Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 579 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 579 vom 24. Juli 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 toatUeksfdeQrt Ein wirklich wertvoller Beitrag „Wer der jüdischen Frage", soweit wir Juden selbst zu ihrer konstruktiven Lösung etwas beitragen können, unvoreingenommen gegenübertritt, toird fe3t~ stellen müssen, daß ein wirklich wertvoller Beitrag nur in bezug auf Palästina geleistet worden ist... „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde" (Berlin). Projekte ♦ ♦ » Nach einem Telegramm aus Havanna soll da-? Mit' glied des U.-S.-A.-Kongresses Sirovich dem Präsidenten von Kuba, Gomez, einen Plan zur Ansiedlung von 100.000 deutschen Juden auf K'u'b'a unterbreitet haben. Präsident Gomez soll den Plan günstig aufgenommen haben. L-T.-A.-Meldung. ©ue ewigen Menschenrechte Entsprechend dem Grundsatz der Unantastbarkeit der Einzelpersönlichkeit und der Verantwortung der All' gemeinheit für das Wohl des einzelnen, bejahen wir die Pflicht der organisierten sozialen Arbeit, Not zu lindern, wo immer sie angetroffen wird, ohne Diskriminierung auf Grund von Easse, Glaube oder Farbe... Wir erblikken im Staat und anderen Formen des organisierten gesellschaftlichen Lebens Einrichtungen zum Schutz der anerkannten Menschenrechte und zur Gewährleistung höchstmöglicher Entfaltung der Persönlichkeit und ihres Glückes ... Wir glauben, daß jedermann der Hüter seines Bruders in dem Sinne ist, daß jeder von uns die Verantwortung dafür trägt, daß das organisierte Leben im Interesse der obenerwähnten elementaren menschlichen Rechte und Werte angemessen funktioniert." Dritte Internat. Konferenz f. Sozialarbeit (London 1936). Hakenkreuz«Logik Das Landgericht Berlin hat soeben eine Entscheidung gefällt, dergemäß ein Jude nicht das Ami eines Vormundes bekleiden darf, selbst wenn das Mündel volljüdisch ist. Begründet wird dies damit, daß der Staat Ehrenämter an Juden grundsätzlich nicht verleihe und das Amt eines Vormundes ein Ehrenamt sei. Berliner Meldung, Juli 1936. Wer wird siegen? „Wenn nicht besondere und unvorhergesehene Umstände und Konstellationen eintreten, so darf man schon heute sagen, daß die Araber zwar eine bisher nicht für möglich gehaltene Streikdisztflin und einen beachtlichen Sinn für terroristische Taktik entwickelt haben, daß sie aber sowohl hinsichtlich des Streiks wie des Kleinkrieges eine Bataille verloren haben. Die Niederlage wird um so größer sein, je mehr Kraft, Intensität und Prestige hineingesteckt waren, und vor allem auch gemessen an dem relatw günstigen arabischen Status vor den Unruhen. Es erhebt sich nunmehr die Frage, ob der Zionismus der Sieger sein wird, ob also die erstaunlich weitgehenden Konzessionen, die England im Zusammenhang mit den Unruhen den Zionisten machte, nur das Mittel waren, die arabische Aktion zum Scheitern zu bringen, oder ob sie unabhängig davon Grundlage und Anfang einer neuen englischen Politik bilden, die den klassischen Boden des J)ivide et imperaf verläßt, um den Versuch zu machen, den Nationalismus der einen durch den Nationalismus der anderen nicht zu paralysieren, sondern zu brechen." „Deutsche Allgemeine Zeitung" (Berlin), Juli 1936. Eine beglückende Erscheinung Hätte jemand vor nenn Wochen beliauptet, der J is chuw würde sich angesichts kommender Unmhen so einheitlich, so geschlossen diszipliniert verhalten, wie es tatsächlich geschehen ist, so würde er manchem Zweifel begegnet sein. Dieses Phänomen einer Bevölkenmg mit dem Höchstmaß von Selbstbeherrschung ist eine so ungewöhnliche, so beglückende Erscheinung, daß man sie gar nicht überschätzen kann. O. Wolfsberg (Jerusalem). Schule und Cheder Die Erklärungen der Bibel in der modernen Schule sind besser als die im Cheder, aber es fehlt dort die Melodie, in welcher der Lehrer im Cheder die Bibel vorträgt, und auch die Seele dieser Melodie fehlt. Und ich fürchte, daß die bessere Erklärung diesen Mangel nicht wettmacht. Achad-Haams Woirte in Palästina. Bedrohung der palästinensiidien Wirtschaftslage Von der Berliner Olympiade Wie der Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur feststellen konnte, haben sämtliche in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitungen von den Behörden die Weisung erhalten, nichts über die Teilnahme jüdischer Sportler an den Olympischen Spielen zu berichten, noch irgendwelche Kommentare über Juden und Olympiade zu bringen. Anscheinend wollte man durch diese Order verhindern, daß über die soeben erfolgte Ausstoßung der jüdischen Hochsprungmeisterin Gretl Bergmann aus der deutschen Olympiade-Mannschaft "berichtet werde. P a 1 n e w s meldet aus Tel-Aviv: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Unruhen äußern sich in einer starken Zurückhaltung der Nachfrage nach Gütern, die nicht zum lebenswichtigen Bedarf gehören, wie auch einer Zurückhaltung in der Investitionstätigkeit. Diese Zurückhaltung der Käufer erstreckt sich vor allem auf importierte Produkte. Für die Monate Mai und Juni liegen allerdings noch keine Importziffern vor, es ist aber mit sehr starken Rückgängen der Einfuhr zu rechnen. Auch die Regierung zieht eine dementsprechende Verminderung der Zolleinnahmen, die ihre wichtigste Finanzquelle bilden, in Betracht. Die Zurückhaltung der Nachfrage trifft aber niclit nur den Import, sondern auch Produkte der palästinensischen Industrie. Die Einschränkung der Bautätigkeit, die zum Teil auch mit Schwierigkeiten der Baumaterialbeschaffung (Zifzif, Chazaz, Kalk) in Zusammenhang steht, hat zu einer Produktionseinschränkung des Nesher-Werkes geführt, die Fensterglasfabrik „P h ö n i c i a" in der Haifa-Bay wurde stillgelegt, ebenso die Metallwarenfabrik „Tooval" in Akko. Auch die Palestine Foundries & Metal Works nahmen Betriebseinschränkungen vor. Eine Reihe weiterer Fabriken arbeiten verkürzt. Die wirtschaftlichen Schäden, die durch die monatelange Dauer der Unruhen hervorgerufen werden, nehmen also über den Sektor der arabischen Wirtschaft hinaus erhebliche Dimensionen an und bedrohen die gesamte Wirtschaftslage des Landes. Die Verluste, die die arabische Landwirtschaft durch die Absatzstockung gerade in der Erntezeit erleidet, sind schwer abzuschätzen und machen jedenfalls einen großen Teil der Jahreseinnahmen aus. Der arabische Handel liegt durch den Streik still. Darüber hinaus wird die jüdische Wirtschaft durch die Unsicherheit der Lage wie auch das Regierungsbudget ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen, so daß die Regierung Einschränkungen der Ausgaben plant. -Methode und -Präparate (Modellieren am lebenden Körper) M«io Emmy Fürholzer, geb. Schieß, Erfinderin der neuen Mona-Lisa-Massagemeihode, einer Sensa« tion der Händetechnik. Durch vollkommene Kenntnisse der Anafomie und jahrelang erprobte Präparate wird für tieferstehend angeführte Leiden vollständige Behebung schriftlich garantiert Sämtliche Stauungen und Störungen, benannt: Verfettungen, Verkalkungen, Wassersucht, Diabetes, Muskelschrumpfungen, Muskelsenkungen (auch bei zu großen oder Hängebusen), Lähmungen, Rheuma aller Arten können durch die Mona-Lisa- Methode und -Präparate gänzlich herausgearbeitet werden. Der Körper wird wieder jung in kurzer Zelt und für wenig Geld. Ohne Diät, Packungen, Bäder und Apparate. Schon nach fünf Massagen Erfolg ersichtlich u. fühlbar. Voranmeldung erwünscht „HOniKISIl"! Direktion HmB Emmy Fürholzer Wien I, Spiegelgasse 13, Telephon R*21-1-64B Drei Monate Revolte Aus Jerusalem wird gemeldet: Am Sonntag, den 19. Juli, waren es drei Monate seit Beginn der Unruhen in Palästina. Zu größeren Kampfhandlungen kam es au diesem Tage nicht, doch wurden aus zahlreichen Orten des Landes weitere Angriffe aus dem Hinterhalt und Sabotageakte gemeldet. In der Nähe von Petach Tikwa wurden vier Araber, die 760 Pfund Munition mit sich führten, verhaftet. BombenwUrfe werden aus Gaza, Beer Scheba und den Vororten von Tel-Aviv gemeldet. Ein Schaden entstand nicht. Die Passagiere eines von der Kolonie Montefiore nach Jerusalem fahrenden Autobusses entkamen mit knapper Not einer Katastrophe. An der Peripherie von Jerusalem warf ein Araber eine Bombe in den Autobus, die aber nicht explodierte. Der Araber entfloh. Ein bewaffneter arabischer Mob raubte einen jüdischen Laden in einer Vorstadt aus und setzte ihn dann in Brand. Der Brand wurde sofort gelöscht. Wirkliche Erholung der Haut ist die schnelle, sanft-scharfe Im Jerusalemer Viertel Nevej Schaan an wurden zwei Juden (!) wegen Besitzes von Waffen und Munition verhaftet. Ein scharfer Angriff auf die jüdische Kolonie Ajn Charod im Emek Jezreel wurde von Truppen und Polizei zurückgewiesen. Angriffe auf Ramat Kewesch, Kirjat Anawim und Kalmania wurden von jüdischen Hilfspolizisten zurückgewiesen. Während jetzt, zu Beginn des vierten Monates der Unruhen, 48 jüdische Tote gezählt werden, sind etwa 200 jüdische Verwundete noch in Behandlung. (J. T. A.) Auch Sie sollen ^^8?^ Rax-Hiilsen 100 Stück für 30 Groschen versuchen! '■ In allen Trafiken erhältlich!--- I Weitere Angriffe Aus Jerusalem: 17 Kilometer von Jerusalem entfernt wurde ein Transport der Palestine Potash Company von 17 arabischen Wegelagerern angegriffen. Truppen wehrten mit Unterstützung eines Flugzeuges den Angriff ab und verletzten sieben der Wegelagerer. Die Truppen hatten keine Verluste. 27 Kilometer von Jerusalem entfernt wurde die Wasserleitung durch {Sprengung mit Dynamit beschädigt. Bei Hebron wurde eine englische Patrouille von 25 bewaffneten Arabern angegriffen. Der in der Nacht zum Sonntag bei einem Angriff von Arabern auf die Kolonie Sichron Jaakob verletzte Wächter ist der aus Warschau stammende Student der Hebräischen Universität, Zwi Lichtenberg, ein Mitglied des Betar. Er wurde im Haifaer Hospital operiert. Sonntag früh landeten in Haifa 700 jüdische Einwanderer, unter ihnen 550 Chaluzim, Die letzteren begaben sich sofort in die Kolonien. Polizei als Streikaiunuerer Palcor meldet aus Jerusalem: Die arabischen Straßenhändler in Jaffa haben an den High Commissioner ein Memorandum gerichtet, in dem behauptet wird, daß die Polizei den Streik unterstütze und die Terroristen, die Straßenhändler mißhandeln und ihre Ware vernichten, einfach gewähren lasse. Anstatt die Händler in Schutz zu nehmen, habe die Polizei ihnen öfters empfohlen, nicht als Streikbrecher aufzutreten. Die Straßenhändler haben nunmehr beschlossen, zwei Gruppen zu bilden, von denen eine ihr Geschäft betreiben soll, während die andere sie gegen die Terroristen schützt. Zum Schluß appellieren die Händler an den High Commissioner, wenn es ihm schon unmöglich sei, die Oeffnung der Läden zu erzwingen, so doch mindestens die Angriffe seitens der Terroristen zu unterbinden und auf diese Weise die Händler vom Hungertode zu retten. Abschriften des Memorandums sind dem Polizeikommandanten und der Redaktion der „Palestine Post" eingesandt worden. KompensafionsverhandBungen zwischen Oesterreich und Palästina Palästinensische Kaufleute verhandeln mit österreichischen Firmen wegen eines Austausches von Holz gegen Apfelsinen. Bisher hatte Oesterreich nur geringe Mengen Holz nach Palästina ausgeführt, weil andere Länder, insbesondere Rumänien und Bulgarien, in bezug auf die Transportkosten weit günstiger liegen. Für dije Bautätigkeit in Palästina kommt insbe« sondere die Abnahme von Schnitt- und Balkenholz in Betracht. Erhöhter Absatz von Rundfunkgeräten in Palästina Am 1. Juli waren in Palästina rund 17.000 Rundfunkgeräte vorhanden. Bei einer Bevölkerung von l1^ Millionen besitzt damit Palästina im Verhältnis der Bevölkerungszahl die höchste Ziffer an Rundfunkgeräten aller englischen Besitzungen. Beachtenswert ist das starke Ansteigen der im Betrieb befindlichen Rundfunkgeräte. Ende 1926 waren nur 80 Rundfunkgeräte vorhanden, Ende 1932 bereits 900, Ende 1933 dann 2500 und schließlich Ende 1935 12.200 und Ende März 1936 14.400. Diese Zunahme ist zum Teil auf die wachsende Politisierung, insbesondere der arabischen Bevölkerung, und das steigende Interesse an europäischen Nachrichten zurückzuführen. Enorm stieg die Zahl der Rundfunkgeräte seit Beginn der Unruhen, da infolge des Ausnahmszustandes die Menschen die Abende in den Wohnungen verbringen müssen und der Rundfunk ihre einzige Ablenkung ist. Zur Eui§dtränkiing der PaläsfinasEinwanderiang Aus London wird gemeldet: Die Zeitschrift „S p e c t a t o r" empfiehlt der Jewish Agency, „einen greifbaren Beitrag zum Frieden" dadurch zu leisten, daß sie während der Dauer einer Round-Table-Konferenz die Verteilung der Einwanderungszertifikate einstellt. „M o r- Je S 10.000.- auf 2. oder 3. Satz, gegen Übergabe der Verwaltung zu vergeben. Durch: Behördl. konzess. Realitätenkanzlei dt. tu.?*is Wien I, Franz-Josefs-Kai l.Telephon R-21-5-30 <,