Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 577 (17.7.1936)
- Date
- 1936-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 577 vom IT. Jfuli 1936 DIE NEUE WELT Seite 5 PaIä§tina*Wirt§diafl trotz Unruhen optimistisdi Landwirtschaftliche und industrielle Hollnungen — Neue Kredite - Gute Erntelage — Tozeret'llaarexvfleivegung — Wertpapiere gefallen Aug Jerusalem berichtet die J. T. A.: Wenn auch die Palästina-Unruhen infolge ihrer langen Dauer zu bemerkenswerten Stockungen in der palästinensischen Wirtschaft geführt haben, so herrscht doch in den jüdischen Wirtschaftskreisen allgemein die Ueberzeugung, daß unmittelbar nach Beendigung der Unruhen ein verstärkter Aufschwung von Handel und Industrie zu verzeichnen sein wird. Es wird bereits grundsätzlich die Frage erörtert, welche Wirtschaftszweige besonders berücksichtigt werden sollen, um die Gesamtposition der jüdischen Wirtschaft widerstandsfähiger und unabhängiger zu machen. Einmütigkeit herrscht darüber, daß alles das, was während der Unruhen vernichtet oder geschädigt wurde, möglichst schnell wiederaufgebaut werden muß. Bezüglich des weiteren Ausbaues der Wirtschaft vertreten die einen die Ansicht, daß in erster Reihe die landwirtschaftliche Basia verbreitert werden muß, während andere starke Berücksichtigung der Industrie verlangen. So fordert der Vorsitzende des Jüdischen Kolonistenverbandes, Mosche Smilansky, daß dem landwirtschaftlichen Sektor die größte Aufmerksamkeit geschenkt werde, während der bekannte Nationalökonom Fritz N a p h t a 1 i mit besonderem Nachdruck auf die Möglichkeiten der Vergrößerung der Aufnahmefähigkeit des Landes durch den Ausbau der Industrie hinweist. Inzwischen gilt es, dem durch dreimonatigen arabischen Streik und Terror schwer betroffenen jüdischen Unternehmertum in Handel und Industrie das Durchhalten zu erleichtern. Die wirtschaftliche Stagnation ist schon an dem äußeren Bild des jetzt ungemein still gewordenen „K a s s a t a g e s" am Montag zu erkennen. Während die Banken früher an solchen Tagen voll waren von einer dichten Menge der Beauftragten von Industrie und Handel, die kamen, um ihre Wechsel einzulösen, sieht man heute nur ein recht spärliches Publikum, das Wechsel nicht einlöst, sondern prolongiert. Die Anglo-Palestine Bank versucht, der Wirtschaft durch Erteilung neuer Kredite an gewisse Kategorien des Handels und der Industrie frische Impulse zu geben. e Damen geht es an! OMSA die einzig vollkommen geruchlose Enthaarungscreme Probefube S 1.— / Durch Omsa-Vertrleb W9en 1. Bezirk, Kohlmarkt Nr. 10 Die schwierige wirtschaftliche Situation beschäftigt sehr eingehend auch die Exekutive. Bekanntlich hat die Exekutive vor kurzem eine speziell Wirtschaftsfragen gewidmete Beratung mit' den in Palästina ansässigen Mitgliedern des Aktionskomitees abgehalten. Ueber die Ergebnisse dieser Beratungen und die gefaßten Beschlüsse ist der Oeffentlichkeit nichts bekannt gegeben worden. Die allgemeine Wirtschaftslage spiegelt sich auch In dem letzten Monatsbericht der Barclay's Bank. Danach war der palästinensische Getreidemarkt im Juni ruhig. Lebhaft war die Nachfrage nach Mehl, schwach dagegen die nach Zucker, Kaffee und Reis. Der Markt für Wolle, Seide und Textilwaren war sehr schwach. Auf dem Baustoffmarkt fanden überhaupt keine Umsätze statt. Die Erntelage wird als gut bezeichnet. Die Bestrebungen zur Stützung und Belebung der Wirtschaft finden ihren Ausdruck auch in verstärkten Bemühungen, die einheimische Konsumkraft der Produktion des Landes nutzbar zu machen. Die Bedeutung der Tozeret-Haarez-Bewegung erschließt sich immer weiteren Kreisen. So hat soeben die etwa 200 Mitglieder umfassende Gruppe der Gaststättenbesitzer im Verband der Detailkaufmannachaft beschlossen, nur palästinensisches Bier statt Importbier auszuschenken. Mitglieder des Verbandes, die diesem Beschluß zuwiderhandeln, können, wie in einem Rundschreiben mitgeteilt wird, auf Interessenschutz durch den Verband nicht rechnen. Die Bierbrauerei in Rischon le Zion plant die Errichtung einer zweiten Bierbrauerei in H a i f a, in der hauptsächlich Malzbier hergestellt werden soll. Es werden auch Anstrengungen gemacht, den Absatz palästinensischer Waren im Ausland zu fördern. Im Jänner beginnt ein Anzeigen- und Werbeergebnis für palästinensische Zitrusfrüchte, dessen Umfang von dem Ernteergebnis abhängig sein wird. Die Durchführung dieses Propagandafeldzuges hat die Palästina-Regierung der Londoner Agentur Mather and Crowther Ltd. übertragen. Im Auftrag des Zitruspflanzerverbandes und als Leiter des Regierungsausschusses für Obstbau hat Ing. Samuel Tolkowsky eine Europareise im Interesse des Absatzes der palästinensischen Zitrusproduktion unternommen. Die Bestrebungen zur Förderung der Palästina-Wirtschaft erscheinen gerade jetzt besonders dringend, da die palästinensischen Wertpapiere seit Beginn der Unruhen in London um 12 bis 25 Prozent gefallen sind. Man schätzt den Verlust des englischen Publikums an diesen Werten auf etwa vier Millionen Pfund. Syriidher Handelshof kott gegen Palästina Beirut: Der „Commerce du Levant" nimmt in seiner letzten Ausgabe zu den Rückwirkungen der E rei gn i s s e in Palästina auf die Handelsbeziehungen zwischen Syrien und Palästina und die Boykottprop a g a n d a, die in Syrien gegen den Handel mit Palästina geführt wird, Stellung: „Wir haben bereits über die ernsthaften Rückwirkungen der Unruhen in Palästina auf die syrisch-libanesische Wirtschaft geschrieben: Vollständiger Stillstand des Handels zwischen Syrien und Palästina, Zahlungseinstellung der palästinensischen Kaufleute, die syrischen und libanesischen Kaufleuten Tausende von Pfunden schulden usw. Der Stillstand des Handels ist aber nicht durch die Unruhen allein verursacht, sondern in noch stärkerem Maße durch die in Syrien geführte Propaganda gegen den Export syrischer und libanesischer Erzeugnisse nach Palästina. Als Resultat dieser Propaganda sind Eierträn Sporte nach Palästina angegriffen worden, der jüdische Dampfer ,,Atid" wurde in Beirut gehindert, Güter für Haifa und Tel-Aviv zu laden. Der palästinensisch-syrische Handelsvertrag vom Jahre 1929 hat sich für Syrien bekanntlich außerordentlich günstig ausgewirkt, Syrien und der Libanon exportierten im Jahre 1935 Waren im Werte von 5 Millionen LS. nach Palästina, die etwa die Hälfte des gesamten syrischen Exports und 475 Prozent des Imports aus Palästina ausmachen. Die Boykottpropaganda, die gegenwärtig in Syrien gegen Palästina geführt wird, ist nicht geeignet, das Weiterbestehen des Vertrages von 1929 zu fördern, sondern kann im Gegenteil dazu führen, daß die Regierung von Jerusalem ihn kündigt. Der Schaden, der durch die Boykott-Propaganda unserer Wirtschaft zugefügt werden kann, scheint von denjenigen'nicht in Betracht gezogen zu werden, die dem Export unserer Produkte nach Palästina gewaltsame Hindernisse in den Weg legen. Iii der gegenwärtigen Zeit der Ueberproduktion landwirtschaftlicher und industrieller Produkte und der Autarkiepolitik in den meisten Ländern können wir auf unsere palästinensischen Abnehmer nicht verzichten und werden für unsere Produkte, von denen Tausende von Bauern und Handwerkern leben, andere Abnehmer nicht finden. Es genügt, auf den Eierhandel hinzuweisen. Unser Korrespondent in Tripoli teilt uns mit, daß infolge des Boykotts gegen Palästina die Eier unanbringlich geworden sind, was den Ruin zahlreicher Familien bedeutet. Was Palästina anbetrifft, so kann es Eier und andere landwirtschaftliche Produkte auch anderswo als in Syrien kaufen: in Cypern, in Aegypten und zahlreichen anderen Ländern, die für ihre Waren Abnehmer suchen. Die kleine Quantität von Waren, die Palästina nach Syrien exportiert (im Jahre 1935 für 302.988 LP. oder 7 Prozent seines Gesamtexports), kann Palästina auch auf änderen Märkten unterbringen. Diejenigen, die den Abbruch unseres Handels mit Palästina befürworten, handeln aus politischen Beweggründen. Bis zu welchem Punkt darf man aber in der Vermischung politischer mit wirtschaftlichen Angelegenheiten gehen?" (Palnews) Mäßigste Preise — Große Auswahl — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborstraße 52 Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Anfragen: Tel. .R-41-4-20 Aus Haifa wird telegraphisch gemeldet t daß unbeschadet des Andauerns des Streiks in Palästina das Löschen und Verladen von Ladungen der italienischen Schiffe in gewohnter Weise reibungslos vor sich geht. Die Dampfer „Gerusalemme", „Galilea", „Ego" und „Vesta" des Lloyd Triestino konnten dank der unverzüglich getroffenen Maßnahmen der Gesellschaft in den letzten Tagen eine bemerkenswerte Anzahl Passagiere ans Land setzen und entsprechende Warenladungen im Hafen von Haifa löschen. Die getroffenen Maßnahmen sichern tatsächlich die volle und ordnungsgemäße Durchführung aller Hafenoperationen. Auch der Passagierverkehr nach Palästina auf italienischen Schiffen ist besonders rege und wickelt sich mit größter Regelmäßigkeit ab. Zweikiasslge private Jüdische Handelsschule kaufmännische Vk/IrtIChaltSSChUle f. Knaben u. Mädchen Einjähriger Fächkurs / Abend« u. Spezialkurse für Herren u. Damen Unterricht nach dem normalen Lehrplane der Handelsschulen (Erlaß des Bundesministeriums für Unterricht vom 12. Juni 1934, Z. 17620). Wien II, Taborstr. 39 (Bayrischer Hof) Aufnahme In der Direkt Ion sknnr.lel: An Werktagen von 10 bis 12 Uhr vormittags nnd von 2 bis 5 Uhr nachmittags. — Samstag geschlossen. Palästina soll Gas erhalten Aus Tel-Aviv (Palnews) wird uns berichtet: Schon vor etwa neun Monaten hat Ingenieur I. W i r g i n gemeinsam mit der „Palestlne Trust Company" die Errichtung einer Gasfabrik in Tel-Aviv projektiert. Inzwischen ist eine Reihe von Gesellschaften mit ähnlichen Projekten hervorgetreten. Während sich das erste Projekt auf die Versorgung Tel-Avivs beschränkte, erstrecken sich die neu hinzugekommenen Pläne nicht nur auf Tel-Aviv und die umgebenden Kolonien, sondern auch auf Jerusalem und Haifa. Die Jerusalemer Stadtverwaltung hat von drei Gesellschaften Konzessionsanträge zur Koch- und Heizgasversorgung erhalten, die Haifaer Stadtver* waltung von vier Gesellschaften und die Tel-Aviver Stadtverwaltung sogar von sieben Gesellschaften. Die drei Konzessionsanträge, die allen Stadtverwaltungen eingereicht wurden, gehen von folgenden Gesellschaften aus: 1. The Palestine Trust Company Ltd. (Initiator Ingenieur Wirgin). 2. Close Brothers Ltd., London (Initiatoren E, Efrus und Dr. J. Dralicz); 3. Primagaz, Ltd., Tel-Aviv. Neben den Konzessionsanträgen dieser Gesell-. Schäften an alle drei Stadtverwaltungen erhielt Tel-Aviv Anträge von Ultragaz, Legaz und Herrn Shapiro (Direkt tor der „Assis" Ltd. Bisher sind von den drei Stadtverwaltungen noch keine Entscheidungen getroffen worden, In Jerusalem hat das Pinanzkomitee beschlossen, dem Municipal Council die Gewährung der Konzession an die Palestine Trust Company zu empfehlen. Wie wir erfahren, hat aber eine der konkurrierenden Firmen beim Bürgermeister von Jerusalem gegen diesen Beschluß des Finarr-skomitees Beschwerde eingelegt. In Haifa hat die Stadtverwaltung eine Kommission eingesetzt, die die Gasversorgungsprojekte prüfen soll. Die Finanzkommission von Tel-Aviv wird sich noch in dieser Woche mit der Frage der Gasversorgung befassen. Auf eine Anfrage der Haifaer und Jerusalemer Stadtverwaltungen hat die Regierung geantwortet, daß die Stadtverwaltungen das Recht haben, Gasversorgungskonzessionen zu vergeben, daß aber die Entscheidung der Stadtverwaltungen der Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden muß. Die hauptsächlichsten Unterschiede der drei Projekte, die allen Stadtverwaltungen vorgelegt sind, bestehen vor allem in folgendem: Die Primagaz, Ltd., hinter der die Societe Standard Franco-Americaine S. A. Paris steht, beabsichtigt nicht, in Palästina eine Gasfabrik zu errichten, sie will flüssiges Gas aus der Fabrik des französischen Unterne hm ens importieren und es aus Reservoiren, die in den drei Städten , errichtet werden, durch Rohrleitungen dem Verbraucher zuführen. Die Close -Brothers, Ltd., London, leitet als Finanzierungsgesellschaft die United-Kingdom Gas Co. Ltd. und fungiert als Geschäftsführer der South-Western Gas Co. Ltd. und' Caleydon Gas Co. Ltd. Ihr Vertreter in Palästina gelangte zu dem Resultat, da.ß in den Städten, in denen das Unternehmen Konzessionen erhält, Gasfabriken errichtet werden. Das Gas soll durch ein Rohrleitungsnetz in den Städten dem Verbraucher zugeleitet werden. Die Palestine Trust Company überläßt in ihrem Projekt den verschiedenen Stadtverwaltungen die Wahl der Gasversorgungsmethode: entweder durch Rohrleitungen oder durch Aufstellung von Gasbehältern in jedem einzelnen Haus für die Mieter nach gewissen Patenten des Herrn Wirgin. In ihrer oben erwähnten Entscheidung hat die Jerusalemer Finanzkommission der zweiten Methode den Vorzug gegeben, da diese nicht die Verlegung eines Leitungsnetzes erforderlich macht. Zweifellos wird die Entscheidung der verschiedenen Stadtverwaltungen über die Konzessionserteilung, die Regierungsgenehmigung und die Errichtung der Gaswerke in den verschiedenen Städten noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Bis zur Errichtung von Gasfabriken wird daher noch eine längere Frist verstreichen. Eine Bankbilanz nach der Krise Aus Tel-Aviv: Der Jahresabschluß der Ashral Bank Cooperative Society Ltd. für das Jahr 1935 begegnet besonderem Interesse, weil die Bilanz per 31. Dezember 1935 gewissermaßen das Resumö der Auswirkung der Bankkrise vom Herbst 1 935 darstellt, die als Folge der Kriegsbefürchtung zu beträchtlichen Depositenabhebungen führte, von denen auch die Ashral' Bank betroffen wurde. Infolge dieser Abhebungen haben sich die Depositen von rund pal. Pf. 875.000, laut' letzter Bilanz, auf pal. Pf. 725.000 reduziert. Das Eigenkapital der Bank ist von pal. Pf. 82.000 auf 117.000 angewachsen. Insgesamt stellt sich'die Bilanzsumme auf pal. Pf. 1,088.000. Die Liquidität stellt sich auf 25 Prozent. Der Reingewinn beträgt nach beträchtlichen Abschreibungen zweifelhafter Debitoren pal. Pf. 20.000, von dem 15.000 in Reserve gestellt sind. Da die Mitglieder der Ashral Bank mit dem zehnfachen Betrage ihres eingezahlten Kapitals für die Verbindlichkeiten der Bank haften, ergibt sich eine Gesanithaftung von pal. Pf. 388 000, die sich auf über 4200 Mitglieder verteilt. Das Verhältnis des Bigenkapitala zu den Depositeneinlagen beträgt ungefähr 1 : 6 und ist als außerordentlich günstig anzusprechen. Alle Damen geht es an! Vieles steht der Dame von heute zur Verfügung, um ihre Anmut und ihren Liebreiz zu fördern und lebendig zu erhalten. Zur Schönheitspflege gehört natürlich auch eine Enthaarungscreme, um Beine und Arme von unliebsamen Härchen reinzuhalten. Aus allgemein bekannten Gründen ist es bei den meisten der Damen, die Haare zu entfernen, beim Versuch geblieben, weil alle angepriesenen Mittel einen sehr unangenehmen Geruch yerbreitet haben, der durch nichts beseitigt werden konnte. 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