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Die neue Welt · 1936-07-17 · Heft 577 (17.7.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 577 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 577 vom 17. Juli 193« 3 x BERGMANN f .0 RABEN8TEIQ3^, HIMMELPFQRTG. 5 KÖLLNERHOFGASSE 1 EINZIG IN W1EH111 Remseiden-Herrenhemden, be8te Paßform Jf nur Reinseiden-Kniehose nur S 3.90 GRÖSSTE AUSWAHL in Pyjamas u.Bademüntei viele Sorten v^-Aermel-Hemden etc. Abwehrkampf in London und Jeru§aleiti Meir Großiiianns politisches Expose Meir Großmann, der Vorsitzende des Weltverbandes der Judenstaatszionisten, hatte während seines kurzen Wiener Aufenthaltes Gelegenheit, im Rahmen einer vom Verband der österreichischen Judenstaatszionisten veranstalteten Pressekonferenz, die von Oberbaurat Robert Stricker eröffnet wurde, ein Bild der politischen Lage im Zusammenhang mit der Araber-Revolte zu geben und die Richtlinien der Judenstaatspolitik zu skizzieren. Großmann beschränkte sich in seinen Ausführungen nicht auf die Darstellung der Tatsachen; er deutete auch die Methoden und Möglichkeiten des jüdischen Abwehrkampfes gegen die Pläne des Kolonialamtes und der Palästina- Administration an, wobei allerdings als Basis der zionistischen Arbeit die weitere Kooperation mit der Mandatarmacht zu gelten habe. Die Ereignisse in Palästina, führte Großmann aus, haben uns Judenstaatler nicht überrascht, denn schon längere Zeit vor den Unruhen tagte in Safed eine Versammlung der Vertreter der Arabischen Nationalpartei, welche die Initiatorin der Terrorakte und des Streiks ist, eine Versammlung, über die wir in einem Zirkular berichteten. Regierung und Zionistische Exekutive waren unvorbereitet; sie wußten anfangs gar nicht, worum es sich hier handle, ob um einen Streik oder um eine Revolte. Die Terrorakte setzten ein, aber erst — und das muß betont werden — nach Aufhebung der Sanktionen gegen Italien entschloß sich die Palästina-Regierung auf Veranlassung Londons zu Maßnahmen, das heißt in einem Augenblick, wo es Idar geworden war, daß sich der jüdisch-arabische Konflikt zu einer arabischen Attacke gegen England entwickelte. Wir hatten plötzlich gegen mehrere Fronten zu kämpfen: gegen den Widerstand der arabischen Politiker, gegen die (zumeist jüdischen) Kommunisten, welche in Proklamationen die arabischen Banditen in ihren Terrorakten ermunterten, gegen die unfähige palästinensische Administration und gegen die englische Regierung, wohl die unentschlossenste seit Bestand des Imperiums. Eine radikale Lösung ist von dieser Regierung nicht zu erwarten. Sie strebt eine Kompromißlösung auf unsere Kosten an. Es gibt eine Strömung, die durch Einstellung oder Einschränkung der jüdischen Einwanderung die Araber gewinnen möchte. Aber wir würden solch eine Maßnahme als Verletzung des Mandats, als Bruch der uns gegebenen Versprechungen, als Widerspruch zu den letzten Erklärungen des britischen Kolonialministers Ormsby- Gore betrachten und entsprechende Abwehrmaßnahmen treffen, da wir jede Lösung zu unseren Lasten — sei es Kantonierung oder Reservationen — entschieden ablehnen. Wir haben bewiesen, daß wir das aufbauende und konsolidierende Element in Palästina sind. Drei Monate blutigen Terrors konnten unsere Wirtschaftspositionen nicht unterminieren. Nur weil wir stark sind und uns stark fühlen, haben wir einen Bürgerkrieg vermieden. Nun, nach den schwersten Opfern, die wir im Interesse des Landes gebracht haben, will man eine Royal-Commission nach Palästina schicken. Wir nehmen dies nicht tragisch: denn erstens haben wir bereits sechs Kommissionen hinter uns, die nichts Erfreuliches gebracht haben, und zweitens haben wir nichts zu verbergen. Im Gegenteil: wir sind darauf vorbereitet, unsere Beschwerden vorzubringen. Es wird nämlich nicht angehen, mit der abgebrauchten Legende von der Verringerung der Kapazität des Landes durch jüdische Einwanderung zu operieren, nachdem wir bewiesen haben, daß die Aufnahmsfähigkeit durch die jüdische Immigration und Kolonisierung wächst. Darüber, daß wir trotz größter Schwierigkeiten ein Land zum Blühen gebracht, für die,.Araber Vorteile geschaffen, der Palästina-Administration den Hauptteil ihrer Geldmittel zugeführt haben, muß heute nicht mehr gesprochen werden. Das weiß die Welt, das weiß die öffentliche Meinung Englands, die zum großen Teil auf unserer Seite ist. Es ist widersinnig, von einem arabischen Palästina zu sprechen. Palästina war bis zum Mandat ein Teil des unter türkischer Herrschaft gestandenen Syrien. Wir erst schaffen ein Palästina im politischen Sinn und dieser historische Prozeß läßt sich weder durch die Araber noch durch die Palästina-Administration aufhalten. Was die Judenstaatspartei betrifft, steht sie als integraler Bestandteil der Zionistischen Weltorganisation in sachlicher Opposition zur Exekutive. Sie geht mit den Methoden der zionistischen Leitung nicht konform. Sie ist für S t a a t s m e t h o d e n im Aufbau Palästinas. Wie die Palästina-Administration, war die Exekutive in politischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht gegenüber den Ereignissen unvorbereitet. In dieser schweren Stunde wollen wir außenpolitisch mit der zionistischen Leitung zusammenarbeiten und haben bereits in London die nötigen Vorarbeiten getan. Jetzt heißt es, den schweren Kampf aufzunehmen. Wir haben in Haiästina bedeutende Interessen. 25.000 Chaluzim sind bereit, zu marschieren. 400.000 Juden arbeiten in Palästina, 100 Millionen Pf. St. sind investiert. Die jüdische Welt verlangt Entscheidendes von uns, das konnte ich während meiner Reise in Amerika, England, Frankreich und Belgien feststellen. Wir sind zuversichtlich. Auch die gegenwärtige Krise werden wir überwinden. * Die Mitglieder der Wiener Presse, die sehr gut vertreten war, erhielt von Meir Großmann auf verschiedene Anfragen ausführliche Erklärungen, insbesondere über den begrabenen Gesetzgebenden Rat, Uber eine bisher nicht zustande gekommene zionistische Einheitsfront, über die kgl. Kommission und die konstruktiven Vorschläge der Judenetaatspartei. fik Weekend md Reise die bestrenommierten Feinwurst Selchwaren Fleischkonserven la Qualität Auch Postversand Sdiufz der FiiidiiliiHge Aus Genf wird gemeldet: An der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz zur Regelung des Rechtsstatus der D e u t s c h l an d-Flüchtlinge nehmen die Vertreter Belgiens, Englands, der Tschechoslowakei, Dänemarks, Ecuadors, Frankreichs, Irlands, Lettlands, Norwegens, der Niederlande, Polens, Rumäniens, Schwedens, der Schweiz und Uruguays teil. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Finnland sind durch Beobachter vertreten. Die bisherigen Beratungen haben bereits zur Formulierung eines Punktes der Vereinbarungen über die Ausgabe von Identitätsdokumenteu an die Flüchtlinge geführt. In einem Communique" der Informationsabteilung des Völkerbundes wird mitgeteilt, daß der Völkerbundsoberkommissär Sir Neil Malcolm in seinem Referat den Abschluß provisorischer Vereinbarungen zur Regelung des Rechtsstatuts der Deutschland-Flüchtlinge als die erste Pflicht dieser Kommission bezeichnete. Diese Vereinbarungen sollen den Ausgewanderten so ■schnell wie möglich einen Rechtsstatus geben, der gelten soll, bis langfristige Vereinbarungen auf Grund eines Vertrages in Kraft treten. ür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Auf Wunsch des Vertreters Belgiens stellte der Vorsitzende Guani fest, daß die Konferenz ihre Beratungen auf die Ausgewanderten aus Deutschland einschränken solle. Dagegen verlas der Vertreter Norwegens im Namen seiner Regierung eine Erklärung, in der die Konferenz aufgefordert wird, die Angelegenheit womöglich unter dem Gesichtspunkt des Gesamtproblems der Flüchtlinge zu behandeln. Komanicki (Polen) machte den Vorschlag, daß allen nach Polen zuständigen Deutschland-Flüchtlingen nicht polnische Pässe, sondern eben nur Identitätsnachweise, wie sie den staatenlos gewordenen Flüchtlingen vorgeschlagen sind, verabfolgt werden. Sein Vorschlag rief Staunen und Verwunderung hervor. Im Anschluß daran trat die Konferenz in die Beratung der einzelnen Punkte der Vorschläge ein. Die Textierung des ersten Punktes, in der der Begriff des „aus Deutschland Geflüchteten" definiert wird, wurde der Redaktionskommission Uberlassen. Berufe raschest FINKLER & , Dorotheerg. 6 (Graben) , Telephon R-23-2-30 von 9 bis 8 Uhr Bei der Beratung des Punktes „Ausgabe und Erneuerung von Zertifikaten; Ausweisung und Verweigerung der Zulassung" einigte sich die Konferenz schließlich auf folgenden Wortlaut: „Die Signatarstaaten werden d?.n aus Deutschland Geflüchteten, die ermächtigt sind, auf ihrem Gebiet zu wohnen, ein Identitätszeugnis oder ein anderes Dokument, das den gleichen Zweck erfUllt, ausstellen." * Auf der Konferenz sind der Council for German Jewry durch Prof. Norman B e n t w i c h, das American Joint Distribution Committee durch Dr. Bernhard Kahn, die Jewish Agency for Palestine durch Dr. Nahum Gold' mann, die deutschen Flüchtlinge in Frankreich durch Prof. Georg Bernhard, die deutsche Emigration der Tschechoslowakei durch Kurt Großmann vertreten. (J. T. A.) * Ali Ergebnis der Konferenz ist ein provisorisches Bar Kodiba-Preßburg und die Olympiade Aus Brünn: Die Jugendmeisterschaft der Tschechoslowakei fand am Sonntag ihren Abschluß. Bar K o c h b a - Preßburg behielt den Titel des Jugendmeisters; die Mannschaft war diesmal noch überlegener als im Vorjahr. Bar Kochba-Preßburg gehört bekanntlich neben Hagibor (Prag) und Bar Kochba (Brünn) zu den jüdischen Vereinen, die vom tschechoslowakischen Schwimmverband wegen der Weigerung, nach Berlin zur Olympiade zu gehen, für zwei Jahre disqualifiziert und außerdem zu je 4000 tsch. K Geldstrafe verurteilt wurden. Die Disqualifikation hätte heute in Kraft treten sollen. Gestern abend wurde die Auslosung für die Schwimmeisterschaften vorgenommen; die jüdischen Vereine, die auf den Meistertitel aspirieren, wurden mit ausgelost. Der Verband verlängerte die Frist zur Bezahlung der Strafe bis Donnerstag abends, doch besteht keine Aussicht, daß die drei Vereine die verlangte Strafe bezahlen werden. (J. T. A.) Abkommen Uber die Regelung des Rechtsstatus der Deutschland-Flüchtlinge getroffen worden. „R6fugi6" im Sinne dieses Abkommens ist derjenige, der früher in Deutschland ansässig war, keine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche besitzt und erwiesenermaßen rechtlich und tatsächlich nicht unter dem Schutz der Reichsregierung steht. Die dem Abkommen beitretenden Regierungen werden den aus Deutschland Geflüchteten, die auf ihrem Gebiet ihren ständigen Wohnsitz haben, einen Identitätsausweis nach dem angenommenen Muster oder ein denselben Zweck erfüllendes Dokument ausstellen. Die Gültigkeitsdauer beträgt ein Jahr und kann von dem ausstellenden Staat erneuert oder verlängert werden, bis der Inhaber sich die Ausstellung eines anderen Identitätspapieres gesichert hat. Unter Berücksichtigung internationaler Regelungen sollen die Flüchtlinge, die die Nlederlassungscrlaubnis in einem Lande haben, nicht ausgewiesen, noch soll ihnen die Zulassung verweigert werden, sofern solche Maßnahmen nicht durch Erwägungen gerechtfertigt sind, die der Sicherheit des Staates oder der öffentlichen Ordnung gelten. Die im Abkommen vorgesehene Regelung soll so rasch wie möglich in Kraft treten. Aus aller Weif (J.-T.-A.-Meldungen) König Carol II. hat 22 rumänische Juden mit dem Ferdinandsorden ausgezeichnet und fünf jüdischen Aerzten in Anerkennung „außerordentlicher patriotischer Verdienste" Auszeichnungen für Leistungen auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege verliehen. Diese Auszeichnungen haben bei den Juden Rumäniens im Hinblick auf die in letzter Zeit verstärkten Bestrebungen, die Juden zu Bürgern zweiter Klasse zu degradieren, allgemeine Genugtuung hervorgerufen. 160 jüdische Kriegsinvaliden haben eine Vereinigung gebildet, die gemeinsam mit ehemaligen rumänischen Kriegsteilnehmern die antisemitische Propaganda bekämpfen will. * Wie das Hauptbüro des Keren Hajessod mitteilt, hat die Jüdische Agrarbank, an der sich der Keren Hajessod mit einem Betrag von 5000 Pfund beteiligt hat, den Betrieb bereits aufgenommen und die ersten Darlehen gewährt. Diese Darlehen werden solchen Kolonisten gegeben, die ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigen. ,* Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hat die Einladung zur Teilnahme an dem für den 8. August nach Genf einberufenen Jüdischen Weltkongreß, nach durchgeführter Beratung, in seiner letzten Delegiertenversammlung, angenommen. Die Schweizer Juden werden auf dem Kongreß durch drei Delegierte des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes vertreten sein. * Unter Assistenz griechisch-orthodoxer Priester ließ Alexander C u z a, der Sohn des rumänischen antisemitischen Apostels Prof. George Cuza, etwa 80.000 Bauern, die sich in Ornei, Beßarabien, versammelt hatten, den Eid abnehmen, Rumänien von den Juden zu befreien. Cuza erklärte: Es gebe heute in der Welt nur zwei Menschengruppen: Gläubige und Nichtgläubige des Hakenkreuzes. Die letzteren sind die Mächte der Finsternis. Das Hakenkreuz ist ein altes rumänisches (!) Symbol, das von Deutschland übernommen wurde. Hitlers antisemitisches Programm wurde ebenfalls schon viel früher von Cuza In Rumänien verfochten. Die Hakenkreuzparteien, erklärte Cuza, werden demnächst die Regierung Rumäniens Ubernehmen. * König Eduard von England verbrachte sein letztes Weekend in Trentpark als Gast des Unterstaatssekretärs für das Flugwesen, Sir Philipp S a s s o o n, der bekanntlich Jude ist und der berühmten indisch-jüdischen Familie Sassoon entstammt. Judisdie Handelsschule Der kommerzielle Beruf ist für die Judenheit nach wie vor von größter Bedeutung. Der Jude wird in den anderen, insbesondere in den öffentlichen Berufen planmäßig ausgeschaltet und findet auch in den freien Berufen keine Entfaltungsmöglichkeit mehr. Tausende hungernder jüdischer Akademiker sind die Opfer und der traurige Beweis dieser Entwicklung. Der junge Jude muß daher noch besser gerüstet ins Leben treten als sein nichtjüdischer Konkurrent. Diese Rüstung kann ihm am besten eine rein jüdische Fachschule geben. Die neugegründete Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen in Wien, IL, Taborstraße 39, hat sich, unter Leitung und Mitarbeit hervorragend qualifizierter Lehrkräfte, die Erreichung dieses Zieles zur Aufgabe gestellt. Sie wird die ihr anvertraute Jugend in vaterländischem und in jüdischem Sinn erziehen. Der Lehrplan ist selbstverständlich der gleiche wie an den anderen zweiklassigen Handelsschulen; er wurde aber mit schulbehördlicher Genehmigung der spezifisch jüdischen Struktur der Schule angepaßt. An Sabbath und jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt. Außer Englisch und Französisch wird Hebräisch obligat gelehrt, ebenso jüdische Religion und Geschichte. Der Unterricht findet in lichten, luftigen und allen Erfordernissen der Hygiene entsprechenden Räumen statt und folgt modernsten Prinzipien. Es werden zum Beispiel in Verkaufskunde — einem separaten Fach daa von einem hervorragenden Praktiker gelehrt wird —• Wettkämpfe mit Preisen veranstaltet werden, um den Ehrgeiz des Schülers anzuspornen. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder der neuen Anstalt anvertrauen, nützen dadurch nicht nur diesen selbst in geistiger und materieller Hinsicht, sondern auoh; dem gesamten Judentum, indem sie mithelfen, einen j ü d 1* sehen Nachwuchs zu schaffen.

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