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Die neue Welt · 1936-07-07 · Heft 574 (7.7.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 574 (7.7.1936)
Date
1936-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sfefte 2 DIE JTEÜft Nr. 574 vom 7. Juli im ( 1 l . . _ _ ___ _ ■ Abf*hrt«n: 1«. und 19. Juli H | _ Anmeldungen ,,e u ( i c h I I B I I t h" Reisebüro I ^»jnifUgt^heJkljjj^^ . .. ■HMnHHnHnBmma^ |eden Sonntag billige Ferien-Son- A - ... _ _ derlahrten mit der CteM. Allg. Zaituna fl M<h POLEN u„d CZERNOWITZ I Gruad zum Hafen von Tel-Awlw zu legen. Der Jischuw und das ganze Jüdische Volk zollen den größten Respekt all den Nichtjuden — vor allem den britischen,Polizisten und Soldaten —, die mutig und hingebungsvoll ihre Pflicht erfüllen, um den Frieden des Landes gegen die Kräfte der Zerstörung zu schützen, und werden in Treue all derer gedenken, die ihr Lehen für die Wahrung des Rechtes und den Schutz der Angegriffenen hingegeben haben. Das jüdische Volk kann sich jedoch nicht damjt abfinden, daß nur andere für den Frieden des Lahdes und die Sicherheit de« Jischuw ihr Leben in die Schanze schlagen, wahrend die Juden ihre Opfer und Schaden tragen und sich mit dem Dank an die Verteidiger begnügen. Der Jischuw hat den denkbar stärksten Beweis erbracht, daß er bereit ist, sein Leben für die Verteidigung einzusetzen, er beherrscht jedoch seine Nerven und mißbraucht seine Kraft und die Verteidigungsmittel «fcht. Unsere Ehr« und Sicherheit verlangen, daß man uns die volle Möglichkeit gibt, uns selbst zu verteidigen. Unsere Forderung lautet: Bewaffnung der jüdischen Siedler zur Unterstützung der Polizei und des Heeres. Die Mitglieder des Aktionskomitees halten es für erforderlich, bei einigen Abschnitten des soeben veröffentlichten Berichtes der Regierung für das Jahr 1935 an den Völkerbund zu verweisen. Die offensichtlich tendenziöse Einstellung dieses Regierungsdokuments ist geeignet, große Besorgnis zu erregen, weil sie zeigt, daß bei der Palästina-Regierung Strömungen herrschen, die von einem freundschaftlichen, ja sogar objektiven Verhältnis zu den Anstrengungen des jüdischen Aufbauwerkes weit entfernt sind und ein Hindernis bilden auf dem Wege zur Errichtung der nationaleo Heimstätte. Die Mitglieder geben dem Wunsche Ausdruck, daß die Zionistische Eexkutive alles Erforderliche tun wird, um diese Dinge richtigzustellen.. Konzentrationslager — Abbruch arabischer Häuser — Der italienische Kundfunk In der Sitzung-' des englischen Parlaments am 3. Juli entspann sich neuerlich eine Debatte über'die Unruhen in Palästina. Es wurden Fragen über " die Behandlung der ins 'Konzentrationslager' gebrächten Rädelpführer, über die vom Militär vorgenommene D emolierung arabischer Häuser in Jaffa, welche als Schlupfwinkel und Waffendepots dienten, und über die italienische Agitation gestellt. Minister Ormsby-Gore antwortete, er habe keine Ursache, anzunehmen, daß es irgend einen Grund zur Klage über die Lebensbedingungen in dem Konzentrationslager von Sarafend gebe. Sarafend sei eine gesunde Gegend, wo Truppen gewöhnlich stationiert sind und jahrelang stationiert waren. Die Internierten erhalten drei Mahlzeiten nach einem von den Sanitätsbehörden genehmigten Schema. Auch wurde die Errichtung einer Kantine im Lager* gestattet. Elektrisches. Licht wurde eingeführt und eine angemessene Wasserversorgung eingerichtet. Unter der Voraussetzung ordentlichen Verhaltens genießen die Internierten volle Freiheit der Begegnung untereinander. Für gottesdienstliche Verrichtungen wurden alle Erleichterungen gewährt. Gegenv/ärtig werden besondere Vorkehrungen für gemeinsames Beten'aller Mohammedaner getroffen. Die Abibrucharbeiten in Jaffa, deren Art er in seiner Rede am 19. Juni und in Beantwortung emer Anfrage am 24. Juni auseinandergesetzt habe, wurden vom High Commisaioner als n o t w e n d i g und im Interesse der öffentlichen Sicherheit'gelegen erachtet. Er sei überzeugt, daß die Palästina- Regierung alle erforderlichen Schritte zur Unterbringung der exmittierten Familien getan habe und tun werde. Er habe vom High Commissloner einen Spezialbericlit Uber diesen Gegenstand eingefordert. Der Abgeordnete G a 11 a c h e r (Kommunist) fragte, ob er glauben solle, daß der Minister der Kommission ' ihrrn Weg durch Vernichtung der arabischen Be- Völkerung erleichtern wolle. Minister Ormsby-Gore: „Ich muß hiergegen protestieren. Be^or diese Gebiete in der Altstadt von Jaffa freigemacht wurden, damit ein Zugang zum Hafen eröffnet werde, Ist die gesamte Bevölkerung aus diesen Städtteilen entfernt worden. Es hat keinerlei Unfälle gegeben, die Arbeit Ist durchgeführt worden, ohne daß einem menschlichen Wesen ein Leid geschah." Abgeordneter Gallacher: „Trifft es nicht zu, daß ein neues Gebiet abgebrochen und keine Unterkunft für die Araber bereitgestellt wird?" Minister Ormsby-Gore: „Das ist durchaus unwahr, Es wurde für die Unterbringung spezielle Vorsorge getroffen." Der Abgeordnete Short fragte den Kolonienminister, ob die Palästina-Regierung die Rundfunksendungen in arabischer Sprache aus Bari in Bvidfenz halte, damit sie in Zukunft der Königlichen Kommission zur Verfügung stehen. Ferner fragte der Abgeordnete, ob dem Minister der Inhalt der von der italienischen Station Bari gesandten arabischen Kundgebungen bekannt sei; ob er wisse, daß in diesen Rundfunksendungen die englischen Truppen diffamiert werden, und daß sie darauf berechnet seien, die Araber zum Aufruhr gegen die Palästina- Regierung aufzureizen; habe man hiegegen Vorstellungen erhoben? Minister Ormsby-Gore antwortete, die Niederschriften dieser Rundfunksendungen würden aufbewahrt. Der Charakter gewisser Rundfunkkundgebungen aus Bari sei ihm bekannt, und er habe mehr als einmal vor dem Hause erklärt, daß der Außenminister Vorstellungen bei der italienischen Regierung erhoben habe. Er habe jedoch keinen Bericht über Rundfunksendungen der letzten Zeit erhalten, in denen das englische! Militär diffamiert wird, doch sei er informiert worden, daß eine Untersuchung hierüber durchgeführt wird. WelfpoiüiSc der Woche Der Versuch, die sich aus der Ungeklärtheit der Machtverhältnisse ergebenden Spannungen zu mildern und etwaige Kriegsgefahren zu beseitigen, führte gezwungenermaßen nach Genf. Es ging um zwei Dinge: um die vorläufige Liquidierung des italienischen Feldzuges, das ist um das vorläufige Schicksal Abessiniens, und um die Frage, welche Entscheidungen bezüglich der sich aus dem 7. März (Einmarsch reichsdeutscher Truppen ins Rheingebiet) herauskristallisierten Situation zu treffen sind. Hinsichtlich dieser Sache handelt es sich selbstverständlich nur um Projekte oder gar nur um Anregungen; denn auf den englischen Fragebogen an Hitler-Deutschland ist bis heute keine Antwort erfolgt, so daß positive Arbeit in dieser Richtung nicht zu erwarten ist, eher neue Forderungen des Dritten Reiches oder der Versuch, die Welt vor eine neue vollendete Tatsache zu stellen. Man ist seit dem berüchtigten 7. März nicht weitergekommen: zunächst deshalb, weil der italienisch-abessinische Konflikt noch nicht ausgetragen war; und weiter deshalb, weil England wieder einmal Zeit gewinnen wollte. Der plötzlich gefaßte Beschluß der Locarno-Mächte,,ohne.Deutschland (falls es nicht inzwischen, den Fragebogen beantwortet hat) Ende Wir erleben jet2t einen analogen Fall in Palästina. Gegen den arabischen Angreifer wurden .von Anfang an die schwächlichsten Mittel eingesetzt, so daß in ihm der Glaube wach werden konnte, die palästinensische Regierung meine es nicht ernst mit ihren Maßnahmen, worauf seine Angriffslust wuchs, sein Zerstörungswille soviel Schaden anrichten konnte. Hätte England „Sanktionen" gegen die Araber geübt, dann wäre es niemals zu den SO schweren, langdauernden und blutigen Szenen 'gekommen. Die Palästina-Regierung hat die Juden gezwungen, eine .{Ungleiche Partie" zu spielen, obwohl sie die Möglichkeit hatten, eine angemessene Gegenwehr zu organisieren. Zum Glück ist die substantielle und moralische Position der Juden in Palästina *o stark, daß der arabische Angriff an ihr zerschellen wird. Aber, wenn wir die ungleiche Partie gewinnen- — und wir werden sie gewinnen —, so geschieht das nicht durch die Abwehr des Herrn Wauchope und seiner Leute, sondern durch die Kraft der zionistischen Ueberzeugung. o. r. Schüler und Shylodc Der sogenannte Przytiker Prozeß, in welchem 43 Polen und 14 Juden wegen Teilnahme* an den blutigen Exzessen vom 9. März angeklagt waren, hat bekanntlich keine Sühne für die Morde gebracht, die an den Juden verübt wurden. Das Urteil stellte sich als eine offensichtliche Verhöhnung jedes Rechtsempfindens dar; der Freispruch der Mörder und die Verurteilung der Angegriffenen muß selbst in der Geschichte des grauenvollen Gegenwartsantisemitismus als etwas Außergewöhnliches erscheinen. Aber der Prozeß hat neben seinem tragischen; Ausgang auch eine heitere Seite — er brachte eine Pikanterie. Einer der polnischen Verteidiger, Rechtsanwalt Kuletschko (Rechtsanwalt — bitte, und Führer der Posener Nationaldemokraten, d. i. Pogromantisemiten),• sagte in seinem Plädoyer: „Die Juden wollen uns ihre Kultur aufdrängen* Das ist die Kultur des Shylock, der so meisterhaft von Schiller (!?) geschildert wurde." Wie man sieht, ist es mit der Kultur des Rechtsanwalts Kuletschko nicht weit her. Vielleicht wäre für ihn gar nicht von Schaden, sich „unsere Kultur" aufdrängen zu lassen. Vielleicht könnte ihm auf diese Weise ein wenig Bildung beigebracht werden. Diese ist allerdings für einen Führer der antisemitischen Nationaldemokra-1 ten, der sogenannten „Endekes", nicht nötig. Man muß nicht mit Shakespeare vertraut sein, um Pogromantisemitismus zu predigen. kauf! man' lör Jahrzehnte! Ihre Möbef müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir Vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. mann Große Auswahl! Tci Izahlungenl Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Juli in Brüssel eine Konferenz abzuhalten, wird das diplomatische Tempo in Europa nicht beschleunigen. Man arbeitet immer noch — anstatt mit Entschlüssen — mit Vorbehalten, mit halben, also unwirksamen Maßnahmen. Das Debakel dor Sanktionsverhängung über Italien zwingt allerdings die Mächte in Genf zur Vorsicht. Winston Churchill bewies viel Einsicht in den Gang' der Dinge, wenn er schrieb: „Die mit Soviel Aufwand zustande gebrachten Sanktionen waren in Wahrheit keine Sanktionen, die den Angreifer lähmen sollten. Sie waren nichts anderes als laue* halbe Maßnahmen, deren Hinnahme durch den Angreifer1 erwartet werden durfte, weil sie dazu beitrugen, den Kriegsgeist Italiens anzufachen." Dieses Geständnis ist deswegen wichtig, weil England von nun an wissen könnte, ' daß unernste Maßnahmen gegen eiuen Angreifer dessen Abenteuerlust nur noch verstärken. Nicht minder bezeichnend für die moralische Beurteilung kriegerischer Konflikte ist die Erklärung des britischen Außenministers E d e n, daß „die Partie (Italien-Abessinien) allzu ungleich"' gewesen sei. An dieser allzu ungleichen Partie ist.bekanntlich Abessinien zugrunde gegangen,, hat der Negus sein Kaiserreich verloren. Sonderbare Feststellungen, und gar in der Völkerbundstadt Genf! Gerade deswegen, weil unter den Staaten in bezug auf ihre Stärke Ungleichheit herrscht, wurde der Völkerbund gegründet. Er sollte diese Ungleichheit beseitigen, e r Bollte vermeiden, daß der Stärkere vom Schwächeren Nutzen ziehe, er sollte als kollektives Machtinstrument einen Ueberfall des Starken auf den Schwachen unmöglich machen. Hätte England, als Initiator der. Maßnahmen gegen das. angreifende Italien, vom ersten Augenblick an mit den Sanktionen ernst gemacht und die ungleiche Partie auf gleich gestellt, wäre es niemals zur Eroberung Abessiniens, zur Genfer Verlegenheit, zur Bloßstellung des Völkerbundes gekommen. Zeit gewinnen heißt nicht immer auch Kraft gewinnen. Jüdische „Rebellen" verurteile Aus Warschau. (J. T. A.) Vor etwa einem Jahre kamen im Städtchen Rzelichow, Kreis Siedlec, heftige antijüdische Ausschreitungen vor, in allen jüdischen Häusern wurden die Fenster eingeschlagen, mehrere jüdische Passanten wurden überfallen und niedergeschlagen, dabei wurden Jechiel Pal, Malka Celman, Mc-rdcchai Szulec und David Wolf Weisleder erheblich verletzt. Weisleder erlag einige Tage später seinen Wunden. Von der Synagoge, wo Weisleder betrauert wurde, begab sich die versammelte Menge zum Polizeikomman-< danten Mo taez und ersucht© ihn um Schutz von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung. Während die Juden vor dem Polizeihaua warteten, wurden mehrere von ihnen von Huligahs blutiggeschlagen. Der Starosta weigerte sich, die Juden zu empfangen und ließ acht von ihnen, nämlich Baruch Wyszbaum, Avigdor Jomtow, Jankel Garflnkcl, Mosche Grinhaus, Gedalja Ekerman, Mosche Chainisz, Litman Celman und Ellah Börnstein, wegen „Ungehorsam" verhaften. Vor einigen Tagen fand vor dem Siedlecer Krslagcricht der Prozeß gegen die antisemitischen Huligans statt. Alle wurden freigesprochen. Hierauf fand der Prozeß gegen die erwähnten acht Juden statt, die alle zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Hkuktymito„4uskia" OLGA KADltCH, BAD VÖILÄU F(|r Kinder von 3 Jahron aufwärts. Best« Erfolge auoh bot schlecht essenden u. schwerer erziehbaren Kindern. ErstWesslae Verpflegung. Von Aerzten empfohlen. Spott, Spiel, Unterricht Ganzjährig geöffnet jetzt SCHUBERTPLATZ 3 IN NEU ADAPTIERTER VILLA

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