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Die neue Welt · 1936-07-17 · Heft 577 (17.7.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 577 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WE£T Nr. 577 vom 17. Juli 1936 -2- § I leden Sonntag billige Ferien-Son nach uuuirts unnge renen-aon- V _■ detiaiirten mit der Ciern. Allg* Zeitung ■ POLEN und CZERNOWITZ I IMSfHoft* Ak(nk» . «A l..ts I Nächste Abfahrt: W. Juli Anmeldungen miiich iliBlKh Reisebüro ■ ^jjjjj^^j^j^^^jj^^^^^ji^jy^^^^^j^ deren Landesteilen könne nicht verstehen, wie es möglich sei, daß Zeitungsverkäufer über einen Marktplatz gehen, der voll von jüdischen Händlern ist, und gegen diese die gemeinsten Beschimpfungen gebrauchen. Von ruhigen, ehrenwerten Leuten werde "ihm versichert, daß diese Provokationen andauern und sich jede Woche regelmäßig wiederholen. Angesichts dieser Provokationen sollten Innenministerium und Polizei dafür sorgen, daß eine längere Zeit hindurch genügend Polizisten zur Stelle seien, damit diese Dinge aufhören. Durch solche monatelang dauernde Propaganda, bei der den Juden die Schuld für alles und jedes zugeschoben wird, werde die Stimmung für große Exzesse vorbereitet. Schreite man nicht energisch ein, dann könne es in der nächsten Zeit zu Ausschreitungen kommen, wie man sie sich kaum vorzustellen wage. Der Abgeordnete Watkins gab Beispiele für die im East End herrschende Unsicherheit. Die jüdische Bevölkerung stehe ganz unter dem Eindruck der Judenhetze. Diese ganze jud<mf eindliche Tätigkeit gehe von einer einzigen Organisation aus, der ein Ende gemacht werden müsse. Diese Organisation ist keine andere als der militante faschistische Verband Londons, der nachgewiesenermaßen vom Berliner Propagandaministerium seine Parolen und Direktiven'erhälfund vornehmlich antisemitische Propaganda macht. BAD VOSLAU Ritterstraße 11 Tagespension ab S 7.- Der Innenminister Sir John Simon nahm die Polizei in Schutz und verlangte vom — Publikum, selbst das Nötige zur „Dämpfung der Beschimpfungen der Juden" beizutragen. Es sei nicht richtig, daß die Polizei eine Partei gegenüber der andern begünstige. Man werde die Angelegenheit regeln usw; Und schließlich wurde die Kürzung des Budgetpostens für die Polizei mit 148 gegen 76 Stimmen abgelehnt..'.'' Fast hätten wir vergessen zu erzählen, daß ein Abgeordneter die Angelegenheit von der — kulturellen Seite beachtet habe. „Judenhetze ist unenglisch. Ich hoffe, man werde imstande sein, diesem sich anscheinend einschleichenden abscheulichen Uebel Einhalt zu gebieten." Unenglisch! Gewiß. Die englische Mentalität ist mit Judenhetze unvereinbar. Aber es gibt Gifte, die sich einschleichen. Zuerst Hetze, Beschuldigen und dann Exzesse, Pogrome. Wir haben es erlebt. Judenhetze ist unösterreichisch. Die österreichische Mentalität neigt nicht zu Judenhetze. Aber monatelanges, straffreies Giftträufeln macht auch das liebenswürdigste Gemüt rebellisch. Die Versöhnung mit dem deutschen Hakenkreuz könnte in gewissen Kreisen allzuleicht mißverstanden werden. Die Frage der judfedten Einwanderung d Aus London: „Manchester Guardian" nimmt von dem Dementi der Regierung betreffend die „Daily Herald"-Meldung über beabsichtigte vorübergehende Einstellung der jüdischen Einwanderung Notiz und stellt fest, daß in der englischen Politik tatsächlich eine Strömung zugunsten einer vorübergehenden Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina besteht. „Manchester Guardian" schreibt: „Wohl wird geleugnet, daß die Regierung einen solchen Beschluß gefaßt hat, aber man wird wünschen, mehr Gewißheit, als man sie tatsächlich hat, darüber zu besitzen, daß keine Möglichkeit vorhanden ist, daß die Regierung in naher Zukunft einen solchen Beschluß faßt. Es gibt nämlich einige einflußreiche Leute, die eine Einstellung der Einwanderung, wenigstens für die Gegenwart, billigen würden und die es bestreiten, daß ein solcher Schritt dem wahren Geiste des Mandates widersprechen würde. Was aber auch diese Herren unmöglich leugnen können, ist, daß eine Einstellung der Einwanderung eine Konzession an die arabische Gewalt wäre. Hat nicht erst am 19. Juni Minister Ormsby- Gore in einer starken und klugen Rede im Unterhaus erklärt, daß die britische Regierung entschlossen sei, eine faire Balance zwischen Arabern und Juden zu halten, aber auch entschlossen sei, vor Gewalt und Drohung nicht zu weichen, auch wenn dies die Anwendung harter Maßnahmen erfordern sollte? Dennoch ist es unsere Sorge, daß, wie so oft bei dieser Regierung, eben das Undenkbare geschieht. (J. T. A.) //Nieder mit dem Rassenhaß" Aus London wird gemeldet: Im Londoner East End fand am 14. Juli eine außerordentlich stark besuchte Versammlung als Demonstration gegen Faschismus und Antisemitismus statt. Die Kundgebung, an der sich trotz des strömenden Regens tausende Menschen beteiligten, gehört zu den größten Demonstrationen im Londoner East End. An dem Straßenaufzug beteiligten sich zahlreiche Arbeiterverbändo und Mitglieder von Gewerkschaften, welche große Transparente mit der Aufschrift „Sperrt die Versammlungsplätze gegen die Faschisten", „Nieder mit Krieg und Faschismus", „Nieder mit dem Rassenhaß" trugen. Die antisemitischen Faschisten versuchten Zusammenstöße zu provozieren, wurden aber rasch zerstreut. Eine scharfe Rede gegen Antisemitismus und Rassenhaß hielt Im Victoria-Park der bekannte Arbeiterführer Herbert Parison, RUNDSCHA Eilte zeitgemäße Erinnerung Die „Palesdhe Post" drückt ein kleines Stückchen aus einer vor einiger Zeit erschienenen Biographie Lord P1 u m e r s ab, der Ende der Zwanzigerjahre High Com* missioner von Palästina war. Die Biographie ist von Charles Harington. Er erzählt darin, wie Lord Plumer, als er nach Palästina kam, es verstand, in kürzester Frist das Vertrauen aller Partelen zu gewinnen. Er hatte sie alle fest in der Hand und zeigte nie einen Anflug von Furcht oder Schwäche. Als In Jerusalem die Grundsteinlegung des Hauses der englischen „Bibel- Gesellschaft" erfolgte, warfen fanatisierte Muselmanen mit Steinen. Am nächsten Morgen beschied Lord Plumer den Mufti (denselben, der jetzt noch im Amte ist) zu sich ins Regierungsgebäude. Er machte ihm Vorhaltungen wegen der Beleidigung, die durch jene Steinwürfe dem Christentum zugefügt worden war. Als der Mufti darauft jede Verantwortung für das Geschehene ablehnte, sagte ihm Lord Plumer: „Gut; wenn die Söhne Mohammeds aber noch einmal bei einer religiösen Zeremonie Steine werfen, werde ich einen neuen Mufti einsetzen." Darauf der Mufti: „Das können Sie nicht tun, das ist unmöglich!" Lord Plumer: „Ich kann nicht? Ich warne Sie! Und jetzt können Sie gehen!" Ueberflüssig, zu sagen, daß keine Steine mehr geworfen wurden. Soweit der Biograph Lord Plumers. Man erzählt in Palästina von ihm noch ein ähnliches Geschichtchen. Als eines Tages eine arabische Abordnung zu ihm 'tarn und von ihm auch eine Beschränkung der Rechte der Juden forderte, lehnte er jede Erörterung ab. Darauf sagte einer aus der Delegation: Unter diesen Umständen könne er sich nicht für die Ruhe unter den Arabern des Landes verbürgen... Lord Plumer erwiderte nur: „Für Ruhe im Lande zu sorgen ist meines Amtes." Damit war die Audienz beendet. Wissen um die wahren Zusammenhänge. Da gibt ef für uns noch eine wichtige Aufgabe: Aufklären! — Nicht im Sinne der schiffbrüchig gewordenen Vereine zur Abwehr des Antisemitismus, sondern derart, daß wir nationalen Juden der Welt sagen, was wir sind und was wir wollen, bis in den letzten Winkel hinein, bis ins letzte Dorf hinein, bis in die Festspielstadt Salzburg, wo die semitische Rasse bekanntlich durch Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt, den Sänger Alexander Kipnis und andere „Hyänen" vertreten ist. Restaurantstefanie taAkkfciA Hugo u. Julie Herlinger geb. Zollner \WJ II, Taborstraße 12 Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten Eine Anekdote von Nahum Sokolow Nahum Sokolow hat im Vorjahre unter dem Titel „Ischim" (Männer) eine dreibändige Ausgabe erscheinen lassen. Bißher nicht erschienene Aufsätze dieser Folge veröffentlicht soeben „Haaret z", darunter auch einen der der Schriftsteller, An-ski (Rappoport), den Autor des „Dyhuk", behandelt. Sokolow berichtet in diesem Aufsatz von einer Begegnung mit An-ski in Bern (1902), das damals ein wichtiges Zentrum der russisch-jüdischen Studentenschaft war. Eine Gruppe dieser „russischen Kolonie" veranstaltete einen Diskussionsaberid über die Judenfrage-. Auch Sokolow ging hin. Der Hauptredner des Abends, ein russisch-jüdischer Sozialist, erklärte, daß die Juden sich nicht als Volk fühlten und daß es daher unzeitgemäß und irreführend sei, von einem jüdischen Volk zu sprechen. Die Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall aufgenommen und die weiteren Redner stimmten dem Referenten bei. Große Auswahl kauft man für Jahr zehntel Ihre'Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, (sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualjtät auch zeitgemäß billig sind. delmann Tci Izah lungenl Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Stimme aus der Fesfspielstadl Salzburg . Der Märtyrertod . des jüdischen Journalisten Stephan Lux hat sogar sehr harthäutige Gemüter ergriffen. Es war ein Freitod, wie ihn die Geschichte der Menschheit kaum kennt. Aber das „Salzburger Volksblatt" nennt die heroische Tat eines Juden: „Demonstration des Tschechoslowaken (!) Stephan Lux für die im Deutschen Reiche wohnenden Juden", und' zwar in einem Aufsatz (vom 11. Juli 1936), den sie mit der in ihrem Sinne ironischen Aufschrift „Die Kinder Israel" betitelt. Wir, die Kinder Israel, fühlen, uns durch diese Bezeichnung nicht irritiert, im Gegenteil. Aber das „Salzburger Volksblatt" meint es eben anders, Es schreibt einleitend: „Durch die; Nürnberger Gesetze hat das Deutsche Reich die Stellung der Juden im deutschen Volks- und Wirtschaftsleben klar festgelegt. Seit dieser Zeit ist von Ausschreitungen gegen die Angehörigen der semitischen Rasse in Deutschland nichts mehr zu hören. Man hat sie als Fremd- und Gastvolk eingegliedert, ihnen .'jene Rechte gegeben,: die ihnen nach ihrer zahlenmäßigen Stärke zukommen, und ihnen jene genommen, die sie sich im Laufe der . Jahrzehnte anmaßten ünd derentwegen es Immer wieder zu Ausschreitungen gekommen ist." "~ «•- Sie behauptet' also etwas, was nicht einmal Herr Streicher wahr .haben will, nämlich daß die Juden Rechte in Deutschland haben. Dann erzählt sie die bekannten Geschichten von den jüdischen Wirtschaftshyänen, die soviel Elend verschuldet hätten, von den Zugereisten und ihren Prozessen, von den judls.cnen Machenschaften, die „nicht zuletzt an der Weltwirt- Treffpunkt der Strohwitwer Restaurant Barschaft II, Große SchiffgaBse.S, Telephon A-46-4-89 schaftskrise Schuld tragen" und nennt Namen wie Stawlsky und Bösel (vergißt allerdings Namen aus Ihrem Umkreis wie Wutite, Ährer, Uebelacker, Rintelen usw.), operiert also mit den Phrasen des ortsüblichen Antisemitismus. Nebenbei, erinnert das Blatt — um seinen Ausführungen einen weltpolitischen Aspekt zu geben — daran, „daß die Araber in Palästina durch die Bedrö-" hung ihrer Lebensgrundlage ' zu den antisemitischen Ausschreitungen getrieben wurden und daß fast in der gesamten alten Welt (Wie ist's in der neuen Welt? Anm. d. Red.) die Einstellung gegen die Juden Infolge ihrer ,merkwürdigen* Geschäftspraktiken immer schärfer wird." Wie gesagt, die altbekannte Betrachtung .des Judenproblems mit provinziellen Augen! Eine milde Variante der „Protokolle der Weisen von Zion"! Ist's Böswilligkeit? Haß? Unverstand? All das zusammen. Aber auch Uninformiertheit, Mangel an.! „Als das Todesurteil über das. jüdische .VolkT.V schreibt Sokolow, „einstimmig verkündet wurde,, stand! plötzlich ein Mann auf und meldete sich zum Wort. .Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir', sagte! der Redner, ,Ihnen eine Wundergeschichte zu erzählen, dies ich vor längerer Zeit gehört hahe. Ein junger Mann, einziger Sohn, seiner Eltern* wurde eines Tages schwer krank. Die Mutter, die ihreö Sahn sehr liebte, bemühte sich mit allen Kräften, ihn zu retten. Ein sehr tüchtiger Arzt stand ihr zur Seite, der nichts unversucht ließ, um den Sohn am Leben zu er* halten. Alles war aber vergeblich. Von Stunde zu Stunde verschlimmerte sich der Zustand des Kranken. Als die Mutter noch in letzter Stunde den Arzt herbeiholte. und Üettsiok ttkskm - Senunetutf der Arzt den Kranken noch einmal untersuchte, sagte er zur Mutter: .Gnädige Frau, machen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt, die ärztliche Kunst ist machtlos, er wird höchstens noch eine Stunde leben.' Mit diesen Worten verließ er die Wohnung. Die Mutter aber wich die ganze Nacht' nicht vom Bett des Sohnes. Sie merkte, daß eine kleine Erleichterung eingetreten war, der Kranke begann ruhiger zu atmen und schlief ein. Als der Morgen kam und der Kranke . seine Augen aufschlug, lief die Mutter zum Arzt und teilte ihm die freudige Nachricht mit. Als der Arzt dies hörte, schrie er die Frau an: .Ausgeschlossen, gänzlich ausgeschlossen!' Da die Mutter ihn jedoch anflehte, mitzukommen, gab er ihren Bitten nach und ging mit. Er sah den Kranken und sagte: .Jawohl, er lebt, aber nach der Wissenschaft ist er längst tot.4 .Jawohl, meine Herren', fügte der Redner hinzu, ,ihr habt den Tod des jüdischen Volkes heute Abend .wissenschaftlich' nachgewiesen, und vielleicht ist es auch nach eurer Theorie wahr, aber das jüdische Volk lebt, gesundet und erholt sich ...' Dieser Diskussionsredner war der Schriftsteller An-ski (Rappoport) und dieser Abend war meine erste 1 Begegnung mit ihm." —i—;- Boykotfakfion der arahisdien HandeBska mmer! Aus Jerusalem: Die arabische Handelskammer in Jerusalem hat sich an die Konsulate mit dem Ersuchen ' gewandt, daß sie auf die Fabrikanten und Exporteure ihrer , Länder dahin einwirken mögen, daß diese ihre Vertretung arabischen Kommissionären übergeben. Diejenigen Fabriken, die in Palästina bereits durch jüdische Repräsentanten vertreten sind, mögen daneben auch arabische Vertreter bestimmen, da kein arabischer Kauf- . mann Waren durch eine jüdische Agentur beziehen werde. , Die Handelskammer beschäftigt sich bereits auch mit der Frage eines Boykotts jüdischer Waren.

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