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Die neue Welt · 1936-07-24 · Heft 579 (24.7.1936) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 579 (24.7.1936)
Date
1936-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. Xt<i vom ti, Juli 1936 DIE NEUE WELT " Seite T Kann man nadi Südafrika auswandern? Unter dem ökonomischen und seelischen Druck wandert der suchende Blick nach zahlreichen Ländern als Einwanderungsziel. Zu diesen Ländern gehört auch die Südafrikanische Union. Ein jüdischer Rechtsanwalt aus Deutschland, der sich längere Zeit in Südafrika aufhielt, sandte der Berliner „Jüdischen Rundschau" eine Darstellung über die wirtschaftlichen Bedingungen des Landes, soweit sie für Einwanderungslustige Geltung haben. Wir entnehmen dem Artikel nachstehende interessante Stellen: Das ganze Land, das mehrfach so groß wie Deutschland ist, zählt etwa l3/* bis 2 Millionen weiße Einwohner, die Zahl der Farbigen wird auf 6 Millionen geschätzt. Von den Weißen gelten wenigstens 400.000 als „poor whites", als „arme Weiße", die ihren Lebensunterhalt nur ganz knapp und dürftig finden. Arbeitslose oder solche, die nur zeitweilig Arbeit haben und dann wieder nach neuer Beschäftigung Ausschau halten müssen, gibt es auf fast allen Gebieten. Die Zahl derjenigen, die seit 1933 aus Deutschland ins Land gekommen sind, schätzt man auf wenig mehr als 2000, eine Zahl, die im Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl nicht hoch ist. Der weitaus größte Teil ist in erträglicher Weise untergekommen. Dabei ist aber zu beachten, daß einerseits jede, auch noch so schwache Beziehung verwandtschaftlicher Art von den Eingewanderten ausgenützt ist und daß andererseits in den ersten zwei Jahren auch durch die Komitees in anerkennenswerter Weise viel und gute Arbelt geleistet wurde. Besonders tätig war das Komitee in Kapstadt (Capetown), das den meisten Einwanderern der erste Landungsplatz war und ist. Man hilft und berät auch heute noch, so gut es geht. Praktisch aber kann heute durch diese Stellen nur noch in vereinzelten Fällen geholfen werden, insbesondere dann, wenn es gilt, Facharbeiter unterzubringen oder ganz junge Leute, die bereit sind, auf dem Lande, also nicht in den größeren Städten, zu arbeiten. Solche junge Leute können auf dem Lande dort eingestellt werden, wo meist nur ganz wenige Weiße wohnen. Sie werden dort von den Inhabern der Geschäfte gegen Wohnung, Verpflegung und ein geringes Gehalt, bzw. Taschengeld — etwa 5 Pf. St. — beschäftigt, lernen Land, Leute und Sprache — Englisch und Afrikaansch — kennen, arbeiten sich ein und haben dann meist in nicht allzu langer Zeit Gelegenheit, entweder in besser bezahlte Stellungen aufzurücken, als Reisende im Lande tätig zu sein oder sich gar selbständig zu machen. Um sich selbständig machen zu können, werden sie sich gern nach einem — schon erfahrenen — Partner umsehen, der nicht schwer zu finden ist. Die Einwanderungsbestimmungen können hier nur kurz gestreift werden. Es werden das sogenannte Vorzeigegeld und die Gewähr dafür verlangt, daß die etwaige Rückreise gesichert ist. Dafür reichen insgesamt zirka 100 Pf. St. aus. Das Vorzeigegeld kann einmal dadurch ersetzt werden, daß für den Einwanderer die „form of undertaking" in genau vorgeschriebener Form — nur auf a m tlichem Formular gültig! — vorliegt, was das Bestreben eines Anstellungsvertrages voraussetzt, zum anderen durch eine Bürgschaft von Seiten eines -Dritten,. der die südafrikanische Staatsangehörigkeit besitzt. Hat der Einwanderer die Schranken des Immigration officers passiert, so ist er ein grundsätzlichfreier Mann, der beginnen kann, was er will, und der in keiner Weise behelligt und belästigt wird, solange er sich nicht gegen die Gesetze vergeht. Es gibt keinen Meldezwang, niemand — auch z. B. im Hotel nicht — verlangt auch nur das Vorzeigen des Passes oder dergleichen: Der Einwanderer ist sich selbst überlassen; er hat entweder Glück und kommt unter — oder nicht. Handwerker wie tüchtige Facharbeiter fast jeder Art dürften schnell ihren Arbeitsplatz finden. Besonders gilt das für tüchtige Schreiner, Maurer, Mechaniker, Installateure, Dekorateure, Metzger usf. Ganz besonders gute Aussichten haben Friseure und vor allem Damenfriseure und Friseusen, die allein schon in den Zeitungen täglich in großer Zahl gesucht werden. Für Akademiker ist die Lage schwierig. Es wird verlangt, daß — je nach der Fakultät verschieden — eine Anzahl von Semestern nachstudiert wird und daß dann Examina gemacht werden. Das gilt für den Mediziner, den Zahnarzt, den Anwalt wie den Ingenieur. Der Arzt und Zahnarzt muß mit drei Jahren rechnen. Unterzieht er sich dem — zur Zeit tun das allein in Johannesburg acht Herren —, so hat er allerdings als deutscher Arzt recht gute Aussichten. Der Ingenieur wird mit zwei Jahren auskommen. Gelingt es ihm, dann auch noch das sogenannte rote Ticket, ein Gesundheitszeugnis, zu erhalten, so kann er, dann für alle Tätigkeit auf und in den Minen geeignet, zu den besten Stellungen und Ein- Icommen gelangen. Für den Anwalt liegen die Dinge in jedem Falle ziemlich hoffnungslos: Wie in England, so ist auch hier im Lande die Scheidung zwischen dem Solicitor und dem vor Gericht verhandelnden Vollanwalt vorhanden. Der letztere tritt kaum in direkte Beziehungen zu seiner Klientel, sondern nur zum Solicitor, der also die Beziehungen zum Publikum unterhält. Landwirtschaft. Hierfür werden nur ganz wenige Einwanderer in Frage kommen. Einmal ist die Lage der Farmer alles andere als rosig, zum anderen aber läßt der Farmer seine Arbeiten durchweg durch Kaffern verrichten, mit denen er Weiße nicht zusammen arbeiten lassen wird und die außerdem für einen Lohn arbeiten, der für keinen Weißen annehmbar wäre. Die wenigen Stellen als Aufseher über die Kaffern setzen völlige Kenntnis der englischen und afrikaanschen Sprache voraus. Kaufmännische Berufe. Abgesehen von den oben behandelten jungen Leuten, die auf das Land gehen und dort in den kleinei'en Betrieben arbeiten wollen und können, sind die Chancen als recht schlechte zu bezeichnen. Kaufmännische Angestellte sind kaum unterzubringen, es sei denn, daß ihnen verwandtschaftliche Oder Beziehungen zu Freunden zur Seite stehen. Wer sich selbständig machen will, muß Geld haben, und zwar durchweg viel Geld, andernfalls wird er nicht konkurrenzfähig sein oder wenigstens nicht den für das hier in weitem Umfange herrschende Abzahlungs- und Pumpsystem erforderlichen langen Atem haben. Geschäfte aller Art bestehen hier allerorts in einer Größe Und Aufmachung, von der sich der nicht eingeweihte Europäer kaum eine richtige Vorstellung macht. Nur wer rJnit einer vielleicht noch nicht vorhandenen — aber natürlich schwer zu findenden — SpezialSache starten Will und kann, kommt mit weniger Kapital aus. Der kaufmännische Vertreter wird, wenn die Waren der vertretenen Firmen überhaupt abzusetzen sind, möglichst an den Grossisten zu verkaufen suchen, der am besten gemäß den Wünschen der Lieferfirma aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe eines segenannten Shippers zahlt. Kann aber der Vertreter seine Ware nicht beim Grossisten unterbringen, so bleibt die Möglichkeit, einzelne besonders aussichtsreiche Artikel auf eigene Rechnung einzukaufen und sie dann vom eigenen Lager zu verkaufen. Die Erlaubnis, Handel zu treiben, hängt von der Lizenz ab, die aber ohne weiteres für den selbständigen Kaufmann gegen Zahlung von 5 Pf. St., für den Vertreter überseeeischer Firmen für 25 Pf. St. gewährt wird. Ein Wort noch über die einzelnen Städte: Außer Johannesburg und Kapstadt kommen erfahrungsgemäß die übrigen größeren Städte des Landes nur in recht wenigen Fällen in Frage, nämlich Pretoria, Durban, PortElizabeth, EastLondon, Städte, die meist schon wegen des heißen Klimas nicht gesucht sind und in denen auch das geschäftliche Leben nicht so pulsiert wie in Cape-Town und vor allen Dingen in Johannesburg. Die Steuerlasten sind erträglich. Umsatzsteuer gibt es nicht, Einkommensteuer ist erst von einem Betrage an zu zahlen, der etwa 10.000 Schilling entspricht, und auch von da ab sehr mäßig. Den Hausfrauen pel.' noch gesagt, daß die Lebensmittelpreise niedrig liegen. Ferner, daß die Wohnungen, besonders in Johannesburg, in modernster Aufmachung in Hülle und Fülle Zu haben und durchweg' mit Badeeinrichtungen, Beleuchtungskörpern, elektrischen und Gasherden, Frigidaire . usw. ausgestattet sind. (iast§pael Morris Schwanz Letzte Premiere: „Tewje der Milchiger.'^ Mit Scholem Alechems ,/T e w j e d e r M i 1 c h ig er" nimmt Morris S chwartz von Wien Abschied. Dieses berühmte Volksstück gelangt heute, Freitag, um halb 9 Uhr abends zur Erstaufführung in der Roland- Bühne und wird Samstag, den 25., und Sonntag, den 26. Juli (zwei Vorstellungen: nachmittags um halb 4 Uhr, abends um halb 9 Uhr), wiederholt. „Tewje der Milchiger" gilt als Meisterrolle von Morris Schwartz. •— Da die letzten Vorstellungen des Morris-Schwartz-Gastspieles ausverkauft waren, ist es angezeigt, sich rechtzeitig mit Karten zu versorgen. Schachrifh, Mussaf, auf Schofarblasen und Thora- Leinen, sucht Stelle für die hohen Feieitage. Auch Provinzgemeinden. Referenzen auf Wunsch. A. H e s s e s, Wien II, Ferdinandstraße 4/9. ^« Mt' «ft5ü ^^«Öbpu ' > 7/'" ' - : >r\ /v m Von 4fa Wochenrafen er« hallen Sie alle Gegenstände In größter Auswahl und bester Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse 122-124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 Die Banziger Katholiken gegen die „Stürmer"-Kästen. Aus Dan zig (4. Juni): Die wiederholten Beschwerden der Danziger Jüdischen Kultusgemeinde gegen die ununterbrochen andauernde antisemitische Hetze in Danzig haben bis jetzt keinerlei Erfolg gehabt. Unbeschadet der Zusagen des Präsidenten des Danziger Freistaates, Greiser, an den Völkerbundrat, ist bisher nichts gegen diese Propaganda unternommen worden. Nunmehr hat die katholische Zentrumsfraktion im Volkstag (die Juden sind Im Danziger Parlament nicht vertreten) folgende Anfrage an die Regierung gerichtet: „In den Straßen Danzigs sind seit einiger Zeit Schaukästen mit Zeitschriften und Zeitungen zu sehen, die die sittlichen Empfindungen der Bevölkerung verletzen. (Die „Stürmerkästen".) Des weiteren werden immer noch in den Straßen von geschlossenen Formationen Lieder gesungen, die eine Herausforderung weitester Bevölkerungskreise darstellen. (Gemeint ist das unter den Danziger Nazis besonders populäre Lied „Wenn's Judenblut vom Messer spritzt ...".) Die Schaukästen sowohl wie die Lieder rufen die berechtigte Empörung der Danziger Bevölkerung hervor. Darüber hinaus sind sie geeignet,-'—auf das zureisende Publikum abstoßend zu wirken; dadurch wird das Ansehen Danzigs als Kulturstadt untergraben. Es werden aber auch die wirtschaftlichen Interessen Danzigs geschädigt, indem der Fremdenverkehr beeinträchtigt und der Handel nachweislich nach anderen Orten abgelenkt wird. Wir fragen daher an: Ist der Senat bereit, 1. die Schaukästen zu beseitigen, 2. das Singen der anstößigen Lieder zu verbieten?" (J. T. A.) riftlMM! ß ''@enfatianB<3Botj)eM W unö bleibt öie fiefie ßoufgelegenljeit! SBas WlUUU Zf e^fffmonn im bietet, ifi einmalig rnifc fceföifeJtofi. 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