Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 575 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 575 vom 10. Juli 1936 W i I— Jeden Sonntag billige Ferien-Son- _ _ dertahrten mit der CteM. Allg. Zttitung noch POLEN und CZERNOWITZ nuiouiicn; i># ung it. juii Anmeldurlgen ,.a u 11 e h 11 0 I I e h" Reisebüro j^tarHinbrückc", I. Botenfurrnitr. ae, R-24-2-88/87 ist ihr plötzlicher Wunach, sich am Jüdischen Welt kongreß zu beteiligen. Was haben sie mit solch einer Angelegenheit, mit dem Kampf um jüdisches Recht, zu tun? Und dennoch! In Paris und in New York und in Antwerpen sind jüdische Kommunisten zu den Zionist en gekommen und haben erklärt, daß sie in die lokalen Kongreßkomitees eintreten und weiters Dele gierte zum Weltkongreß schicken wollen. Man hat sogar von der Möglichkeit einer Delegation gesprochen, die direkt von Moskau in die Schweiz gehen soll! Wahrlich: Wunder sondergleichen! Wer konnte solch eine plötzliche Anerkennung des jüdischen Volks einheitsgedankens seitens Menschen erwarten, welche sich immer von den allgemeinen jüdischen Interessen distanziert haben? Und da plötzlich: Einheitsfront! Professionelle Verbände! Jüdischer Weltkongreß! Wir hätten sicher das zweifelhafte Ver gnügen gehabt, auf dem Jüdischen Weltkongreß eine kommunistische Fraktion zu sehen, wenn es nicht zu den letzten Geschehnissen in Palästina gekommen wäre. Der Wolf im Schafspelz konnte sich nicht zurückhalten. BeksUut tätstem - Smmem^ Während in Paris und New York die Kommunisten Ver handlungen bezüglich des Weltkongresses führten, gingen die palästinensischen Kommunisten zu einer Attacke gegen den Zionismus vor. Das, was jahrelang heimlich getan wurde, ist plötzlich mit Lärm und Tummel in die Oeffentlichkeit hinaus An der nazistisch-faschistisch-arabisch-effendischen Front haben die Kommunisten einen ehrsamen Platz eingenommen! Und noch dazu mit welch innerer Teilnahme! Endlich haben sie die Verwirklichung ihrer Träume erlebt: eine arabische Revolution gegen den englischen und zionistischen Imperialismus... Nicht weniger als elf kommunistische Proklamationen, in Arabisch und Hebräisch, sind in Palästina seit Beginn.der Revolte erschienen. Darin werden die arabischen Mörder verteidigt, glorifiziert und aufgemuntert, ihren Kampf fortzusetzen, und die Juden werden der Provokation und Unterdrückung beschuldigt. Daraus wird eines klar: Wir sind Zeugen einer Einheitsfront von Kommunisten und antisemitischen Mördern, Brandlegern, Terroristen. Ist das eine Einheitsfront! * Nach den Ereignissen im Jahre 1929 haben jüdische Kommunisten in der Galuth noch versucht, den Anteil ihrer Genossen an den arabischen Pogromen zu leugnen. Man hat sich geschämt. Angst davor gehabt, es könnte vielleicht ihrer Propaganda schaden, eskönnte vielleicht die jüdische Jugend plötzlich erkennen, in welch einen Sumpf man sie zieht. .Wer erinnert sich noch an die immerwährenden Ausflüchte? Diesmal hat man solch ein Benehmen nicht an den Tag gelegt. Nicht nur die jüdischen Kommunisten von New York, Moskau, Antwerpen u. a. haben sich offen an die Seite der Araber gestellt, sondern sogar auf die Kommunistische Partei Englands eingewirkt, sie möge eine antizionistische Haltung einnehmen. Und die Stellung der jüdischen Kommunisten Amerikas? Und die Begrüßungen im Moskauer „Emess"? Und die Solidaritätserklärungen auf Meetings, in Proklamationen, in feierlichen Resolutionen? Das höchste arabische Komitee hat einen würdigen Kampfgenossen und just einen grell schreienden, just einen jüdischen. Selten noch hat die Welt solch ein Schauspiel gesehen. Es ist schwer zu glauben, daß das kommunistische Zentralbüro in Palästina auf eigene Verantwortung gehandelt hat, andernfalls hätte seine Politik nicht solch Restaurantstefanie tetahtataa Hugo u. Julie Herlinger geb. Zollner \WJ ||, Taborstraße 12 Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten eine allgemeine Unterstützung der jüdischen und nichtjüdischen Kommunisten erhalten. Nepa, es ist kein Zufall, es ist keine Episode. Wir haben es hier mit einer gut durchdachten Attacke auf den Zionismus zu tun, die den Zionismus in der ganzen Welt, insbesondere aber bei der jüdischen Jugend kompromittieren soll. Man kann nämlich von einer eventuellen Katastrophe in Palästina Kapital für den eigenen „Judenstaat" in Biro Bidschan schlagen. ■4 Vor njlr liegen kommunistische Proklamationen aus London und Antwerpen; darin werden ganz deutlich, ohne Umschweife, die jüdischen Arbeiter Palästinas aufgefordert, mit den kämpfenden arabischen Massen Hand in Hand zu gehen, um den englischen und zionistischen Imperialismus zu vernichten. Ströme von Blut sind durch die Hetze der Kommunisten geflossen. Darum ist es undenkbar, sich vorzustellen, daß zionistische Gruppen an einem Tisch mit Menschen sitzen sollen, die offen Gemeinschaft machen mit Terroristen, Brandstiftern und Mördern. Das darf nicht sein, das kann nicht sein. Kein Versprechen irgendeiner Konzession seitens Rußlands kann uns bewegen, auf einem Kongreß mit Menschen zu sitzen, deren Hände mit jüdischem Blut befleckt sind. Schönen Dank für solche Mitkämpfer! Mit Verbündeten arabischer Banditen sitzen wir nicht zusammen an einem Tisch. Wer eine harte Haut hat, kann sich solch ein Vergnügen leisten. Für Zionisten muß ein jüdischer Weltkongreß mit kommunistischer Beteiligung eine unmögliche Sache sein. Ja, gegenüber starken, großen Staaten zeigt dl« Komintern das neue, geschminkte Gesicht. Die Juden aber sind eine kleines, armes Volk, sie haben keine Armee und können im Kriegsfall keine Kanonen stellen. Auf dem Rücken des jüdischen Volkes darf man das alte Spiel fortsetzen, damit man sich nicht die feine Arbeit abgewöhnt, die der Verhetzung und des blutigen Hasses. Meir Großmaitn in Wien Meir Großmann, der Vorsitzende des Verbandes der Judenstaatszionisten, kommt in den nächsten Tagen nach Wien, um hier mit seinen Gesinnungsgenossen wichtige Beratungen zu pflegen. An diesen werden ti. a. die bereits In Wien wellenden Herren Prof. Salomon Liptzln (New York), Barnch Weinstein (Tel-Aviv) und Philipp Rosenstein (Bukarest) teilnehmen. Die Ruhe zeitweise gestört Die Nachrichten, welche seit einigen Tagen aus Palästina kommen, lassen erkennen, daß trotz der zahlreichen Terrorakte, der Generalangriff der revoltierenden Araber vorüber ist. Einzelne Aktionen, d. h. Gewehrschüsse, Bombenwürfe und Brandlegungen, sind noch Immer zu verzeichnen. Auch besteht noch immer die Streikbewegung und die Konzentrationslager nehmen noch immer Insassen auf. Aber mit dem Elan, der für die ersten Revoltewochen charakteristisch war, ist nicht mehr zu rechnen. Die Abwehrmaßnahmen der Palästina-Administration — wenn auch reichlich spät unternommen — haben den Erfolg gehabt, daß die Angriffe auf jüdisches Leben und Gut nachgelassen haben und sich nunmehr gegen die pritische Exekutive wenden. Die Revolte hat den Charakter eines Bandenkrieges angenommen. Um ihm besser begegnen zu können, hat die Regierung unter den jüdischen Kolonisten zur Selbstverteidigung Armeegewehrq verteilt, so'daß die Kolonien nicht mehr schutzlos den Angriffen ausgesetzt sind. Bezeichnend für die Art der „Revolte" ist der Umstand, daß arabische Banditen in der deutschen Kolonie in Jerusalem ein Privatauto anzündeten. Die Angriffe beschränken sich also nicht mehr auf jüdische und englische Objekte. Sie sind der Ausfluß einer Zerstörungswut, die vor keiner Autorität haltmacht, Alle Bewohner Palästinas, ob Juden oder Araber oder Engländer oder Deutsche, können Ziel der Terroristen sein, Ueber die letzten Ereignisse liegen folgende J.-T.-A.-Meldüngen vor: Der Bandenkrieg Die Angriffe arabischer Banden, hauptsächlich auf Militär und Polizei, werden in verschiedenen Teilen Palästinas fortgesetzt. In der Nähe des Rachel- Grabes wurde eine Militärpatrouille beschossen. Die Mädchensiedlung Meschek Hapoalot bei' Afule ist heftig beschossen worden. Polizei und Militär haben sich auf den Schauplatz der Kämpfe begeben.' Der Angriff auf die jüdische Kadoorie- Ackerbauschule auf dem Berg Tabor begann in den frühen Morgenstunden und wurde insbesondere von Osten her mit großer Heftigkeit durchgeführt. Das Schulgebäude wurde von zahlreichen Kugeln getroffen, die zum Teil auch in das Innere des Gebäudes eindrangen. Mit Hilfe von Militär- und Polizeiabteilungen wurde der Angriff später' abgeschlagen. In seinem Hause in Emek Joschafat wurde der V.or sitz ende der mohammedanischen Studentenvereinigung Farid el Uri Ibn Scheich bei der Herstellung vom Bomben fast in Stücke gerissen, fcr starb kurz darauf. Die Explosion war im weiten Umkreis zu hören. Die Polizei untersucht den Fall. Unweit von Hebron beschossen arabische Terroristen eine englische Patrouille und verwundeten einen Kapitän und einen Soldaten eines schottischen Regiments. Der Stadt Hebron wurde deswegen eine Kollektivstrafe von 2000 Pfund auferlegt. kauft man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswahl! Teilzahlungen! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Vor Beendigung des Terrors? Aus Jerusalem wird vom 7. Juli gemeldet: Der Oberste Arabische Ausschuß berät in einer plötzlich einberufenen Sitzung über die Frage, ob der Streik fortzusetzen sei oder nicht. Seit mehr als zwei Wochen besteht in den Reihen des Obersten Ausschusses eine scharfe Meinungsverschiedenheit in dieser Frage. Nunmehr werden alle Anstrengungen gemacht, um zu einer einheitlichen Stellungnahme zu gelangen. Die An- Pension Tauber BAD VOSLAU Ritterstraße 11 Tagespension ab S 7.— hiinger des früheren Jerusalemer Bürgermeisters und Vorsitzenden der Arabischen Verteidigungspartei, Ragheb Bey Nashashibi, treten fUr die Fortsetzung des Streiks ein, die Anhänger des Mufti fordern Beendigung des Streiks. Im Verlauf des Sonntag wurden Vertreter der arabischen Kaufmannschaft zu den Beratungen zugezogen. Es wird eine entsprechende Erklärung vorbereitet, in der die politischen Forderungen der Araber formuliert sind. In der Erklärung soll zum Ausdruck gebracht werden, daß die arabische Bevölkerung durch ihr bisheriges Verhalten gezeigt habe, daß sie bereit sei, die größten Opfer zu bringen; sie werde von ihren Forderungen nicht lassen, doch werde die arabische Bevölkerung aufgefordert worden, den Streik aufzugeben und den Kampf nach neuen Richtlinien, die in einem Aufruf dargelegt werden sollen« fortzuführen. Die Entscheidung kann In jedem Augenblick fallen. * Nach den Beratungen des Obersten Arabischen Ausschusses ist der Kampf zwischen Anhängern und Gegnern des Streiks Im arabischen Lager mit besonderer Schärfe entbrannt. Die Anhänger der Streikbewegung verbreiten in Jaffa Flugblätter, in denen sie, dje Bevölkerung zu ihrer Unterstützung aufrufen und etwaige Streikbrecher schwer bedrohen. (J. T. A.) Sfreik»Krfee Wie die J. T. A. erfährt, wurde eine Versammlung von Mitgliedern des Obersten Arabischen Ausschusses mit arabischen Großkaufleuten und Bankdirektoren abgehalten, in der die Wirkung des Streiks auf das arabische Wirtschaftsleben besprochen wurde. Die Geschäftsleute gaben der Befürchtung Ausdruck, daß es, falls der Streik noch länger dauert, zu vielen Bankrotten kommen wird. Es wurde auch berichtet, daß die Mehrheit der arabischen Händler darauf drängt, daß der Streik aufhört, damit sie ihre geschäftliche Tätigkeit wieder aufnehmen können. Das arabische Streikkomitee gab einen Bericht heraus, dem zu entnehmen ist, daß die Streikausgaben bis jetzt 108.000 Pfund betragen. Von den Arabern im Ausland floß sehr wenig ein, im ganzen 293 Pfund, davon 30 aus Indien, 100 aus Syrien, 43 aus dem Libanon und 118 aus dem Irak. * Zahlreiche arabische Kaufleute aus Jaffa haben die früher in Jaffa ansässigen Juden aufgefordert, in die Stadt zurückzukehren. Die Araber erklären sich bereit, ihnen Wohnungen und Läden zu vermieten, sie zu ibewachen und im Notfall zu verteidigen. Gleichzeitig haben sich bedeutende arabische Kaufleute an jüdische Firmen in Tel.- Aviv um Darlehen und Kredite gegen Hypotheken auf ihre Häuser .und Pflanzungen gewandt. Allgemein wird dies dahin gedeutet, daß die arabische Kaufmannschaft des Streiks müde und entschlossen ist, sich von den politischen Extremisten loszusagen. FAHRRAD. FABRIK Kinderwagenverkauf: VII, Neubaugasse 21 / XVII, Kulmgasse 34 X, Laxenburgerstraße 82 / XX, JagerstrsBe 41 Faluvadfabrik: VII, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge grutls! KINDER WAGEN- F A B R B K von S 35.— Eine umfassende ftfilitäraktion . In unterrichteten Kreisen verlautet, daß am Montag, den 6. Juli, eine militärische Aktion in Angriff genommen wurde, die die umfassendste seit Beginn der Unruhen ist. Mehr als 4000 Soldaten riegelten das Gebiet zwischen den Bahnlinien Jorusalem—Jaffa und Lydda—Pulka ab und drangen systematisch gegen das Innere des Gebietes vor. Bei Einbruch des Abends war der Ring bereits sehr klein. Zahlreiche arabische Trupps wurden bewaffnet angetroffen. Sie ließen sich widerstandslos entwaffnen. Versicherung gegen TumuBtschäden Die in Palästina üblichen Versicherungsverträge gewähren im allgemeinen keinen Schutz gegen Tumultschäden, Nunmehr teilt die Vertreterin der engjisehen Versicherungsgesellschaft „Prudential", die Agentur Mulford & Co., mit, daß sie sowohl Unfallwie Sachschadenversdeherungen unter ausdrücklicher Einbeziehung von Aufruhr- und Tumultschäden abschließt.