Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 572 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 372 vom 26. Juni 1936 DIE NEUE WELT Seite 7, Ais fädtaUmee mÜ den. itoHettisHtin Uu^nu. iu Aiessikieu Die jüdischen Soldaten und ihre allseits anerkannte Tapferkeit — Begegnung mit Badoglio und Ciano — Jemenitische Gemeinde In Asmara — In einem Tempel der Fallaschas — Jüdisches bei den Abessiniern — „Mit dem Einmarsch der italienischen Truppen in Addis Abeba Ist die Sonne auch für den abesslnischen Juden aufgegangen" Ein Interview mit Dr. Aldo Sonn in o Der Krieg in Abessinien ist zu Ende. Das große abeasinische Relah gehört nun zu Italien. Es haben bekanntlich auch zwei italienische Feldrabbiner den Krieg mitgemacht: Dr. Aldo Sonnlno und Terracina. Ich habe mich an den soeben aus Abessinien zurückgekehrten Dr. Sonntoo gewendet, um den Lesern der „Neuen Welt" über sein Wirken und seine Eindrücke an der Front zu erzählen. Dr. Sonnlno ist 26 Jahre alt, Schüler des „Collegio Rabbinico Italiano" (Rabbinerseminar) in Rom und steht im Rang eines Leutnants. „Wie sind Sie, Herr Doktor, nach Afrika gekommen und worin bestand Ihre eigentliche Tätigkeit?" Billigste, angenehmste Erholung am Plattensee für Erwachsene, besonders aber für Kinder. Erstlkassige ungarische u. Wiener Küche. Orthodox «n^j Pensionspreis ab S 5.—, bei größerer Familie ermäßigt. Seeaussicht. Eisen, Pension Bristol, Balaton-Szarszo „Sofort nach Ausbruch des Abessinien-Konflikts habe ich mich als Freiwilliger gemeldet und wurde als Feldrabbiner an die Eritrea-Front entsendet. Es oblag mir, die religiöse Assistenz für meine jüdischen Glaubensgenossen zu besorgen. Gleich nach meiner Ankunft erließ das Hauptkommando eine Bekanntmachung, alle Soldaten jüdischer Religion mögen sich bei ihren Vorgesetzten melden. Es meldeten sich Über 250 Juden, darunter viele Offiziere und auch der General Adolfo Olivetti, Komimandant der Militärdivision .Cosseria'. Die Liste der jüdischen Soldaten wurde mir überreicht. Gleichzeitig wurde mir vom Hauptkommando ein Auto samt Chauffeur zur Verfügung gestellt, in welchem ich die Front bereisen konnte, um so eine Uebersicht über die jüdischen Soldaten zu haben und sie untereinander in einen Kontakt zu bringen. Ich bekam zwar nicht alle meine Soldaten auf einmal zusammen, hatte aber Gelegenheit, sie einzeln mehrmals zu sprechen. Ich hielt auch oft an die gruppenweise versammelten jüdischen Soldaten Ansprachen und forderte sie zum Gottesglauben und zur Opferbereitschaft £Ür unser Vaterland auf. Die mir von der römischen Judengemeinde für die jüdischen Soldaten mitgegebenen Sidurim, Talijoth und Tefilltn verteilte ich unter ihnen." „Herr Doktor, Sie sprachen von zirka dreihundert jüdischen Soldaten an der Eritrea-Front. An der Somali- Front unter der religiösen Fürsorge des Rabbiners Terracina dürften wohl nicht viel weniger gewesen sein, also zusammen gegen 550 jüdische Soldaten. Wenn man bedenkt, daß in Italien auf etwas weniger als 1000 Italiener 1 Jude kommt und an beiden abesslnischen Fronten gegen 300.000 Italiener kämpften, würde perzentuell eine Zahl von 250 jüdischen Soldaten entsprechend gewesen sein. Darf Ich daraus schließen, daß der Anteil der jüdischen Freiwilligen den Bevölkerungsprozentsatz weit tiberstieg?" MJawohl, dieser Schluß ist nicht falsch. Es befanden sich unter meinen Soldaten 80 Prozent Freiwillige/Ihre Tapferkeit und Opferbereitschaft wurde allseits gelobt und geschätzt. Viele wurden ausgezeichnet. Charakteri-* stisch ist der Fall des jüdischen Soldaten Rochner. Bei einem Nahkampf wurde er verletzt. Auf unserer Seite wollte man das Schießen unterbrechen und ihn inzwischen abtransportieren. Er aber lehnte ab und verlangte, blutüberströmt, man möge auf sein Leben nicht achten und die Aktion fortsetzen... Später wurde er mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet. Ein anderer Jude namens Hindard Barany, wahrscheinlich der einzig gefallene Jude, erhielt wegen seines heldenhaften Todes die Goldene Medaille." „Wie waren die Beziehungen der christlichen Geistlichen und der Regierungsstellen zu Ihnen und Biren jüdischen Soldaten?" „Mit einem Wort: ausgezeichnet. Ich stand zu allen Geistlichen in freundschaftlichen Beziehungen, insbesondere zu ihrem Oberhaupt: Cappellano Capo Don Riibaudo. Wir sprachen oft miteinander, so daß der Generalintendant Dall'Gra uns einmal unterbrach und lachend fragte, was wir denn einander soviel zu sagen hätten und wer dem anderen seinen Glauben früher bei- KINO'PROGRAMME STAFA, VII Mariahilf erstraße 120 Telephon B-S3-0-68 Wochentags: *, 1, » Uhi Vom 26. Juni bis 9. Juli Unter der Peitsche mit Wallace Baery SCHXFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 Ueginn: *h*, 'A6, Y%8, WO \Ü mitJoan Crawford VOTIVPARK 26- J""1 bls5J»» IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Unter der Peitsche Beginn: 4, ttw mit Wallac« Beery bringen würde... Es Ist klar, daß wir auch bei unserem Generalstab das vollste Verständnis fanden. Ich begann meine Tätigkeit gleich beim Beginn des Krieges, also unter Marschall De Bono. Später wurde ich von Marschall Badoglio in Eridä Jesu empfangen, um ihm Uber die Lage unserer jüdischen Soldaten zu berichten und eventuelle Wünsche zu äußern. Ich unterhielt mich auch längere Zeit mit Galeazzo Ciano, der besonderes Interesse für die Fallascha-Frage bekundete. Auf meinem Wunsch wurde für uns in Asmara eine Synagoge eingerichtet, wo wir unser Gebet verrichten konnten. Die dortige jemenitische Gemeinde bot uns einen Sefer Thora an. Wir nahmen ihn aber absichtlich nicht an. Ich wollte weder eine Thora noch ein Ewiges Licht in diesem Häuschen haben, damit es nicht den Charakter eines stabilen Tempels erhalte, da wir doch nicht wissen können, wozu dieses Haus später benutzt wird." „Sie sprachen von jemenitischen Juden in Asmara. Auf welche Weise sind diese hingekommen? Haben Sie auch abessinische Juden gesehen?" „Die 250 Juden zählende jemenitische Gemeinde kam vor 40 bis 50 Jahren von Aden nach Asmara. Sie führten ein sehr armseliges Leben und sind meistens sehr fromm. Außerdem leben gegen 50 europäische Juden in Asmara, die aber nicht organisiert sind. Auch unter unseren Ascari, den Eingeborenen in Eritrea, fand ich zwei Juden; sie stammten aus Arabien. Den abessinischen Juden, den Fallaschas, bin ich erst viel später begegnet. Mit dem Vormarsch unserer Truppen kamen wir immer südlicher. In und um Adua, Axum, Adigrat war kein einziger Fallascha zu sehen. In einem Dorf vor Makalle stieß ich schließlich auf eine Gemeinde der abesslnischen Juden, die aus 50 Familien bestand. Diese empfingen mich sehr freundlich,, aber mit äußerstem. Mißtrauen. Auch als ich ihnen zu verstehen gab, daß sie es hier mit einem Juden zu tun haben, änderten sie ihre 'Haltung nicht: Wie man später erklärte, deswegen, weil sich christliche Missionäre oft als Juden ausgeben, um Zutritt.und Vertrauen zu gewinnen... Sie wohnen, streng abgesondert von den anderen Abessiniern. In ihrer Nähe muß sich gewöhnlich eül Fluß befinden, der ihnen zur Reinigung dient. Schon die* bloße Berührung mit einem Abessinier ist ihnen Anlaß genug, sich als unrein zu fühlen und ein Tauchbad zu nehmen. Den Sabbath beobachten, .sie streng. Im großen und ganzen halten sie an der schriftlichen Tradition fest. Sie genießen niemals Fleischiges und Milchiges zusammen. Ich habe auch ihren Tempel besucht. An den beiden Ecken eines Tisches befinden sich hier zwei Vasen. In der einen soll sich Asche von der „Roten Kuh", in der anderen „heiliges Wasser" befinden. Es wird von einer auf Pergament geschriebenen Thora vorgelesen, die ffiKAinMIftfOTCSt ,tir Gelegenheitskäufe Wien VUI, Stadtbahnviadukt 23 . bej Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-3L der unsrigen ganz ähnlich ist. Auch bei den Abessiniern selbst, die bekanntlich Semiten sind, findet man viele' jüdische Spuren. Die häufigsten Namen sind: Dawid, Salomo, Elisa, Jesaia usw. Sie feiern den Samstag als Tag der Ruhe und Sohntag als Tag der Unterhaltung. Der Sonntag gilt schon als e r s t e r Tag der neuen Woche. Die Tage der Woche heißen: Sembet, Senui, Selos, Rebu, Hamus, Arb (wahrscheinlich Erew Erew Schabbath), und der Schabbath hat zwei Namen: Kedamit oder Sembet (so wie der Sonntag). Im September haben sie Neujahr und zehn Tage später einen sehr ernsten Feiertag, Maskai genannt, vor dem jedermann ein Tauchbad nehmen muß. (Sowohl zeitlich als auch sinngemäß sind hier die Spuren unserer Hohen Feiertage unverkennbar).) AU diese Dinge werden der Wissenschaft Gelegenheit geben, zu interessanten Ergehnissen zu gelangen." „Woher kommen, Herr Doktor, Ihrer Meinung nach die Fallaschas und inwiefern sind wir verpflichtet, ihnen zu helfen?" „Mit Bestimmtheit läßt sich hier schwer etwas sagen. Der Hypothesen gibt es unzählige und wohlbekannte Tatsache ist, daß die Fallaschas sich an die jüdische Religion halten und ihren Gesetzen nach bestem Wissen folgen. (Wohl gibt es auch in uns nähergelegenen Landern Glaubensgenossen, deren jüdische Herkunft sicherlich außer Zweifel steht und die ebenfalls hilfebedürftig sind.) Wir haben die Pflicht, den Fallaschas die größte Aufmerksamkeit zu schenken, sie auf einen höheren Lebensstandard zu bringen und vor allem für die jüdische Erziehung ihrer i Kinder zu sorgen. Wie italienische Juden haben hierin! schon eine Tradition. Ich erinnere an das von unserem unvergeßlichen Lehrer Dr. MargulieB s. A. gegründete ,Pro-Fallaschä*-Komitee und dessen Tätigkeit. Früher war jede Aktion in diesem schwer zugänglichen' Land allseits erschwert. Heute dagegen können wir auf das Wohlwollen der italienischen Behörden rechnen und ' den abessinischen Juden in jeder Hinsicht helfen. Denn mit dem Einmarsch der italienischen Truppen in Addis Abeba ist auch für die Fallaschas die Sonne der Zivilisation aufgegangen." P.N.Groß (Rom). Neue Primarärzte am Jüdischen Spital. Zu Primarärzten der beiden Abteilungen für interne Medizin am Spital der Israeli tischen Kultusgemeinde (Rothschildspital) wurden die Universitätsprofessoren Dr. Herbert Elias und Dr. Leo Heß ernannt. Die Schutzhütte der Hakoah, alpj£, am schönsten Platze des Semmerings gelegen, 20 Minuten vom Alpenstrandbad und vom Hotel Panhans entfernt, vermietet 20 Matratzenlager ä S 1.20 per Nacht und 24 Betten; ä S 2.— per Nacht und wäre eventuell die Möglichkeit gegeben, ganze Jugendverbände oder Korpo^ rationen unterzubringen. Anmeldungen im Sekretariat des S. K. Hakoah, Telephon R-25-0-10. Seh 'aaerseparater Seiden- Schürze ev 1§! hr äBi Elegantes K. S. Flämisch Sportkleid, aparte Muster TABORSTR.48* ^K^x%\\^ *"$&or ' «» S - » Äi* jitp ws&m mmw-iwx wmm<.$-?c- HA-?.«: Mm!5B«K mmmm.:-. •>" mm. mm f^.'-Ä'r.. s\