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Die neue Welt · 1936-07-10 · Heft 575 (10.7.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 575 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den ft* Juli 1916 10 Nr« 575 V* b* b* 186 Zeitung vom Verleger versendet ~« expedle pftr t'^dlte««4 Vn iVemt^othek REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlicli S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlieh Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: ItoeBeeliofctowatcet monatlich Kc , vierteljährig Ke 16.—: Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmaolen monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1—, vierteljährig Mark 3.—: Bolgarlen monatlich Lewa SO.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—» vierteljährig1 Lire 14»—; Schweis und die übrigen Lander monatlich Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS H POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kttrntnerstrane 41, R-si-J-78 Oesterrekhisches Verkehrs-Büro l. Frledrlchstrane 7, B.sr-soo, i. araben 20, P-sv-o-» Briefe euie§ Toten Die Adressaten unterschlagen sie? Der Prager Jude Stephan Lux, welcher sich in der vorigen Woche vor den versammelten Herren des Völkerbundes eine Kugel in die Brust schoß, weil er darin die sinzige Möglichkeit sah, das schlafende Weltgev/issen zu wecken und der Duldung der Schande der deutschen Judenquälerei deß .Stärksten Protest entgegenzustellen, hat fünf Briefe hinterlassen. Die Adressaten sind: Das Generalsekretariat des Völkerbundes, König Eduard von England, der britische Außenminister Eden, cJteÄRe^aktionen den „Times" und des „Manchester Qlpaian". -f Die Briefe, welche der bereits ohne Sang und Klang eingescharrte Lux vor seinem Tode hinterlegt hat, sind sicher keifte^-verträuÜch >zü behandelnden Privatschreiben, sie sind sicher dazu bestimmt,, von' den Empfängern der Welt bekanntgegeben zu; werden. Aber es rührt sich nichts! Zehn Tajge sind bereits verstrichen und die höchst ehrenwerten Adressaten haben nicht ein Wörtchen über die in Herzblut getauchten Schreiben verlauten lassen. In Genf erzählt man sich, daß das Völkerbundsekretariat seinen Brief aus.Rücksicht auf Hitler-Deutschland nicht veröffentlichen will. Die in ihm enthaltene Anklage gegen die Berliner Regierung ist zu gewaltig. Und man will sie ja wieder in den Völkerbund hineinbekommen. Grund genug, um das Vermächtnis eines toten Juden zu unterschlagen. Und was veranlaßt die vier anderen Adressaten, den letzten Willen des Lux zu unterdrücken? Ehrenmänner dürfen für die Oeffentlichkeit bestimmte Briefe nicht unterschlagen, noch dazu Briefe, die einer vor dem Sterben geschrieben hat. Wenn sie aus Furcht vor Deutschland oder weil sie sich schämen, die Briefe nicht weitergeben wollen, dann dürfen sie sie auch nicht behalten. Sie müssen zum Grabe des Lux gehen, ihm die Briefe zurückgeben, ihm die Briefe auf die zerschossene Brust legen. Das müßten Ehrenmänner tun. Denn Ehrenmänner dürfen für Dritte bestimmte Briefe nicht für sich behalten. Wenn sie das Weitergeben ablehnen, müssen sie sie zurückgeben. Zumindest das sind sie dem toten Juden und der eigenen Ehre schuldig. r. st. Stephan Lux Aus Frag, der Heimatstadt des toten Stephan Lux, der im Saale des Völkerbundes den freigewählten Märtyrertod starb, wird berichtet: Der in Malacka (früher Oesterreich, jetzt Tschechoslowakei) geborene 48jährige Stephan Lux wirkte zwei Jahrzehnte lang in Deutschland als Schauspieler und Schriftsteller. Im Jahre 1933, nach Hitlers Machtantritt, mußte er als Jude Deutschland verlassen und kam mit Frau und Kind nach Prag, Aus Kreisen seiner Prager Freunde wird dem J.« .T.-A.-Vertreter mitgeteilt, daß Lux, der auf so tragische und zugleich heroische Weise sein Leben hinwarf, ein geradezu ideales privates und Familienleben geführt hat. Seine Freunde schätzten an ihm seine musterhafte Anständigkeit, seine ruhige und methodische Denkweise und seine ungewöhnliche künstlerische Begabung. In Deutschland, wohin er nach dem Kriege als Schwer Kriegsverletzter gezogen war, brachte er sich und Seine Familie durch künstlerische und schriftstellerische Arbeit gut durch und unterstützte andere, denen es weniger gut ging. Seit seiner Flucht im Jahre 1933 lebte ftr Ja frag jnit Frau und Kind in sehr ärmlichen Verhält* Das Doppelspiel der jüdischen Kommunisten In Europa Einheitsfront, in Palästina Bündnis mit Mördern Von Meir Großmann (zur Zeit London) Noch vor einigen Jahren haben die jüdischen Kommunisten ihre proletarische Reinheit streng gewahrt. Alles, was sich außerhalb der Komintern (Kommunistische Internationale) befand, ist minderwertig gewesen. Sogar alte sozialistische Revolutionäre — Mitkämpfer von gestern — wurden als „Sozialverräter" angesehen. Von irgend einer Zusammenarbeit mit anderen „Juden" konnte natürlich keine Rede sein. Das war streng verboten. Wie man in Rußland jede jüdische soziale Arbeit ausgerottet hat, ist noch allen in Erinnerung. Die Jewsekzia (Jüdische Kommunistische Partei) war In diesem Punkt päpstlicher als der Papst. Wahrlich, die jüdischen Kommunisten haben im GelSt der damaligen offiziellen Generallinie gehandelt. Doch haben sie die Gelegenheit ausgenützt, mit den alten Gegnern abzurechnen, insbesondere mit dem Zionismus, den man als eine konterrevolutionäre Bewegung bezeichnet hat. Die Feindschaft gegen den Zionismus .war die mächtigste Triebkraft des jewsekzischen Eans.^'Mü' Teil der Opfer dieses Kreuzzuges schmachtet heute noch in S i b i r i e n. Die Geretteten heilen ihre Wunden in Palästina. Aber nicht nur-In Rußland selbst hat man Haß gegen die. nationaljüdiscUei:I(tee^;v.ejbr^t^r., Wo immer nur; sich ein kommunistischer Agitator zeigte, flammte alsogleich eine Kampagne gegen , den Zionismus! Hebräisch, Palästina auf. Seit Jahren schon ist die Komintern unter den verschiedenen dunklen. Rassen, .tätig..'Die jüdischen Kommunisten haben auf dem Propagandagebiet für sich einen speziellen Punkt ausgewählt: Palästina. Dort werden sie,'das war ihre TTeberlegung, mit einem Schlag g e o 1 s e n Kurs eingeschlagen. Das kommunistische Moskau hat mit dem demokratisch-kapitalistischen Paris einen militärischen Pakt geschlossen. Herr Litwinow und Radek sind strenge Hüter der Internationalen Moral geworden. Die Komintern »oll die Instruktion bekommen haben, sich nicht mehr in die Angelegenheit fremder Staaten zu mischen. Auch in Rußland selbst hat man den Kurs geändert. Man dstrf dort wieder lachen und tanzen... * Man spricht auch oft über das sowjetistlsche Vaterland und Über sowjetlstische Demokratie. In Rußland muß natürlich alles sowjetisch sein, sogar "der Kapitalismus. Wenn er wiederkommt, wird man ihn sowjetisch nennen. Gleichzeitig hat man fürs Ausland eine neue Losung ausgegeben: Einheitsfront. Nicht bloß mit Sozialisten, sondern just mit Radikalen und Demokraten. Die gestrigen „Sozialverräter" und „Lakaien der Bourgeoisie" sind Bundesbrüder geworden. Man kann mit ihnen nicht nur zu Wahlen In ein bourgeolses Parlament gehen, es Ist sogar eine kommunistische Pflicht, Blums Ministerium zu stützen. Wunderbar! Kommunisten — in Genf, Kommunisten "in bürgerlichen Parlamenten, Kommunisten ah königlichen Höfen! Eine sehr 'breite Einheitsfront! Was slnd_ die Ursachen dieser merkwürdigen Wandlung in der kommunistischen Politik und Taktik? Einige meinen, es-sei einfach eine Phase der natürlichen Evolution zu einem normalen Lebensstil. Andere wieder glauben, daß hinter diesem neuen Kurs die Angst'vor einem Krieg mit; Deutschland stehe; es sei daher nötig. Jeden Sonntag—billige Sonderfahrten mit II Ii nach Und C Z Q r nO W i t Z Nächste Abfahrt: 12. Juli früh „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Telephon U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroß, VII, Mariahllferstraße 42, Telephon B-38-2-68 zwei Fliegen treffen: den britischen lmperialismus und den Zionismus.' Sie führten ihre Pläne in schonungsloser Weise durch. Die Folgen ihrer Hetze tangierten sie nicht. Jüdisches Blut? Vernichtung von Arbeitersiedlungen, welche auf kollektiver Grundlage, aufgebaut sind? Ueberflüssig, darüber wehleidig zu werden. Wer schert sich um solche Kleinigkeiten, während man eine neue Weltordnung aufbaut. Im übrigen war jüdisches Blut ständig ein gutes Schmierölfür den Motor der Revolution. Jahrelang sah das Gesicht des jüdischen Kommunismus so aus. Abstoßend, aber nicht maskiert. Die Linie war gegeben: Klassenkampf, soziale Revolution, brutale Hetze, blutiger Haß. Man wußte ganz und gar, mit wem man es zu tun hatte. All dessen muß man jetzt gedenken, wo die Kommunisten versuchen, das Kleid zu wechseln. Aber kann man denn aus seiner Haut heraus?, Bekanntlich hat Sowjetrußland seinen inneren und äußeren Kurs letztens geändert. Es hat einen' bournissen. Er bestritt seinen Lebensunterhalt aus Honoraren^ die ihm die Zeitungen für seine feinen und von beträchtlichem Können zeugenden Feuilletons zukommen ließen. Die Nachricht von seiner Genfer Tat überraschte seine Familie und seine Freunde ungeheuer. Seine Frau mußte sich, als die Nachricht von seiner Verletzung in Prag eintraf, Geld ausborgen, um nach Genf reisen zu können,, wo sie ihn nicht mehr lebend antraf. Vor ihrer Abreise erklärte sie Freunden ihres Mannes, sie habe die Ahnung, daß Stephan Lux, der an sich selbst immer zuletzt zu denken pflegte, mit seiner Tat eine polltische Demonstration beabsichtigt habe, einen Freitod im Namen Europas, um den Völkerbund an «eine. Pflichten zu ^mahnei, . die Sympathien der Welt zu gewinnen und der eigenen Bevölkerung mehr Freiheit zu geben. Nüchterne Menschen, welche sehr gut die Natur des Kommunismus kennen, Jjehaupten, daß dies nur eine Täuschung sei. Alle „Einheitsfronten" hätten nur den Zweck, den Klassenfeind durch die „Verbrüderung" zu demoralisieren und seine Wachsamkeit zu schwächen, * So oder so — der neue Kurs ist eine Tatsache, Der beste Beweis hiefür ist, daß die jüdischen Kommunisten, die geborenen Nachäff er, bereits auch auf den Wegen der offiziellen Generallinie gehen. Wie durch einen Zauber haben die Jewsekzen (Mitglieder der Jüdischen Kommunistischen Partei) aller Länder ihre Stellung zu jüdischen Dingen geändert. Schluß mit der Isolierung! Schluß mit dem proletarischen Snobismus! Sie Wollen vielmehr Anteil nehmen an der jüdischen Tätigkeit. In einer Reihe von Ländern haben die jüdischen Kommunisten mit der Poale Zion und den Bundisten bezüglich einer Volksfront nach französischem Muster Verhandlungen begonnen. In Amerika wurde in die jüdische Masse die Losung von gemeinsamen professionellen Verbänden, gemeinsamen Maifeiern, gemeinsamen Wahllisten geworfen. Auf einer Reihe jüdischer Konferenzen warea jüdische Kommunisten zu sehen. Die einstigen Klassenkampf er und Hasser des sozialen Verrats sind einfach -nicht zu erkennen. Nicht überall hat man die Arme nach den neuen Bundesgenossen ausgestreckt. In einer Menge von Ländern wurde dieses Manöver mit vielem Mißtrauen hetrachtet. Doch waren gewisse Kreise jüdischer Sozialisten, insbesondere unsere Ppaie Zion in Paris, bereit, mit den Kommunisten in eine Einheitsfront zu gehen, nachdem diese sich offiziell von der Handlungsweise ihrer Genossen in Palästina im Jahre 1929 losgesagt hatten, Das Merkwürdigste an der Wandlung der Kommunisten

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