Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 577 (17.7.1936)
- Date
- 1936-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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186 Preis 20 Groschen ffefag/ Jen 17* Infi 1#36 Tiö. I7nh. ,?t IMnlu *ttftfehfliifn** . vom Verleger versendet »niiot«. ' expMI6 pat rwitcur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN!' Oesterreich monatlich S 1.40, fierteijährtg 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlichZloty 1.50, Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verxväliung: IX, Universitätsstr.8,7el. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS' POLEN ii Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS I. Kärntnerstrane 41, R-n-wt Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Friedrichstrane 7, B.S7-300, i. Graben 20, U-t»-o-li Moskaus Hand in Palästina Aua London berichtet die J. T. A.: „Daily Mail" veröffentlicht einen Bericht aus Jerusalem, wonach Sowjetrußland einen nicht unbedeutenden Anteil an den gegenwärtigen Unruhen in Palästina habe. Laut diesem Bericht hat die palästinensische Polizei Beweise dafür gefunden, daß die Unruhen von Moskau gestützt werden. Nach Meldung des Blattes hat die Polizei überraschend eine Durchsuchung in einem verdächtigen Haus gemacht, in dem gerade eine geheime kommunistische Versammlung a-b^gehalten wurde. Hier wurden Rechnungen und Notizen Vorgefunden, aus denen ersichtlich sein soll, daß die Sowjetabteilung für den, Nähen Osten bedeutende Summen zu Propagandazwecken. nach Palästina uberwjtöse^^ _____ r " Hiezu meldet P. A. T. aus London: i -Nach einer Meldung der „Daily Mail" hat.dieengr lische Polizei festgestellt, daß die „Komintern" materiell die Fuhrer, der,;Araber-Revolte linterstütze. Sie hat kürzlich im Nordteil von Tel-Aviv den Generalstab der kommunistischen Partei entdeckt, der in engem Kontakt mit Moskau steht und von hier die Richtlinien zur Organisierung der . Unruhen erhalten hat. Die festlichen Zertifikate Palcor meldet aus Jerusalem: Die zweite und letzte Rate der Einwanderungs-Schedule für das laufende Halbjahr, bestehend aus 2000 Zertifihaten, ist heute der Jewish Agency von der Regierung übergeben worden. Die Zertifikate gelangen laut dem von der Agency-im Mai d. J. aufgestellten Plan zur Verteilung, Neue Judenhetze nach der Olympiade Gegen David Frankfurter. Aus Berlin wird gemeldet: Eine Straße und ein Platz in Berlin sind heute nach Wilhelm Gustloff, der in Davos von. David Frankfurter erschossen wurde, benannt worden. In informierten Kreisen deutet man diese Maßnahme dahin,. daß das Propagandaministerium ini Hinblick auf den bevorstehenden Prozeß gegen David Frankfurter einen Propagandafeldzug durchführen wolle, der auf den Verlauf des Prozesses in der Schweiz einen gewissen Einfluß haben soll. Der Fall Gustloff wird auch das Hauptthema des im September in Nürnberg stattfindenden Parteitages sein. Die informierten Kreise nehmen an, daß der nach Abschluß der Berliner Olympiade zu erwartende neue antijüdische Feldzug im Zeichen des Gustloff« Mordes stehen wird. Gestapo als Fremdenführer» Jüdische Institutionen in Deutschland erhielten von der Gestapo die Weisung, keinerlei Kontakt m.it ausländischen Besuchern, die etwa' die Judenfrage zu studieren wünschen sollten, zu unterhalten. Solche Besucher, die sich in dieser Sache an Juden wenden, sind an die Gestapo zu verweisen. Andererseits hat das Propagandaministerium die Führerschaften angewiesen, die amerikanischen und anderen ausländischen Besucher in die speziellen jüdischen Cafes am Kurfürstendamm zu führen, um ihnen zu zeigen, daß die Juden sich frei bewegen dürfen. In Wirklichkeit werden diese Cafes hauptsächlich von ausländischen, nicht laber von deutschen Juden besucht. Unter den mehreren tausend Amerikanern, die bereits zur Olympiade in Berlin eingetroffen sind, befinden sich keine Juden. Aus New York wird aber gemeldet, daß zwei amerikanische Juden, Sam Stoll aus Michigan und Marty Glickman aus Syracuse, bei der Olympiade, und zwar im 400-Meter.Stafettenlauf, starten Werden. ,(J. T4 A.)j Gefahr der Einwanderungssperre hinausgeschoben Ein «foitisirisdier Teilerfolg Aus London wird berichtet: Von zuverlässiger Seite wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß das englische Kabinett noch keinen formellen Beschluß, die jüdische Einwanderung nach Palästina einzustellen und eine kgl. Kommission nach Palästina zu j entsenden, gefaßt hat. Es ist auch nicht zu erwarten, daß innerhalb der nächsten vierzehn Tage Maßnahmen dieser Art getroffen werden. Der J. T. A. wird weiters mitgeteilt, daß . von Palästina aus ein starker Druck auf die Londoner Regierung ausgeübt wird, daß die Einwanderung vorübergehend eingestellt und die Untersüöhungskdmmissiön sofort entsandt werde. Bis gestern herrschte die ernste Befürchtung, daß die englische ^gierütig diesem Druck in den nächsten Tagen ttächgebeh we^de. Die zionistischen Führer hätten einen harten Kampf zu; besteheii, um die Regie;rpng zii veranlassen, an ihrer bekanntgegebenem Politik, der , Gewalt keine Zugeständnisse zu machen,; .festzuhalten und die kgl. Kommission nicht zu .entsenden, bevor nicht die |Ordnung in Palästina' w£eä^ Man glaubt heuie^. daß dieser Kampf zu; einem - Teilerfolg geführt hat. Die Regierung wurde bewogen, geplante sofortige Schritte zurückzustellen und weitere Anstrengungen zu machen,, um « v o* e r-s t d i e Ö rd n u n gf "I n Palästina wiederherzustellen. Jüdisch-politische Kreise stellen eine leichte Besserung der Lage gegenüber den letzten Tagen fest. Sie bezeichnen sie als noch immer sehr ernst, jedoch nicht als hoffnungslos. Weizmann und Ben Gurion in London David Ben Gurion, Vorsitzender der Exekutive! der Jewish Agency in Palästina, ist am Dienstag, 14. Juli, mittels Flugzeugs aus Palästina in London eingetroffen. Präsident Dr. Chaim Weizmann, der in den letzten Tagen in Paris geweilt hat, wo er vom Premierminister Leon Blum in längerer Audienz empfangen wurde, ist ebenfalls heute nach London zurückgekehrt. Das Eintreffen Weizmanns und Ben Gurions in London steht im Zusammenhang mit der Zuspitzung der politischen Lage hinsichtlich Palästinas, die hervorgerufen wurde, durch das Eintreten gewisser einflußreicher Persönlichkeiten für eine vorübergehende Einstellung der jüdischen Einwanderung in Palästina. Kommission ernannt Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist die vom Kölonienminister Ormsby-Gore vor einigen Wochen'im englischen Unterhaus angekündigte Ernennung einer Royal'Gommission zur Untersuchung der arabischen und der .jüdischen Klagen, und Forderungen in Palästina bereits erfolgt. Sie besteht aus fünf britischen Persönlichkeiten, deren Namen zu einem späteren Zeitpunkt beaknntgegeben werden sollen. (J. T. A.) Jeden Sonntag » billige Sonderfahrten mit „Francopol" nach Polen und Czernowitz Nächste Abfahrt: 19. Juli früh „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Telephon U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Cornaron, VII, Mariahilferstraße 42, Telephon B-38-2-6S_ $ Was jedem Pogrom vorausgeht In London gab es kürzlich im Unterhaus gelegentlich der Beratung über das Budget des Innenministeriums eine Debatte, wie sie seit Bestand des britischen Parlaments nicht zu verzeichnen war. Der Abgeordnete Pritt stellte nämlich den Antrag, den Budgetposten für die Polizei um den Betrag von Pf. St. 100 -rals symbolischen Akt — zu verringern, mit der Motivierung, daß; r,in letzter Zeit die freie politische Meinungsäußerung dauernd von der Polizei unterbunden worden Bei, während andererseits' ihr {Verhalten gegenüber der Tätigkeit faschistischer. Gruppen Beunruhigung verursacht und den begründeten Verdacht erweckt habe, daß sie unter Einflüssen ptehe, die sie für eine Begünstigung der Faschisten gewinnen wollen," Die Behauptung stützte Pritt mit einer Reihe von Beispielen, in denen, die Polizei fürdie faschistischen Hetzer Partei genommen habe, Die Beispiele sind überaus bezeichnend, Ihre Melodie ist unserem Ohr nicht fremd, In einer-faschistischen Versammlung erklärte — so erzählt Pritfc —i ein Redner: „Was den Juden in Deutschland geschehen ist, ist nichts gegen das;1 was - wir mit ihnen tun werden, wenn wir an die Macht kommen." Und die zwei zuhörenden Polizisten sind mit' albernem Grinsen danebengestanden. In einer anderen - Versammlung War zu hören; „Während ihr im Krieg, gekämpft habt,, haben, die Juden euch Verdienst und Heim gestohlen," Und schließlich tauchte auch die Rituaimordlegende auf, ja. zw, in der Zeitschrift i.ber Faschist", den eine verteufelte Aehnlichkeit mit gewissen Haken« kreuzerzeugnissen habe, „Diese alte grausame, brutale Behauptung", rief. Pritt aus, „ging jedem Pogrom in Rußland und in Polen voraus. Wenn die Regierung nicht einschreitet, dann wird sie einem Pogrom auch hier In England vorausgegangen sein. Die Laxheit der hauptstädtischen Polizei hat solche Veröffentlichungen er-, mutlgt, Wenn auf die Regierung nicht ein Druck ausgeübt werden wird, daß mit diesen Dingen Schluß gemacht wird,, dann wird England noch mehr seinen Ruf als ein Land der Redefreiheit verlieren. Wir werden auch noch den Ruf als ein Land, in dem Gewalttätigkeiten selten sind, verlieren!" Auch die weiteren Reden sind interessant. So die xier Herzogin von Atholl, die ausführte, daß eine judenfeindliche Propaganda seitens der „National Workers Party" (eine Nachahmung der reichsdeutschen nationalsozialistischen Partei) in Versammlungen ehemaliger Kriegsteilnehmer gemacht werde, daß „Rassenhaß" (!) jn •Stadtteilen getrieben werde, wo es jüdische Kaufleute und Angestellte gibt, ohne daß die Polizei einschreite, so daß die Empfindung herrsche, daß die Polizei irgendwie mit den Faschisten in geheimem Einverständnis stehe. Erinnern wir uns an die Jahre, wo die Wiener Nationalsozialisten, insbesondere die Hochschüler, vor der Universität und auf andern öffentlichen Plätzen ihr „Juda, verrecke!" schrien, ohne daran gehindert zu werden! Erinnern wir uns daran, daß man mit optimistischem Gleichmut diese Erscheinungen als harmlos und vorübergehend bezeichnete und mit der bekannten „österreichischen Gemütlichkeit" rechnete! Selbstverständlich gab es im Unterhaus Stimmen, die die Polizei in Schutz nahmen. Hingegen führte der frühere Arbeitsminister George Lansbury aus, in allen Vierteln des East End herrsche ein wahrer Terror gegen die jüdische Bevölkerung. Er glaube, das Innenministerium hätte manche Vorkommnisse, die allwöchentlich in gewissen Stadtteilen sich ereignen, verhindern können. Der einfache Bürger in an- Billige und bequeme IRUT-Sonderr eisen..ad, Polen u. Czernowitz am 19. und 26. Juli 1936 „IRUT", Wien I, Karlsplatz 1, Telephon U-44-5-79