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Die neue Welt · 1936-07-21 · Heft 578 (21.7.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 578 (21.7.1936)
Date
1936-07-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 578 vom 21. Juü 103$ mr* /:] . , * 4 ir i:5 U \;u Vii" »?Jlf Otwock ist ü&u uns etnftäd . ♦. Von Dunkeler In letzter Zeit häufen sich die Ueberfälle auf jüdische Gäste in polnischen Kurorten, u. a. Otwock bei Warschau. (Ahm. d. Red.) Ich sitze im Waggon. Mein Reiseziel ist Otwock. Glücklich angekommen, begegne ich am Bahnhof einem der Pensionsinhaber. Mehr hat mir nicht gefehlt... Gott erbarme dich meiner! „Aha! Erwischt! Schon lange bin ich auf der Suche «mM emem Zeitungsmenschen, einem Journalisten, — um ihm mein bitteres Herz auszuschütten. Ich ertragg das nicht länger! — Wißt ihr denn, was ihr uns Otwockern antut — ihr, mit eurer Schreiberei!? Ihr habt uns die ganze Saison ruiniert! Ihr werdet uns noch zu Bettlern machen, wenn das so weitergeht! Wir warten ein ganzes Jahr auf die Sommersaison, wie ein guter Jude auf den Messias — und: die Pensionen sind leer, die Villen ausgestorben, die Geschäfte verlassen ... Und alles wegen eurer „Arbeit", wegen eurer verfluchten „Schreiberei"... Wenn man mal einem Juden im Zug einige Schläge versetzt — wenn man einige Scheiben einschlägt — wenn man irgendwo eine Bombe niederlegt — muß man das gleich beschreiben? Muß die ganze Welt das wissen? Das sollen Neuigkeiten sein! Wenn man Juden schlägt — was ist das? Eine Sensation? Ein Weltereignis? — Ha!? W ann hat man denn Juden nicht geschlagen? Derlei Dinge muß man mit weitem Blick — sozusagen von einer höheren Warte aus — „historisch" betrachten! Ihr versteht? Historisch! Erinnert euch an die spanische Inquisition, denkt an Chmelnickys Zeiten, faßt die russischen Pogrome ins Auge und vergleicht das mit den Geschehnissen in Otwock — dann sind doch diese eine Null dagegen, ein'Nichts — nicht einen „Schuß Pulver" wert... Und was tut ihr, ihr Federfuchser? Ihr breitet das auf feinen Tellerchen aus, gebt euren Kren, eure Beschreibungen dazu und serviert das der ganzen Welt! — Darum erkläre ich euch: Machet ein Ende damit! Schert euch zum Teufel! Höret auf, mit Otwock eure vermaledeiten Zeitungen anzufüllen! Ich warne euch: Schließlich werden auch wir nicht schweigen! Wir werden in die Stadt kommen und euch eure Redaktionen demolieren, eure Maschinen, eure Papierlager, allfs, alles. Wir haben uns schon organisiert, wir: die Villenbesitzer, die Pensioneninhaber, die Restaurateure und die Hoteliers: „Nieder mit den Redaktionen!" „Nieder mit den Journalisten!" ... Mit uns werden marschieren: die Packträger, die ohne Verdienst geblieben sind, die Droschkenkutscher, deren Pferde Hungers sterben, die Wohnungsvermittler, die Kellner, die Köche, die Milchhändler, die Fleischhauer, die Obsthändler! ■— Dann wird ein Bataillon marschieren: Bettler, Krüppel, Höckerige, die keine Aussicht mehr auf ein Almosen haben! — Ferner die Bauern und Bäuerinnen aus der ganzen Umgegend mit den Wägelchen voll verfaulter Gemüse und mit den Kühen, deren Milch man wegschütten muß; weiters: unsere Doktoren, Dozenten, Professoren; hinter ihnen die Krankenschwestern, und eine Abordnung vom „Roten Kreuz" mit Tragbahren für euch — für euch Journalisten, die wir „begrüßen" werden... Schließlich: die Zahnärzte, die Zahntechniker, die Friseure, die Schuster, die Schneider, die Wäscherinnen usw. usw. Ich warne euch! Diese Armee wird nach Warschau marschieren; wird Warschau umzingeln, von allen vier Seiten in die Stadt eindringen. Wir werden alle Redaktionen besetzen und dort ein Tohuwabohu anrichten! Jawohl! Ohne Erbarmen: alle Federn zerbrechen, die ganze Tinte ausgießen, alle Manuskripte zerreißen; die Abonenntenverzeichnisse kon-» fiszieren und — Schluß mit allem. 1 Also: machet ein Ende! Hört auf, von Ueberfällen auf Otwocker Kurgäste zu berichten. Und gar jetzt, nach unseren letzten Maßnahmen. Von dem Augenblick an, wo ein Gast den Zug verläßt, wird er beschützt, behütet wie der eigene Augapfel: man spioniert ihm sofort nach, um sich zu vergewissern, ob er wirklich ein Kurgast oder ein Bandit ist; dann wird er gründlich durchsucht, ob er nicht irgendwo ein Messer, einen Revolver oder eine Bombe versteckt hält. Stellt man nun fest, daß er ein ehrlicher Mensch KINO'PROGRAMME STAFA, VII Mariahilf erstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, » Uhr töfii Dick Powell SCH'ÄFFER 217 Tage VI, Mariahilferstraße 37 MUä "'S # . Telephon B-20-203 AbeSSlIlieil Beginn: *%, Vad, Yh9, ttlO VOTIVPARKrnr, IX, Währingerstraße 121 I Telephon A-18-3-96 Um Beginn: ft, ft«, %8, *10 Dl<k Po¥,el1 > Ii ist, wird er unter Bewachung In die Pension geführt; Geheimagenten und Detektive verfolgen jeden seiner Schritte; geht er spazieren, so begleiten ihn zwei schwerbewaffnete Gendarmen und zwei Polizeihunde. Seht ihr, so werden jetzt unsere Gäste behütet und beschützt... Ich sage euch, es ist ein wahres Vergnügen, jetzt Gast in einer Pension oder in einem Sanatorium hier bei uns in Otwock zu sein! Deshalb meine Herren Journalisten, sagen Sie Ihrer Redaktion, daß sie endlich Schluß mache mit den Greuelberichten über Otwock. — denn mit« uns ist nicht zu spaßen! Wir warnen euch!" Rings um die ArabenRevoIle 200 Kommunisten, das heißt fast sämtliche tätigen Mitglieder der palästinensischen Partei, befinden sich gegenwärtig im Gefängnis. (Palcor.) Ein Feldgericht unter dem Vorsitz« eines Obersten hat einen englischen Soldaten, der Waffen und Munition an Araber verkauft hatte, zum Tode durch Erschießen verurteilt. (J. T. A.) ' •> ' Die wegen der Unruhen unterbrochenen Arbeiten zum Ausbau der Chaussee von der Brücke bei Semach nach Naharaim, wo sich das Ruthenbergsche Jordankraftwerk befindet, sind wieder aufgenommen worden. In Naharaim (Tel Or) selbst.wurde mit der Errichtung neuer großer Bauten und Arbeitenvohnungen begonnen. Für diese Arbeiten, die später noch erweitert werden sollen, wurden 4000 Pfund bereitgestellt. (J. T. A.) Aviver Anlegestelle haben diedort beschäftigten Aviver Anlagestelle haben die dort beschäftigtem, Arbeiter sich aus freien Stücken bereit erklärt, siebzehn Stunden täglich zu arbeiten, um die Löschung der Waren aus den drei gegenwärtig vor Anker liegenden Schiffen zu beschleunigen. Der Schiffsverkehr an der Tel-Aviver Landungsstelle hat sich in letzter Zeit bedeutend vermehrt und Versuche , werden demnächst unternommen werden, um die Ausladungsmöglichkeiten des neuen Hafens zu erweitern. Zum ersten Male hat ein englischer Frachtdampfer im Hafen angelegt. (Palcor.) Das Jaffaer Bezirksgericht hat vier Juden, darunter den zum Judentum übergetretenen früheren, Mohammedaner Abraham Ben Abraham, die des Anzündens von arabischen Häusern an der Grenze von Tel-Aviv und Jaffa in den ersten Tagen der Unruhen angeklagt waren, freigesprochen. Richter Copeland erteilte einen strengen Verweis den arabischen Belastungszeugen wegen Meineids und falscher Aussaeen. (Palcor.) w^m.m 3^?' :\' - vifA .1 . . ^3>-> m Von S 2 Wochenrafen erhalten Sie alle Geflanstände In grÖBfa* Auswahl und bester Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse 129*184 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 Hakoah und Olympia Auf Grund der bei den Staatsmeisterschaften gezeigten Leistungen wurden bisher drei Hakoahner ins österreichische Olympiateam berufen, und zwar die Ringer Finczus, der Leichtathlet König und die Schwimmerin Ruth Langer. Die jüdlscho Oeffentlichkeit vermißt eine Stellungnahme dieser Sportler respektive der Hakoah hinsichtlich des Beschlusses des Weltmakkabi und des österreichischen Makkabikreises, daß ein Start von jüdischen Sportlern bei der Olympiade in Berlin mit jüdischer Ehre unvereinbar ist. — Das Beispiel der Judith Deutsch hat in Oesterreich bisher keine öffentliche Nachahmung gefunden. Dollfuß-Traaergedenkfeicr. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet anläßlich der zweiten Wiederkehr des Todestages Dr. Engelbert D o 11f u ß' s. A. in der Hauptsynagoge. (I., Seitenstettengasse 4)j am Freitag, den 24. Juli, 7 Uhr abends, einen Trauergottesdienst für den verewfgten Bundeskanzler. — ' Zum Zeichen der Trauer werden alle Gebäude der Kultuagemeinde mit, Trauerfahnen beflaggt..— In^'sämtlichen Tempeln und Bethäusern wird am Vorabend des. Todestages das für solche Anlässe .vorgeschriebene Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen verrichtet. Außenstände in Palästina. Die wesentlich komplizierten Rechtsverhältnisse in Palästina, welche neben modernen angelsächsischen Rechtsvorschriften zum Teil noch altes türkisches Recht enthalten, lassen es angezeigt erscheinen, rechtzeitig <Jle Ansprüche ' österreichischer Lieferanten zu wahren. Die österreichisch-' palästinensische Wirtschafts- und Handelskammer - in Wien, I., Schellinggasse 1, mit ihren Korrespondenzstellen in Palästina steht sämtlichen österreichischen Firmen bei der Durchsetzung ihrer Forderuhgen zur Verfügung. Eigentümer, Verleger, Herausgeber, \oA yjerj«tffor.tiicb,er. föfflffffftfltttl ff »®*ttfatiatis.äBa$e" fft iinD bleibt Die befte fiaufoclegetifjett! ffias Wlf|lf|mW»» 9 6$iffmatm iefci Wetet, ijt einmalig mtb fieifufellos.!BIe!e Saitfetibfc Haben m in Der legten ffiorfje Dabott überzeugt. Nucf) 6ie foflen ftiefe ©elegenfjeU unbedingt ammi^en - W ift bef örfiiffmonn nöea unbcßrelflirtj biUig! 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