute in Erinnerung gebracht. Im ersten Jahr der deutschen Erhebung sagte einer der drei führenden Männer des Deutschen Reiches; „Jede Prostituierte ist mir lieber als eine Jüdin. Denn die Prostituierte ist immerhin ein Mensch, aber eine jüdische Frau . . Der jüdische Staatsbürger Oesterreichs, der jüdische Sportler Oesterreichs, ist bereif pflichtgemäß SIE NEUE WELT dem Kommando seiner Sportbehörde zu gehorchen. Er lehnt es aber — als mit jüdischer Ehre und Würde unvereinbar — ab, vor den Vertretern eines Regimes zu defilieren, das die Juden, Juden än sich, als ehrlos erklärt hat. Das ist eine prinzipielle Feststellung. Ihr ist nichts hinzuzufügen. Weif politäi der Woche Während in Spanien Kanonendonner die Auseinandersetzung zwischen der „legitimen" Regierung und den „Aufständischen" begleitet, der Bürgerkrieg in vollem Gang ist — als letatea Auskunftsmittel zwischen Links und Rechts, zwischen einer sozialistischen Regierung und faschistischen Militaristen, geht die Diskussion unter den europäischen Kabinetten weiter. Seit dem 7. März, der militärischen Besetzung der pazifizierten Rheinlandzone durch Deutschland (was bekanntlich als Verletzung des Versailler Vertrages und des Locarno-Abkommens , angesehen wurde), bemüht sich Frankreich, die Frage seiner Sicherheit auf einer Konferenz zu erörtern und seitens seiner Verbündeten die Maßnahmen zu verlangen, die diese Sicherheit verbürgen könnten. Es ist nicht dazu gekommen. London kneift. Nr. 580 vom 28. Juli 1936 1 ■V............. . ...... . .......... ■ ....... . ........... ,, , „ i,M Diktatur in Danzig Der Polizeipräsident von Danzig hat die jiddische Tageszeitung „Moment" (Warschau) auf die Dauer von sechs Monaten verboten. Als Grund hiefür hat er angegeben, daß der „Moment" eine Karikatur veröffentlicht habe, die den Danziger Senatspräsidenten Greiser zeigt, wie er in der Völkerbundtagung in Genf die Zunge ausstreckt. Der Fall ist aus den Meldungen der Weltpresse bekannt. Einstimmig wurde das Vorgehen Greisera verurteilt. Die Verbotsbegründung des Danziger Polizeipräsidenten stützt sich aber noch auf einen zweiten Umstand. Es heißt darin: „Da die Zeitung auch schon in früheren Nummern eine Reihe von Angriffen gegen den Führer und Kanzler des Deutschen Reiches und diö nationalsozialistische Bewegung im Deutschen Reich enthält, verbiete ich . . . die Einfuhr und Verbreitung der Zeitung »Moment' mit sofortiger Wirkung für die Dauer von sechs Monaten." Hierauf hat der Rechtsanwalt N. Frylucky als Vertreter des „Moment" eine Beschwerde an das Danziger Pressegericht wegen des Beschlusses des Danziger Polizeipräsidenten gerichtet, worin es u. a. heißt: Der Danziger Polizeipräsident hat kein Recht, den „Moment" für seine Stellungnahme zum Hakenkreuzkauft man für Jahrzehnfel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch guf und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. mann Große Auswählt Tei Izah lungert! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Erst in jüngster Zeit kam eine, allerdings mehr platonisch gehaltene Vereinbarung zwischen England, Frankreich und Belgien zustande. Der französische Außenminister Delbos beruhigte den Ministerrat mit der Mitteilung, daß die englische Sicherheitsgarantie fortdauere, solange nicht ein neuer WeStp a k t bestehe, und daß dieser Pakt mit einem zentral- und osteuropäischen Vertragssystem verbunden werden soll. Frankreich baut also seine Sicherheit nach wie vor auf Allianzen auf, während Deutschland, der Widerpart, sich durch zweiseitige Abkommen Gegner seiner Expansionslust im gegebenen Fall vom Hals schaffen will. Frankreich kämpft um den Bestand seines gegenwärtigen Besitztums, Deutschland um eine politische Konstellation, die ihm im Falle eines Konflikts die größten Erfolgschancen sichert. Frankreich will seiner Verbündeten sicher sein, wenn eine europäische Konflagration in Sicht sein sollte; Deutschland möchte für diesen Fall nicht — wie im Juli 1914 — diplomatisch unvorbereitet dastehen, vielmehr nach Tunlichkeit den Krieg diplomatisch a priori gewonnen haben. Aus dieser Einstellung heraus ergeben sich auch die Versuche, in Mitteleuropa und im Süden eine Konstellation zu schaffen, welche das Risiko eines Abenteuers auf ein Mindestmaß herabdrückt. Die Erkenntnis einer solchen Sachlage muß naturgemäß bei einzelnen Staaten Besorgnis hervorrufen und in ihnen den Wunsch erwecken, ihre Unversehrtheit durch weitgefügte Verträge gesichert zu sehen, beispielsweise bei der Tschechoslowakischen Republik, die ihrer traditionellen frankreichtreuen Politik ein sowjetrussisches Abkommen angliederte, ein Friedenssicherungssystem, das bekanntlich dem Dritten Reich zum Vorwand durchsichtiger Anschuldigungen dient, hauptsächlich nach England hin, das von der Friedensliebe Deutschlands und vom aggressiven Willen der anderen überzeugt werden soll. Bisher ist es Deutschland gelungen, seine Vertragsbrüche ungesühnt zu vollziehen. Man spricht heute kaum mehr davon. Man wendet sich —• allerdings mit verbundenen Augen — der Zukunft zu. Die nächste Konferenzetappe heißt: Brüssel. Die Welt ist seit langer Zeit von Englands Haltung enttäuscht. Das Zögern, die Unehtschlossenheit, die Gleichgültigkeit gegenüber schwersten Verletzungen heiliger Verträge hat es zu einem unangenehmen, ja unsicheren Partner gemacht. Niemals in der Geschichte seines Imperiums hat England söviele Zeichen des Mißtrauens einstecken müssen wie jetzt. Darum hat Frankreich mit Genugtuung zur KenntniB genommen, daß die englische Regierung bereit ist, sich an einem Vertragssystem zu beteiligen, dem alle europäischen Staaten zustimmen können und dessen Aufrechterhaltung gemeinschaftlich garantiert werden soll. Auf der Brüsseler Konferenz soll dieses Versprechen Englands realisiert werden. Ein vages Versprechen. Auch nach der Brüsseler Konferenz wird dan Mißtrauen gegen den deutsch-italienischen Block und gegen — England bestehen. ii Die letzten Nachrichten vom apanischen Kriegsschauplatz lassen nicht deutlich erkennen, welche Partei das Uebergewicht besitzt. Mausende Menschen fallen. Die Staaten ringsum betrachten die Affäre, als innere Angelegenheit Spaniens. Wie der Bürgerkrieg auch ausgehen mag — Europas Schicksal wird dort nicht entschieden. o, r, Regime in Deutschland und zürn Reichskanzler selbst» der gegenüber Danzig bloß eine Privatperson ist, zu he* strafen. Sollte das Resultat der Beschwerde nicht günstig, ausfallen, wird sich der „Moment" diesbezüglich an den polnischen Ministervertreter der Freien Stadt Danzig, an den Hochkommissar des Völkerbundes in Danzig, wenden und den Fall vor das breite internationale Forum bringen* .• * ' ■ i ' Das von der Danziger Regierung erlassene- Schächtverbot, das nach deutschem Muster „total". ist und sich auch auf Geflügel erstreckt, ist bereits itt Kraft. Es wird nicht mehr geschachtet. Die Danziger Jüdische Gemeinde befaßte sich inc einer außerordentlichen Sitzung mit der durch das Schächtverbot geschaffenen ernsten Lage und wandte sich in einem feierlichen Protest an den Senat gegen den Bruch der Verfassung, die die religiöse Freiheit der Juden garantiert. Die Gemeindeleitung erklärt, sie werde alles in ihrer Macht Liegende tun, um die moralischen und religiösen Rechte der Juden zu schützen. Die einzige jüdische Zeitung in Danzig, „Danziger Echo", wurde für ganze zehn Monate verboten, nachdem ihr Redakteur, Walter Kaufmann, wie gemeldet, verhaftet worden war.! I j,d« Sonntag bmlge^rien-S^ nach POLEN und CZERNOWITZ I r ■ Nächste Abfahrten: S. und 9. August 1936 ■. Anmeldungen ausschiieuilch Reisebüro _ ^„MarienbrfleRe", I, Rounturmstr. 26, R-24-2-86;87 a Arabischer Drang nach der Wüste Der große Gelehrte Flinders P e t r 1 e, ein Archäologe von Weltruf, der jahrzehntelang auf palästinensl« scher Erde Ausgrabungen leitete, hat in der Zeltung „P a 1 e s t i n e Post" (Jerusalem) ein Schreiben veröffentlicht, das weit über den Rahmen der Tagespolitik Beachtung verdient und, wie Palcor berichtet, in Pa* lästina großes Aufsehen erregt hat. Bekanntlich berufen sich die arabischen Führer, vornehmlich die Hetzer und Chauvinisten, darauf, daß siel seit Jahrhunderten in Palästina sitzen und das Lanfl legitim bebauen und verwalten. Es ist dies eines den Hauptargumente der politischen Offensive, welche die Araber in Jerusalem und London anführen. Nun *Qjzt! Prof. Petrie auseinander, daß die Araber in den 1800 Jahren seit ihrer Besitzergreifung Palästina nichts als Vernichtung gebracht haben. Ihr vererbten Drang nach der Wüste sei es, der die Vernichtung von! Bäumen, sowohl auf arabischem wie auf anderem Böden^ verursache. Infolge besserer Gesundheitspflege sei die Bevölkerung der Welt Im Steigen begriffen. Sollte England Palästina seinen Schutz entziehen, so würde daa Land von Italienern oder anderen ergriffen werden, die» den Boden für sich verwenden und die Araber verdrängen würden. Flinders Petrlo empfiehlt den Arabern, von den] Juden zu lernen und mit ihnen zusammenarbeiten, und den so lange vernachlässigten Boden zum Blühen zu bringen; nur dann werde man sie als Nation und nicht} als Horde behandeln. Soviel Wahrheit diese Feststellung des beston Palästinakenners enthält, so wenig Aussicht hat sie, sich im Zusammenhang mit der Liquidierung der Araberrevolte durchzusetzen. Wir werden noch einen harten Kampf um unsere zionistischen Rechte auszufechte» h$bcn.

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