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Die neue Welt · 1936-07-10 · Heft 575 (10.7.1936) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 575 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 575 vom 10. Juli 1Ö36 DIE NEUE WELT Seite 7 ll&Usd^wcx I/o* Ben BactuU Eine Chassene im Städtel..., es macht sich kaum jemand eine richtige Vorstellung davon, Und wenn es gar, wie diesmal, um den größten G'wir, Reh Chaim, geht, den reichsten Mann, der seine jüngste Tochter verheiratet, dann sind alle Worte leer und nichtssägend und trocken. Solch eine jüdische Chassene kann man gar nicht beschreiben, man muß dabei sein. Sagt selbst, Rabojsai, läßt sich das Leuchten in den Augen der Chassidim, der echten Chassidim, schildern? Ihre heilige Ekstase, ihr Tan», der durch ein chassidisches Liedei angetrieben wird? Wie kann man auch von ihrem Feuer, ihrer Begeisterung, von ihrer Freude Ihm zu Ehren, von ihrem Aufgehen in Ihm erzählen? ... wenn sie sich tanzend und singend immer rascher im Kreis bewegen und die Enden ihrer langen seidenen Kaftane mittanzen und gar, wenn der Rebbe, der heilige Zaddik, in ihre Mitte tritt, um am Reigen teilzunehmen?, Oder ein anderes Bild: der Brautvater, die Brautmutter und das alte Großmütterchen (das Babele) stehen glücküberglänzt unter der Chuppe, vergießen Freudentränen und kurze Zeit später ist alles eitel Lust, ein Singen und Tanzen hebt an, Musik spielt auf, Kellner servieren) Badchen deklamieren, Ohasunim trillern!... Nein, Rabojsai, das muß man selbst mitgemacht haben. Diese Side} das ,iNachmittagsdiner", wenn an der einen Seite des Saales die Chassidim mit dem Rebben an der Spitze sitzen, an der anderen Seite die Frauen mit der Rebbezin! Alles ist da, niemand darf fehlen bei den feinen Leckerbissen, fetten Karpfen, gebratenen Hühnern, Kompotten, Eingemachtem, Obst, Wein, Bier Branntwein, Liköre und was dein Herz begehrt, allen jüdischen Kindern zugedacht! Mich kennt ihr, Rabojsai! Ich lasse mich nicht überraschen. Wenn ist denn schon Reichtum. Was kann Reichtum uns Juden bedeuten f Genug ■. reiche Menschen auf Gottes lichtiger Erde. Dem Reichsten, dem Schöpfer der Welt. — Ihm allein gehört unsere Ehrfurcht und Verehrung; nicht weil Er reich ist, sondern weil Er gerecht und barmherzig ist in seiner Gerechtigkeit. Und so frage ich mich immer: Wie ist der Mensch, wenn erreich ist? Wo finde ich in ihm den göttlichen Funken? Wo kann ich seine Seele fassen? Davon kann ich euch erzählen. Bei uns im Städtel gibt es einen alten Brauch, der besagt, daß man am Hochzeitstag seines Kindes auch eine--> „Side für die armen Leute machen müsse". Der Brautvater ruft alle armen Juden zusammen und bewirtet sie. Die Armen essen sich einmal ordentlich satt, trinken, soviel sie wollen, und bekommen noch obendrein ejn Almosen. Dann kommt die Braut] selbst, bewirtet gleichfalls die Armen und enipfängt Glückwünsche. Die Hauptsache aber besteht darin, daß die Armen dann am Abend die große Side verschonen und die noblen Hochzeitsgäste unter sich lassen. Was heißt aber bei uns Juden: Arme?... Fragst du Stepan, den Bauer, solch eine plumpe Frage, wird er dir ohne Umschweife sagen: Der, vjer nichts zu beißen hat! Fragst du hingegen Kralik, unseren Bürgermeister, wer das ist— ein armer Mann, so wird er dir antworten: Wer nichts verdienen kann! Keine dieser Erklärungen paßt auf unsere jüdischen Armen. Die sind aus anderem Holz geschnitzt. Wenn man < bei uns Juden das Recht haben will, den hohen Titel „armer Mann" zu führen, so muß man zweierlei sein: ein wirklich armer Mann, der nicht den Tag zu überleben hat, und —„a grober Jing". Und auf diesem „groben Jing" Hegt das Hauptgewicht. Mag er nur ein wenig gelehrt oder nicht einmal er, sondern sein Vater oder sein Großvater einen Tropfen Wissen aufgespeichert gehabt haben, so geht der Respekt vor dem Lernen und Wissen zurück bis hinauf ins sechste und siebente Glied, und er ist kein „armer Mann" mehr... Solch ein Mann geht nicht betteln oder schnorren, solch ein Mann besorgt bloß das Inkasso für das, was ihm zukommt, man muß ihm geben, man kann nicht ,^Nein" sagen, man kann ihn nicht an die Tür setzen, er ist doch ein Enkel von jenem Gelehrten und Wissenden. Er kommt zu dir, erzählt dir von seinem „Jiches", seinem Geistesadel, und du gibst ihm und so geht es weiter bis 120 Jahrf. Solche Honoratioren kommen nicht zur „Side" für die Armen, Gott bewahre, sie kommen zur Abendside beim großen Herrn, setzen sich obenan und spielen ihre Rolle. Auf unserer Arme-Leut-Side sind also nur bettelarme Leute versammelt. Die Schnorrer, die Landstreicher, die Lastträger und all die Blinden, Tauben, Stummen, Lahmen... Und doch sind es jüdische Kinder, die sich ehrlioh über die Chassene einer jüdischen Tochter freuen. Noch ein jiddisches Paar, das heißt, Gott sei Dank, noch etliche jüdische Kinder und den Feinden Israels zum Trotz — es nützt ihnen nichts! Das jüdische Volk ist ewig und sorgt selbst dafür... Solch einer Chassene kann, glaubt ihr, niemand fernbleiben. Und doch irrt ihr, es gibt noch Juden, die absichtlich nicht da sind. Weshalb? Keine Frage. Wenn man so eng beieinander lebt, wenn einer dem anderen in den Topf guckt, wenn man auf ein und demselben Markt ein und dieselben Waren verkauft, wenn man beim ,JPuretz" Getreide und Vieh einkauft, wenn man die gleichen Bauern zu Kunden hat und genau den Konkurrenten kennt, nun, kann man da ein Zaddik sein und sich nichts anmerken lassen, daß man auf ihn schlecht zu sprechen ist? Kann man sich an seinen Festen freuen, wenn er immer höher gestiegen ist und du selbst ein armer Schlucker, ein Hungerleider? Man ist doch nur ein Mensch. Es gibt also im Städtel Juden, die nicht kommen wollen... Und es gibt, auch solche, die man auf der Hochzeit nicht haben will, aus den gleichen Gründen, wie umgekehrt. Aber nichtsdestowiniger: Nicht haben wollen und doch eingeladen sein. Bei uns im Städtel gilt der Brauch: Wer ein Kind verheiratet, muß das ganze Städtel einladen. Der Einladung folgen allerdings — das ist eine andere Sache. Solch ein lieber guter Bruder, den man kraft Gesetz und Brauch einladen muß, ist Reb Uscher, der große und reiche Kaufmann Reb Uscher. Am Morgen nach der Hochzeit begegnen Reb Chaim und Reb Uscher einander. Wo? Im Beth Midrasch. Sagt Reb Uscher: ,Maseltow, Reb Chaim, viel Glück und Freud' an eurem Kind." Darauf Reb Chaim: ,Jdit euch sollte ich gar nicht reden... Hat es euch nicht gepaßt, bei meiner jüngsten Tochter Hochzeit zu sein!" Entgegnet Reb Uscher: ,£eid mir nicht bös, Reb Chaim, hört mich einen Augenblick an: Mir sollte es nicht passen, zu euch zu kommen? Ganz im Gegenteil... Aber sagt selbst, was sollte ich machen? Gestern ist plötzlich mein Weib Sosche krank geworden und ich mußte den Doktor rufen. Die ganze Nacht'bin ich an ihrem Bett... heute geht es ihr, Gott sei Dank, schon besser." Reb Chaim (splion weniger streng): ,jch glaub' es gerne, aber für ein paar Minuten, hättet ihr euch doch freimachen können. Das ganze Städtel war da. Hab' ich euch denn nicht eingeladen?" Reb Uscher: „Gewiß, ihr habt vollkommen recht, ich seh' meinen Fehler auch. ein. Aber was hätte ich tun sollen? Denkt euöh nur, gerade zu derselben Zeit kommt ein Eilbrief von meinem Sohn, ihr wißt doch, der nach Frankreich. gefahren ist.... Reb Chaim: ,Ja, und was stand in dem Eilbrief?" Reb Uscher: „Daß Seide bedeuten gestiegen ist und daß es ihm gelungen ist, eine große Partie noch zum alten Preis zu kaufen, und daß ich ihm sofort 3000 Rubel schicken soll, sofort ohne Verzug.., Und da liegt, denkt euch, meine Sosche krank und der Doktor kommt gerade, ich schwitze vor. Angst, denn jede Minute ist kostbar, tiann viel Geld und,viel Parnosserkosten. Es ist zum Verzweifeln. Aber, Gott sei Dank, ich. habe mir geholfen und alles ist in Ordnung.", Reb .Chaim: ,»Ja, bis.auf meine Side am Abend, an der ihr nicht teilgenommen - habt. Das kann ich euch nicht vergessen... Ihr nicht auf .meiner Side. Ohne euch hob' ich mich ganz anders < gefühlt, eine andere Simche Warum seid ihr nicht fagßtfgQgnJ«.., - •, ... Reb Uscher: „Teurer Freund, ich weiß nur zu gut, welche'.Verehrung und Hochachtung uns beide verbindet. Aber ihr seid Kaufmann: Kommt sich da gegen Abend ein JPuretsf (ungefähren mit vier Rössern und steigt bei mir ab und sagt: iid, ich habe 40 Ochsen zu verkaufen; Willst du kaufen? ... Aber Puretzleben, sag' ich zu ihm, wer hat heute Geld für kO Ochsen? ... Geht mich nichts an iid, erwiderte er, entweder verschaffst du dir in einer Stunde soviel Geld, daß du mir 40 Ochsen auszahlen kannst, oder ich fahr' zu einem andern und du darfst meine Schwelle nicht betreten! Nun, sag' ich euch, Reb Chaim, hob' ich geglaubt, meine letzte Stunde hat ge schlagen. Zuerst dachte ich daran, zu euch zu laufen, ihr, mein guter Freund, hättet mir sicherlich nicht einige hundert Rubel auf einige Tage abgeschlagen. Sicher nicht. Aber da hob' ich mich erinnert, daß ihr Chassene macht \t,nd andere Sorgen im Kopf habt, und so bin ich zu Reb Schmerl gelaufen und habe richtig die 40 Ochsen bei dem Ohaserfresser gekauft... Aber des Nachts konnte ich tlicht schlafen, Gewissensbisse peinigten mich, weshalb ich nicht bei euch gewesen bin. Schrecklich, schrecklich, ich wußte, daß eure Freude, eure. Simche eine ganz andere gewesen wäre, wenn ich teilgenommen hätte. Aber Er Hat mir all* diese Dinge zugeschickt, man muß sie mit dankbarem Herzen annehmen. Nicht so, Reb Chaim?" .; „Gewiß, mein guter Bruder, alles liegt beim Reboine schel oilem; was er beschert, ist gut, auch wenn es schlecht scheint, Kämmen oder. N.ichtkommen.., alles gestimmt Er, und es ist gut so... Amen." \ Und Reb Usoher,: ,Amen.", ■'. ,Ja, Rabojsai, so ist's bei uns im Stüdteh Der. eine muß einladen, der andere kommen; der eine muß fragen, der andere muß sich verantworten, und schließlich ist alles in Ordnung: Er will es, ihr wißt gar nicht, Rabojsai, wofür alles Sein Name gebraucht werden k\ann..." chische Regierung, die spanische Staatsangehörigkeit dieser Familien anzuerkennen. Das neue Abkommen bereinigt die Situation endgültig. Von den ursprünglich in die Liste aufgenommenen 293 sephardischen Familien erhalten nur 144 die spanische Staatsangehörigkeit, während die übrigen als griechische S t a a t sangehörige gelten. Zuerkennung der spanischen Staatsangehörigkeit an griechische Sephardim ' Aus Athen (J. T. A.): Die Regierung hat der gesetzgebenden Versammlung ein Dekret vorgelegt, durch das die Zustimmung zu einem 'am 7. April 1936 zwischen den Regierungen Griechenlands und Spaniens getroffenen Abkommen Uber die endgültige Zuerk'ennüng der spanischen Staatsangehörigkeit an 144 in Griechenland lebende sephardische Familien erteilt wird. Durch dieses Abkommen wird ein seit zwanzig Jahren strittiges Problem gelöst. 1916 wurde nach einer Intervention Spaniens bei der griechischen Regierung eine gemischte griechisch-spanische Kommisjsion eingesetzt, die eine Liste von 293 sephardischen Familien zusammenstellte. Doch weigerte sich die grie- PENTA K 5) amen* ^>p<fjfottttttct» tfleibitttg: öattft - SMrnbl - »lufen 8 1.80,£upHtretonne- . JHeiber S. 8.90, Schotten * 3ep*)ir - SDirnbl S 3.50, (Sommer - Sdjlaf» röcfe 8 3.90, a3lumen-3)irtibln mit aßa'tfjfeibenfc&Ürge S 3.90. £rad)ten»35ttnbln m. Ä.-Selben» Sdjürge S 5.90, Setben- ScricD^Icibct S 5*90, breiteilige Salaburger*2)irnDln mit Stufe .unb S#r*e S 7.40, Seiben* 2JKngot-3m|mmeftleiber S » 80, SI.-Selben«#lamlfoI Sporttteibet (uttfer Schlager!) 8 14.90, gummierte S einen -SKegenmantel mit 9Hngberfdjtu&, alle Sar&en, 8 : 18.90, SDamen * Semen --Sdml&e, jieljen* unb ferfenfret S 4.90 SebersO&anfeJVH ©r'Öjje 35-41 S 5.90. m* das Ätinb: SSoile * Smprfoteßteibdjen @r.60, S ».50,3e^ir- Etrnbtn S «.»0, ßnaben-Seinen« Soppe S ».50, SnaBett * §aferl- £ofe S JU50 l<3etbetts@$laget: ®.- Setben * üftongol* Smprime, SefftnS 1986, S 3.50. 2Bafd)ftoffe: Snbantfirett-^efe« ftoff, 80 cm breit,. per 2ßeter nur n 69©roftfjetn -A I ®tamta*3mprim6 " ™ für $odjfommer-' Oelber, per 3Heter ©rollen, Sföler Srad&tenftoffe für ftile^te $trnbln 98 ©tOfÖjen, Sport-; leinen - Smprime, ftünftlerbtucEe' 98 ©rafften* Scihcnftoffc: $Ur©abu.etrani>: Crimen * ©djaflöoll * 23abe* an^ug, alle ©rii^en 8 1.98, . ISacquarbeöabeangug, Äüftenldjnitt, mit Prägern, 8;3.50, aparte Straub* Hainas, neuefte Saffon, S 0.50, 2Beefeub<§aub" taf&en, mit fftei&tierfcfjluft 8'j'i cm lang, 8 3 90, $aVtp!atten - 23abe * ftoffer, 45l cm lang, S 8.50, f)ö3cf)cn 98 ©cofthen, ftnjeftvüwpfe, befonbers 8 1*45, Siegtftü&le, mit betj>annung. ab S 3.90, gefttette Sidjler Söejteu, mit Halbärmeln, 8 «.90, ©cmober SdjaftooU-^uUotier 8 8 90. ftftr fcett $>txxxi\ Jßanama^iepp^olO'^emben S 8.90, $rfcoftlf - Stci - §emben 8 4.90. Hemberg* Säidjefeibe,, fjerrl. Sarbeu, p.M.S l.50,r ^.«•©eiben» Seineu für eleg. Sport* , fleiber.lOObr.,1 S 1 98 Üflattcrepe* Groque. 90 6r. S « 90. Seiben*9te6* Söaf Reiben* fetnmafdjtg, Snbautljren* S><2 m ifcfe Holen S grau ober brap Sägerleinen »3onf er 4.90, bagu paffenbe 8.9», fila. elKVen/ @pori*Sa«o8 S 89,—

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