Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 573 (3.7.1936)
- Date
- 1936-07-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 2× ep/1048048
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Seite fr DIE NEVB W~L£ '""^»^ Nr. 573 vom 3. Juli 1936? ' ■': -tr ¥ J : £ . fi /)? r » ,v h itf f ,» Die Autostraße Jerusalem— Tel-Aoio, die seit Wochen von arabischen Terrorbanden unter Feuer gehalten wird und nur unter Assistenz von Militärpatrouillen passierbar ist. Jüdische Chauffeure haben hier zahlreiche Proben oon Todesmut abgegeben. Der Hafenbau in TeI*Avw Von Dr. J. Adler, Tel-Aviv T e 1 - A v i v, Ende Juni. Im Laufe der fünf Wochen, die nunmehr seit der Betriebsaufnahme der Tel-Aviver Hafenanlage — erste Dampferankunft am 19. Mai 1936 — verstrichen sind, haben die Bauarbeiten bedeutende Fortschritte gemacht, der provisorische hölzerne Landungssteg, der den Leichtern (große Barken, die den Verkehr mit den auf Reede ankernden Dampfern vermitteln) bisher zum Anlegen diente, wird bald entbehrlich sein, da der Bau der großen eisernen Landungsbrücke sich rasch dem Abschluß nähert. Die LandungsbrUcke, die von der Küste aus — unmittelbar hinter dem „Galina'*-Hauptrestaurant des Messegeländes —'■ rechtwinklig ins Meer vorstößt, wird in kräftigster Konstruktion ausgeführt und erhält eine Länge von 150 Meter bei einer Breite von 6 Meter. Bis heute sind bereits 108' Meter vollendet; die tägliche Bauleistung beträgt gegenwärtig 4 Meter. Nach Abschluß der Konstruktionsarbeiten wird die Brücke mit einer für schwerste Lasten geeigneten Pflasterung versehen werden; dabei wird man auch ein Geleise für den fahrbaren Kran anlegen, der zum Laden und Löschen der Leichter dienen soll und bereits im Auslande bestellt ist.-Weiterhin ist man jetzt dabei, auf dem Hafengelände die notwendigen B e t o n.s.t r a ß e n — an Stelle der bisherigen provisorischen Bohlenwege — zu bauen, die an das Straßennetz des Messegeländes und der Stadt Tel- Aviv,. insbesondere an die Dizengoff-Straße und Ben- Jehuda-Straße, angeschlossen werden. Neben der provisorischen Baracke, die das Zollamt und die Hafenbehörde beherbergt, werden jetzt zwei massive Lagerhallen errichtet, die eine für ankommende und die andere für abgehende Güter. All diese Arbeiten, die zum ersten Bauabschnitt des Hafens gehören, werden voraussichtlich noch vor Ende Juli fertig sein. Gleich darauf wird der zweite Bauabschnitt beginnen, die Errichtung eines steinernen Molo und eines an den Molenkopf etwa rechtwinklig ansetzenden Wellenbrechers, wodurch im Zusammenwirken mit der Landungsbrücke ein künstliches Hafenbecken entstehen wird, das den Leichtern und kleinen Segelschiffen, insbesondere bei hohem Seegang, als Zufluchtsort zur Verfügung stehen soll. Nach Vollendung dieser Arbeit würde dann die Tel-Aviver Hafenanlage den heutigen technischen Stand Jaffas erreicht haben, ja, dank der dort nicht vorhandenen Landungsbrücke sogar einen Vorsprung besitzen. Während es sich bei dem bisher Erwähnten bereits um ein baureifes Projekt handelt, das in größter Eile realisiert wird, ist der dritte Bauabschnitt, der Ausbau der an das heutige Hafengelände anschließenden Jarkon- Mündung zu einem modernen Hafen mit unmittelbarer Landurfgsmöglichkeit für Dampfer, augenblicklich noch Im/ Zustande der Plänebearbeitung. Der Besuch eines 'Fachmannes von internationalem Ruf ist avisiert, dessen Gutachten als Grundlage des definitiven Bauentwurfes fungieren wird. Auf jeden Fall Ist dafür gesorgt, daß auch beim späteren Bau eines Großhafens die jetzt im Entstehen begriffenen Anlagen (Landungsbrücke usw.) ihren Wert nicht verlieren, sondern sich in den größeren Rahmen zweckmäßig eingliedern würden. Die Finanzierung des ersten und zweiten Bauabschnittes ist dadurch gesichert, daß kürzlich für den Hafenbaufonds („Ozar Mifalei Jan") schon beim ersten Appell an den Jischuw binnen weniger Tage 79.800 Pfund gezeichnet worden sind, wovon ,85 Prozent sofort in bar eingezahlt wurden. Die juristischen Vorbereitungen zur Umwandlung des „Ozar Mifalei Jan" in eine Aktiengesellschaft („Company") nähern sich rasch ihrem Ziel. Die Zeichnungsscheine sahen vor, daß die Emission der Aktien spätestens bis zum 31. Dezember 1936 durchgeführt sein soll. Vermutlich wird dies aber schon wesentlich früher erfolgen. Sobald die Aktiengesellschaft errichtet ist, werden ihr „Board of Directors" und ihr ^General Management" die Aufgaben übernebaiien, die einstweilen das Tel-Aviver Hafenkomitee („Waad Tel- Aviv le-Namal we-Tachburah") besorgt. Wie beim jetzigen Hafenkomitee, so ist auch bei der künftigen Hafengesellschaft der bestimmende Einfluß der öffentlichen Interessen (Jewish Agency, Handelskammer Tel-Aviv und Stadtverwaltung Tel-Aviv) gesichert. Geschäftsführer des Hafenkomitees und designierter Leiter der Hafengesellschaft ist jetzt der Chef der Schiffahrtsabteilung der Jewish Agency, Meyrowitz. Für die Besitz- und Betriebsverhältnisse ist folgendes vorgesehen: Eigentümerin des Hafengeländes ist die Stadt Tel-Aviv, welche der Hafengesellschaft ein Erbbaurecht einräumt. Die Hafengesellschaft ist Schöpferin und Besitzerin der Hafen- und Lagerhauseinrichtungen und führt auf Grund einer ihr von der Palästina-Regierung zu verleihenden Konzession den Hafen- und Lagerbetrieb durch (wobei ihr das Recht zusteht, einzelne Betriebszweige, z. B. den Leichterverkehr, an selbständige Unternehmer zu übertragen). Die Hoheitsrechte der Zollverwaltung und Hafenpolizei verbleiben der Regierung. Bei dieser Regelung werden alle Beteiligten auf ihre Rechnung kommen. Wie verlautet, liegen für die Baufinanzierung des künftigen Großhafens (Bauabschnitt ni) schon jetzt günstige Kapitalangebote aus der Londoner City und auch von anderer geldkräftiger Seite vor. Während die Hafenanlagen noch im Werden sind, hat der Hafenbetrieb selbst schon lebhaft eingesetzt. Die Leichterflottille, der „Chewrah ha-Saanuth Iwrith" gehörig und von Kapitän Sew-Kajam kommandiert, zählt bereits rund ein Dutzend Fahrzeuge, darunter mehrere Motorboote. Obv/ohl der Kran noch fehlt, werden schon jetzt täglich 200 Tonnen Ware gelöscht oder verladen. Die Gebührensätze sind dieselben wie bisher in Jaffa. Zugelassen sind als Importwaren Kohle, Zement, eiserne Röhren, sonstige Eisenwaren (außer Schienen), Kalk, Kies, sowie alle in Säcken transportablen Massengüter (Zucker, Mehl, Reis, Kartoffeln, Zwiebeln usw.). Die Holzeinfuhr wird aufgenommen werden, sobald die gegenwärtig eifrig bearbeitete Frage der Bereitstellung geeigneter Lagerplätze gelöst sein wird, womit man noch vor dem Herbst rechnet. Zur Ausfuhr gelangen augenblicklich verschiedenste Fabrikwaren (Fruchtsäfte, Marmeladen, Konserven usw.). Die Heranziehung des Tel-Aviver Hafens zur Orangenverladung in der nächsten Saison und zum Export der Kali- und Bronsalze des Toten Meeres ist noch Gegenstand technischer Vorstudien, die dem Vernehmen nach ein positives Ergebnis erhoffen lassen. Noch in der Zukunft liegt das Problem der Passagierabfertigung, wobei man sowohl an den Auslandsverkehr denkt als auch an eine Motorschiff- Schnellverbindung mit Haifa. Die Zuversicht, mit der man den Hafenbau vorwärtstreibt, und die Regelmäßigkeit, mit der sich bereits der Frachtverkehr mit den ägyptischen und syro-libanesischen Häfen vollzieht, tragen erheblich dazu bei, in dieser schweren Zeit den Mut des Jischuw zu stärken. Vor allem hat der nun fast vollendete Bau der imposanten eisernen Landungsbrücke bewiesen, daß der Hafen von Tel-Aviv mehr darstellt als nur ein Provisorium, daß er ein „fait accompli" ist, mit voller Geltung auch für die Zeit, wenn Jaffa den Betrieb wieder aufnehmen wird. Die Not der Stunde, die uns dazu trieb, der angedrohten „Aushungerung" Tel-Avivs sofort durch Schaffung eines eigenen direkten Zugangs zum Seeverkehr vorzubeugen, hat uns ein Werk von dauernder Bedeutung schaffen lassen. Zum Tode Jizchak Spetters. Vor kurzem ging durch die jüdische Presse die Nachricht, daß Jizchak Spetter, der Direktor der Lederfabrik „Leviathan" bei Tel-Aviv, von einer arabischen Bombe getroffen und getötet worden sei. Zu dieser traurigen Nachricht erfahren wir, daß der Verstorbene (er war noch nicht 28 Jahre alt) in Rustschuk (Bulgarien) geboren, nach Wien Ubersledelte und nach einer harten Schule und schweren Arbeitsjahren sich im Gerberfach ausbildete, um seine Fähigkeiten dem Aufbau Palftstjna« zu wWraen. Im Vprjahr übersiedelte er nach Tel-Aviv, wo er aus einer primitiven Gerberei neben dem arabischen Dorf Jadjur eine moderne Lederfabrik errichtete. Diese Fabrik wurde nach kurzer Zeit ein wichtiger Faktor in der industriellen Wirtschaft Palästinas. Am 19. Juni d. J. wurde er von einer arabischen Bombe getroffen, die seinem edlen jungen Leben ein Ende bereitete. Größere Kampfhandlungen Aus Jerusalem wird gemeldet: Bei den jetzigen Kämpfen zwischen den arabischen Aufständischen und britischem Militär in Palästina handelt es sich nicht mehr um Gefechte zwischen kleineren Posten, sondern um größere Kampfhandlungen, bei denen auf beiden Seiten große Einheiten eingesetzt werden. Die von militärischer Seite jetzt gemachten großen Anstrengungen lassen darauf schließen, daß es die militärische oberste Leitung darauf absieht, die Kämpfe durch Vernichtung des Gegners möglichst bald zu beenden. Wie der Jerusalemer Korrespondent des „Daily, Herald" meldet, unternehmen jetzt 1600 Seaforth-Hoch- Länder und Kgl. Schottische Füseliere, unterstützt von Panzerwagen, Tanks und Flugzeugen, in den Bergen von Nablus eine konzentrische Aktion mit der Absicht, die dort sich verbergende Bandenarmee auszutilgen und so die Wurzeln der Unruhen zu treffen. r Waudiope bedauert High Commissioncr Sir Arthur Wauohope hat sich im Flugzeug nach dem Eraek begeben und landete in Afuleh, wo er mit Vertretern der jüdischen Kolonien des Emek zusammentraf. Die Kolonisten forderten die Verlegung der Regierungsämter von Nazareth nach Afuleh, Asphaltierung der Straßen nach Ginegar und Nahalal und Entschädigung für die bei den Unruhen erlittenen Verluste. Der High Commissioner erklärte, er habe die Aushebung weiterer jüdischer Hilfspolizisten genehmigt, und sprach sein Bedauern (!) über die von den Kolonisten erlittenen Verluste aus. (J. T. A.) Bückgang des palästinensischen Außenhandels Tel-Aviv (Palnews). Der palästinensische Außenhandel, der im Jänner und Februar 1936 sich gegenüber dem Vorjahr nur ganz unwesentlich verringert hatte, ist im März 1936 im Vergleich zum entsprechenden Monat des Vorjahres stark zurückgegangen, Die Importziffern stellen sich wie folgt (in pal. Pfund): März 1936 März 1935 Lebensmittel, Getränke, Tabak . Rohstoffe......... Industrielle Fertigwaren . . . Verschiedene........__________________ Insgesamt....... 1,273.405 1,793.827 Insgesamt ist der Import gegenüber dem Vorjahr, im März 1936 um 520.422 pal. Pfund, bzw. 29 Prozent zurückgegangen. Während sich der Nahrungsmittelimport aber um nur 5 Prozent verringerte, reduzierte sich der Rohstoffimport um 43,5 Prozent, der Fertigwarenimport um 34,8 Prozent. Der Export ging infolge der verringerten Orangenausfuhr im März 1936 auf nur 635.084 pal. Pfund gegenüber 1,052.274 pal. Pfund im Vorjahr zurück. Bemerkenswert ist, daß sich der Lebensmittelimport gegenüber dem Vorjahr sogar etwas erhöht hat. Der Schlachtviehimport ist im März von 39.455 pal. Pfund im Vorjahr auf 50.658 pal. Pfund gestiegen. Dagegen hat sich der Import industrieller Waren im März 1936 außerordentlich stark vermindert. Bei Baumaterialien, Eisenröhren, Maschinen, Textilgeweben und Automobilen macht der Importrückgang im März gegenüber dem Vorjahr nahezu 300.000 pal. Pfund aus. Im Gegensatz zum Import hat sich — wenn man von der verminderten Zitrusausfuhr infolge der knappen Ernte absieht — der Export industrieller Rohstoffe und Fertigwaren sehr beträchtlich erhöht. 281.049 84.462 753.818 154.076 295.890 149.597 1,156.042 192.298 AntMudi§che E„zes§e m Algerien Aus Paris (1. Juli): In verschiedenen Orten Algeriens, so u. a. in Oran, Bu Saada und in Gonstantlne — die letztere Stadt war bekanntlich vor zwei Jahren Schauplatz eines blutigen Judenpogroms, bei dem mehrere Juden den Tod fanden — kam es in den letzten Tagen zu antijüdischen Unruhen, indem von Agitatoren aufgehetzte Teile der arabischen Bevölkerung Juden überfielen und mißhandelten. Der schwerste Zusammenstoß ereignete sich in B u S a a d a, wo ein Jude von Arabern gelyncht wurde. Der Jude, ein Gutsinspekton, hatte in einem der Zusammenstöße, die sich zwischen Arabern und Juden ereigneten, einen Araber niedergeschlagen und schwer verletzt. Er wurde verhaftet und von einigen Polizeibeamten zum Lokalnugcnschcin geführt. Ein Haufen Araber überfiel die Gruppe, entwaffnete die Polizeibeamteu und «schnitt dem Juden die Kehle durch. In Oran wurde nach mehrfachen Ucberfällen der Araber auf jüdische Einwohner das jüdische Stadtviertel unter militärischen Schutz gestellt. Bei der Abwehr dieser Ueberfälle kam es zu einem Feuergcfecht zwischen Arabern und Polizei, bei dem ein Araber getötet, zwei französische Polizisten und viele Araber verletzt wurden. In Gonstantlne kam es zu heftigen antisemitischen Ausschreitungen, die ihren Ausgangspunkt in einer Protestdemonstration jüdischer Einwohner gegen den Geschichtsprofessor am Gymnasium hatten, der ein führendes Mitglied der Croix de Feu ist und sich an der antijüdischen Hetze beteiligte. Die tiefere Ursache dieser Unruhen liegt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bevölkerung und in der Unzufriedenheit über die Arbeitsverhältnisse. Eine gewisse Rückwirkung haben auch die palästin ensis ch en Araber-Unruhen. Nach dem Beispiel der palästinensischen Araber wollen die algerischen Araber offenbar durch Inszenierung antijüdischer Exzesse einen Druck auf die Regierung ausüben, damit diese die gewünschten wirtschaftlichen Maßnahmen treffe. Die französische Presse fordert denn mich von der Regierung, daß sie sieh nicht mit der Unterdrückung der Unruhen begnüge, sondern durch wirtschaftliche Maßnahmen der Unzufriedenheit unter des' arabischen Bevölkerung den Boden entziehe. (J. T. A.\