Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-06-26 · Heft 572 (26.6.1936) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 572 (26.6.1936)
Date
1936-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712197--5866-2719542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 572 vom 26. Juni 193Ö DIE NEUE WELT Englandi //Indisches Natsonalheint bleibt!" Aus London wird uns berichtet: Die langerwartete Bede des neuen Kolonienministers Ormsby-Gore (Wir haben deren Inhalt in unserer Ausgabe vom 23. Juni wiedergegeben. Anm. d. Red.) brachte insoweit eine Beruhigung für die hiesigen jüdischen und prozionistischen Kreise, als aus ihr hervorging, daß die Regierung und der größte Teil der öffentlichen Meinung unerschüttert an den von der Mandatarmacht für Palästina übernommenen Verpflichtungen festhalten. Wesentlich war ferner die Mitteilung Uber den Aufgabenkreis der kgl. Kommission, die nach Wiederherstellung der Buhe die Lage in Palästina prüfen soll. Ormsbsy-Gore gab einen Ueberblick Über die jetzt in Palästina konzentrierten Kräfte, über die Sicherheits¬ und Strafmaßnahmen der Regierung, Uber die Gewalttätigkeiten der arabischen Terroristen und sprach den Juden Palästinas die Anerkennung aus, die trotz äußerster Provokationen eine höchst lobenswerte Zurückhaltung gezeigt hätten. Zwischen England und dem arabischen Volk habe eine traditionelle Freundschaft bestanden, die erhalten bleiben soll. Gleichzeitig gebe es das jahrhundertelange Streben der Juden in der ganzen Welt nach einem Zentrum in Palästina. Dieses Streben und dieser Anspruch wurden von der Regierung in der Balfour-Deklaration des Jahres 1017 formell und höchst bestimmt anerkannt. Die Deklaration wurde späterhin in fast demselben Wortlaut von allen übrigen wichtigen alliierten und assoziierten Mächten im Kriege bekräftigt und wurde schließlich in einem Mandat verankert, das Englands Vollmacht für die Herrschaft in Palästina darstellt. Gegenwärtig, sagte Ormsby-Gore, herscht ein Zustand der Befürchtung auf beiden Seiten. Die Araber befürchten, daß die Juden das Land vollkommen beherrschen werden. Ebenso sehr befürchten die Juden, daß die große und wahrlich bemerkenswerte Aufbauarbeit, die sie bereits in Palästina geleistet haben, jäh unterbrochen und das Nationalheim, an das sie ihr Herz gehängt haben, zunichte gemacht werden wird. Ich glaube ehrlich, daß alle diese Befürchtungen grundlos sind; es muß aber auch gezeigt werden, daß sie es sind. Wir halten das Mandat für Palästina als besondere Treuhänder der Welt, die Palästina mit anderen Gefühlen als vielleicht jedes andere Land betrachtet. Wir sind entschlossen, unsere Autorität als Mandatarmacht zu wahren und Palästina mit Gerechtigkeit und Billigkeit gegenüber Juden und Nichtjuden zu verwalten. Was die Terroristen verlangen Admiral Taylor fragte, ob die Araber ihre Forderungen bereits formuliert hätten. Kolonienminister Ormsby-Gore antwortete, die Araber hätten vollständige Einstellung jeder jüdischen Einwanderung und des Verkaufs von Boden an Juden sowie die Einsetzung einer „nationalen Regierung", die einer gewählten Nationalversammlung verantwortlich sein soll, an Stelle der Regierung auf Grund der gegenwärtigen Verfassung verlangt. Er erkläre offen, daß es ihm nioht möglich sei, dieser Forderung zuzustimmen. Vernünftige Worte der Opposition Als erster Redner der Opposition erklärte der Abgeordnete Tom Williams, daß diese weder projüdisch, noch antiarabisch sei. Sie sei vielmehr für Palästina und wolle die Interessen aller seiner Bewohner fördern. Beim gegenwärtigen Streik handle es sich ausschließlich um einen gegen Mandatarmacht und Mandat gerichteten Streik. Die Forderungen der Araber stehen in klarem Widerspruch zu dem Wortlaut und Geist des Mandats und auch zu dem eigenen Interesse der arabischen Arbeiter und Bauern. Wenn wir der Ansicht sind, daß das Mandat durchgeführt werden soll, dann Ist die gegenwärtige Lage untragbar". Der Redner wies dann darauf hin, daß die Araber In Palästina noch immer über sechs Millionen Acres Boden besitzen, während der jüdische Bodenbesitz nur etwa 300.000 Acres beträgt. Wären die Verhältnisse wirklich so unerträglich für die Araber, dann wären nicht 250.000 Araber in den letzten zwölf Jahren nach Palästina eingewandert. Von einem rein arabischen Standpunkt gesehen, sei die wirtschaftliche Lage der Araber in Palästina niemals so gefestigt gewesen wie heute. In Palästina Ist Platz für Araber und Juden. Zu fordern sei eine feste Regierung. Abg. Williams sprach die Hoffnung aus, daß der Streik in Jaffa den Weg ebnen werde für die Errichtung eines neuen Hafens in T e 1 - A v i v. Es sei zu hoffen, schloß der Redner, daß in naher Zukunft nicht nur die Unruhen beendet seien, sondern die Führer auch ihr Palästina-Kandidaten! w Wl w 8 m 1. erledigen für Sie alle wichtigen Gesuche zwecks 11 Einreibe nach Palästina und Anforderungen, v 2. beschleunigen bereits länger eingereichte An- ■ Buchen, M 3. beraten Sio in allon wichtigen Palastina- B Angelegenhelten, Insbesondere in Fragen der Ueberaledlung. Ankunft, Verzollung, Unterkunft, Arbeitsbeschaffung usw. 4, versorgen Sie mit allen gewünschten Infor- B T mationen und Adressen, Schreiben Sie sofort an „SINAI"» Intern. Pal. Emlgrantenälenst, Tel-Aviv, Herzlstraße 68, Palästina. Rückporto beilegen. (Intern. Rückantwortschein.) Teil an der Verantwortung auf sich nehmen. Lord Winterton erklärte, daß zweifellos viel ausländisches Geld hinter der arabischen Revolte stecke. Die Situation sei ernst. Bisher hätten nur die Juden sich bewunderungswürdig gehalten. England hat die Araber befreit Lloyd George erklärte, daß die Araber die Abschaffung des Mandats verlangen, England aber werde seine Verpflichtung erfüllen. Die Araber, rief Lloyd George aus, haben keinen Grund, sich über England zu beklagen. Sie waren ein unterdrückter Volksstamm und die Waffen Englands im Weltkrieg haben sie befreit. Die Verpflichtungen des Mandats sind klar und bestimmt darauf gerichtet, die Errichtung eines Nationalheims für die Juden in Palästina ohne Schädigung der Rechte der arabischen Bevölkerung durchzuführen. Ich freue mich, daß die Regierung das Mandat großzügig interpretiert habe, seitdem die Juden in Deutschland in eine schwierige Lage geraten sind. Es ist außerordentlich wichtig, daß eine Machtentfaltung gezeigt werde, daß diejenigen, die die Revolte organisieren, einsehen, daß England es ernst meint. Ein jüdischer Selbstschutz ist notwendig. Die Dauerwelle auf Teilzahlung QEBE ICH ZUM QESETZLICH VORGESCHRIEBENEN MINDESTPREISE ANZAHLUNG UNO BEQUEME FRISIER-SALON KLEINE MONATSR AT EN WIEN IX, LIECHTENSTEINSTRASSE 39 Der frühere Kolonienminister Amery erklärte, daß keine Rede davon sein könne, eine Verpflichtung der Ehre und der Vereinbarung zu zerreißen und hob die strategische Bedeutung Palästinas für das britische Weltreich hervor. Abg. Jones führte aus, daß diejenigen, welche für die Aufrechterhaltung des Feudalismus in Palästina eintreten, Drahtzieher der Revolte seien; man müsse die gesamte Besiedlungspolitik auch in Trans¬ Seite H ■ :----T'l ~" '--- Griechenland über Iatimbnl—Korin (4 Tage Athen)........... 8 360.- Istanbul........... . . ab 8 130.— Mamaia ft. Schwanen Meer........ | II« Palästina—Aegypten.........• f Jf*«— Omls................ Sl«.- CftTtftt ............... 8 1«8.~ PBrtftchach . . ........... f 110-— Riccione .............. s 150-— Alle Preise Wien — Wien — Sondewüge nach Jugoslawien und Italien. Verlangen Sie unsere Spwial-Belseprospekte! (Dr. Relseklnb Austro-Lloyd Durchführung Reisebüro Schediwy, I., Welhbnrggasso Nr. 27, Tel. B-28*0-69._ _____ Jordanien, untersuchen. Colonel Brown sprach sich, für eine Begrenzung der Einwanderung aus, während sich Locker-Lampson für eine großzügige Interpretation dea Begriffs „Jüdisches Nationalheim" aussprach. Lord Rothschild hob die Bedeutung des neuen Tel-Aviver Hafens hervor, verlangte eine aktivere Rolle der Juden bei der Polizei und im Grenzkorps und erklärte schließlich, der Friede hänge von dem Grad der Entschlossenheit ab, die die Regierung In Befolgung der Richtlinien zeige, die im Unterhaus im Interesse eines schwer geprüften Volkes gegeben wurden. Anklage gegen London und Jerusalem Herbert Morrison sagte, es sei ganz sicher, daß die Regierungen in London und in Jerusalem wußten, wer die Rädelsführer des Streiks und die Mörder auf arabischer Seite waren. Er könne nicht verstehen, warum der High Commissioner zu Beginn der Unruhen nicht zu diesen Herren ging — es handelte sich um feine Herren — und, sagte: „Wir machen euch für das, was geschieht, verantwortlich, und wenn es nicht aufhört, werden wir gegen euch vorgehen!" Das wäre weit wirksamer gewesen als sich auf die umfassenden militärischen Maßnahmen einzulassen. Er berichtete dann über die jüdische Arbeit in Palästina, die er als eine der wunderbarsten Erscheinungen der Welt bezeichnete. Der Kommunist Gallacher, der bekannte antizionistische Hetzer, erklärte, es sei durchaus berechtigt, das Ende der Einwanderung zu verlangen, welche die Existenz Palästinas erschüttert habe(!). Der schürende Kommunismus Kolonieminister Ormsby-Gore erklärte iü seinem Schlußworte, _ die Dritteinternationale habe sich von allem Anfang an mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln der Absiedlung von Juden in Palästina widersetzt. Sie habe sich der zionistischen Bewegung von Grund auf entgegengestellt und das sei einer der Gründe, warum Kommunisten interniert wurden. Die kommunistische Bewegung habe Oel in die Flammen gegossen und sei zu einer antienglischen Kraft geworden. Die Regierung, sagte Ormsby-Gore, werde in vollem Umfang von den Sondermaßnahmen, in denen die Todesstrafe für gewisse Verbrechen vorgesehen ist, ohne Furcht oder Gunst Gebrauch machen. Es werden keinerlei Konzessionen gegenüber Gewalttat, Einschüchterung und Drohung gemacht werden. Die englische Regierimg werde nicht zurückweichen. Tue mehr für Deine Zähne: pflege sie mit hrten Qualitäts-Zahnpaste Oesterr. Erzeugnis He»at mit Nsditarsern — Entlassung Aus Berlin: Der Reichspostminister hat alle Gefolgschaftsmitglieder nochmals auf die gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen, wonach jeder Reichsbeamte, der eine Ehe eingehen will, nachzuweisen hat, daß die Person, mit der er die Ehe schließen will, arischer Abstammung ist. Die Abstammung sei stets vor der Eheschließung nachzuweisen. Der Minister erinnert daran, daß nach den gesetzlichen Beatimmungen die Verheiratung mit einer Person nichtarischer Abstammung für Beamte die Entlassung, für Angestellte und Arbeiter die Kündigung zur Folge hat. Talmud-Fälschungen als Beweismittel Aus Mainz: Vor der großen Strafkammer in Mainz wurde dieser Tage ein Betrugsprozeß gegen die Inhaber der bekannten Weinfirma S. Heymann Söhne, die drei Brüder Heymann, durchgeführt. Der Prozeß stand im Zeichen der antisemitischen Hetze. Der Hauptvorwurf, der gegen die jüdischen Firmeninhaber geführt wurde, war der, daß sie ihre Firma durch einen arischen Prokuristen als „deutsche Firma" tarnen ließen. In der Geschichte des Rechts wird dieser Prozeß einen außerordentlichen Platz einnehmen. Zum ersten Male wurde hier der Talmud vom Staatsanwalt als Beweismittel herangeholt und vom Gericht anerkannt. Da die Zeugenaussagen keinen Schuldbeweis er- Gratisfahrt nach Palästina Der Lloyd-Triestino hat dem Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs zum Sommerfest, welches am 27. Juni 1036 am Konstantlnhügel (Prater- Hauptallee) stattfindet, eine Sohiffsfreifahrt nach Palästina (tour-retour) In uneigennütziger Weise gespendet. Jeder Besucher des Sommorfestes erhält ein Gratislos, das ihm die Ohanoe gibt, die Freifahrt nach Palästina zu gewinnen. Bei Regen findet die Veranstaltung am nächsten Tag, Sonntag, den 28. ds., bei jedem Wetter statt. brachten, erklärte der Staatsanwalt, daß der Talmud den Juden erlaube, die Nichtjuden zu betrügen. Er zitierte Talmudstellen nach dem „Stürmer" und forderte das Gericht auf, diese Talmudstellen als Beweismittel anzusehen für die UnglaubwÜrdigkeit jeder Zeugenaussage eines Juden. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu 9 Monaten Gefängnis. Am Montag, den 22. Juni, sind 400 jüdische Auswanderer aus Warschau nach Palästina abgereist. Die meisten Auswanderer fahren auf Grund von Zertifikaten aus der neuen Schedule. (J. T. A.) Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs, Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Donnerstag, den 2. Juli, halb 9 Uhr abends, Vortrag von Aron S c h w e r t* fingen Der jüdische Weltkongreß. Zweite Landeskonferenz der Judenstaatspartei in Rumänien Die feierliche Eröffnung der Landeskonferenz fand in Anwesenheit der Vertreter sämtlicher zionistischer Institutionen und vieler Delegierter aus Altrumänien und der Bukowina statt. Seitens der Weltexekutive nahm Herr B. Weinstein teil. Nach einem Bericht des Herrn Philippe Rosenstein hielt Herr Weinstein ein Referat über die „Lage in Palästina". An der Debatte beteiligten sich: Silvio Demayo, Dr. S. 2alman, Av. M. Moscovici, B. Itichsohn, Idov Cohn, Dr. J. Mann, Dr. S. Pollincovski, Ing. Mizraohi, I. Minz, Av. I. Lebu, Dr. Bato, Kremer, Nadler Cogan, Klein, Preißmann usw. Nach Annahme der politischen und Organisator^ sehen Resolutionen wurde die Konferenz geschlossen. Sf ern'sche Lehru Erziehungsanstalt I, Werder forgossQ 12 Tel. u-28-1-97 Volksschule für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Sohulbeglnn, öffentllohkeitsreoht, Haupt- und Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Fremdsprachen, Sport, Musik.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.