Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 574 (7.7.1936)
- Date
- 1936-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 574 vom 7. Juli lttft ««t«r...-r.,^^.v»,»rr,. A^^^ DIB KsfJI! wla^f anianm^iP.^^.-..v.^ c,.^,.j,.....„ . .»^^- 1T- . f seit** AUS PALÄSTINA ßfe englische Abwehr Aus Jerusalem wird unter dem 3. Juli gemeldet: Nach Einkreisung der Stadt Hebron durch starke Truppenabteilungen wurde eine gründliche Durchsuchung der Wohnhäuser vorgenommen.. Munition in erheblicher Menge wurde beschlagnahmt. Fünfzehn arabische Führer aus Jaffa sind in das Konzentrationslager in Sarafend gebracht worden. In einem der beiden Konzentrationslager in Sarafend, in dem weniger prominente Häftlinge festgehalten werden, ist ein Hungerstreik ausgebrochen. Der Streik richtet sich dagegen, daß die Häftlinge im Prominententeger Privilegien genießen, die den Häftlingen im anderen Juager versagt sind. Die Zeitung „Adifaa" führt heftige Klage gegen die regierenden Fürstlichkeiten der islamischen Welt,, weil diese nicht ihre Stimme zugunsten der Araber Palästinas erheben. Das arabische Komitee von Altko hat dem kommunistischen Mitglied des Unterhauses Gallacher telcgraphisch den Dank dafür ausgesprochen, daß er bei der letzten Palästina-Debatte für die arabische Sache eintrat. x Das Gebiet von 500 Meter rings um den Jerusalemer Radiosender ist unter Ausnahmezustand gesetzt worden. „Times" fordern Entwaffnung der Araber Aus London: In einem umfassenden U eberblick über die Lage in Palästina üben die „Times" in ihrer Nummer vom 3. Juli Kritik daran, daß die Palästina-Regierung nicht früher gegen die Unruhestifter hart vorgegangen sei. Daß die Behörden jetzt zögern, die in den neuen Notverordnungen vorgesehenen schwersten Strafen zu verhängen, sei zum Teil auf die Unterlassung der Gerichte, zum Teil darauf zurückzuführen, daß man spätere Verbitterung vermeiden wollte. Dieses Zögern könne aber von den Arabern, m i ßverstanden werden. Der Artikel wendet sich weiter gegen die von den Arabern aufgestellte Behauptung, ihre heiligen Stätten seien gefährdet, und weist darauf hin, daß diese Stätten den Christen und Juden noch heiliger seien. Die Notwendigkeit, die Entwaffnung der Araber durchzuführen,' wird mit besonderem Nachdruck betont. RUNDSCHAU lür Gelegenheitskäufe Wien Vlll, Stadtbahnviadukt 23 ... bei Urchenfelderstraße Telephon: A-21-5«31 Ein kommunistisches Flugblatt Unter dem Titel „Volksfront" verbreitet die kommunistische Partei von Palästina wiederum ein Flugblatt, das sich an die arabischen Terroristen mit dem Aufruf wendet, den Kampf gegen den angeblichen anglo-zionistischen Imperialismus aktiv fortzusetzen. Ein besonderer Aufsatz ist dem Andenken der drei nach den Unruhen in 1929 in Akko hingerichteten Araber gewidmet. Entschädigung verlangt In einer Pressekonferenz, die heute im Tel-Aviver Rathaus stattfand, erklärte de3 Exekutivemitglied Blieser Kaplan, daß die jüdischen Verluste bereits den Gesamtbetrag von 200.000 pal. Pfund erreicht haben. Verhandlungen mit der Regierung seien im Gange, um die Entschädigung der Opfer und Hilfe für die Flüchtlinge aus Jaffa und anderen gefährdeten Orten durchzusetzen. BS sei die moralische Verpflichtung der Regierung, die Opfer zu entschädigen, und die Jewish Agency werde so lange darauf drängen, bis diese Forderung erfüllt wird. Kaplan forderte den Jlschuw zur hundertprozentigen Beteiligung an der Hilfs- und Konsolidierungsaktion auf, an der Juden in anderen Ländern bereits teilnehmen, und entwickelte einen konstruktiven Siedlungsplan, der demnächst in Angriff genommen werden soll. Zum Schluß erklärte Kaplan, daß seit Beginn der Unruhen 1500 zusätzliche jugoslawische Arbeiter in die jüdische Landwirtschaft aufgenommen worden seien und daß die Bemühungen in dieser Richtung energisch fortgesetzt werden. Die königliche Kommission für Palästina — Keine Frauen als Mitglieder Aus London: In der Unterhaussitzung gab Kolonial minister Ormsby-Gorc in schriftlicher Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Lovat Fräser bekannt, daß die kgl. Kommission, die zur Untersuchung der Läge nach Palästina entsandt werden soll, keine Frauen als Mitglieder haben werde. Der Abgeordnete hatte in seiner Frage darauf hingewiesen, daß die Entsendung qualifizierter Frauen in die geplante kgl. Kommission im Hinblick auf die besonderen Bedürfnisse und Benachteiligungen, insbesondere der arabischen Frauen Palästinas, notwendig wäre. Der Kolonienministcr erklärt, er habe sich mit dem High Commissloner Uber diese Frage eingehend beraten. Er sei zu dem Schluß gelangt, daß trotz dos wesentlichen geistigen und sozialen Fortschrittes bei den mohammedanischen und christlichen Araberinnen Palästinas seit der englischen Okkupation die Ernennung einer Frau so sehr unvereinbar wäre mit der arabischen Ideologie, daß dadurch die Arbeit der Kommission schwer gefährdet werden könnte. Ueberzeugte Mohammedaner und möglicherweise auch manche streng orthodoxe Juden würden vermutlich durch ihre religiöse Empfindlichkeit davon abgehalten werden, vor einer Kommission zu, erscheinen, der eine Frau angehört. i Mit Hitler gegen Blum Der Führer der rumänischen Natlönal«>christHchen Partei, Alexander Cuza, der extreme rumänische Atttlsfemltenführfer, hielt in der Stadt Ddröhöiu vor vielen tausehden Zuhörern eine Anspräche, in der er ausführte, seine Partei nehme seit den letzten Parl&mentswählen den dritten Platz Im Lahde ein und werde bald an der Spitze stehen. König Ca* öl, der die Verfassung respektiert, werde ihm, Cüfcä, und der National-christlichen Partei die Mächt nicht länger vorenthalten können. Diese Partei habe die größten Chancen, die nächste Regierung zu bilden. Hauptaufgäbe der Partei sei, die Judenfrage geflau «6 zu lösen, wie sie Hitler in Deutschland gelöst habe. Dies setze eine Aenderung der Ä u ß e n p o l i t i k Rumäniens voraus. Die Allianz mit Frankreich sei nicht länger aufrechtzuerhalten, da Frankreich unter dem Juden L«on Blum sein geistiges Gleichgewicht verloren habe, Wir respektieren immer noch die „wirkliche französische Natio n", sagte Cuza, „aber wir betrachten uns als Rumänen frei von jeder Verpflichtung gegenüber Frankreich. Unser Platz ist an der Seite Deutschlands, welches die Judenfrage so bewunderungswürdig gelöst hat." Der Führer der „Rumänischen Front", der frühere Ministerpräsident Vaida-Voevod, hielt in der Hauptstadt Bessärabiens, Kischinew, einen Kongreß seiner Partei ab. Er deutete an, daß er mit.Cuza und G o g a die Mächt übernehmen werde, und führte fcur Judenfrage aus: Der schöne Kampf, den die Herren Cuza und Goga gegen die Juden führen,' muß nicht damit enden, daß man die Juden aus dem Lande verjagt. An den Grenzen, durch Welche wir die Juden aus dem Lande herausbringen wollen, werden wir Menschen mit Bajonetten finden, die uns zurufen werden: „Behaltet eure Juden für tue hl" Wir müssen das Problem anders lösen, wir brauchen ein Gesetz, welches die Rechte personell verteilt. Von hundert Prozent Recht sollen zwanzig Prozent auf die Fremden und Juden, achtzig Prozent auf die Rumänen entfallen, ich bin nicht(!) Antisemit und nicht Antlmagyar, aber man soll Gesetze machen, durch weiche dem rumänischen Volke die Rechte zurückerstattet werden, die ihm gestohlen worden sind. Die fortschrittliche Presse Rumäniens erklärt, hur ein Mensch, der die Urteilsfähigkeit des Volkes möglichst niedrig einschätzt, könne sich Argumente leisten, wie sie der ehemalige Ministerpräsident Vaida in Kischinew ins Treffen führte. Nirgendwo, so stellt die Presse fest, wird Rumänen ihr Recht gekürzt. Die Juden nehmen in keinerlei öffentlichem Beruf auch nur entfernt den Rang ein, der ihnen ihrer Zähl gemäß gebühren würde. Die Presse macht darauf aufmerksam, daß Vaida in Kischinew, ebenso wie Cuza in Dorohoiu, einer prodeutschen Orientierung der rumänischen Außenpolitik da« Wort redete. Die antisemitischen Reden der Führer haben die Wirkung, daß der antisemitische Terror in verschiedenen Städten Rumäniens sich .verstärkt. Die Zeitungshändler haben Angst, demokratische Zeitungen anzubieten. Die cuzistischeh Zeitungsverkäufer beherrschen die Straße. Emi&rantenraminc geht in den Tod Aus Madrid: Der 52jährige, aus Deutschland emigrierte jüdische Großkaufmann Dr. Karl Bacharach-Simon, seine 45 Jahre alte Frau Franziska Bacharach und die beiden Kinder des Ehepaares, der 13jährige Wolf und die 10jährige Stephanie, wurden in ihrer Wohnung in Valencia, durch Leuchtgas vergiftet, tot aufgefunden. Die Familie wohnte früher, in München, wo sich Dr. Bacharach, Abkömmling einer.altangesehenen Familie, als Größkaufmann betätigte. Ntea Erlaß derNürnbergcrGesetze verließ die Familie Deutschland. Aber auch über die Grenze hinaus wurdn sie durch die Gestapo verfolgt. Das brachte ihr viel E n t« b e h r u n g und Sorgen, so daß sie in den Tod flticji* tete. naMnMMMMBWiMiMMaMMMaaMMaaaaaMMMaMMMt Ms««"«" lisch P0LEH billig und bequem wie immer Ferien-Reisen ab 12. Juli : •*Hw?ffi? »In die Welt* IX, Ue<htenitelnstraße 2 Telephon A'14»S04 Auskünfte u Prospekte Uber Reisen nach Bulgarien, Enalind, Italien, Jugoslawien, Palästina, Ungarn und andere Länder und Über Autobus-Reisen In den Tod Das Schweizer „Isr. Wochenblatt" berichtet: In Nürnberg lebte ein OÖjährlger,. sehr geschätzter Augenarzt, ein alter Sanitätsrat, mit seiner Frau. Wie vieler anderer, war seine Existenz Julius Streicher und seinen Trabanten ein Greuel. Und da man ihm nichts anhaben konnte, benutzte man jenes für die Betroffenen grausame Mittel, das nach-Einführung der Nürnberger Gesetz* vollkommene Vernichtung bedeutet. Man läßt in dem in allen Kulturstaaten verbotenen Blatt des Julius Streicher eine Notiz erscheinen, die den alten Sanitätsrat in aller Ausführlichkeit mit den gemeinsten Verleumdungen der Rassenschande beschuldigt. Dazu die üblichen Drohungen. Das war am 17. April in jenem Blatt zu lesen. Am 3. Mai brachte die „Frankfurter Zeitung" die Todesanzeige: „Durch ein tragisches Geschick wurden uns am 28. April unsere lieben Verwandten Herr Sanitätsrat Sigmund Neuburger und Vrsüa Frieda Neuburger geb. Gern plötzlich entrissen. Alle, die diese beiden wertvollen Menschen kannten, werden ihrer stets mit Liebe und besonderer Verehrung gedenken. Die sie betrauernden Angehörigen und Freunde. Nürnberg, April 198«. — Die Beerdigung fand in Nürnberg nach dem letzten Wunsch, der Verstorbenen in aller Stille statt." In Deutschland soll; die „Pax OJympica" herrschen. Wir lesen es in den Schaufenstern der deutschen Reisebüros. Den Juden, so flüsterndie deutschen Agenten, den Juden geschieht gar nichts, das sind Greuelmärchen. Selbst die StUrmerkästen würden wieder abgenommen... Pension Tauber BAD V0SLAU Ritterstraße 11.-. Tagespension ab S 7.— Weißgardistische Judenmörder in Mandschukuo Aus Charbin (J. T. A.): Wegen Mitschuld an der Ermordung des jüdischen Musikers Simon Kas pi» eines französischen Staatsangehörigen, der Ende. 1933 von einer Bande russischer Weißgardisten entführt worden war, sind die ehemaligen Offiziere der alten russischen Armee Märtinoff, Chandier und Zaitsew-Sienitza zum Tode und zwei weitere Weißgardisten zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. Der Prozeß hat sieben Wochen gedauert. Im Verlauf des Prozeßes wurde der Gerichtssaal durch Verteidiger, reaktionäre russis-Ue Anwälte, in eine Plattform für antisemitische Propaganda umgewandelt. Die Verteidiger verherrlichten die Angeklagten als p ä t r 1 o 11 s c h e Helden und Märtyrer und versuchten, das Gericht davon ZU überzeugen, daß es kein Verbrechen sei, von Juden Geld zu erpressen, da das jüdische Geld in Wirklichkeit dem russischen Volk gehöre. Ein Verteidiger behauptete, Ringt um die Äraberrevelte Die zrwei sephärdicchen Juden Abraham und Mordechäi Nächum Misr aehi,. die auf Grund der Aussäge eines Arabers unter dem Verdacht, am 8. Juni beim jatfä- Tor in Jerusalem eine Bombe geschleudert zu haben, 'leren Ejroloslöh mehrere menschliche Opfer verursacht hat, verhaftet Wurden, sind nun auf freien Fuß gefetzt worden. (J. T. A.) * Nachdem an* T e l A v l v e r Hauptpostgehäufte ausgebaut wurde, wurde darin ein« Telephon zentrale eingerichtet, i* dafl die teJ-Avive? Telephohabonnenten von der JajTfa*r Zentrale unabhängig sein werden. Die Te4-AAiver>Telt|Hbottzentrale beginnt am 1. Juli 103* mit vorläufig etwa Nummern %n funktionieren. (J. Tl a.) * Zwischen Tel-Aviv und, den jüdischen Kolonien dürfen nunmehr nur fünf Autobufkolonnen tilglieh auf Anordnung der fceirleruns; verkehren. Die Kolonnen werden stärk militärisch geschützt. 1 (J. T. A.) * Mit dem Verbot der arabischen Zeitungen „Alliwa" und „FniMtin" ist jetzt die gesamte arabische Presse Palästinas eingestellt worden. Die Stadt Hebron l»t mit einer Kollektivstrmfe Von 3000 Pfund Sterling belegt Worden. * Die Behörden verteilten 250 Gewahre an die jüdischen Hilfspolizisten im Bezirk von Reehoböth. < Der jüdische Daropfer „Atid" traf am 1. Juli lh Tel-Aviv etil. Die Auiladong 4er Fraefct tot i» titflf*. Das Märchen von den 60«000 Trans« jordaniern Aua Jerusalem wird gemeldet: Die vom „Istikläl" (arabische Unabhängigkeitspartei) vorgeschlagene Konferenz, die auf transjordanischem Gebiet abgehalten und Ihre Solidarität mit den palästinensischen Arabern proklamieren sollte, ist nicht zustande gekommen; statt dessen kam eine kleine trans jordanische Abordnung ne.cn. Jerusalem, wo sie vom Sekretär des Obersteh Komitees empfangen wurde. Die Meldung, dsj(i 80.660 bewaffnete Transjordanier im Begriff sind, in Palästina einzudringen, entbehrt jeder Grundlage. Die Ordnung In Transjordanien wird durch britische Militär-Flugzeuge gesichert, während d|e Grenzübergänge am Jordan gut bewacht sind. (Palcör.); Besfhlagnahmfe Slteilcgelder Die Palästina-Regierung hat eine allgemeine Briefzensur für Auslandsendungeu eingeführt. Zu diesem Zweck wurde eine Zensurstelle mit 26 Beamten errichtet. Auch über die nach dem Auslande reisenden Personen wird eine strenge Kontrolle ausgeübt. Bei einem Araber, der nach Aegypten ausreisen wollte, wurden wichtige Briefe beschlagnahmt, die er dem ägyptischen Komitee zur Unterstützung der Streikbewegung in Palästina Übergeben sollte. „Döar Hajom" meldet,, daß die Regierung einen Betrag von 1000 Pfund konfisziert habe, der von New- Yorker Arabern an den Grollmufti für das Streikkomitee gesandt worden war, ■'■Vv