Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 573 (3.7.1936)
- Date
- 1936-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 573 vom 3. Ju^36 DIE NEUE WELT Seite 3 ' Waämsfue^ei Ffir die abessinisdien luden Der Kolonialminister Lessona hat angeordnet, daß Sofort, und zwar im dringlichen Verfahren, etwas zur Assistenz und Organisierung der jüdischen Bevölkerung und der Gemeinden jüdischer Religion in Abessinien getan wird. Ferner wurde vereinbart, daß der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens seine Repräsentanz nach Abessinien entsendet, um dort zwei jüdische Gemeinden, in Addis Abeba und in Dire Daua, zu organisieren. Die gleiche Mission hat die Aufgabe, sich mit der eingeborenen jüdischen Bevölkerung, den Falaschas, in der Gegend des Tana-Sees in Verbindung zu setzen. Erlaß des italienischen Kolonialministeriums, 1936. Revolle und Karriere Die Juden haben den arabischen Kandidaten zur Anwaltsprüfung indirekt geschadet. Wegen der Einwanderung zahlreicher jüdischer Rechtsanwälte sind nämlich die Prüfungsbedingungen erschwert worden, so daß im letzten Jahr nicht ein einziger Araber mehr die Prüfung bestanden hat und die Aussicht auch für das nächste Jahr nicht besser ist. Brief eines arab. Studenten („Palestine Post"), 1936. *T Berufe raschest Seid für olle FIMIfl£D JL $AMM Dorolheers. 6 Graben) kriSVRfcEK Ol ^>\ßW9m Telephon R-23-2-30 ron 9 bis 8 Uhr Herzls Lösung Die Juden frage ist nur dadurch zu lösen, daß das jüdische Volk durch territoriale Konzentrierungen ein gleichberechtigtes Glied der Völkergemeinschaft werde. Freilich genügt hiefür der palästinensische Raum dllein nicht. Aber wenn man Syrien und Irak, die ohnehin in näclister Zukunft zu einer wirtschaftlichen Einheit mit Palästina zusammenwachsen müssen, in den Tätigkeitsbereich der jüdischen Kolonisation einbeziehen würde, so wäre für ein mit Kapital und modernen technischen Mitteln eingerichtetes, von nationalen Interessen beseeltes Volk genügend Raum vorhanden, ohne der arabischen Bevölkerung auch nur einen Hektar bereits kultivierten Boden wegzunehmen. Die lettische Zeitung „Briva Zeme", 1936. ,/Büdtedier" Kapitalismus Die Siege und Niederlagen der Religionssoziologie genügen nicht, die populäre Meinung von den Juden als Urhebern und Trägern des Kapitalismus zu zerstören. Sie geniigen nicht, wenn dem einfachen Mann auf der Straße täglich und stündlich der Jude als der erfolgreiche Kapitalist entgegentritt. Ja, es trägt zur Vertiefung dieser Meinung noch bei, wenn sich die großen Niederlagen des Kapitalismus in unserer Zeit zumeist auf dem Rücken jüdischer Kapitalisten und Gesellschaften vollziehen. O. M. Karpfen („Die Religionssoziologie der Juden")» 1936. Die Folgen der Haßpropaganda Im Anschluß an die Erklärung des Kolonienministers vor dem Unterhaus richtet die arabische Zeitung ,iEl Li loa a" maßlose Angriffe gegen das englische Parlament. Sie erhebt gegen das Unterliaus die Beschuldigung, es sei von jüdischem Geld beeinflußt. Die Araber, schreibt ,J$l Liwaa', würden diesen letzten entscheidenden Kampf nicht aufgeben. Alle Verhandlungen müßten nunmehr abgebrochen werden. In sehr scharfer Weise schreibt auch die Zeitung „Adifaa" — die das Parlament als eine Versammlung der „W eisen von Zion" bezeichnet. J.-T.-A.-Meldung aus Jerusalem, 1936. Das österreichische Komitee für den jüdischen Weltkongreß teilt mit Vor einigen Tagen haben wir mit der Arbeit in Oesterreich für den jüdischen Weltkongreß begonnen. Die jüdische Oeffentlichkeit ist über die in allen jüdischen Zeitungen veröffentlichten Ziele des Kongresses informiert. Das Komitee für den jüdischen Weltkongreß hat seinen Sitz in den Räumlichkeiten des zionistischen Landesverbandes für Oesterreich, Wien, I.,'Marc- Aurelstraße 5, und ersucht alle Freunde des jüdischen Weltkongresses, es in seiner Arbeit tatkräftigst zu unterstützen. Diese Unterstützung besteht darin, daß diese Freunde Unterschriftsbogen beziehen, um Unterschriften für den jüdischen Weltkongreß zu sammeln. Mit dieser Unterschrift legt man ein Bekenntnis zu den Postulaten des jüdischen Weltkongresses ab, welche lauten: 1. Schaffung einer ständigen Repräsentanz des jüdischen Volkes. 2. Verteidigung der jüdischen Rechte (nationale und bürgerliche). 3. Wiederherstellung der Gleichberechtigung der deutschen Juden. 4. Kampf gegen den Antisemitismus. 5. Schaffung der Grundlagen für eine jüdischökonomische Politik. 6. Rationalisierung und Demokratisierung der Jüdischen Hilfsarbeit. 7. Beteiligung am Aufbau des jüdischen Palästina. 8. Jüdische Emigration und Kolonisation. 9. Schaffung eines Volksfonds für die Durchführung dieser Aufgaben. Ferien 1930 in Polen für Juden. Wie alljährlich, werden auch In diesem Jahr unzählige jüdische Familien ihre Ferien in Polen verbringen. Eb ist uns gelungen, sehr günstige Arrangements mit einer Reihe von jüdischen Häusern in Krynica, Zakopane, Iwonicz, Truskawlec usw. abzuschließen. Alle näheren Auskünfte über diese Reisen erhalten Sie bei Dr. S. Tocker „In die Welt", IX., Liechtensteinstraße 2, wo Ihnen der Genannte bereitwilligst zur Verfügung steht, B Jüdischer Ruf an die Welt (Aus einem Vortrag im Maimonides-Institut, gehalten am 27. Juni 1936) Von Rabbiner Dr. Armand Kaminka In einem Vortrag über die ersten Kämpfe zur Eroberung des Heiligen Landes, welche bereits zu Lebzeiten Moses' stattfanden und in einem verlorengegangenen Chronikbuch der Kämpfe Gottes verzeichnet waren, kam Rabbiner Dr. Kaminka auf die gegenwärtige heldenhafte Verteidigung der neuen jüdischen Kolonisation gegen feige Ueberfälle, Brandstiftungen und Verwüstungen sowie auf die mangelnde Energie der Mandatsregierung bei der Unterdrückung des Aufstandes zu sprechen. Der bekannte Gelehrte führte folgendes aus: Nach einer Sage im Talmud haben bei der damaligen Rückkehr der Nachkommen Jakobs in das Land ihrer Ahnen die feindlich gesinnten, inzwischen dort ansässig gewordenen Heiden vom Emori-Stamm sich in den Bergen versteckt und von dort aus heimtückisch ihre tödlichen Geschosse gegen die friedlich vorüberziehenden Israeliten gerichtet. Nichts hat sich sonach seit ungefähr 3500 Jahren geändert. Ganz ähnlich ist es jetzt eine durch einen rein materialistischen Nationalismus aufgewiegelte Jugend — die offenbar nicht einmal weiß, wieviel der Islam dem Judentum verdankt —, die aus dem Hinterhalt, im Schutz der Nacht, durch Mordtaten an Menschen und blühenden Pflanzungen, das größte Werk Gottes in unserem Zeitalter, die Wiederherstellung Israels im Lande seiner Väter, zu verhindern Der Film seltsamer Abenteuer Ab 3. Juli: Imperial-Kino I, Schwarzenberg-Kino Maria-Theresien-Kino VII, Flieger-Kino IX. Universal-Hlm bemüht ist. Damals sollen nach der Legende die Banden auf wunderbare Weise durch ein Erdbeben ihren Untergang gefunden haben. Gegenwärtig müssen wir uns wundern, daß nicht ein Beben die gesamte gesittete Menschheit angesichts dieses Frevels erfaßt. Die Beamtenschaft der Mandatar-Regierung in Palästina, bis hinauf zu ihrem höchsten Leiter, der gewiß ein sehr vornehmer, mit den edelsten Eigenschaften ausgestatteter General ist, scheint nicht die richtige Vorstellung von der weltgeschichtlichen Bedeutung des jüdischen Palästina-Aufbaues zu haben, den mit aller Kraft zu schützen, mit Begeisterung und innerer seelischer Teilnahme zu fördern sie als eine ihnen von der Vorsehung gestellte stolze Aufgabe auffassen müßten. Ein Zeichen für diesen Mangel an historischem Sinn ist der von der Mandats-Regierung erstattete Bericht an den Völkerbund, in welchem gleichsam, wie von einer neutralen Warte herab, auf den Kampf zweier einander feindlich gesinnter Völkergruppen ein Blick geworfen wird, ohne daß ein Schimmer des großen Gegensatzes hervortritt, der zwischen den heroischen Aufbauern des Landes und den wilden Zerstörern, zwischen Kultur und Barbarei, besteht. Wenn man diese Kurzsichtigkeit vielleicht noch bei der Beamtenschaft im Lande selbst damit entschuldigen wollte, daß sie Personen und Tatsachen zu nahe steht und nicht die richtige historische Perspektive für das Werden der Dinge erlangen kann, so muß man es mit Schmerz und Verwunderung beklagen, daß diese Perspektive auch in Regierung s- und Parlamentskreisen des britischen Reiches fehlt. Nur so kann man es verstehen, daß der Kolonienminister, der dem Aufbauwerk gutgesinnt ist und in anerkennenswerter Weise für die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen eintritt, davon spricht, daß erst die Wiederherstellung normaler Verhältnisse abgewartet werden müsse, bevor eine königliche Kommission entsendet und neue Beschlüsse gefaßt werden würden. Man braucht keine zahlreichen Gesetze, Verordnungen, Untersuchungen, Kommissionen, Strafandrohungen und Radioverkündigungen, die in ihrer Gesamtheit so wenig Effekt erzielen, daß die destruktiven Elemente den Glauben an den Ernst der verantwortlichen Regierung nicht gewinnen und immer dreister und schwerer zu bändigen sind. Ein klares, zielbewußtes Handeln kann in wenigen Tagen die Ordnung schaffen. Das Ziel, das vom ersten Augenblick an mit einer jedem Einwohner Palästinas erkennbaren Deutlichkeit hervorgehoben werden mußte, war, daß Erez Israel, nach seiner historischen Ueberlieferung, nach den Verpflichtungen der Mandatarmacht und nach dem unerschütterlichen Willen des Völkerbundes, in erster Reihe als eine nationale Heimstätte für das durch so viele Jahrhunderte verfolgte und bedruckte jüdische Volk wiederhergestellt werden muß, wenn auch selbstverständlich die bürgerlichen Rechte der im Lande seit Jahrhunderten wohnenden Araber gesichert bleiben sollen. Mehr als 1200 Jahre haben diese seit dem Kalifen Omar Zeit gehabt, in diesem Lande Kultur und Gesittung zu entwickeln. Sie haben aber während dieser Zeit das Land nur in eine Wüste verwandelt, und nachdem in den wenigen Jahren seit der Balfour-Deklaration sich das Phantom der Rückkehr Israels in das Land der Väter in eine Tatsache verwandelt hat und hunderttausende Judep. mit unvergleigüUcüer Hingebung, in heldenmütiger schwerer Arbeit den Boden musterhaft kultiviert haben, wodurch auch den Arabern ein ungeahnter Wohlstand und Reichtum zugeflossen sind, wagen; es diese nachträglich, den in erster Reihe historischen hebräischen Charakter des Landes anzutasten. Wie wenig sie dabei übrigens von der Religionsgeschichte wissen, geht daraus hervor, daß ihr Führer Regelmäßiger Reisedienst billig und bequem wie immer. Nächste Reise: 27. Juni 1936 Ferien-Reisen ab 5. Juli : DVÄ,ln die Welt4 IX, liechtenstetnstraße 2 Telephon A-14-504 AuskUn'te und Prospekte über Reisen nach Bulgarisn, England, Italien, Jugoslawien, Palästina, Ungarn und andere Länder und übir Autobus-Reisen zur Aufreizung des Volkes sich des Märchens bedient, daß die Juden den Salomonischen Tempel aufbauen wollen. Wenn sie etwas mehr von der Bibel wüßten, wäre ihnen bekannt, daß gerade der Salomonische Tempel als Wahrzeichen der friedlichen Vereinigung aller Völker erbaut wurde und daß der große König bei seiner Einweihung das Gebet gesprochen hat (I.Könige, 8, 41—43): „Wenn der Fremde, der nicht von Deinem Volk Israel ist, von fremdem Land komen wird, Deines Namens wegen, und beten wird in diesem Hause, so mögest Du ihn erhören und erfüllen jeden Wunsch, den aussprechen wird der Fremde in dieser Stätte." Weiterschauende und erleuchtete arabische Führer müßten stolz darauf sein, im Geiste jenes Königs und im Geiste der großen Propheten, die ja auch im Koran als heilig betrachtet werden und die von einer Wallfahrt aller Völker zum Berge Zion sprechen, das Land mit HÜfe seiner wiederkehrenden, tatkräftigen jüdischen Bevölkerung zu einem kulturellen Mittelpunkt der; gesamten Menschheit zu machen. In England aber sollte man doch Verständnis ACHTUNG - WEIDENDEN' Volle Aktionsfähigkeit und Beseitigung von allen Beschwerden auch bei schwersten Bruch leiden durch Spezialbandagen nach Dr. Barrere (ohne Federn) und „AB$Ow-Bruchbänder mit drehbarenSchwammgummipelotten. Alleinverkauf: INSTITUT BSTANDIG für Fußheilbehelfe und Bandagen, Wien I, Freyung 5 (Ecke Teintaltsiraße für diese großen Aufgaben haben. Im britischen Reich leben mindestens hunderttausend anglikanische und andere Geistliche, die jeden Sontag in Andacht und Ergriffenheit Worte der Propheten und Psalmen lesen und ihren Gemeinden erklären. Viele Millionen Engländer lesen sogar Tag für Tag die heiligen Gesänge Davids, des hebräischen Königs in Jerusalem, der den Ruhm der Stadt für ewige Zeiten begründet hat, und festigen da>< durch ihren Glauben an Gott und ihr Vertrauen auf Wahrheit und Gerechtigkeit in der Menschheit. Im Geiste der Bibel und ihrer Ideale erzogenen Menschen müßte doch, gleichwie bei Lord Balfour, der primäre hebräische Cha-i rakter des Landes und die absolute historische Notwendigkeit einer Wiederherstellung der jüdischen Staatlichkeit in demselben so selbstverständlich sein, daß bei ihren staatsmännischen Maßnahmen ein anderer Gedanke gar nicht Raum finden könnte. Ich erinnere mich, daß ich im November 1918, nach dem Waffenstillstand, als nach mehreren Jahren wieder die ausländischen Zeitungen nach Wien kommen durften, in den „Times" einen großen Aufsatz las, der die Ueberschrift aus dem Psalm 10 trug: „Er dachte in seinem Herzen, ich werde niemals wanken." Es wurden in diesem Artikel die Missetaten, die nach Ansicht des Verfassers Kaiser Wilhelm II. vor dem Krieg begangen hat, und seine Ueberheblichkeit geschildert und dargelegt, wie Gottes immanente Gerechtigkeit den Zusammenbruch seines Reiches herbeigeführt habe. Zum Schluß bemerkte der Verfasser, jener Psalmvers sei aus einem Kapitel, das von jedem Engländer am zweiten des Monats gelesen werde, und gerade sei es der 2. August gewesen, an dem der deutsche Kaiser leichtfertig den In« u« auslandische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER Ewmnmmmmwammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Diu MAIR RAIS |H Wien I, Franz «Josefs «Kai 1, Tel. 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