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Die neue Welt · 1936-07-03 · Heft 573 (3.7.1936) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 573 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 573 vom 3. Juli 1936 gH V1:.'- «*'•' •'- * V9*f. JlicUatd Beee-MofinOHh> [f1 1 h >■ \ ^^P/^ r!2?^ Im deutschen Sprachbereich, in dem zahlreiche Männer jüdischer Abkunft wirkten, hat zweifellos nur Richard Beer-Hofmann, der am 11. Juli siebzig Jahre wird, Anspruch darauf, jüdischer Dichter genannt zu werden. Man braucht seine Werke — eine kurze, aber gehaltvolle Reihe — nicht erst minutiös zu analysieren, um zu empfinden, worauf es ankommt. Sogar jene Schriften, die keinen jüdischen Gegenstand zum Inhalt haben, jene Prosazeilen und Verse, die scheinbar auf dem Nährboden eines deutscheuropäisch-romantischen Schrifttums gewachsen sind, bezeugen die Herkunft des Dichters — die Herkunft von einer geistig-sittlichen Tradition, die ausschließlich jüdisch ist: jüdisch in der inneren Substanz, in der Melodie, in der Vereantwortung, sogar in der sprachlichen Haltung. Für Beer-Hofmann ist das „Schreiben" kein Akt willkürlichen, von der Phantasie getriebenen, vom Kunstverstand gebändigten Schaffens. Beer-Hofmann fühlt in sich eine hohe ethische Verpflichtung. Er ringt mit sich, „wie Jakob mit dem Engel rang", und und der Stoffkreis, so eng er gezogen sein mag, ist in die Unendlichkeit jüdischen Seins gespannt, geweiht durch die Kontinuität des jüdischen Schicksals. „Jaakobs Traum" und „Der junge David" sind Manifestationen des jüdischen Genius, der das Höchste anstrebt, immer wieder zu neuen Schönheiten und zu neuen Schmerzen emporsteigend, die Größe der jüdisch-hebräischen Antike mit dem Wirrsal der neuen Zeit verbindend. Beer-Hofmann, der jüdische Dichter, sei zu seinem siebzigsten Geburtstag ehrerbietig gegrüßt. o. r. Aus Beer - Hofmanns „Jaakobs Traum". (Nahum Zemach als Esau in der Uraufführung der „Habima".) m*ßi*0***mmmiimmmm***0»miivm»0mßm*m0mmHmmmi*wwMmi*mM Preßfreiheit Kein Recht auf Verleumdung , Aus Zürich (J. T. A.): Das schweizerische Bundesgerichfc hat einen staatsrechtlichen Rekurs des Redakteurs der Genfer Zeitung „R 6 a c t i o n", Jules Ernest Groß, gegen ein 'von der Genfer Regierung erlassenes Verbot von .Veröffentlichungen, die das re 11giöse.Gefühl verletzen, abgewiesen. ■ Durch die betreffende Verfügung, die von der Genfer Regierung am 3. April 1935 erlassen worden war, ist es den Zeitungen und Druckschriften, bzw. den für diese verantwortlichen Personen, untersagt worden, beleidigende oder verleumderische Angriffe in Wort oder Bild gegen einen Teil der Bevölkerung im Hinblick auf seine Religion oder Abstammung zu richten. Insbesondere wurde den Genfer Zeltungen . „L'Homme de Drolte" und „Röaction" jeder derartige Angriff gegen die jüdische Religion und Rasse verboten, ebenso die Verwendung der Bezeichnungen „prgane antisemite" und „Organe contre la juiverie" (Verjudung) durch das erstgenannte Blatt. Gegen Zuwiderhandlungen wurde die Beschlagnahme der Druckschrift und die polizeiliche Bestrafung der verantwortlichen Personen angedroht. .. Das Bundesgericht hat die Beschwerde gegen diese Verfügung mit folgender Begründung abgewiesen: Aus dem' Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit ergiht sich das Recht sachlicher Erörterung in religiösen Fra^n, nicht aber die Befugnis, Andersdenkende in b eleidigender oder verleumderischer Weise anzugreifen. Ein Kanton muß das Recht haben, derartige Angriffe im Interesse des religiösen Friedens zu untersagen und zu bestrafen, und die Verfügung hält sich dabe?, so wie. sie lautet, im Rahmen der Verfassung. Allerdings muß der Vorbehalt gemacht werden, daß eine Besprechung konfessioneller Fragen nicht schon deswegen unterdrückt werden; darf, weil die an sich sachlich gehaltene Erörterung ihrer Tendenz wegen das Mißfallen einerbestimmten Personengruppe erregt. Die angefochtene Verfügung untersagt beleidigende und verleumderische Angriffe gegen eine bestimmten Teil der Bevölkerung im Hinblick auf seine Rasse. Darin . liegt kein Verstoß gegen die Preßfreiheit. Zwar ergibt sich das Recht zur öffentlichen Besprechung d«r Judenfrage, also des Problems, ob die Juden in der Tat den anderen Staatsbürgern gleichzustellen seien. Dagegen darf der Kajaton gegen. VeröffentHchungen vorgehen, die über die sachliche Behandlung dieses Themas hinausgehen und gegen die Anhänger einer bestimmten Konfession Haß und Verachtung zu säen suchen. In diesem Sinne steht die Verfügung auch nicht mit Art. 55 B.-V. im, Widerspruch, sie darf aber in der praktischen Handhabung nicht zum Vorwand benützt werden, jede objektive Besprechung der Judenfrage zu verhindern. Wenn die Verfügung der Zeitung „L'Homme de Drolte" den Untertitel „Organe contre la juiverie" verbietet, so ist dies im Hinblick auf die beleidigende Form dieses Untertitels nicht verfassungswidrig; dagegen muß der Untertitel „organe antisemite" geduldet werden. Aus Griedienland Aus Saloniki (J. T. A.): König Georg H. von Griechenland, der nach einer Reise durch Mazedonien in Saloniki eingetroffen ist, nahm am letzten Freitag, an einem Festgottesdienst in der Salonikier Hauptsynagoge Bet Scha-ul teil. Die jüdischen Geschäfte hatten anläßlich des Synagogenbesuches des Königs bereits um 5 Uhr nachmittags geschlossen. Bei der Synagoge hätte sich eine zehntausendköpfige jüdische Menge eingefunden, um dem König zu huldigen, Schüler aller jüdischen Schulen büdeten ein Ehrenspalier. In der festlich beleuchteten und mit Teppichen reich geschmückten Synagoge hielt Oberrabbiner Dr. Koretz im. Rahmen des zwanzig Minuten dauernden Gottesdienstes eine Ansprache, in der er der Loyalität der jüdischen Bevölkerung Ausdruck gab. Der König dankte bewegt für die' Treuekundgebung der jüdischen Bevölkerung von Saloniki, , * Für die Neubesetzung der Lehrkanzel für Judaiatik an der Universität Saloniki, deren Inhaber, der Koreaner Jude Professor Lazare Belleli, die Altersgrenze erreicht, wurde vom Universitätssenat Öbejnrabblrier Dr. Zwl Koretz an erster Stelle vorgeschlagen. Oberrabbmer Koretz wurde zu dieser Nominierung vora Unterrichsminister Louvaris, der sich in Begleitung des Königs in Saloniki befindet, herzlich beglückwünscht. Jüdisches Prlvat-Kinderterleaheim „Atld" In Spital am-Pemmering. Herrn A. Taglicht, dem bekannten jüdischen Pädagogen ist es zu verdanken, daß jüdische Eltern ihre Kinder während der Ferien in einem jüdischen . Heime unterbringen können. Bas Heim wird in jüdischem Geiste und nach den modernsten hygienischen und erzieherischen Methoden geführt. Die Kinder haben nicht nur die Gelegenheit, die herrlichen Naturschönhelten des Semmerlnggebietes kennen zu lernen und sie in Muße zu genießen, sondern werden, auch in sportlichen Disziplinen ausgebildet. Kurse in hebräischer, englischer und französischer..Sprach©.. Musikalische Fortbildung» ..... // Josdie Kalb" int Bürgerthealer Wie wir erfahren, finden nunmehr die letzten „Aufführungen des Dramas aus dem chassldischen Leben „Jos che Kalb" in der Dramatisierung und Inszenierung von Morris Schwartz statt. Auf Grund des beispiellosen Erfolges wurde Morris Schwartz eingeladen« mit seinem Ensemble In verschiedenen Hauptstädten Europas Gastspiele zu absolvieren und wird einer dieser Einladungen in Kürze Folge leisten. Sonntag, den 5. Juli, findet eine Nachmittagsvorstellung von „Josche Kalb" zu bedeutend ermäßigten Preisen statt. Die Vorbereitungen für eine Gesell« schaftsreiso aus allen Ländern Europas — Durch« fuhrung Palestlno Expreß — zum Gründungskonzert (Professor Huberman) des Palästina- Orchesters sind in vollem Gange. Anmeldungen: Falestine Expreß, Vertretung für Oesterreich: Reisebürd „City", Dr. I. H. Körner, Wien, J.t Koblmarkt N r. 8, Tel U-26-4-29. E Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes)] "'"i Oesterreich: Heutf Ist der schönste! JCag Inj meinem Leben. England: Die Dubarry. Frankreich: Wenn Ich Rothschild wär* r-» Liebe. — Leidenschaft. Amerika: Die Courtisane von Versailles »—* Mandaley — Hart an der Grenze — Der junge Arzt —* Rendezvous — Die tolle Marietta — Schenk uns die Nacht — Zum Küssen geboren — Broadway-Melodie 1936 — Top Hat — Desire — Schwarze Fahnen.über China — Die neue Zeit — Wuachelkopf — Der schwarze Engel — General Sutter — Lerne lieben, ohne zu weinen — Musik um Mitternacht — Mädchen von heute — Ich lebe mein Leben — Der unsichtbare Strahl — Habe die Ehre — Ich bin eine anständige Frau — Das gelbe Gift -— Wir leben für Liebe — Liebeskadetten — Reiche Herren bevorzugt — Unter der Peitsche — Ketten — Das Rätsel von Zimmer 309. — Die 'Schreckensinsel im Pazifik. Filme unter Arierparagraph Wenn Menschen reif zur Liebe werden — Die lustigen Weiber — Die weiße Hölle vom Piz Palü — Der seltsame Gast — Der schüchterne Casanova — Der müde Theodor — Der König lächelt, Paris lacht — Die letzte Galavorstellung im Zirkus Barsony — Im Trommelfeuer der Westfront — Krach im Hinterhaus — Fährmann Maria — Rendezvous in Wien — Liebes-Intermezzo — Flitterwochen — Durch die Wüste — Der Außenseiter — Jana — Wenn der Hahn kräht — Ihr Freund, der Heiratsvermittler. Metro-Goldwyn-Mayer-Uraufführungen zur Zeit der Salzburger Festspiele Die Metro-Goldwyn-Mayer teilt mit: Mit Genehmigung der Salzburger Landesregierung wird die Metro- Goldwyn-Mayer zur Zeit der Salzburger Festspiele zwei ihrer bedeutendsten Filmwerke in Salzburg zur Vorführung bringen. Die Vereinbarungen, die zwischen der Salzburger Landesregierung und Herrn Felix Bernstein, als Bevollmächtigtem der Metro-Goldwyn-Mayer, getroffen wurden, sehen vor, daß der große Shakespeare- Film „Romeo und Julia" in Salzburg zur Welt-Uraufführung gelangt. Als zweites Filmwerk bringt Metro-Goldwyn- Mayer die europäische Uraufführung des Films „Der König der Frauen" (The great Ziegfeld). Dieser Film bringt eine hochinteressante Episode aus dem Amerika der Jahrhundertwende und zeigt die Wiener Schauspielerin Luise Rainer in der weiblichen Hauptrolle. Die Metro-Goldwyn-Mäyer-Filmuraufführungen werden in den „Mirabell"-Lichtspielen im Rahmen von Nachtvorstellungen gezeigt, und zwar so, daß zwischen den einzelnen Vorführungen ein Zwischenraum von je einer. Woche liegt. Von jedem Film' finden nur zwei Vorstellungen statt. Der Verkauf der Eintrittskarten (die billigste Karte kostet S 20.—) findet durch internationale Reisebüros in der ganzen Welt statt und es darf mit, Freude festgestellt werden, daß allein die Ankündigung der Uraufführungen genügt hat, um Hunderte von Anmeldungen aus der ganzen Welt bei Metro-Goldwyn-Mayer eintreffen zu lassen. Die Metro-Goldwyn-Mayer-Filmuraufführungen werden zweifellos dazu dienen, das große Interesse, das die Stadt Salzburg und ihre Festspiele in der ganzen Welt findet, noch zu steigern. Der Kartenvorverkauf für die MetrorGoldwyn- Mayer-Filmuraufführungen in Salzburg „Der König der Frauen" mit Luise Rainer und „Romeo und Julia" mit Norma Shearer und Lesie Howard in den Hauptrollen hat bei der Karten-Zentrale A. Gronner, Wien, I., bereits begonnen. KINO'PROGRAMME STAFA, VII Mari ahilf erstraOe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags; f, 7, 9 Uhr Bis 9. Juli Unter der Peitsche tnit Wallcice Beery SCHAFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: %4, V%6, tt8, ttio SHANGAI mit W. Oland und L. Young VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: *, Vi«, ttIO Bis 9. Juli Unter der Peitsche mit Wallcice Beery Die Abfahrt des Sonderzuges der „Czern. Allg. Zeltung" nach Polen und Ozernowitz findet am Sonntag, dexa & JjiU 1936, um 8 Ubc 30 vom Wordbabflüof aua statt*

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