Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 575 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« i DIE NEUE WELT Nr. 575 vom 10. Juli 1936 ßxBERGMANN, Ii RABENSTEIQ3^ HIMMELPFORTG. 5 KÖLLNERHOFQASSE 1 E1HZ1G IH W1EH111 A Reinseiden-Herrenä%M hemden, b48te p**t0*m M nur Reinseiden Kniehose nur S 3.90 GRÖSSTE AUSWAHL Viele Sorten VrAermel-Hemden 1 ete. Tribüne Und die österreichische Verfassung? Ein Leser schreibt: „In der „Neuen Freien Presse" vom Sonntag fand ich folgendes Inserat: Die Gemeindearztstelle in Mönlchkirchen wird mit freier Wohnung wir sofortigen Besetzung an einen Arier vergeben. Bewerber wollen sich unverbindlich persönlich vorstellen. Reisespesen werden nicht vergütet. Gemeindeamt Mönichkirchen, Niederösterreich, Aspangbahn. Wozu haben wir denn in Oesterreich eine feierlich beschworene Verfassung, welche die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf Religion und Nation festsetzt? Ist sie dazu da, daß jeder Magistratsbeamte oder Gemeindevorstand sie einfach beiseite schieben und durch Gebote Adolf Hitlers und Julius Streichers ersetzen darf? Ich bitte Sie, geehrte Redaktion, mein Schreiben zu veröffentlichen, damit dieser Fall maßgebenden Behören zur Kenntnis komme. Aber auch die Juden, welche durch Prospekte dieses Gemeindeamtes eingeladen werden, die herrliche Sommerfrische Mönichkirchen zu besuchen, sollen wissen, ^yie es um die Verwaltung dieses Mönichkirchen bestellt ist. Hochachtungsvoll Dr. M. L." Treffpunkt der Strohwitwer Restaurant Barscha II, Große Schiffgasse 8, Telephon A-46-4^89 Bund jüdischer Frontsoldaden <Bh f.) Zwischen den Wiener jüdischen Organisationen und der Führung des B. J. F. ist es zu einem Konflikt gekommen, der in einem auch In unserem Blatt abgedruckten Brief eines zionistischen Frontkämpfers an die Bundesführung zum Ausdruck kam. Im Briefe wurde die Führung beschuldigt, daß sie unter Preisgabe des unparteiischen unpolitischen Programms den B. J. F. in den Dienst einer Mandatspolitik stellen will, ganz besonders bei den Kommenden Wahlen in den Wiener Kultusvorstand. Die Antwort der Bundesführung auf diesen Brief war keine eindeutige und ausreichende. Als~in der-Folge die Führung des B. J. F. alle zionistischen und einige nichtzionistische Organisationen zu einer „Einheits-Aktion" einlud, erfolgte eine fast allseitige Ablehnung. Der Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs ersucht um Publikation seines an die Führung des B. J. F. gerichteten Antwortschreibens, weil es sich um eine das jüdische Interesse tangierende Sache handelt. „An die Bundesführung des ,Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs', Wien, I., Graben 14. Sehr geehrte Herren! Sie waren so freundlich, den Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs zur Teilnahme an einer Aktion einzuladen, welche die Herstellung einer jüdischen Einheitsfront und einer Einheitsliste für die Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien bezweckt. Unser Verband strebt auch die Bildung einer einheitlichen Vertretung des jüdischen Volkes in Oesterreich nach außen hin an. Wenn er nicht in der Lage ist, auf das von Ihnen geplante Projekt näher einzugehen, so deshalb, weil Ihr Vorschlag nicht die Grundbedingung für ein gemeinsames Vorgehen enthält. Eine unerläßliche Grundbedingung ist: Absolutes Bekenntnis aller beteiligten Gruppen zur jüdischen Solidarität. Die Führer der .Union österreichischer Juden' haben durch Denunziation bei den Behörden die derzeitige Majorität der Judengemeinde der Korruption und des Mangels an Patriotismus beschuldigt, auf die Zertrümmerung der Judengemeinde hingearbeitet und das Ansehen des österreichischen Judentums in unqualifizierbarer Weise herabgesetzt. Wie Sie aus der Presse erfahren haben, hat die Behörde bereits die gebührende Antwort auf diese Denunziation erteilt. Wir halten es für undenkbar, mit den von Ihnen gleichfalls eingeladenen Unterzeichnern einer solchen Denunziation über .Einheitlichkeit' zu beraten und zu beschließen. Wir können auch nicht umhin, bei dieser Gelegenheit festzustellen, daß die Führung des B, J. F. es unterlassen hat, dieses schmähliche Vorgehen auch nurmit einem Billigste, angenehmste Erholung am Plattensee für Erwachsene, besonders aber für Kinder. Erstlkasslge ungarische u. Wiener Küche. Orthodox yy^ Pensionspreis ah S 5.—, bei größerer Familie ermäßigt. Seeaussicht. Elsen, Pension Bristol, Balaton-Szarszo III i I Worte klar und deutlich zu verurteilen. Die Duldung eines solchen Vorgehens läßt sich mit der von Ihnen gewünschten .Einheitsfront' nicht vereinbaren. Wir vermissen auch im Programm der Bundesführung ein klares Bekenntnis zum jüdischen Volkstum. Worte, wie .gutes Judentum', .bewußtes Judentum' und ähnliche Ausdrücke, welche weder in nationaler noch in religiöser Beziehung zu irgend etwas verpflichten, können nicht als ein solches Bekenntnis gewertet werden und die Grundlage für eine wirkliche Einheit bilden. fik Weekend und Heise die bestrenommierten -iiw Feinwurst Selchwaren Fleischkonserven la Qualität Auch Postversand Wir sehen uns daher zu unserem Bedauern genötigt, festzustellen, daß der von Ihnen erstattete Vorschlag keine Garantie für jüdische Einheitlichkeit und Solidarität bietet. Wir können daher Ihrer freundlichen Einladung nicht entsprechen. Mit treu-jüdischem Gruß: Verband der Judenstaatszionisten." * Zur Sache selbst sei bemerkt, daß die Führung des B. J. F. gut daran täte, darauf Rücksicht zu nehmen, daß der B. J. F. unter Berufung auf ein unpolitisches und unparteiisches Programm Mitglieder aller jüdischen Parteien gesammelt hat. Wenn die Bundesführung diesem Programm untreu wird, indem sie sich in innerjüdische Auseinandersetzungen einmischt und in Wahlkämpfe eingreift, dann trägt sie nur zur Verschärfung bestehender Gegensätze bei und untergräbt die eigene Organisation. Wer aus dem B. J. F. eine Partei macht, der richtet ihn zugrunde. II. er er Der in Wien abgehaltene Kongreß hat folgende Anträge und Resolutionen angenommen: Die heutige Lage macht die Bildung einer Einheitsfront aller Juden zur dringenden Notwendigkeit. Im Hinblick auf die Verdienste der jüdischen Frontsoldaten um ihr Land und das jüdische Volk fordern die Frontsoldaten maßgebenden Einfluß in der Einheitsfront und in den jüdischen Vertretungskörpern. Der Kongreß betont die Notwendigkeit der Einflußnahme auf die Erziehung der jüdischen Jugend im Frontkämpfergeist. ZwaEklassige private Jüdische Handelsschule kaufmännische WirtftChaltSSChtlle f. Knaben u. Mädchen Einjähriger Fachkurs / Abend« u. Spezialkurse für Herren u. Oamen Unterricht nach dem normalen Lehrplane der Handelsachulen (Erlaß des Bundesministeriums für Unterricht vom 12. Juni 1934, Z. 17620). Wien II, Taborsftr. 39 (Bayrischer Hof) Aufnahme in der Direktionskanzlei: An Werktagen von 10 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 5 Uhr nachmittags. — Samstag geschlossen. Der Kongreß gründet ein „Komitee für den Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer" mit dem Sitz in Wien. Es wurden gewählt: Zum Präsidenten Bundesf Uhrer Hauptmann Edler v. Friedmann (Wien), zu Vizepräsidenten Kraditor (U. S. A.), Sarna (England), Vanikoff (Frankreich), Generalsekretär Ernst Stiaßny (Wien). Zur Erinnerung an die gefallenen Frontkämpfer wird in Palästina ein „Erinnerungskonservatorium für Musik" gegründet. Der Kongreß fordert das Verbot der Rassenhetze und der antisemitischen Propaganda in Wort und Schrift, die Auflösung aller antisemitischen Organisationen, welche die wirtschaftliche Vernichtung der Juden bezwecken. Er fordert den restlosen Abwehrboykott gegen Waren und Leistungen aus dem nationalsozialitistischen Deutschen Reich, Boykott der Olympischen Spiele in Berlin. Der Kongreß fordert von der britischen Regierung die Aufstellung einer jüdischen Legion in Palästina. Die wehrfähigen jüdischen Männer dürfen nicht abseits stehen, wenn der englische Soldat dort kämpft. Die militärische Erziehung der Juden in Palästina ist ein unabweisliches Gebot für Sicherheit im Lande. Zur Erinnerung an die für Deutschland gefallenen 12.000 Juden soll in Palästina ein „Dorf der Zwölftausend" errichtet werden, welches der Ansiedlung jüdischer Frontkämpfer und deren Nachkommen zu dienen hat. Biallk'Klub — BialüuAndaditsfeier — Feudi! wangvTi auerkunqebung Samstag, den U. Juli 1936, %9 Uhr abends — am 2. Todestage Ch. N. Biallks —, findet im großen Saale des Hotel Continental, Wien, II., Taborstraße 7, eine Biallk-Andachtsfeier mit folgendem Programm statt: Totengebet: Oberkantor Margulie»; Gedenkworte: Präs. Dr. Kothblum (deutsch) und Dr. A. Sonne (hebräisch); Chor: Dirigent Prof. A. Wolf (Bialik- Lieder); Rezitation: Marjo Gang (hebräisch) und Fräulein Margarete Bach (deutsch). Vorher findet eine Trauerkundgebung für Oberrabbiner Dr. D. Feuohtwang statt. Zwei Sommerfeste des Vei* bandes der Judenstaatszsomsten Samstag, den 27. v. M. fand am Konstantlnhügcl das von den Judenstaatszionisten (Sektion Frater und Jugendgruppe) veranstaltete Sommerfest statt, tu dem sich hunderte Freunde der Jndenstaatsbcwegung eingefunden haben. Der künstlerische Teil des Abends wurde von erstklassigen Kräften, u. zw. vom Charakterkomiker Dolly Nachbar, dem Parodlstenduo Viktor Berossi - Viktor Schlesinger, Tenor Taul T h I cm a n n und vom Rezitator Eugen Hof imann bestritten. Den Höhepunkt des Abends bildete unter Vorsitz des Ing. Markus MUhlbauor die Verlosung des Treffers, d. 1. eine Schiffskarte nach Erez-Isracl und zurück, welche In großzügiger Weise von der bekannten Schiffsgescllschaft Lloyd Triostino gespendet worden war. Das Los fiel auf Frl. Julia Wechsler, II. Große Schiffgasso 12, die herzlichst beglückwünscht wurde. Das von der Sektion IX/XVIII/XIX, dos Verbandes der Judenstaatszionisten am 4. Juli im Martinschlössel veranstaltet« Sommerfest stand im Zeichen des Humors und des Tanzes. Neben dem Tenor I'aul Thicmann, der In brillanter Weise Arien zum Vortrag brachte, der ausgezeichneten Flanlstln Lilly 11 a 1 p e r n, welche u. n. das „JUdischo Potpourri" von Isl Galger zum Vortrag brachte, wirkte Joachim La t z als Interpret eigener humorvoller Dichtungen mit und fand rauschenden Beifall. Die stimmungsvolle Conference besorgten die Herren Walter F o 1 d m a n n und Fritz Fnch s. Beide Feste verliefen in harmonischem Stil und hinterließen bei den zahlreichen Anwesenden einen ausgezeichneten Eindruck. Um das Gelingen des Festes am Konstantinhügel machte ff&5&El~(pOTER tür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 sich der Ausschuß der Pratcrselction und der Jugendgruppe besonders verdient, während für das Fest im Mortinsschlössel Herr und Frau Arnold B e r g c r, Benjamin Schönborg und Emil H u 11 r e r verdienstvoll tätig waren. * Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert seinem. Leitungsmitglied Herrn Dr. Felix Klug herzlichst zu seiner Vermählung mit Frl. Dr. Mina Wolf. Der Vorband gratuliert seinen Mitgliedern Herrn Bobert Teuer und Gattin zur Geburt eines Sohnes. Judenstaatsjugend. Montag, den 13. d., 9 Uhr abends, außerordentliche Vollversammlung in Anwesenheit von Melr Großmann im Heim, II., Erlafstraße 5. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. — Die Judenstaatsjugend gratuliert ihren Mitgliedern Leopold Frey und Klara Leitner anläßlich ihrer Vermählung. Die Unruhen in Französisch-Nordafrika Aus Paris (J. T. A.): Der Jude, der in der algerischen Stadt Bou-Saada von arabischen Exzedenten vor den Augen der Polizei abgeschlachtet wurde, hieß Felix A11 i a. — Während sich die Lage in Algerien etwas beruhigt hat, sind nunmehr in Tunis antisemitische Unruhen an der Tagesordnung. In der tunesischen Stadt Gafsa wurden zahlreiche jüdische Läden geplündert und die Ladenbesitzer mißhandelt. Aus Sfax wurden Truppenverstärkungen nach Gafsa entsandt. Ein Senegalschütze wurde verletzt, ebenso zwei Araber, die von einem jüdischen Ladenbesitzer, der sich mit dem Revolver in der Hand gegen die Angreifer verteidigt hatte, angeschossen worden waren. — Der Ministerpräsident Leon Blum und Innenminister S a 1 e n g r o hatten mit dem Generalgouverneur von Algier, der mit einem Wasserflugzeug aus Algier in Paris eingetroffen ist, um über die Unruhen zu referieren, eine Beratung. Gemäß den Erklärungen der mohammedanischen Führer sind die letzten blutigen Unruhen auf ein Werk von agents provocateurs zurückzuführen. — Die Pariser Linkspresse widmet den Ereignissen in Nordafrika erhöhte Aufmerksamkeit. Die Volksfrontblätter aller Richtungen wenden sich in erregtem Ton gegen die antisemitischen Provokationen. Die litauische Regierung will jüdische Vertretung im Sejm AUS Kaunas: Der litauische Innenminister General Julius C a p 1 i k a s kündigt an, daß die litauische Regierung demnächst dem Sejm einen Gesetzentwurf vorlegen wird, durch den eine jüdische Vertretung im Parlament gesichert werden soll. Für die Zwischenzeit plant die Regierung, zwei jüdische Abgeordnete kooptieren zu lassen. Bei den letzten Wahlen hatten die Juden kein Mandat errungen, obwohl die Regierung zwei jüdische Kandidaten auf ihre Liste gesetzt hatte. Auf den Wahlzetteln waren die Namen dieser beiden Kandi« daten von den vielen nichtjüdischen Wählern durchgestrichen worden. 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