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Die neue Welt · 1936-07-10 · Heft 575 (10.7.1936) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 575 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NETTE WELT Nr. 575 vom 10. Juli 1936 Judische Auswanderung Der in Paris tagenden Internationalen jüdischen Auswanderungskonferenz ist ein Bericht vorgelegt worden, der eine Uebersicht über die judische Auswanderungsbewegung im letzten Jahrzehnt bietet. Es wird darauf hingewiesen, daß das Auswanderungsbedürfnis der jüdischen Massen des Ostens unvermindert anhält. Der Jahresdurchschnitt der jüdischen Auswanderung aus den osteuropäischen Ländern Ist im Jahrzehnt 1925 bis 1935 gegenüber den Jahren 1881 bis 1925 (in denen er 81.000 Menschen betrug) nur um 40 Prozent auf etwa 50.000 gefallen, obwohl Eihwanderungssperre und Einwanderungserschwerung in den meisten in Betracht kommenden Ländern die Möglichkeit einer Wanderbewegung außerordentlich einschränken. Im letzten Jahr, 1935, hat die Auswanderung mit 81.500 Seelen den Jahresdurchschnitt der Vorkriegszeit sogar überschritten, während es im gleichen Jahre unter den Nicht juden Ost- und Südeuropas eine Auswanderung so gut wie überhaupt nicht gab. Die Richtung der jüdischen Auswanderung hat in den letzten zehn Jahren eine durchgreifende Aenderung erfahren. Während in den Jahren 1881 bis 1925 72 Prozent der jüdischen Auswanderer in die Vereinigten Staaten von Nordamerika gingen, 10 Prozent nach Südamerika, 4 Prozent nach Palästina, 2 Prozent nach Südafrika und 12 Prozent nach europäischen und anderen Landern, sind in den letzten zehn Jahren von allen osteuropäisch-jüdischen Auswanderern 4 0,5 Prozent nach Palästina, 17,6 Prozent nach Nordamerika, 21,7 Prozent Südamerika, 3,5 Prozent nach Südafrika und 16,7 Prozent in andere Länder gegangen. Die größte Zahl jüdischer Auswanderer, nämlich 186.134, hat in den letzten zehn Jahren Polen gestellt. Im Jahre 1935 allein sind 30.717 Juden aus Polen ausgewandert. Das Ziel der Auswanderer aus Polen war bei 7 6.2 4 2 Palästina, bei 27.755 die Vereinigten Staaten, bei 15.466 Kanada, bei 38.098 Argentinien, bei 13.098 Brasilien, bei 4698 die Länder Mittelamerikas, bei 4378 Uruguay, bei 1550 Australien, bei 3774 andere überseeische Länder und bei 17.169 verschiedene Länder Europas. Aus Litauen sind etwa 18.000 Juden in den letzten zehn Jahren ausgewandert, davon 6084 nach Palästina, 344 nach Biro-B i d s c h a n. Von den 6000 lettländisch-jüdischen Auswanderern des letzten Jahrzehnts gingen 3100 nach Palästina, 1000 nach den Vereinigten Staaten. Aus Rumänien sind 22.272 Juden in verschiedene Länder ausgewandert, die meisten nach Nord- und Südamerika, Palästina und Südafrika. * Der Bericht erörtert weiter den Stand der jüdischen Emigration nach dem Fernen Osten. In Schanghai sind in den letzten fünfzehn Jahren etwa 5000 russische Juden aus Charbin eingetroffen; 2000 jüdische Einwanderer kamen aus Tientsin. Jüdische Gemeinden entstanden auch in Tsingtau, Hankau, Dairen und anderen chinesischen Städten. Die jüdische Bevölkerung von Mandschukuo, China und Japan wird gegenwärtig auf 16.000 Seelen geschätzt, das sind 11 Prozent der gesamten im Fernen Osten lebenden Europäer. AUS PALSSTINA Ein ruhiger Tag Der Donnerstag, 2. Juli, wird von den Beobachtern der Lage in Palästina als ein „ruhiger Tag" bezeichnet. Aber die arabische Bandentätigkeit ruhte auch an diesem Tage nicht ganz. In B e i s a n wurde ein jüdischer Laden niedergebrannt. In der Nacht wurden auf Moxa, -Artuf, Afuleh, Ramat Hakowesch und Tulkarem Schüsse abgegeben. Die jüdische Bevölkerung in der Stadt Safed leidet unter Lebensmittelmangel, da die Verbindung mit der Umgebung unterbrochen ist. Der Lebensmittelnlangel macht sich besonders im Hospital fühlbar. Es kam zu einem scharfen Angriff der Araber auf die Peripherie von Safed, in dessen Verlauf der Schuhmacher Misrachi getötet und drei andere Juden verletzt wurden. Viele jüdische Läden in der Nachbarschaft der Anglo-Palestine Bank in Jaffa wurden, nachdem sie drei Monate geschlossen waren, am Donnerstag wieder geöffnet. Ein starkes militärisches Detachement umstellte Hebron und durchsuchte die ganze Stadt nach Waffen. Es wurde viel Munition gefunden. Wieder Blutopfer Am Sonntag, den 5. Juli, kam es zu einer Reihe arabischer Ueberfälle auf britische Militärpatrouillen sowie zu Bombenwürfen und Brandstiftungen. Im Zentrum der Stadt Jerusalem verübte eine Terrorgruppe einen Feuerüberfall auf eine Gruppe Juden, von denen zwei schwer und eine Reihe anderer leichter verletzt wurden. Der am 29. Juni bei der Verteidigung der Kolonie Sichron Jaakob verwundete jüdische Wächter Schalom Smulewicz ist am Sonnabend im Hadassa-Krankenhaus zu Haifa seinen Verletzungen erlegen. In den jüdischen Kreisen, in denen man die Zahl der jüdischen Opfer zählt, wird Smulewicz als das 4 0. jüdische Todesopfer bezeichnet. In H e b r o n kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Arabern und Militär, wobei ein Araber getötet Und drei Araber verletzt wurden. Im deutschen Wohnviertel Jerusalems wurde eine Garage von arabischen Aufständlachen In Brand gesteckt. Die dort untergebrachten Automobile mxden fast alle vernichtet, der Rest Schwei: beschädigt;, , Zum erstenmal seit Beginn der Unruhen ist ein Angriff gegen die durch ihre heldenmütige Verteidigung Im Jahre 1929 bekannte Kolonie Hulda gerichtet worden. Der Angriff, der von 11 Uhr abends bis 4 Uhr morgens dauerte, wurde von den Kolonisten und jüdischer Hilfspolizei, mit Unterstützung einer später eingetroffenen englischen Maschinengewehrabteilung abgeschlagen. (J. T. A.) Arabische Rache Ein in einer jüdischen Orangerie bei Ekron beschäftigter Araber, der aus Furcht vor den Drohungen der Terroristen dort zu übernachten pflegte, wurde heute in einem Brunnen tot aufgefunden. (Palcor.) Gemeinsame Aktion von Agudas Jisroel und Misrachi Aus Jerusalem (J. T. A.): Agudas Jisroel und Misrachi setzten eine gemeinsame Kommission zur religiösen UeberWachung des öffentlichen Lebens des Jischuw in Palästina ein. Es ist dies der erste Schritt zu einem Zusammengehen der führenden jüdisch-orthodoxen Gruppen, des zionistischen Misrachi und der nichtzionistischen Agudah in religiösen Dingen. Dank an die jüdischen Autobus-Chauffeure Aus Tel-Aviv (23. Juni): Der Kommandeur des Militärquartiers in Sarafend lud heute jüdische Chauffeure der Autobuslinie „Egged" zu sich und dankte ihnen in warmen Worten für ihren Mut und für die aktive Unterstützung, die sie den Truppen während der großen Kampfhandlung in Nur-al-Shem gewährt haben. Er erklärte, er werde darüber seinen Vorgesetzten offiziell berichten. Eine besondere Belobung erfuhr der Chauffeur Jizchak Rabinowitsch, der im Kugelregen Munition heranbrachte. (J. T.A.) Fünfmal wöchentlich Luftpostverbindung nach Palästina Aus Jerusalem: Palästina hat jetzt fünfmal in der Woche eine Luftpostverbindung nach Europa und zugleich die schnellste Postverbindung, die es je von dort nach Europa gegeben hat. Außer dem bisherigen dreimal wöchentlich verkehrenden Flugdienst der Imperial Airways wird zweimal wöchentlich eine Maschine der holländischen K. L. M. fliegen, die den Weg nach Amsterdam in eineinhalb Tagen zurücklegt. Diese neue Verbindung geht jeden Dienstag und Sonnabend nachmittag aus Palästina, so daß also, wenn die angekündigte Fahrtzeit eingehalten wird, die Sendungen bereits am zweitnächsten Tag in Europa sind. Für die Benützung dieser holländischen Luftlinie gelten besondere Tarife; auch müssen die Sendungen mit dem Vermerk versehen sein, daß sie auf dieser Linie befördert werden sollen. Die K. L. M.-Flugzeuge verkehren auch zwischen Amsterdam und Prag, wobei die Flugdauer kaum drei Stunden beträgt. Auswirkung der Sanktionen auf den italienisch-palästinensischen Handel Tel-Aviv (Palnews). Ueber die Auswirkung der Sanktionen gegen Italien auf den italienisch-palästinensischen Handel liegen für die beiden ersten vollen Sanktionsmonate Dezember 1935 und Jänner 1936 statistische Ziffern vor. Der Import Palästinas aus Italien entwickelte sich wie folgt (in pal. Pfund): 1935/36 1934/35 November , , k . 42.577 38.192 Dezember ...... 16.872 41.423 Jänner....... 4.099 35.826 Der Export Italiens nach Palästina, der sich vorher auf durchschnittlich 40.000 pal. Pfund im Monat stellte, ist im ersten Sanktionsmonat (Dezember 1935) also auf rund 40 Prozent, im zweiten Sanktionsmonat (Jänner 1936) auf 10 Prozent des normalen Umfanges zurückgegangen. 30.000 Dunam neue Orangenpflanzungen 1936 Jerusalem (Palnews): Die Orangenpflanzungen jüdischerseits haben im Jahre 1935 einen starken Rückgang erfahren, da sich die Rentabilität in der vorletzten Saison 1934/35 ungünstiger gestaltete und eine Ueberproduktion befürchtet wird. Nach Schätzungen des Departement of Agriculture and Forests wurden von J u d e n im Jahre 1935 10.000 Dunam angepflanzt, von Arabern dagegen 20.000 Dunam — insgesamt also 30.000 Dunam. Die gesamte Orangenfläche hat sich damit von 265.000 Dunam per Ende 1934 auf 295.000 Dunam per Ende 1935 erhöht, davon befinden sich 160.000 Dunam in jüdischen Händen. Import von Milchkühen Jerusalem (P a 1 n e w s). In der Periode Jänner bis Mai 1936 wurden insgesamt 1376 Milchkühe importiert, die aus folgenden Ländern bezogen wurden: Holland ......„ , , . 417 Rumänien....., , . . , 375 Deutschland 333 Schweiz , < . « ■ ..... 186 Litauen *<.«..*.., 60 Irland........... 5 Insgesamt 1376 2,139.998 Dollar hat Joint aufgebracht Aus New York: Durch die diesjährige Kampagne des Joint Distribution Committee sind bisher 2,139.998 Dollar, fast dreimal so viel wie in dem gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres, aufgebracht worden. Insgesamt sollen dreieinhalb Millionen Dollar gesammelt werden. Für Hilfe an Juden in Deutschland, den Zufluchtsländern, Polen und sonstigen osteuropaischen Ländern sind in diesem Jahre 700.000 Dollar ausgegeben worden. Aufruf! Theodor Herzl hat uns den einzig möglichen Weg zur Lösung der Judenfrage gewiesen. Seinem schöpferischen Genie verdanken wir das wunderbare Konzept des Zionismus. Der große Baumeister entwarf den Plan für den Judenstaat und nach diesem Plane entwickelt sich der Bau. Angefangen von der Vorbereitung auf Palästina, von der inneren Einstellung und der äußeren Umstellung des Menschen bis zur Schaffung der einzelnen, im Lande notwendigen Institutionen vollzieht sich alles nach seinem Konzept auf friedlicher Basis. Wir sind auf Grund einer vom Völkerbund garantierten Deklaration ins Land gegangen und haben dort eine nationale Landwirtschaft, nationale Schulen, nationale Verkehrsunternehmungen, ein nationales Sanitätswesen, eine nationale Industrie, eine nationale Messe, eine nationale Schiffahrt und in den letzten Wochen auch einen nationalen Hafen geschaffen. Die Taktik und das Tempo richteten sich immer nach den Bedürfnissen der Zeit. Oft entstanden Einrichtungen für den Augenblick, die dann Notwendigkeiten für die Zukunft blieben. Theodor'Herzl träumte auch von Flugzeugen für sein Land. Er erkannte ihre Bedeutung als Beförderungs-, Rekognoszierungs- und Verbindungsmittel. Angesichts der jetzigen Vorfälle in Palästina ist es ein Gebot der Stunde, das nationale Flugwesen einzurichten. Ich verweise nachdrücklichst auf den jetzigen Streik der Araber in Palästina und auf die mit ihm verbundene Tendenz der Aushungerung des Jischuws durch Einkreisung und Blockade, und frage, ob auch nur ein einziger Jude in der ganzen Welt den Mut aufbringen darf, abseits zu stehen, wenn es um Abwehr geht. Mein Plan zur friedlichen Eroberung der Luft, nach der friedlichen Eroberung des Landes und der friedlichen Eroberung des Meeres hat in zionistischen Kreisen lebhafte Zustimmung gefunden. BJa ergeht daher an jeden die Auffordereng, zur Realisierung tatkräftigst beizutragen und dem bereits zu diesem Zwecke gegründeten Komitee beizutreten. Simon Advokat, Wien, II., Taborstraße 8 B, TäL R-48-2-42. Morris Sdiwariz an der Roland* Wie wir erfahren, setzt Morris Schwartz das im Bürgertheater begonnene Gastspiel mit „J o s c h e Kalb" in der Roland-Bühne (Neues Theater in der Praterstraße Nr. 25) fort. Es werden die bisherigen Dekorationen, Kostüme und Lichtanlagen verwendet, so daß das Meisterwerk der Schwartzschen Regiekunst unbeeinträchtigt von den neuen Raumverhältnissen zur Geltung kommen wird. Die Vorstellungen beginnen Samstag, den 11. Juli, um halb 9 Uhr bei Preisen von S 1.20 bis 6.20. Sonntag-Nachmittagsvorstellungen um 8)4 Uhr bei ermäßigten Preisen. — Der Kartenvorverkauf in allen Kartenbüros, sowie an der Kassa der Rolandbuhne hat begonnen. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Heut' ist der schönste Tag in meinem Leben. England: Die Dubarry. Frankreich: Wenn ich Rothschild wär' —. Liebe. — Leidenschaft. Amerika: Die Courtisane von Versailles — Mandaley — Hart an der Grenze — Der junge Arzt —• Rendezvous — Die tolle Marietta — Schenk uns die Nacht — Zum Küssen geboren — Broadway-Melodie 1936 — Top Hat — Desire — Schwarze Fahnen über China — Die neue Zeit — Wuschelkopf — Der schwarze Engel — General Sutter — Lerne lieben, ohne zu weinen — Musik um Mitternacht — Mädchen von heute — Ich lebe mein Leben — Der unsichtbare Strahl — Habe die Ehre — Ich bin eine anständige Frau — Das gelbe Gift —- Wir leben für. Liebe — Liebeskadetten — Reiche Herren bevorzugt — Unter der Peitsche — Ketten — Das Rätsel von Zimmer 309 — Die Schreckensinsel im Pazifik — Fräulein Wirbelwind — Schlafwagen Paris—Toulon — Der größte Gauner des Jahrhunderts — Seitensprünge —> Tom Mix räumt auf. Filme unter Arierparagraph Wqnn Menschen reif zur Liebe werden — Die lustigen Weiber — Die weiße Hölle vom Piz Palü — Der seltsame Gast — Der schüchterne Casanova — Der müde Theodor — Der König lächelt, Paris lacht — Die letzte Galavorstellung im Zirkus Barsony — Im Trommelfeuer der Westfront — Krach im Hinterhaus — Fährmann Maria — Rendezvous in Wien — Liebes-Intermezzo — Flitterwochen — Durch die Wüste — Der Außenseiter — Jana — Wenn d©r Hahn kräht — Ihr Freund, der Heiratsvermittler. „Fräulein Wirbelwind." Heute findet im Burg-Kino die Uraufführung dieses (neuen Lustspieles der Metro-Goldwyn-Mayer statt. In den Hauptrollen sind Evelyn Venable und Robert Young beschäftigt, während in den übrigen Rollen Frank Craven, Reginald Denny und Berton Churchill zu sehen sind. KINO.PROGRAMME O STAFA, VII b;sJa" ===a Mariahilferstraße 120 \ßi&ai+ei*ä$tii+Aß Telephon B-33-0-G8 «JPfHHVvfWWfyf? Wochentags: s, 7, 9 Uhi mit Kay Francis SCHÄFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: *Mt, Vit,, 'AB, ftio Liebe (Remous) Franchise Rosay, Maurice Maillot VOTIVPARK »■»J"B IX, Währingerstraße 12 \0ßtj)U *i*Miiita&iÖ Telephon A-18-3-96 ^0»H^|IWl*§&0 Btglnn; a, %6, %io mit Kay Francis

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