Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 572 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 572 vom 26. Juni 1936 RABENSTEIG 3 H1MMELPF0RTG. 5 ^MMMMMHM g KÖLLN ERHOFÖASSEl w ^«mmm»—i EINZIG IM WIEMÜ! Reinseiden-Herren- Jfc 81 hemdert, bM{e Paßform nur R»infid*n-Kniehot* nur S 3.90 9 GRÖSSTE AUSWAHL InPyjamüsu.Bademöntßi Viele Sorten1 .-Aermel-Hemüßn —— etc. den Boden vorbereitet hatten, die Gefahren ausmalend, welche dem britischen Imperium drohen, wenn die Araber nicht befriedigt werden sollten, hat man nach London eine „unoffizielle arabische Delegation" geschickt. Warum eine unaffizielle? 1. Weil man unter sich selbst bezüglich der Taktik gegenüber England nicht einig ist und 2. weil eine offizielle Delegation im Kolonialamt nicht angehört wird, solange die Unruhen dauern, zumal doch die seinerzeitige Einladung abgelehnt wurde. Treffpunkt der Strohwitwer Restaurant Barschak II, Große Schiffgasse 8, Telephon A-46-4-39 Als erster ist Herr A. E. Gory, der Sekretär der palästinensischen Arabischen Partei, eingetroffen, die erste Schwalbe aus dem arabischen Nest. „Es handelt sich", hat er erklärt, „nicht nur um Palästina, sondern auch um Syrien, Aegypten, Transjordanien und das Reich des Ihn Saud. All diese Lander sind mit uns, helfen uns mit Geld und mit dem Boykott jüdischer Waren. Mehr noch: die hundert Millionen Muselmanen des britischen Imperiums stehen wie ein Mann gegen den Zionismus. Ihre Freundschaft zu England wird durch den Versuch gestört, Palästina zu einem jüdischen Land zu machen". Kurzum: England, sieh dich vor! Was will Herr Gory? Indem er die Ansichten der Experten wiederholt, daß im Land kein Platz sei, Ansichten, welche die Praxis schon längst widerlegt hat, stellt Herr Gory drei kleine bescheidene Forderungen: 1. Einstellung der jüdischen Einwanderung, 2. Verbot des Bodenverkaufes an Juden, 3. Schaffung einer nationalen konstitutionellen Regierung. Das Allerwichtigste aber ist: Einstellung der Einwanderung! Nur durch Erfüllung dieses Wunsches werde sich England die arabische Freundschaft erwerben. Was die Absendung einet1 königlichen Untersuchungskommission anbetrifft, sehen die Araber nicht ein, welchen Nutzen sie haben könnte, da ja bereits sechs Kommissionen das Land untersucht haben. Aber wenn schon eine Kommission eingesetzt werden sollte, müßten zunächst den Juden die Tore des Landes verschlossen werden. Nur das würde das Land beruhigen. Obwohl einige Zeitungen ein Interview mit Gory abgedruckt haben, kann man doch nicht sagen, daß sein Programm hier irgendwelche Durchschlagskraft hatte. Auch die Drohung mit den hundert Millionen Muselmanen hat London nicht geschreckt, aber Herr Gory und seine englischen Freunde führen ihre Arbeit weiter. Sie fahren von Stadt zU Stadt, halten Referate, lassen sich inter* viewen, verbreiten Falschmeldungen und Verleumdungen, kurzum führen in England einen moralischen Feldzug gegen den Zionismus und seine Positionen in Palästina. * Jetzt ist auch in London die „unoffizielle arabische Delegation" angekommen, die aus drei Herren besteht: Djemal AI HUsseini, dem Präsidenten der palästinensischen Arabischen Partei; Schibri Djamal, Sekretär der arabischen Delegation, welche im Jahre 1922 London besuchte, und Dr. Izzat Tanus, Mitglied der Husseini-Partei. Diese Delegation erklärte ganz bescheiden bei ihrer Ankunft, daß sie nicht beabsichtige, irgendwelche Verhandlungen mit der Regierung zu führen, sie bezwecke bloß, die englische öffentliche Meinung zu informieren, mit Parlamentsmitgliedern zu sprechen und die Provinz zu bereisen, wo die Menschen „objektiver" Sind. Billige Sonderfahrt 9 5. Juli bis 1*. Juli und aufgelößt nach Bukarest»d$iebenbQrgen Reisebüro „XRtJT» (Referent Rosenkranz), I, Karlsplatz 1 Telephon U-44-5-79 Man kann nicht sagen, daß die Delegation hier mit offenen Armen aufgenommen wurde. In der Presse fanden sich einige kurze Berichte über ihre Ankunft. Die „Daily Mail" brachte ein Bild, irgendwo erschien eine Erklärung der Mitglieder der Delegation. Das war alles. Man ist hier ein wenig müde in Dingen Palästinas. Auch hat die Frage der Sanktionen die ganze Aufmerksamkeit der Presse an sich gezogen. Nichtsdestoweniger wird die Delegation bald von sich hören lassen. Erstens hat sie den Presserummel gern, zweitens gibt es in England eine beliebte Rubrik „Briefe an die Redaktion". Alle Zeitungen drucken täglich zahllose solche Briefe ab, sogar wenn ihre eigene Politik mit den Briefen nicht übereinstimmt. Wenn diese Briefe nicht direkte arabische Propaganda sind, so sind sie der Widerhall der antizionistischen Agitation. Es wird in ihnen „Gerechtigkeit für die verfolgten Araber" verlangt, und dazu noch werden allerlei v/ilde Geschichten über jüdischen Kommunismus, Kapitalismus, Herrschaftsgelüste u. dgl. mehr aufgetischt. Wir haben es also hier mit einem organisierten konzentrischen Angriff auf den Zionismus und auf das Jüdische Nationalheim zu tun. Wie bei einem wirklichen Krieg wird ein Teil der Kampagne mit Gewehren, Bomben, Brandstiftungen geführt, und der zweite Teil mit einer giftigen Propaganda, welche die Widerstandskraft der Gegner demoralisieren soll. Die Araber arbeiten nach diesem Plan. Sie haben in London Verbündete und Helfer. Es ist nicht wichtig, ob ihre politische Wirkung groß ist. Das Geknatter von Raketen hat auch seinen Effekt. Es wird eine nervöse Stimmung geschaffen, die Menschen, besonders die einfachen von der Straße fragen: Wozu brauchen wir den Trubel? Man verlangt eine Entscheidung, einen Ausgleich, jedenfalls etwas, was das Land beruhigt. Hiebei wiederholt man das Sprüchlein von den doppelten Verpflichtungen. So schreibt „Daily Mail" einen giftigen Artikel wegen des „zweimal versprochenen Landes"; zweimal: einmal den Juden und einmal den Arabern. All das erzeugt Lärm. Es wirkt auf England und schüchtert die Juden ein. Vorläufig hält sich die Regierung in London fest. Im Parlament und in Gesprächen mit Politikern erklärt der Kolonienminister Ormsby-Gore immerwährend, daß, solange die Unruhen andauern, von der königlichen Kommission nicht die Rede sein kann. Die Politik Englands gegenüber dem Zionismus werde nicht geändert uns ldea>e PerietierholunH bietet Wiener »zttn im Meerbad Baska, Jugoslawien. Kinder und Jugendliche S 5 - täPHch. Prospekte Dr. S-Oomest Glaser II. Hochedllneerwse 0 Telephon A-46-7-57 werden. Vor Erstattung des Kommissionsberichtes würden keine Entscheidungen getroffen werden. Der Status quo bleibe weiterhin bestehen. Aber all diese Erklärungen dürfen Uns nicht täuschen. Die Regierung sucht einen Ausgleich. Sie möchte gerne mit einem Vorschlag kommen, der wenigstens für eine gewisse Zeit sowohl die Juden als auch die Araber zufriedenstellen könnte. Man sucht eine Formel und man würde uns dankbar sein, wenn wir sie hersagen wollten. Der letzte Leitartikel der „Times" ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Nach einer mehr oder weniger objektiven Schilderung der Lage fragt die Zeitung: Was wird weiter sein?, und gleich an derselben Stelle wird der Kanton-Plan angeführt: Die Aufteilung Palästinas unter Juden und Araber, oder ein noch besserer Einfall: Die Schaffung von reservierten Gebieten für Juden und Araber in Palästina. Es erübrigt sich, zu sagen, daß all diese Pläne gefährlich und unannehmbar sind. Man will uns eine Lösung' aufzwingen, die unseren Interessen abträglich ist. Die Ratschläge und Vorschläge kommen von Freunden, aber man fühlt aus ihnen das Echo des arabischen Angriffs in Palästina und in England. * Eine Menge Gefahren umlauern uns. Die größte von ihnen ist die Gefahr, die S o h 1 a c h t infolge schwacher Nerven zu verlieren. Gewiß muß für 3- bis 14 jähr. SCHLOSS GINSELBERG - NEUSTIFT BEI SCHEIBBS N.-ö. Herrliche Lage Vorzügliche Kot: Arzt im Helm Mäfllge Preise iol. IABE II CI Uli B Ä E W% Tele. ßroße Schiffgasse 5 Leitung: Dipl. Montessorilehrerin LORE REINIGER!""* *"1M man einen Weg suchen, gewiß ist es notwendig, mit den Arabern „zu sprechen", naive Sentiments werden uns nicht weit bringen. Aber sich vom arabischen Druck beeinflussen zu lassen, der seinen Widerschein im Druck der englischen Regierung und der englischen öffentlichen Meinung auf uns findet, wäre verhängnisvoll. Ich hätte solch eine Möglichkeit nicht in Erwägung gezogen, wenm ich nicht wüßte, daß sie vorhanden ist. Nicht jeder Vorschlag muß unbedingt schlecht oder gefährlich sein, aber wenn eine Seite maximalistisch und die andere minimalistisch ist, dann muß die Vorschlagsformel immer zu Gunsten der Maximalisten ausfallen, Es ist wichtig, daß unsere Haltung hart wie Stahl, scharf wie Stahl und kalt wie Stahl sei. Dem arabischen Angriff muß mit dem entsprechenden jüdischen Gegenangriff begegnet werden. In einem solchen Fall brauchen wir nicht ängstlich zu sein! Wird aber dieser Gegenangriff kommen? Nontestori-Iommerheim Strand -iT»"i iür 3"bis 16jährige. Kurort Suuerbrunn, »H IVJ schloßartige Villa, herrlicher Park, Bad, Brause, 5 reichl. Mahlzeiten, Premdsprachen. MKfetschulnachhllfe, Schwimmunterricht. II Bereits eröffnet II Leitung: Alice Frelstadt-Lederer, Edith Torten. Anmeldungen: Monte««orl-Klndergarlen, Wien 1, Eeillngg. 13, fei.U»23-0-70. 10-12, 4*1 Uhr Guter Hat Ist nicht Immer teuer. Besichtigen Sie die große Auswähl moderner Möbel in meinen Ausstellungsräumen. 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Die Unruhe, welche die französischen Juden erfaßt hat, ist daher begreiflich. Die antisemitische Propaganda wird jetzt in verschiedenen Formen betrieben. Ganz roh und nach deutschem Muster arbeiten die ,,Francisten" unter Führung des Frontkämpfers Marcel Bucard. In einer großen Versammlung, welche vor einigen Tagen im Saale „Wagram" stattfand, erging sich Bucard in heftigen; Schmähungen gegen die Juden. Als man ihn an die Opfer erinnerte, welche die französischen Juden im Kriege gebracht hatten, erklärte er, er habe nur vor den zweitausend im Kriege gefallenen Juden Respekt, alle anderen müsse man unschädlich machen. Er schloß mit dem Rufe: „Diese internationalen Vagabunden muß man aus Frankreich hinausjagen!" Trotz dieses wilden Gehabens und vielleicht wegen dieses Gehabens ist der Antisemitismus dieser Sorte nicht der gefährlichste. Uebrigens mußte der Frontkämpfer Bucard den Vorwurf der selbst antisemitischen „L'action francaise" daß seine Partei von Hitler-Deutschland Gelder empfängt, ruhig einstecken. Er wagte nicht, zu klagen. Eine solche Partei kann in Frankreich kaum einen Erfolg erzielen. Anders aber liegen die Dinge in den französischen Kolonien (z. B. in Algier), wo diese Art bei den fanatischen Eingeborenen Anklang findet. fik Weekend md Reise die bestrenommierten •ws ■ Feinwurst - Selchwaren - Fleischkonserven la Qualität Auch Postversand Ganz anders sind aber jene antijüdischen Strömungen einzuschätzen, die unlängst im Parlament in die Erscheinung traten. Der Vorstoß, den der Abgeordnete Xavier Vallat gegen Leon Blum unternahm, als sich dieser als Premier vorstellte, ist von der Presse doch etwas zu leicht genommen worden. Vallat ist nicht irgend ein Schreier, sondern ein Mann von anerkannten politischen Fähigkeiten und genießt bei der gesamten Rechten hohes Ansehen. Figurierte er doch bei der Wahl des Kammerpräsidenten als Gegenkandidat Herriots und erhielt nicht weniger als einhundertfünfzig Stimmen. Es ist nicht zu unterschätzen und es ist immerhin symptomatisch, wenn dieser Politiker, der sich vorher nie antijüdisch betätigte oder äußerte, jetzt an die Spitze seiner Ausführungen eine Attacke gegen Juden setzt. Bucard ist in Frankreich nicht allzu gefährlich. Vallat ist ernst zu nehmen. Sein Auftreten hat das Gefühl verstärkt, daß die Wahl Leon Blums, bei aller Anerkennung seiner politischen und menschlichen Qualitäten, doch eine Gefahr für die jüdische Sache in Frankreich und auf der ganzen Welt bedeuten kann. * Aus Paris: (J.T. A.) Im Generalrat des Seine- Departements fand eine Debatte über den von dem Ratsmitglied Darquier de Pellepoix vor kurzem eingebrachten Antrag statt, in dem der Widerruf aller seit dem Waffenstillstand Juden bewilligten Einbürgerungen, die Einschränkung des Stimmrechtes der Juden und ihrer Zulassung zu öffentlichen Aemtern -gefordert werden. Gegen diesen antisemitischen Antrag nahm das jüdische Ratsmitglied Hirsch scharf Stellung. Ea kam zu einem heftigen Zusammenstoß mit dem Antragsteller. Die Auseinandersetzung artete in Tätlichkeiten aus. H< Aus Algier: (J. T. A.) Anläßlich einer Kundgebung der Volksfront ist es in Sidi B e 1 a b b e s zu heftigen judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Juden wurden in den Straßen angegriffen und jüdische Geschäfte zerstört. Polizei und Militär sorgten für die Wiederherstellung der Ordnung. Verwundete wurden nicht gemeldet. Ferien 1930 In Polen für •luden. Wie alljährlich, werden auch In diesem Jahr unzählige jüdische Familien Ihre Forlen in Polen verbringen. Es Ist uns gelungen, sehr günstige Arrangements mit einer Reihe von jüdischen Häusern in Krynlca, Zakon pane, Iwonlca, Truskawlec usw. abzuschließen. Alle näheren Auskünfte über diese Reisen erhalten Sie bei Dr. S. Tocker „In die) Welt", IX., IdechtonstelnHtraßo 2, wo Ihnen der Gonannto bereit« willigst zur Verfügung steht. ß i