Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 576 (14.7.1936)
- Date
- 1936-07-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wr. m vöa 14. m im tm MÜH W«LT Seit* Meir Großmanii In Wien! Öte Judenstaatszionisten Oesterreichs benutzten die 'Anwesenheit Meli' Gfößffiäflns, Vorsitzenden döf Judeiistaatspärtei, um gemeinsam mit ihm tmd &hderen jtldett« ataatierischeä Persönlichkeiten eine gründliche Ansprache über" äiie aktuellen ziöhwtisehett Probleme, insbesondere im Zusammenhang mit der -gegenwärtigen Situation ifl Palästina, zu pflegen. Die Versammlung könnte zunächst Prof. Solomon fj 1 p t z i n (New York) begrüßen, der in Amerika den Judenstaatsgedanken propagiert und bereits eine gutausgebaute Judenstaatsorgähisäticm geschaffen, hat Prof» Liptzin ist es zu verdanken, daß in den Vereinigten ätäätöö. Herzls Jüdenstäatsgedättke FUß faßt und in Kreise eindringt, die bisher der zionistischen Frage teils verständnislos, teils ablehnend gegenübergestanden sind. Baruch Weinstein (Palästina) hat soeben eine Reise durch Polen, Galizien, Litauen, Lettland und Rumänien absolviert und liiebei wertvolle Erfahrungen gesammelt. Seihe Ausführungen gipfelten darin, daß die schwere wirtschaftliche Lage der Judenheit dieser Länder sich auch auf die politische jüdische Arbeit auswirke und der Zionismus die einzige Kraft sei, welche den Juden die nötige moralische und politische Stütze geben könne. Bezüglich der Festigung des" JudenStäätsgßdankens in den osteuropäischen Ländern sei Optimismus nicht unberechtigt. Meir Großmann, der sich nach seiner Amerikä- RSisö längere Zeit in London aufhielt, berichtete über seihe Tätigkeit im Rahmen der Londoner Exekutive (gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. MäChower), weiche vor schweren Aufgaben steht. Die Tätigkeit der beiden bezog sich durchwegs auf zionistische außenpolitische Fragen, insbesondere auf die Maßnahmen, welche in Palästina, und in London zu unternehmen sind. Melr Gröl&männ unterbreitete der Exekutive eine Reihe von Vorschlägen, welche ausnahmslos angenommen wurden und u. a. die ©äsis des Zionistischen Abwehrkampfes gegen die Pläne des Kölönialämtes und der Palästina-Regierung bilden. Ueberaus aufschlußreich waren Meir Großmanns Ausführungen bezüglich der Hältung der englischen Presse Und der öffentlichen Meinung Englands. Meir Größmantt führte aus, daß in der ersten Zeit der Araberrevolte die englischen Sympathien auf Seite der Juden ständen, da in London die Auffassung herrsehte, daß es sich um feinen arabischen Angriff auf die Juden handle, wofür die Palästina-Administration verantwortlich sei. Dieser Auffassung stellte sich diö neue und alte palästinensische englische Beamtenschaft entgegen^ indem sie einen Propagandafeidzüg gegen diese Stimmung eröffnete und schließlich einen Umschwung in einem Teil der englischen ©Öffentlichkeit zuungunsten der Juden herbeiführte* Größe englische Zeitungen sind dieser Kampagne erlegen, äb daß Wir heute einer nicht unbedeutenden antijüdisöhen Front in London gegenüberstehen. Dr. MaChowCr arbeitet weiter kameradschaftlich mit der Zionistischen Exekutive in London, die nunmehr einen schweren Kampf gegen die antizionistische Stimmung auszutragen hat. Zwar haben die arabischen Förderungen bezüglich Einstellung der jüdischen Einwanderung bisher keinen Erfolg gehabt, aber von zionistischer Seite aus muß mit eindringlichster Aufmerksamkeit jeder Schritt der englischen Regierung zur Liquidierung der Arabefrevölte betrachtet werden. Es gibt tatsächlich gewisse Faktoren in Löfidön, welche sich die Gunst der Araber auf Kosten des jüdischen AufbaUwerkes erkaufen wollen. Meir Größmanh Schloß seihe Aus* führungen, daß nicht nur die Pälästihä-AdminiStratiöfl, sondern auch die Zionistische Exekutive in Jerusalem und London den Geschehnissen unvorbereitet gegenüberstand, und zwar nach außen und nach innen. Jetzt sei der Augenblick gekommen, wo die Förderung nach einer einheitlichen zionistischen Front in dem bevorstehenden Schweren Kampf erfüllt werden müsse. Die Judenstaätspärtei habe In diesem Sinne sowohl in Jerusalem als auch in Lohdön bereit.«» die nötigen Anregungen 'gegeben. * Oberbaurat Ing. Robert Stricker begrüßte die Versammlung, insbesondere den Vorstand der JudehstääUpärtei Meir Groß mann, das Mitglied der Weltexekutive Baruch Weinstein, Herrn und Frau P>öf. Solomon Liptzin (New York) und das Leitungsmitglied der Judenstaätspärtei Frau Ella Gold (Bukarest), weiters Herrn Dr. Jakob W o 1 n e r sowie die aus dör österreichischen Provinz erschienenen Gäste. Zionismus und Amerlkanlsmus Von A. Almi (New York) Vor kurzem fand hier In New York ein grolies zlötiistttehes Meeting statt, auf dem der .Innenminister der U, S. A. eine großangelegte Rede hielt, eine Rede, der in der heutigen Zeit besondere Bedeutung zukommt. Alle Amerikanischen tfeituflgön brachten sie vollständig, durch d&* Radio wurde sie übertragen, die großen englischen Journale zitierten große Teile: die Ausführungen, die wif hiel* teilweise wiedergeben, haben historische Bedeutung l Ein 81«atemanii ersten Bungen erhebt die Judenfrage m einer eiiropaischett, den Aufbau un* «erei Landes r.u einem ÄlvlIisatoriscMem Gfe»ehehen — Gedankengänge, die aich mit Herzls Konzeption decken« Uns Zionisten hät die Rede nicht überrascht, sondern — befriedigt. Diese Rede sollte man jedem Assimilanten, jedem Juden, der meint, Staatsbürger und Zionist widersprächen einander, ins Haus schicken . . . Nütt die Rede: „... Es ist mir eine große Ehre, Ihnen heute den Gruß des Herrn Präsidenten der U. S. A. überbringen zu können. Er läßt Ihnen durch mich sagen, daß er mit großem Interesse Ihre Arbeit betrachtet. Er bevollmächtigte mich, hier zu erklären, daß er Sie als einen integralen und wertvollen Teil unserer Nation betrachtet; er ist tief erschüttert und besorgt, weil gewisse Völker dieser Erde zurückverfallen sind in eine Zeit — von der jeder aufgeklärte, moderne und zivilisierte Mensch gehofft hat, daß sie überwunden sei und niemals wiederkehren werde: er verkündet seine tiefe Ueberzeugung, daß es, solange man die Minoritäten, die zwischen den Völkern leben, ihrer Gedanken- und Religionsfreiheit berauben wird, solange man ihnen die normalen Lebensmöglichkeiten grausam nimmt — zu einer wahren und permanenten Verständigung der Völker nicht kommen kann. Er drückt die Hoffnung aus, daß die Vernunft und die Gerechtigkeit Schließlich doch in dieser zerrütteten Welt die Oberhand gewinnen werden, und er erklärt: Die amerikanische Regierung wird stets ihren vollsten Schutz den Minoritäten ähgedeihen lassen! Sie steht auf der Wacht, die Rechte der Minoritäten nicht antasten zu lassen! in meinem Namen kann ich nur sagen: Diese Bewegung, welche sich zum Ziele setzt, in Palästina für das jüdsche Volk ein Heim zü bauen — hilft nicht bloß dem eigenen Volke, sondern auch der Zivilisation. Es ist eine Bewegung, die nicht Schiffbruch leiden kann, ein Streben, das von Erfolg gekrönt sein muß! Ohne Rücksicht auf lür Gelegenheitskäufe Wien Vlli, Sta dtbäh n viadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 die ungeheuren Schwierigkeiten, welche sich Ihrer Arbeit entgegenstellen —• teils solche, die durch unvorgesehene Umstände geschaffen, teil solche, welche bewußt künstlich in den Weg gestellt wurden — hat das jüdische Völle, wundervolle Fortschritte in Palästina gemacht. ES erfüllt mit Genugtuung zu sehen, was dieses verfolgte jüdische Volk dort geschaffen hat, wie der jüdische Genius, weflh er sich frei auf seiner Scholle entfalten kann, Wirkt: eine Währhaft heroische Leistung, vor der jedes zivilisierte Volk mit größtem Respekt und größter Hochachtung stehen Sollte! Soweit historische Chroniken urtd archäologische Forschungen reichen, erzählen sie, daß das jüdische Volk mehr als jedes andere, ein Opfer der Unwissenheit seiner Näöhbarn gewesen ist, einer Unwissenheit, die ihren Ausdruck in Vorurteilen, Verfolgungen, Intoleranz Und Haß ffthd. Bin Volk mit weniger Kraft und Mut als das jüdische; Wäre schon längst untergegangen. Hier offenbart Sicht die unendliche Kraft deä jüdischen Glaubens, des jüdischen ewigen Genius, der jüdischen Philosophie. Das jüdische Volk war stets ein Volk geistiger Vision. Propheten und Heilige hat Cr hervorgebracht und der Menschheit gegeben — nicht Kriegsführer, nicht Unterdrücker fremder Völker, Länder und Kulturen; Dichter urtd Denker sind die Repräsentanten — nicht Despoten und Diktatoren... Die Leiden des jüdischen VOlkes in den europäischen Ländern sind, gleich der Sklaverei im alten Aegypten, bloß vorübergehende Episo- : ^\.:.:^Ö^.' WrlA«»; ' ■■7v>m- ''Zr-*v- ■. v';«^>;>^ >U»'kJ-' ' £%k' ■ w. . . öWrt iiB.i Von S 2 Wochenraten erhalten Sie alle Qegenatande in SiröBler Auswahl und bette? Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burgsasse 132*194 1616 p hOn B-$2r2-i4, B-35-6»$> den in der Geschichte des jüdischen Volkes auf dem Weg« zum endgültigen Triumpn. Öer Auflmu In Palästina ist da* WahrÄClehen der neuen Zivilisation, weithin leuchtende ftytn» hol für die VHlfcr dieser ßrde. Und jenen .luden, die sich nicht Identifiziert;« wollen mit dieser Bewegung, jenen Juden, die au« welchen Motiven und Urberlegurtgen immer dieser Bewegung nicht ihre ganze Kraft und Energie widmen, kann ich, ein NiGhtjudo, nur sagen: fcs gibt Ittr das jüttisett« Volk, Am heißt, für jeden einzelnen »ludet», welcher Klasse, welcher Schichte, welches Bertifes Ittimer, mir eine Aufgabe, ein Ziels den Aufbau de» Jüdischen I»ftn* des Er e« Israel! Und es gibt in der heutigen aeit auf der ganzen Erde kein Werk, welches seitens jedes zivlislerten Menscheh eine größere Sympathie äls dieses verdiente! Nehmen Sie zur Kenntnis, daß ich, und mit mir jeder echte und ehrliche Amerikaher, nicht den geringsten Widerspruch zwischen Amerikanismus und Zionismus finde! Man kann der beste Amerikaner und der treueste aktivste Zlonlst gleichzeitig sein. Wir betrachten Sie, wie gesagt, als ein sehr wertvolles Element unserer amerikanischen Nation und äls Pioniere der neueh wahren Menschheitsziviiisätion. Sagen Sie das jedem Mitglied Ihres Volkes!" J* Für Kinder von 3 Jahren aufwärts. Beste Erfolge auöh bei schlecht äsenden u. schwerer erzlehbarAn Kindern. Erstklassige Verpflegung. Von Aerzten empföhlen, Sport, Spiel, Unterricht, ß ä n 2 j ä H r I g g e Ö f f ri 8 t jetzt SCHUB£ßT^(LflTZ 3 BN NEU ÄDÄPTSEßTER VSLL Stepiiairt tun fflifl EAen an Aus Genf wird gemeldet: Der Brief von Stephan ,Lux an das Generalsekretariat des Völkerbundes, in welchem Lux seinen Freitod im Völkerbund-Saal damit begründet, daß er das Gewissen der Welt gegen die grausamen Judenverfolgungen in Deutschland Wachrufen wolle, ist immer hoch nicht der Öffentlichkeit übergeben Worden. Dagegen liegt bereits der Text des Schreibens vöh Stephan Lux an den engischen Außenminister Sir Anthony ß d e n vor, in welchem nicht von den Judenverfolgungen, aber von der Gefahr des Dritten Reiches füt den Frieden der Welt die Rede ist. Der Brief beginnt mit folgenden Worten: Genöve, 1. Juli 1936. „Sir Anthony Eden! Wenn ein Mensch unmittelbar vor seinem bewußt und überlegt gewählten freiwilligen Tode das Wort ergreift, so hat er eiheh Anspruch darauf, gehört zu werden. Auch dann, wenn er dieses Wort an den 'Repräsentanten des immer ttöch mächtigsten Imperiums dieser Erde richtet.; Gestatten Sie mir also, Sir Anthony Eden, daß ich all das unerwähnt lasse, was meine unmaßgebliche Person näher beleuchten Und vielleicht erweisen könnte, daß ich audh ohtte den Umstand meihes etwää unterstrichenen Sterbens qualifiziert wäre, zu Ihnen zu Sprechen, und erlauben Sie mir glelth ih Medias reä einzutreten. WäS ich . zü Sägen habe, ist wichtig wie däS Leben Und ernst wie der Tod." Zum Schluß des Briefes heißt es: „Sir Anthony Eden, iöli bitte Sie mit meiner letzten Kraft: Schauen Sie den Tatsachen ins Gesicht,' werfen Sie die tödliche Apathie voh Sich, halten Sie sich nicht äuf mit nebensächlichen Formalitäten. Sie sind — verzeihen Sie, ein Töter darf das zu sagen wagen — zu jung" und zu begäbt, um schöix verknöchert zu sein. Sie müssen als MettSoh die Sprache eines Menschen verstehen, Sie müSäfert menschlich handeln. Reißen Sie die Initiative an Sich, Sie sind dazu berufen. Und wenn Ihr Kabinett vor lauter Üeberlegung nicht begreift, was wirkliche Mensohenpolitik ist, dann lassen Sie es weg. Ich rede nicht äls Dilettant — außergewöhnliche Gefahr rechtfertigt äußergewöhnliche Mittel. Treten Sie vor ihren jungen König, treten Sie vor Ihr Volk, klären Sie sie äüf. Sie werden Ihnen beide folgen, König und Volk. Und däs, Sir Anthony Eiden, kann noch die Rettung sein. Der beste Teil der Alten Welt Wird an Ihrer Seite stehen. Das große an Haupt üttd Gliedern erneute Frankreich mit, seiner alten kulturellen und militärischen Tradition, die gewaltige S ö W j e t u n i o n, die gesamte Kleine Entente, deren illustres Mitglied, der geniale Staatsmann Titu 1 escu, eben erst das klassisch schöne Wort geprägt hat: .Nicht den Völkerbund, die Menschen muß man reformieren*. Mächen Sie'sein Wort wahr, Sir Anthony Eden. Und Sie werden ohne Frage auch Italien neben sieh haben, wenn Sie es rechtzeitig gewinnen. Mit dieser Front aber, Sir Anthony Eden, können Sie die Verbrecher heute noch zwingen, denn sie sind ja, wie alle Verbrecher, feige und weiohett Sofort zurück, wo sie entschiedener Energie und festem Willen begegnen. Ich will inbrünstig daran glauben, daß das Wunder geschieht uhd der Töd eines käUm bekannten kleihen Schriftstellers, eines .unbekannten Sold&teü des Lebend, etwas Klarheit und Wahrheit verbreitet. In diesem Sinne grüße ich Sie, Sir Anthony Eden, mit den heißesten Wünschen, die Ihnen jemals ein Mensch sandte. In aufrichtiger ergebener Verehrung (gez.) Stephan Lux."