Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-07-21 · Heft 578 (21.7.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 578 (21.7.1936)
Date
1936-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712203--5911-2719593
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIB NEUE WELT Nr. 578 vom 21. J#H 1936 Weltpolitik der Woche Noch immer, obwohl bereits eine Woche seit dem Friedensabkommen Oesterreich-Deutschland vergan gen ist, beschäftigt sich die Weltpresse mit diesem Ereignis. Die Stimmung in Oesterreich beruhigte sich nach einer anfänglichen Ueberraschung, da aus den Reden der führenden Männer au ersehen war, daß ein fester Wille die bisherigen politischen Richtlinien auch weiterhin einhalten werde und daß die Souveränität Oesterreichs auch weiterhin gewährleistet werden könne. Oesterreich stellte sich, wie allgemein festgestellt wird, loyal auf die „Befriedung und Normalisierung" ein. Die deutsche öffentliche Meinung ist schwer zu •rkennen. nur das eine ist klar, daß Deutschland dem Abkommen ohneweiters zustimmen konnte, *da seine Aspirationen auf Oesterreich, so sehr sie dem nationalsozialistischen Regime am Herzen lagen, im gegenwärtigen Moment und bei den bestehenden weltpolitischen Machtverhältnissen ohnehin nicht zu verwirklichen waren. Im Gegenteil: Die Unklarheit bezüglich der deutschen Ziele in Mitteleuropa schuf bei allen internationalen Konferenzen, insbesondere in Genf, Spannungen, die schließlich Kriegsfieber erzeugten und den Abschluß von Verträgen und Pakten verhinderten, die bei Klarstellung der mitteleuropäischen Lage zweifellos eine Reinigung der Atmosphäre herbeigeführt hätten. Eine unvoreingenommene Betrachtung der Lage, wie sie sich aus dem Friedensabkommen Schuschnigg-Hitler ergibt, wird jedenfalls zur Ueberzeugung führen, daß die Normalisierung des Verhältnisses zwischen Oesterreich und Deutschland, durch das Uebereinkommen vom 11. Juli einen starken Antrieb bekommen hat und daß wir uns allmählich einer faktischen Befriedung nähern. Denn die feindseligen Einmischungen des Dritten Reiches in die österreichischen Verhältnisse haben Folgen gehabt —. Folgen physischer und psychischer Natur —, die sich nicht von heute auf morgen beseitigen lassen... Aber man wird der Bedeutung des 11. Juli nicht gerecht, wenn man hier die außenpolitischen, weltpolitischen Geschehnisse außer acht läßt. Es wird allmählich klar, daß Italiens abessinischer Feldzug nur deshalb siegreich abgeschlossen werden konnte, weil England nicht genügend gerüstet war. Ein zu Wasser und Luft völlig gerüstetes England hätte keinesfalls unwirksame Sanktionen gegen Italien geübt, sondern mit der ganzen Wucht seiner 'militärischen Macht Italien an der Eroberung Abessiniens gehindert. Jetzt ist der Augenblick der Liquidierung des italicnischabessinischeri Konflikts gekommen, der Augenblick also, in welchem Italien eine Annäherung an Deutschland anstreben muß, um mit einer Art Partner England gegenübertreten zu können. Damit diese Annäherung Platz greife, mußte zunächst, das große Hindernis, die Spannung zwischen Deutschland und Oesterreich, beseitigt werden, und es ist kein Geheimnis, daß das deutsch-österreichische Abkommen unter As&istenz Mussolinis zustande gebracht wurde. Damit erscheint auf dem diplomatischen Feld eine platonische deutsch-italienisch-österreichisch-(ungarische)| Front, mit der man, auch ohne faktische Blockbildung, nach Ansicht maßgebender Politiker in der Weltpolitik wird rechnen müssen. Für Deutschland ist diese Konstellation von ausschlaggebender Bedeutung. Hier zeigen sich die weltpolitischen Aspekte am deutlichsten. Durch die — vorläufige — Ausschaltung des mitteleuropäischen Problems vermag Deutschland seinen nordosteuropäischen Aspirationen stärkeren Nachdruck zu verleihen und im übrigen der Welt wieder einmal kundzutun, daß es keine anderen Absichten habe, als durch zweiseitige Vereinbarungen — siehe Oesterreich! — an allen seinen Grenzen den Frieden zu sichern. Durch solch eine Haltung verliert das Argument der Weststaaten, . Vornehmlich Frankreichs, daß nur Kollektivabkommen, d. h. Abkommen aller Staaten miteinander und untereinander zugleich, praktischen Wert haben, seinen aktuellen Sinn. Deutschland kann insbesondere in seiner Antwort auf den englischen Fragebogen — wenn es noch dazu kommen sollte — darauf verweisen, daß es einen Modus vivendi mit Oesterreich gefunden habe, und sich damit gerade die Antwort auf die heikelste Frage, d. i.'Mitteleuropa, ersparen. Um sich dieser Verlegenheit zu entziehen, hat Hitler, allerdings zum Teil1 Über Mussolinis Anregung, dem Abkommen vom 11. Juli seine. Zustimmung gegeben, d. h. auf ein Eroberungsobjekt verzichtet, das ihm bisher überaus wertvoll dünkte, und damit ist klargeworden, daß mehr unter dem Zwang der weltpolitischen Verhältnisse als aus eigenem Bedürfnis heraus das Desinteressement an der Souveränität Oesterreichs kundgetan wurde. 8 Die natürliche Frage, wie sich das Abkommen praktisch auswirken werde, kann nur in großen Umrissen, in linearen Andeutungen beantwortet werden. Alles spricht dafür, daß die zwischen Deutschland und Italien getroffenen Abmachungen, in deren Rahmen auch die „Normalisierung Oesterreich-Deutschland" fällt, dazu dienen, England einen Machtfaktor gegenüberzustellen, mit dem es heute zweifellos rechnen muß. Die Aufrüstung Englands in einem Maße, daß alle etwa gefährdeten Punkte leicht ge- RUNDSCHAU Iskor ffir Bäume Die Zerstörungswut der arabischen Terroristen kennt keine Grenzen. Sie richtet sich nicht allein gegen Menschen, Eisenbahnen, Brücken, QObUude; sie geht auch gegen Bäume, gegen unschuldige Bäume los, Die 8äume schmücken die Landschaft, gehen Frucht und Schatten, machen das wüste Palästina schön, aber der Vernichtungswille der Banden, die jetzt das Land unsicher machen, weiß nicht» von dieser Poesie... Wieviel Liebe und Sorgfalt wurde verwendet, um die Bäume zu pflegen: die OHvm-, Mandeh, Orangen-, Zpyressenbäume! Wie wurden sie gepflegt! Wie hat das Hers des jungen jüdischen Jischnws gegittert, als die ersten Wälder entstanden, die ersten Zeichen chaluzischer Tätigkeit. Tausende Bäume sind jetzt vernichtet, mit den Wurzeln dem Boden entrissen, der sie tragen sollte. Pension Tauber BAD VOSLAU RitterntMßc li Tageapenaion ab S 7.— Ein „iskor für die Bäume" wird jetzt in Palästina abgehalten. In Tel-Aviv wird ein Weihespiel aufgeführt, das dem Gedenken an die toten Bäume gewidmet ist. Nichts kann besser die Hingabe an die Scholle, die Liebe zum Baum, die Treue zur Erde und Arbeit kennzeichnen als dieses Weihespiel! Das neue jüdische Palästina ist zur Natur zurückgekehrt. Aug Händlern sind Bauern geworden, aus Maklern Pflanzer. Der Boden ist heilig, der Baum ist heilig, und verflucht sei der, welcher daran Frevel übt. Das ist-der Sinn des neuen Weihespiels, das der junge jüdische Jischuw dem Zerstörer entgegenstellt, Wohl uns, wenn wir in unserem jüdischen Land solche Weihe üben können! Wohl uns, wenn wir imstande sind, an Stelle der frevelhaft vernichteten Bäume 100.000 neue Bäume zu pflanzen, wie es der Jüdische Nationalfonds versprochen hat ... Stehen und dafür sorgen, daß keines Juden Auge sich an dem Judenreinen Filmwerk ergötze? Oder werden die beiden Hefren Juden Lustig und Auerbach auch ihre jUdiSchen Stammesgenossen als Publikum willkommen heißen? Diese Fragen müssen rechtzeitig beantwortet! werden. Juden und Araber Der Wirtschaftsredakteur der Zeitschrift „Great Britain and the East" veröffentlicht in der letzten Nummer der Zeitschrift einen Artikel, in dem ep sich optimistisch über die künftigen Beziehungen zwischen- Arabern und Juden in Palästina äußert. Die Nachrichten der letzten Wochen,'so heißt es in dem Artikel, könnten manche, die mit den wahren Tatsachen nicht vertraut sind, zu einer ungerechtfertigt pessimistischen Beurteilung der künftigen Aussichten veranlassen. Sie könnten glauben, daß es jetzt keinerlei Aussicht mehr auf dauernde Harmonie zwischen Juden und Arabern gebe und daß jede Hoffnung auf Zusammenarbeit der beiden Volksstämme bei der wirtschaftlichen Erschließung des Landes als' illusorisch' fallen gelassen werden müsse. Glücklicherwelse seien die Unruhen nicht bezeichnend für die allgemeine La ge in Palästina. In einigen wichtigsten Industriebetrieben, so bei der Palestlne Potash Company, arbeiten Juden und Araber ohne die Spur einer Reibung nebeneinander. Dies sei eine ermutigende Tatsache, die der Intransigenz der Extremisten gegenübergestellt werden könne. Wenn Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen Interessen in solchen Einzelfällen möglich ist, könne daraus mit Recht geschlossen werden, daß sie auch im.allgemeinen nicht unmöglich ist. Schließlich und endlich sehen die Araber ebenso klar wie die Außenwelt ein, daß es ohne den dauernden Zustrom von jüdischem Kapital und Unternehmungsgeist den großen wirtschaftlichen Fortschritt in' Palästina nicht gäbe. Die großzügige Einwanderung von Juden nach Palä- Möbel kauft man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Edelmann Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Gr00« Auswahl! Teilzahlungen! Möbelhaus Edelmann, Ulli, Lerchenfeldersir. 12 luden drehen arisdien Film ....' >. . < Die tschechoslowakische Filmindustrie ist sehr stolz. $ie Ist im Begriff, einen Film „Port Arthur" als Gemeinschaftsproduktion Slavia-Elektra-Film herauszubringen, der nach z w e i Seiten hiri — wie in Prag betont wird, — Öffentliches Interesse erregt: ' Erstens ist solch ein teurer Film bisher'in der "Tschechoslowakei noch nicht gedreht worden. Die Herstellungskosten für die beiden Versionen (deutsch und französisch) betragen rund 10 Millionen Tschechenkronen. rZweitens wird der Film unter der -unmittelbaren Kontrolle eines Bevollmächtigten des Berliner P r op a g a n d am i n 1 s t e r i u m s (Dr. Goebbels) hergestellt werden. Die Filmfirma bat einen SA.-SturmfÜhrer namens Guhse, der auch für die nationalsozialistische Gaufilmstelle tätig tot, als Produktionsleiter für die deutsche Version engagiert. Selbstverständlich wird, die Einhaltung des Arierparagraphen.strengstens durchgeführt Jeden Sonntag billige Ferien-Son- ' «.. «..* dertahrten mit der C*«rn. AHfl. Z«|tung n«h POLEN und CZERNOWITZ Anmeldungen a « 11 c h I I 8 I i ch Reisebüro' Marlenbrucke", l, Rotenturmstr. 26, R-24-Z-86/8? Das sind die zwei sensationellen Momente. Das dritte allerdings wird allgemein verschwiegen: daß nämlich die;P r o, d u z e n t e n dieses judenreinen Films, der unter. der Knute des Dr. Goebbels gedreht wird, keine Bärenhäuter sind, sondern die Juden Lustig und Auerbach. tJnd die Besucher dieses Films? , Werden national-, sozialistische Gauleiter bei den Kinoeingängen Posten wmmmtaaammmmmmmammmmm schützt "werden können, daß dort, wo das britische Imperium am empfindlichsten ist, Kriegsschiffe "und Luftstreitkräfte mit sicherer Aussicht auf Erfolg eingreifen können, solch eine — vollendete — Aufrüstung wird sich zweifellos in den nördlichen Gewässern wie auch im Mittelmeer politisch auswirken. England schlägt nicht auf den Tisch mit einer Faust, die^nicht, gepanzert ist. Die gesamte Weltlage ist »zur Zeit darauf zurückzuführen, daß England seinen Wünschen militärisch nioht genügend Nach", druck; verleihen kann. In zwei bis drei Jahren . ♦. wird die europäische Politik ein anderes Gesicht bekommen, natür)ich nur dann, wenn England kriegstechnisch wieder stark geworden ist. Bis dahin werden die Spannungen, BUndniskonstellatiönen,; Blockbildungen, Mächtekristallisationen ohne Englands Machtwort weiterdauern« stina In den letzten Jahren habe vermehrte Vorteile für die gesamte Bevölkerung gebracht: höhere Bodenpreise und größere Arbeltsmöglichkeiten, um nur zwei der wichtigsten Beispiele zu nennen. Was immer die Propagandisten sagen mögen, eine große Zahl von Arabern ist nicht blind für die wirtschaftlichen Vorteile, die Ihnen die jüdische Einwanderung bringt. Diese optimistische Betrachtung ist um so auffälliger, als „Great Britain and the Fast" im allgemeinen keine judenfreundliche Haltung an den Tag legt. Im Gegenteil. In einer Reihe von Aufsätzen hat sich das dem Kolonialamt nahestehende Blatt für eine proarabische Politik ausgesprochen. Die Wendung scheint durch die letzten Ereignisse herbeigeführt worden sein. Sdbmattes Gibt es einen verächtlicheren Ausdruck als ~'Schmattes Sammler, Lumpensammler? Von Ort zu Ort ziehen sie, die Vertreter dieses widrigen Gewerbes, sie — die Juden, die Privilegierten des Standes. In alten Fetzen herumwühlen, sozusagen in den Kadavern von Hosen, Strümpfen, Westen, das schien der Welt, vornehmlich dem sogenannten germanischen Menschenschlag oder den Deutschariern (wie sie sich jetzt nennen) als niedrigste Beschäftigung. Aber wie so vieles im Reiche des Streicherschen Ariertums, hat sich auch die Einstellung zum Lumpensammlerberuf geändert. Er Ist nicht mehr niedrig, sondern wichtig für die Volkswirtschaft. Der, „Angrif f", das radikalste Organ des deutschen Hakenkreuzlertums, erklärt In einein Artikel, daß dieses Gewerbe einen Jahresumsatz von 1 Milliarde Reichsmark betrage, daher entjudet werden müßte. Der Nationalsozialist . mus, der soviel zur Herausarbeitung des germanischen Ideals im Berufsleben beigetragen habe, hätte auch in der „Schmattes"-Brahche Ordnung geschaffen- und alle 16.000 Lumpensammler In. einer Organisation voreinigt, Dadurch gewinne das arische Element „entsprechend der Bedeutung der Aufgabe" mehr Geltung. „Es gibt«', schreibt der „Angriff", „Jetzt an jedem Ort einen arischen Lumpensammler." Gott sei Dank! Von nun ab werden also au oh Arier durch die Dörfer ziehen und „Handleh! Handleh!" rufen. Das jüdische Sohmattesprlvlleg ist gebrochen. Sommer-Rtiumungsverkauf bei WHly, V., Pllgramgasse ß! Der ab heute stattfindende Räumungsverkauf in WiHy-Schuhen Ist eine Sensation, da zu derart niedrigen Preisen noch niemals Qualitätsschuhe verkauft worden sind, die sowohl In Paßform wie an Strapazfähigkeit unübertrefflich sind. Es ist deshalb In jedermanns Interesse, von dieser kaum wiederkehrenden Gelegenheit Gebrauch zu machen, sich einfach fabelhaft billige Schuhe, bei riesigster Auswahl, anschaffen zu können, E

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.