Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-07-21 · Heft 578 (21.7.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 578 (21.7.1936)
Date
1936-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712203--5912-2719594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

JSTS vom 21. Juli im DIE NEÜE WELT Seite S Weltexekutive der Judeitstaatsr partei Dlesar Tage fand In Wien eine Sitzung der europäischen Mitglieder der We Itexekutivc der Judenstaatspartei statt, An der Sitzung beteiligten sich der Präsident der Weltexekutive, Meir Groß mann, Sowie die Mitglieder Oberbaurat Robert Stricker und Baruch Weinstein. Nach eingehender Beratung über die innen- und Außenpolitischen Lage in Palästina und London nahm die Exekutive mit Befriedigung Kenntnis von den Aktionen, die die Mitglieder der Exekutive der Judenstaätgpartei vorgenommen haben. Die Berichte über die Tätigkeit des Herrn Großmann in Amerika, England, Frankreich und Belgien und des Herrn Weinstein in Polen, Litauen, Lettland und Rumänien zeugen von den* großen Wachstum der Bewegung in diesen Ländern. Bs wurde begchloafl^n, an Stelle einer Weltkohferenz Im Monat Dezember 1036 und Jänner 1987 drei regionale Konferenzen abzuhalten. Die Konferenz für Westeuropa flnäet am 6. Dezember 1986 in Paris statt; die Konferenz, tttr Amerika im Jänner 1937. Wo ^erlebte Uber den neugegründeten Jugendfonds „O z a r U a n o a r" lassen erkennen, daß dieser Fond* sich immer mehr im jüdischen Leben verwurzelt. Es wurde beschlossen, im Monat Slwan eine große Propagandaaktion für diesen Fonds durchzuführen. - * Der wesentliche Teil der Beratungen war der Situation des Zionismus gewidmet Insbesondere befaßte sich die Exekutive mit der Stellungnahme zu der projektierten RoyalCommlssion. Es wurde beschlossen, im Rahmen der Z. O. den schärfsten Kampf gegen diese Kommission zu führen und von der zionistischen Exekutive Non-cooperation mit dieser Kommission zu fordern. Den Mitgliedern der Judenstaatspartei ist es verboten, in irgendeiner Form an der Arbeit dieser Kommission teilzunehmen. Die Weltexekutive der Judenstaatspartei ist bereit, alle aus diesen Beschlüssen sich ergebenden Konsequenzen zu tragen. OlympiadeimdGegenolympiade -• Aus Berlin, wird gemeldet: Das Berliner Polizeipräsidium erließ eine Verordnung, daß bei den Olympischen Spielen nur solche Personen, dem Publikum Zigaretten, Getränke und andere Erfrischungen anbieten dürfen, die im Besitz einer Lizenz der Abteilung für Handel und Gewerbe bei der Nationalsozialistischen Partei sind. Die Verordnung bezweckt den Ausschluß der Juden von dem Olympiade-Geschäft. Anscheinend will man dadurch verhindern, daß ausländische Besucher mit „politisch unzuverlässiigQn" Elementen in Berührung kommen. In Berlin wurden" soeben für eine zweiwöchige Dauer berechnete Sonderkurse unter ^dem Motto ,?Das_ neue Deutschland" eröffnet, in denen jene Parteielemente, die " mit den ausländischen Olympiade-Besuchern in Berührung kommen sollen, instruiert werden, wie man Ausländer Uber nationalsozialistische Theorien, insbesondere über die Rassenpolitik des Dritten Reiches, aufklärt. Hans Hinkel hält Vorträge über Kulturpolitik, der Direktor der Anthropologischen Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Institutes, Prof. Dr. Fischer, über die Rassenpolitik des Dritten Reiches. * Aus Prag: Bisher haben 18 Nationen ihre Teilnähme an der Volksolympiade in Barzelona angemeldet. Allein aus Frankreich werden etwa 2500 Teilnehmer erwartet. Die S c h w e i z entsendet einen Extrazug mit 500 Teilnehmern. Aus England wurde vorerst eine SOgliedrige Delegation angesagt, es sind aber Arrangements im Gange, um den Teilnehmerkreis aus Großbritannien und .< den Dominions zu erhöhen. Aus der Tschechoslowakei sind vorläufig Fußballer, Schwimmer und Leichtathleten gemeldet. Aus Rußland wird eine starke Delegation erwartet. Mit Holland und anderen Ländern werden die Verhandlungen über die Teilnahme fortgeführt. Aus einer Reihe Ländern werden jüdische Sportgruppen in Barzelona erwartet. Der Organisationsausschuß der Volksolympiade hat sich in diesem Belang an die Leitung des Welt-Makkäbi gewandt. (J. T. A.) Zur Streiklage Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Infolge der durch die Unruhen entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten macht sich unter den Arabern Palästinas ein verstärkter Widerstand gegen die Streikbewegung geltend. Dio Uneinigkeit in arabiscen Kreiseen Wäohst. Wieder hat mau den Eindruck, daß man vor einem Wendepunkt in der gesamten Streikbewegung steht. Dazu meidet Palcor: Trotz intensivierter Tätigkeit seitens der Terroristen und Erweiterung des Streiks haben (wie in arabischen Kreisen verlautet) arabische Kaufleute von Jerusalem und Jaffa, die vor kurzem eine Sitzung abhielten, um über Mittel zur Einstellung dea Streiks zu beraten, ihrer Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Lage ■ scharfen Ausdruck verliehen. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Kaufleute große V o r 1 u s t o leiden, während die Straßenhändler und kleinen Ladenbesitzer ungestört ihr Geschäft betreiben. Es verlautet, daß eine Denkschrift an das arabische Oberste Komitee gerichtet wurde, in der das Abblasen dea Streiks und seine Ersetzung durch einen wirtschaftlichen Judenboykott gefordert wird, da es dem Streik bisher nicht ■ gelungen sei, die Position der Juden zu erschüttern. Die Kaufleute erklären, daß, falls das Oberste Komitee untätig bleibt, sie gezwungen sein werden, auch ohne seine Erlaubnis und trotz Einschüchterung und Terror den Streik zu brechen. Mitglieder des Obersten Komitees haben Vertreter der Kaufmannschaft empfangen und sie zu überzeugen versucht, noch eine kurze Zeit auszuharren, da „der Sieg nicht mehr lange auf sich warten lassen wird". Um die jüdiidte Einwanderung m Palästina Aus London: In der Frage der jüdischen Einwanderung nach Palästina ist eine leichte Wendung zum Besseren eingetreten. Nach den Informationen der Jüdischen Telegraphen-Agentur ist es jetzt als ganz unwahrscheinlich anzusehen, daß die Einwanderung nach Palästina vollständig eingestellt werden wird. Man erwartet vielmehr, daß die Einwanderung auf Grund der laufenden Einwanderungsquote ungestört weitergehen wird, dagegen rechnet man damit, ■ daß der High Commissioner im Oktober, wenn ihm die Vorschläge für die neue Schedule unterbreitet werden, mit der Festsetzung der Arbeitereinwanderungsquote bis zum Abschluß der Arbeiten der königlichen Untersuchungskommission warten wird. Von Palästina aus versucht man weiterhin, das Colonial Office im Sinne der Einstellung der jüdischen Einwanderung und der sofortigen Entsendung der Untersuchungskommission als des einzigen Mittels, die Araber zu beruhigen, zu beeinflussen. Es wird geltend gemacht, daß England sich mit Rücksicht auf die ungewisse politische Situation im Mittelmeergebiet nicht in einen Gegensatz zur arabischen und mohammedanischen Welt stellen sollte. In amtlichen englischen Kreisen sind die Meinungen geteilt. Hier herrscht die Befürchtung, daß das politische Prestige Englands in nicht mehr gutzumachender Weise geschädigt werden würde, wenn der Eindruck entstände, daß England vor den Einschüchterungsversuchen der' Araber zurückweicht und seine wiederholt erklärte Absicht fallen läßt, vor Wiederherstellung von Ruhe und t» 9i Betrachtung nach der Generalprobe Nach der Breite des chassidischen Lebens bei „Josche Kalb" ein Stück Alltag dem äußeren Schein nach, aber, wie bei Jakob Gordin, dem jüdischen Sudermann, em Alltag mit Hintergedanken und symbolischem Getue. Der Dramatiker, dem so viele Stoffe der Weltliteratur entgegenkamen, schuf sich einen mikroskopischen Faust, besser gesagt, Mephistopheles, um an ihm seine theaterhandwerkliche Geschicklichkeit zu bezeugen. Reißerisch wie alles, was er schrieb, sind auch Gott, Mensch und Teufel. Gott kann man nicht yersinnbildlichen, er gibt sich, hier als —' Gewissen^ Aber' Mensfih und. Teufel vshid"Dinge" von dieser Welt. iür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-2!-5*31 MMKMMMOBBBMIBUaKMMlUBnnDSU^ Hersch Dubrowner, ein stiller, sanfter Thoraschreiber, wird von einer dämonischen Figur, dem Urjel Masik, der plötzlich wie der Teufel einbricht, dazu gebracht, ein Los zu kaufen, das natürlich gewinnt und Hersch zum reichen Mann macht. Hersch und Üriel werden Freunde, Genossen, Kumpane. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Aus dem braven 'Thofa> Schreiber wird ein Unternehmer, ein Lebemann, ein Ausbeuter — der Teufel, dasist sein zweites, böses Ich hat die Oberhand gewonnen. Hersch' verabschiedet seine Frau, nimmt seine Ziehtochter; er errichtet im Städtchen der Talles-Handweber eine Talles-Fabrik; bis Unmut, Verzweiflung die zu Proletariern gewordenen Arbeiter-packen, ein Streik ausbricht... Der Teufel will nicht locker lassen. Hersch und Masik ge? raten in Streit miteinander. Eine Welt beginnt zusäinmenzubrechen. Das böse Gewissen des Dubrowner Thoräschreibers rumort. Ade, du Welt, die du den Braven dem Teufel auslieferst! Hersch erhängt sich. Also ein düsteres Drama, nur von kleinen Lichtern jüdischen Humors erhellt... Die Inhaltsangabe erscheint banal — trotz dramatischem Zusammenprall, trotz krassem Geschehen. Den symbolhaften Sinn bekommt das Stück durch die Aufführung. Hersch Dubrowner,. die weiche Thoraschreiberseele, sowohl wie den gemütsharten Ausbeuter spielt Alex Stein im Wilnaer Stil: Klar in der Diktion, zart in den Details, realistisch, soweit der tiefere Sinn der Figur es zuläßt, um später in den Ausbrüchen des Hasses und der Verzweiflung packende,Töne anzuschlagen; ein Kabinettstück, eine reife schauspielerische Leistung. Der Uriel Masik von Morris Schwärt? ist auf dämonisch angelegt. Ein brutaler Mephisto, elegant und verführerisch bis zur Erreichung des Zieles, dann aber satanisch grausam, kalt, unbarm- Hittdu$emm„Am OLGA KADISCH, BAD Für Kinder von 3 Jahren aufwärts. Be$te Erfplpe auch bat aohleoht essenden u. schwrer erzlehbaren Kindern. Erstklassige Verpflegung. Von Aerzten empfohlen. Sport, Spiel, Unterricht. Ganzlährig geöffnet jbtzt SCHUBERTPLATZ 3 IN NEU ADAPTIERTER Ordnung in Palästina die königliche Kommission nicht dahin zu entsenden. Man sieht ein, daß eine auch nur vorübergehende Einstellung der Einwanderung die unerwünschte Wirkung haben Die schönst. Bunten Metro-Melodien, dia sensationellsten Kriminal- und Sporlfilme, die lustigsten Komödien würde, daß die Araber zur Entfesselung einer neuen Streik- und Guerillakampagnc ermutigt werden würden, um auf England einen Zwang hinsichtlich Weiterer arabischer Forderungen auszuüben. Allerdings ist man der Ansicht, daß mit der Einstellung der Einwanderung keine neue Maßnahme getroffen werden würde, da die jüdische Einwanderung schon früher zweimal eingestellt worden ist. Man glaubt, daß ein Kompromiß auf Grund der angedeuteten Richtlinien zustande kommen wird. herzig. Sein Gelächter, die Melodie einer Kreatur, die — hart an der Grenze des Menschlichen — ahnt, daß sie nicht ewig Siegerin bleiben kann. Eisik Samberg 'als Lejser Badchen schafft jenseits jeder Schablone. Ein echter Komiker, ein Lustigmacher mit Seele, ein Mann, der auch dort Spaß versteht, wo die Träne zu rollen beginnt. Von den Frauen Eni Liton als des Dubrowners Weib Pese pastellartig, duldnerisch; 'Ester Goldenberg als Frajde das Märtyrertum der zweiten Frau Merschs voll innerer Dramatik; Judith Äbarbanel anmutig, Natal ja Lip man. echt im Armeleut-Haus. Einprägsame Typen schufen unter anderen Grudberg und Lipman. „Gott, Mensch und Teufel", ein Rollenstück, also ein Stück für Schauspieler, die sich ausleben wollen in allen ihren Affekten. Eine Regieleistung von Morris Schwartz, auf 'die. er stolz sein kann. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. o. r. AS. „Gott, Mensch und Teufel" bleibt bis inklusive Donnerstag, den 23. d. M., auf dem Spielplan. Als letztes Gastspielstück: Scholem Alechems „Tewje der Milchige r" (vom 25. bis 27. Juli) mit Morris Schwartz in der Titelrolle. Aus Jerusalem: Während im Kreis Jerusalem Ruhe herrschte, i3t es in anderen Teilen des Landes zu einer Reihe von Zwischenfällen gekommen. Bei S a f e d stießen Militär und Polizei mit größeren Araberbanden ■> zusammen, die in der letzten Zeit die Gegend durch Schießereien unsicher gemacht hatten, Zwei Araber sind in dem Gefecht gefallen. Bei der Rückkehr von dem Kampfplatz stürzte, ein Militärkraftwagen um, wobei der Sergeant Harrison vom ersten Bataillon des York and Lancaster-Regiments getötet wurde. , . In der Station Akl*o explodierte eine unter einen Passagieraitz gelegte Bombe. Vereinzelte Schießereien gab es in Mischmar Hae.mek, K i r j a t Schmuel, Ain Charod und Afule. Verletzt wurde niemand. (J. T. A.) Die Zusanimensetizüng der Royal Commission Aus London: Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur aus absolut zuverlässiger Quelle erfährt, setzt sich die für Palästina bestimmte Königliche Kommission aus fünf Persönlichkeiten zusammen, von denen keine dem Unter- oder Oberhaus angehört. Sie wurden nicht nach politischen Gesichtspunkten gewählt, keine von ihnen hat im politischen Leben eine irgendwie prominente Rolle gespielt. Die Namen der Mitglieder der Royal Commission werden vor Schluß der jetzigen Parlamentssession bekanntgegeben werden. Wie die J. T. A. weiter erfährt, v/ird der Aufgabenradius der Royal Commission ein sehr weit gespannt er sein. Die Zahl der Opfer Offiziell wird mitgeteilt, daß bei den Unruhen in Palästina vom lß. April bis 2um 15. Juli d. J. 86 Mohammedaner, 4 Christen und 36 Juden, sämtlich Zivizisten, getötet wurden. Ebenso wurden ein britischer Polizist, 2 mohammedanische Polizisten und 4 Soldaten, bzw. Flieger getötet. Kolonienminister Ormsby-Gore hat, wie mitgeteilt, die englischen Verluste an Toten und Verwundeten während der Unruhen mit 33 angegeben. Rabbiner Dr. Z. Taubes, der bekannte Rabbiner und Prediger dea Wiener Pazmanitentempels, wurde von detf jüdischen Gemeinde Zürich einstimmig zum Rabbiner gewählt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.