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Die neue Welt · 1936-07-10 · Heft 575 (10.7.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 575 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 575 vom 10. Juli 1936 DDE NEUE WELT Seite 5 PaläitmasEinwanderung Jänner bis Mai 1936 Um 41 Prozent gefallen — Zahl der Arbeiter um 66 Prozent niedriger Jerusalem (Palnews). Im Mai wurden 2539 Neueinwanderer registriert (davon 176 nachträglich registrierte Touristen), demgegenüber wanderten im Mai 19 35 4602 Personen ein. Unter den 2539 Einwanderern befinden sich 243 Personen mit einem Mindestkapital von Pf. St. 1000.— 361 Arbeiter und 1040 Angehörige palästinensischer Einwohner. Insgesamt ergeben sich für die Monate Jänner bis Mai folgende Einwanderungsziffern: Kategorie JännerlMai 1936 Jänner/Mai 1935 Personen mit Pf. St. 1000.— Mindestkapital........ 1.965 2.731 Deren Angehörige................ 1.954 2.332 Freie Berufe mit Pf. St. 500.— Mindestkapital....... — 6 Deren Angehörige................ — 3 Handwerker mit Pf. St. 250.— Mindestkapital....... 129 183 Deren Angehörige................ 226 283 Personen mit Pf. St. 4.— Monatsrente.......... 66 58 Personen mit Pf. St. 500.— Mindestkapital........ 2 10 Deren Angehörige................ 5 9 Waisen..................... 9 2 Geistliche Berufe.................. 209 419 Deren Angehörige................ 366 . 835 Studenten ......,............. 635 367 Arbeiter........,............ 2.619 6.699 Deren Angehörige................ 1.739 6.433 Angehörige palästinensischer Einwohner......... 5.507 6.151 Sonstige..................... 237 119 Insgesamt.......... 15.668 26.640 Gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres hat sich die Einwanderung um 41 Prozent redualert. Am stärksten ist die Einwanderung von Arbeitern und deren Angehörigen zurückgegangen, die sich im Jänner—Mai 1935 auf 13.132 stellte, in diesem Jahre aber auf 4358 Personen, d. h. ein Drittel der Vorjahrshöhe zurückgegangen ist. Tragik der jüdischeit Ärbei£§lo§£gkdt Die Erwachsenen und die Jugendlichen Von Dr. A. Schmerler (Wien) ist eine Berufsumsducliftung derzeit möglich % Di» jüdische Arbeitslosigkeit ist ein Problem der Notlage weiter Kreise der jüdischen Bevölkerung; infolge ihrer sozialen und wirtschaftspolitischen Struktur und infolge der Gesamtwirtschaftslage. Sind doch jüdische Angestellte und Arbeiter aus der Urproduktion (Landwirtschaft, Bergbau) und aus wichtigen verarbeitenden Gewerben und Industrien (Eisen, Metall, Papier, Graphik, Chemie, Elektrizität) fast ausgeschlossen! Durch einschränkende Maßnahmen im Handel und Verkehr verschwinden allmählich ganze Berufe: Vertreter, Reisende, Bank- und Speditionsbeamte, Ratenhändler, Hausierer, Marktfahrer, Inkassanten usw. Dazu kommt, daß unter den zählreichen jüdischen ungelernten Arbeitern sich die in Krisenzeiten erfolgende Arbeitsbeschaffung der öffentlichen Hand (Straßenbau, Flußregulierung, Siedlungsaktion) nicht auswirkt. Im öffentlichen Dienst findet man schwer Unterkunftsmöglichkeit. Man ist oft der Meinung, daß eine Berufsumschichtung Remedur schaffen könnte, allein bei gründlicher Erfassung des Problems gelangt man zur Ueberzeugung, daß bei den gegebenen Verhältnissen von einer Umschichtung, d. h. von einer den Realitäten des Wirtschaftslebens entsprechenden rationellen Ueberführung jüdischer Schichten in werktätige Berufe unter Bedachtnahmc auf die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung nicht die Bede sein kann. Bei der jetzigen Struktur der Wirtschaft wäre die umschichtungsweise Ueberführung der Erwachsenen zur Industrie und zum Gewerbe nur durch Aufnahme von Juden als Arbeiter in die schon bestehenden Fabriken und Werkstätten möglich. Allein diese Aufnahme stößt auf Schwierigkeiten, da nicht nur der nichtjüdische, sondern auch der jüdische Fabriksbesitzer nicht gewillt ist, jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Traurig wirkt das Ausschalten des jüdischen Menschen aus dem Wirtschaftsprozeß, das durch die Nichtanstellung von Juden in jüdischen Unternehmungen vor sich geht. Diese Erscheinung ist bedenklich, denn sie bedeutet selbstverursachte Minderbewertung, Minderberechtigung und Selbstvernichtung — kein Wunder, daß bei den jüdischen Arbeitslosen Notlage, Hunger, Obdachlosigkeit, Abstieg, Verai'mung und Verelendung vorwiegen. Die Zahl der jüdischen Arbeitslosen und Erwerbslosen ist besorgniserregend. Welche Berufswahl trifft die jüdische lugend angesichts der derzeitigen Arbeitsmarktlage? Die Arbeitslosigkeit auf vielen Gebieten macht die Berufswahl für Kinder und Eltern zu einem ernsten und schwer lösbaren Problem, aber noch schwieriger ist dieses Problem der Berufswahl für jüdische Eltern und ihre Kinder, denn für sie besteht Arbeitslosigkeit auf allen Gebieten. Eine Tatsache muß festgehalten werden: Unsere männliche Jugend zeigt heute wenig, bzw. gar kein Interesse für den Verkaufs- und Büroberuf. Sie zeigt wenig Interesse für kaufmännische Berufstätigkeit, denn sie kennt allzu gut das Schicksal ihrer erwerbslosen Eltern. Der Großteil der schulentlassenen Jugend strebt Lehrstellen bei Mechanikern, Elektrotechnikern, Friseuren, Fleischhauern, Bäckern, Buchdruckern, Optikern, Gärtnern, Schneidern usw. an. In allen diesen Berufen sind die jüdischen Berufsanwärter fast ausgesperrt. Eine große Zahl von Berufen (Graphik, Chemie, Elektrizität) verschließt sich ihr automatisch. Oft ist der jüdische Unternehmer im erwünschten Beruf ohne Beschäftigung und kann daher die entsprechende Ausbildung nicht gewähren, die sozialen Lasten nicht tragen. Viele Berufe sind industrialisiert, bzw. mechanisiert — wie z. B, die K1 e i d e rkonfektion — und können daher keine Lehrlinge aufnehmen. Die Lösung der Aufgabe der Umschichtung in einer Zeit, in der alle Tore verschlossen sind, ist ungemein erschwert; doch müssen wir an die Aufgabe herangehen, der Jugend praktische Berufe zu erschließen. Nur wenn die jüdische Oeffentlichkeit in dieser vitalen Frage willig und verständnisvoll mitgehen wird, könnte man die Schwierigkeiten und Hindernisse der Arbeitslosigkeit der jüdischen Jugendlichen zum Teil beseitigen. Bei den gegebenen Verhältnissen muß in Ermangelung erwünschter handwerklicher Lehrstellen ein Groß- Mona-Lisa -Methode und -Präparate (Modellieren am lebenden Körper) Mms Emmy Fürholzer, geb. Schieß, Erfinderin der neuen Mona-Lisa-Massagemethode, einer Sensa* tion der Händetechnik. Durch vollkommene Kenntnisse der Anatomie und jahrelang erprobte Präparate wird für tiefersfehend angeführte Leiden vollständige Behebung schriftlich garantiert Sämtliche Stauungen und Störungen, benannt: Verfettungen, Verkalkungen, Wassersucht, Diabetes, Muskelschrumpfungen, Muskelsenkungen (auch bei zu großen oder Hängebusen), Lähmungen, Rheuma aller Arten können durch die Mona-Lisa- Methode und «Präparate gänzlich herausgearbeitet werden. Der Körper wird wieder jung in kurzer Zeit und für wenig Geld. Ohne Diät, Packungen, Bäder und Apparate. Schon nach fünf Massagen Erfolg ersichtlich u. fühlbar, Voranmeldung erwünscht „IIOIlffl-LiStl"! Plektron Hmo Emmy Fürholzer Wien I, Spiegelgasse 13, Telephon R-21-1-64B genz, der Bewältigung einfacher, technischer Probleme, des Gedächtnisses usw. Die Ergebnisse der Eignungsprüfung und der ärztliche Befund sind dann bei der Berufswahl ausschlaggebend. Weidie soziale Erscheinung wirkt im jüdischen Arbeitsnachweis zumeist deprimierendt Unter den vielen Tausenden vorgemerkter jüdischer Arbeitsloser sieht man im „Jüdischen Arbeitsnachweis" viel Unglück, Not und Leid. Und doch trägt man das jüdische Schicksal, wie man kann und muß. Und doch wirkt nichts so deprimierend wie die Gleichgültigkeit der jüdischen Arbeitgeberschaft den jüdischen männlichen Arbeitslosen gegenüber, in deren Reihen qualifizierte Arbeiter und Großkaufleute von gestern glücklich wären, eine Dienerstelle zu erlangen, um den Hunger ihrer Angehörigen zu stillen. * Jüdische Unternehmer! Wenn ihr Angestellte und Arbeiter braucht, wendet euch an den „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis", I., Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65. Ferien 1936 in Polen für Juden. Wio alljährlich, werden auch in diesem Jahr unzählige jüdische Familien ihre Ferien in Polen verbringen. Es ist uns gelungen, sehr günstige Arrangements mit einer Reihe von jüdischen Häusern in Krynica, Zakopane, Iwonicz, Truskawiec usw. abzuschließen. Alle näheren Auskünfte über diese Reisen erhalten Sie bei Dr. S. Tocker „In die Welt", IX., Liechtensteinstraße 2, wo Ihnen der Genannte bereitwilligst zur Verfügung steht. E r 4 * ' Sie mögen noch so hohe Ansprüche stellen: mit ' >::..>■;■■;■;.;■■■- v,,.../: :v^'!;-:;C:u^y*^ Chlorodont sind Tube S. -.90 Sie bestimmt zufrieden Oesterr. Erzeugnis teil der männlichen Jugend, die Vorliebe für technische Berufe hat, die technischen Fachschulen in Anspruch nehmen, deren Lehrziel in der Vermittlung aller für die technischen Arbeiten in Industrie und Gewerbe erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse besteht. Durch den Besuch dieser Schulen können dann Schlosser, Mechaniker, Gas-, Wasserleitungs- und Elektroinstallateure, technische Betriebsleiter usw. beruflich ausgebildet werden. Wie ist die Lage der jüdischen weiblichen Jugend auf dem Arbeitsmarkt? Die Berufswege für Mädchen smd viel günstiger als die für die männliche Jugend. Hier besteht die Tendenz, sich auf die typisch fraulichen Berufe zurückzuziehen. Dazu kommt, daß die heutige Frau sich bewußt ist, daß sie als Leiterin des Haushaltes, als Gattin und Mutter die ihr in ihrem eigenen Wirkungskreis zukommenden Arbeiten selbst zu leisten hat. Die Führung des eigenen Haushalts setzt hauswirtschaftliche Bildung, wie Koch- und Nähkenntnisse, Hauswirtschaftskunde, Gesundheits- und Kinderpflege, Erziehungslehre, Gartenbau u. a. voraus; denn nur diese Kenntnisse können das Gedeihen der Familie gewährleisten. Bei vielen Frauen ist heute steigendes Interesse für Fürsorge-, Pflege- und Erziehungsberufe wahrzunehmen. In der Tat finden Frauen nach entsprechender Ausbildung ein Betätigungsfeld als Kindergärtnerinnen, Kinder- und Krankenpflegerinnen, Erzieherinnen, Kunstgewerblerinnen usw. Ein großer Teil der Hauptschülerinnen findet die Möglichkeit der beruflichen Ausbildung für Verkauf und Büro. Ein Teil der Lehrstellensuchenden will das Schneidergewerbe und die .M p 4 i s t e r e i erlernen. Auch hier muß die behördlich genehmigte Fachschule für Schneiderei den Mangel an Lehrstellen ersetzen., . Was ist für die Berufswahl entscheidend? Bei der Berufswahl wirken sich drei Faktoren aus, und zwar die Berufsneigung, die Berufseignung und die Berufsmöglichkeit. Die Vorliebe des Kindes für einen bestimmten Beruf wird im Wege der Berufsberatung unter Berücksichtigung von Neigung und Begabung ermittelt. Erfahrene Aerzte untersuchen die körperliche Fähigkeit der Berufsanwärter, geschulte Psychotechniker erforschen durch Beratungsgespräche und psychologische Prüfungen den Grad der Allgemeinbegabung, der praktischen Intelli- Palästinamandat und Völkerbund Aus London: In Beantwortung einer Anfrage stellte Kolonienminister Ormsby-Gore im Unterhaus fest, daß es keine Bestimmungen gibt, auf Grund welcher dter Völkerbund das einem Staat übertragene Mandat für ein bestimmtes Gebiet diesem entziehen könnte. Der kommunistische Abgeordnete Gallacher hatte gefragt, ob es der organisierten arabischen Gemeinschaft Palästinas erlaubt werden würde, der Mandatskommission des Vökerbundes eine Beschwerde über die Art der Verwaltung des Landes vorzulegen, und ob der Völkerbund die Frage der Entziehung des Mandats er- Berufe raschest SAUy jt Oorotheerg. 6 (Graben) «S^niri Telephon R-23-2-30 von 9 bis 6 Uhr wägen werde, wenn die Verwaltung der mit ihm betrauten Macht Unzufriedenheit bei der Mehrheit der ihrer Kontrolle unterstehenden Bevölkerung erregt. Kolonienminister Ormsby-Gore führte in schriftlicher Beantwortung dieser Anfrage aus: Es steht jedem Einwohner Palästinas frei, individuell oder kollektiv Beschwerden an die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes zu richten; es entspricht der Uebung der Regierung Sr. Majestät, alle derartigen zur Uebersendung erhaltenen Beschwerden und Petitionen weiterzuleiten. Was den zweiten. Teil der Frage betrifft, so möchte ich den Abgeordneten daran erinnern, daß es weder im Völkerbundpakt noch in den Friedensverträgen noch in den Mandaten Bestimmungen über die Entziehung des einer Macht anvertrauten Mandates gibt. r treffen sich m 1 bekannten Restaurant II, Hammer-Purgstallgasse 7 (Mähe Dianabad) Vorzügliche, abwechslungsreiche Mittag- und Abend-Menüs, schon ab S 1.60, Speisen a la carte und alle orientalische Spezialitäten am Rpst und Spieß. Telephon A-45-5-42

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