Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 572 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 572 vom 26. Juni 1936 # I Jed^S^^^^^^^^^^^^^^*^^''''''*''''''^^ _ denahrten mit der CteM. All*. Zeitung ■ nach POLEN und CZERNOWITZ I Abfahrt: 27. Juni 1938 (23'») und 5. Jttll, früh ■ <- Mmm Anmeldungen « i» c h 11 « i i it »» Rdwbflro ■ ^üüül*Hg_|,n<lcc v1* »otenturmatr. a«, R-M-2-86-87 % sondern Mißtrauen und Haß und Verachtung weckt Die Antwort, welche die Assimilation in Europa bekam, hat jetzt dieser Zionismus in Palästina erhalten. Die Araber wollen nicht von den Juden glücklich gemacht werden. Für den Zionisten, der von Herzl abgeirrt ist, bedeutet das eine große Enttäuschung. Der Herzl-Zionist hat mit dieser Antwort von arabischer Seite gerechnet. Er hat immer davor gewarnt, den Weg Herzls zu verlassen, die klare Zielsetzung und den Kampf um den Judenstaat einzustellen. Er kann jetzt nur hoffen, daß die harte Lehre in Palästina alle Zionisten endgültig davon überzeugen wird, daß kulturelle und wirtschaftliche Arbeit in Palästina ohne politische Sicherung sinnlos ist, weil man sie schutzlos dem Neid und Haß jener preisgibt die nun einmal von den Juden nicht glücklich gemacht werden wollen. Robert Stricker. k/otUkSfUe^ Das Wesen der englischen Politik Die nähere Bekanntschaft einiger Männer, die der Politik nahestehen, noch mehr aber die vieler durchschnittlicher Bewohner der Insel hat mich eines besseren oder wenigstens eines anderen belehrt. Heute glaube ich viel mehr Planlosigkeit in der englischen Politik zu entdecken als geheime macchiavellistische Planung, viel mehr Trägheit als Tücke, viel mehr Naivität als boshaften Egoismus, viel mehr Improvisation als List. Rudolf Qlden („Pariser Tageblatt") 1936. Zur Feier der Heidelberger Universität Es ist vollkommen unmöglich, daß eine englische Universität den Anschein erweckt, daß sie die Zustände in Deutschland billigt. Wenn man aber diese Zustände nicht billigt, dann ist es besser, es auch in einer entschiedenen Form zu sagen. Prof. M. Crowsman (Oxford) 1936. Restaurant Stefanie tobtet* Hugo u. Julie Herlinger geb. Zollner \WJ ii, Taborstraße 12 Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten Starke Hand in Palastina . Nichts ist im Orient gefährlicher als eine zweifelhafte, dilatorische und lässige Politik, eine Politik der Halbkonzessionen und der halben Ablehnungen und des Nachgebens vor der Gewalt. Das ist keine Frage zwischen den Juden und den Arabern, sondern eine Frage der britischen Ehre. Aber um an einen solchen vollendeten Tatbestand zu gelangen, ist eine konstruktive Politik und ein schöpferischer Wille nötig, dessen die Geschichte des englischen Imperiums nicht ermangelt. Les archives diplomatiques et consulaires (Basel) 1936. Zeichen von Solidarität Der Präsident der syrischen Republik, Mechmed Ali Bey, spendete für den Streikfonds der palästinensischen Araber den Betrag von 20 Franken. Er erklärte, daß er über nicht genügende Geldmittel verfüge. Als Antwort übersandten die Jaffaer Hafenarbeiter dem Präsidenten 200 Franken, damit er sich „etwas in die Kasse legen" könne. Bericht der Poln. Tel.-Agentur (Damaskus). Antidiristlicher Antisemitismus lieber Oesterreich ist ein Judenhaß hereingebrochen, der wie eine Flut nicht so sehr das äußere Leben der Juden als. das innere Sein der Christen bedroht. Daß Politiker sich des Antisemitismus als eines bequemen Mittels bedienen, um ihre Anhängerschaft bei der Stange zu halten, nimmt bald nicht mehr wunder. Furchtbarer ist es schon, wenn ein Priester sein Amt mißbraucht, wenn er Predigten, die zu Ehren Mariens, der ,Mutter der schönen Lvebe", bestimmt sind, dazu benützt, um, wie gesagt wurde, die „jüdische Fratze" zu entlarven. „Die Erfüllung", Juni 1936. lieber die göttliche Entstehung Israels Wenn gesagt wird, Gott habe das israelitische Volk erwählt, so ist damit nicht gemeint, daß er dieses Volk als ein bereits bestehendes vorfand, von den anderen, gleichfalls bestehenden Völkern absonderte und zu seinem Eigentum machte. Der Erwählungsakt muß hier vielmehr als. Schöpfungsakt verstanden werden; das heißt, Gott schafft sich erst das Volk, durch das er die ganze Menschheit segnen will, und darum stellt sich schon die Entstehung Israels nicht als ein natürlicher historischer Vorgang, sondern als ein Wunder dar. Der protest. Gelehrte Dr. Erwin Reisner, Verlangen Sie auch Im Restaurant und auch im Kaffeehaus ausdrücklich „Preblauer Sauerbrunn" in der Originalflasche, das gesundheitsfördernde, erfrischende österreichische Mineralwasser, E AUS PALÄSTINA „Die Lage —- seht ernst" Auf einer von allen zionistischen Parteien beschickten Tagung in Warschau erklärte der Vorsitzende der Zionistischen Palästina-Exekutive Ben Gurion: „Ich will ganze Wahrheit sagen. Die ökonomische Lage des jüdischen Palästina ist sehr ernst. Der Umfang des arabischen Aufstandes ist sehr groß und von einer ungeheuren Kraftentfaltung, so daß auch der Jischuw Riesenkräfte besitzen muß, um der Gefahr stand- Pension Tauber BAD VOSLAU Ritterstraß« 11 Tagespension ab $ 7.— zuhalten. Glücklicherweise ist der Jischuw ökonomisch gut fundiert, weil in den letzten Jahren unsere kolonisatorische Position befestigt werden konnte. Aber das wirtschaftliche Leben ist paralysiert, die Industrie schrumpft zusammen, die Kaufkraft des Jischuw erreicht das Minimum. Da der Verkehr von einem Punkt zum anderen mit Lebensgefahr verbunden ist, liegt der gesamte Handel darnieder. Der Jischuw macht heroische Anstrengungen, um die Verbindung zwischen den verschiedenen Orten aufrecht zu erhalten. Die jüdischen Chauffeure, die als die „Verbindungsoffiziere" fungieren, sind wahre Helden. Es kam kein einziges mal vor, daß sich etwa ein Chauffeur geweigert hätte, nach einem bestimmten Punkt zu fahren, mag der Weg noch so gefährlich gewesen sein. Der arabische Vernichtungsplan sah auch die Aushungerung des Jischuws vor. Die Fellachen, die gern ihre Prop£mm ttkskm - Semmemfdukte in die jüdischen Orte bringen wollen, erliegen dem Terror. Die Felder in den Kolonien werden am Tage bearbeitet und in der Nacht durch die gleichen Arbeiter beschützt. Ohne einen solchen Schutz wäre heute der Ji9chuw eine große Wüste. Aber auch die menschliche Kraft hat Grenzen, und unsere Arbeiter fallen vor Anstrengung um. Wir beorderten zahlreiche jugendliche Kräfte aus den Städten nach den Kolonien. Wir 1 müssen uns an die jüdische Welt um Stütze wenden, damit wir von dem großen Vernichtungsfeuer nicht eingehüllt werden. Mit zusammengepreßten Lippen und übermenschlicher moralischer Energie vermeidet es der Jischuw, das Prinzip?. y.Aug e;u*n&A u g.e".. anzuwenden. Wir wissen, daß wir allein erfolgreich dem Angriff begegnen könnten, aber unsere > nationale Pflicht sagt uns, daß ein solches Auftreten Erez Israel in ein Schlachtfeld verwandeln könnte. Siegen wird der, der die gesünderen Nerven hat. Und die haben wir. Wir sind nicht erschrocken, der Zionismus ist stark in seinem Glauben an den Sieg des friedlichen Bauens. Aber auch die Juden in; der Diaspora sind nicht erschrocken, täglich kommt jüdische Jugend aus Deutschland und anderen Ländern zu uns. Vielleicht ist die Galuth etwas zu ruhig, es grenzt ein wenig an Gleichgültigkeit. Wir vermissen das Aufflackern der Empörung und des Schmerzes. Vielleicht hat euch unser „Sieg" im englischen Parlament in Sicherheit gewiegt? Verlaßt euch nicht auf diesen Sieg. Nicht dort suchen wir unsere Freunde, die suchen wir im jüdischen Volke. Der Jischuw braucht eure Hilfen ihr müßt sie ihm geben!" Höhenluft Höhensonne GeMrsskinderhelin Konratfsgut 1250 m, AtPEN-MIlCH, ALPIN-BUTTER, erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung schlecht essender Kinder. Heimarzt, Spiel, Sport, Gymnastik, Ferialunterrlcht, Franzosisch, Englisch, Hebräisch. Auskünfte und Prospekte: SCHÜLERHEIM STADTPARK, III, Hansalgasse 6, Tel. B-64-9-86, Dr. E. ALDOR, XVII, Goldscheidgasse 6. Telephon B-40-3-B3 Angriff auf die Hebräisdie Universität Aua Jerusalem wird unter dem 24. d. gemeldet: Zum erstenmal war die Hebräische Universität auf dem Skopusberg zu Jerusalem Objekt eines systematischen Angriffs der arabischen Aufruhrer. Arabische Schützen besetzten alle zur Universität führenden Wege und eröffneten das Feuer auf die Gebäude. Durch diese konzentrische Besetzung sollte die schnelle Heranziehung britischen Militärs verhindert werden. Die jüdischen Sonderpolizisten, die die Bewachung der Universität übernommen haben, erwiderten das Feuer der Araber, hinderten diese am Näherkommen und zwangen sie schließlich zur Flucht. Als Polizei und Militär herankam, waren die Angreifer nicht mehr zu sehen. Eine Sondernummer der „Official Gazette" hat eine neue Ausnahmeverordnung veröffentlicht, laut welcher das Kriminalgerlcht ermächtigt wird, über Personen, welche Feuerwaffen, Sprengstoffe oder Brandmaterial besitzen, oder auf d^ren Boden solche gefunden werden, die Todesstrafe zu verhängen. Das Bezirksgericht wird ermächtigt, Vergehen dieser Art mit Gefängnis für Perioden von fünf Jahren bis zu lebenslänglicher Frist zu bestrafen. (Palcor.) * Der am Dienstag, den US. Juni, zu einer Sitzung zusammengetretene Oberste Arabische Ausschuß hat gemeinsam mit den Führern der lokalen Streikomitees beschlossen, die Streikkomitees in den verschiedenen Orten zur Fortsetzung dos Streiks aufzufordern. (J. T. A.) , > k a u f t man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswählt Tei Izah lungen! Möbelhaus Edelmann, VHI, Lerchenfelderstr. 12 Aufruf zum Jüdischen Weltkongreß An die Juden Oesterreichs! Das österreichische Komitee für den Jüdischen Weltkongreß veröffentlicht nachstehenden Aufruf: Sechzehn Millionen Menschen, durch Abstammung, Religion und Kultur untrennbar verbunden, sechzehn Millionen Juden, in alle Länder der Welt zerstreut, stehen ohne Vertretung da. Wohl vertritt die vom Völkerbünde anerkannte Jewish Agency das jüdische Volk beim Aufbau des jüdischen Nationalheims. In der Diaspora aber leidet es wehrlos und stumm, weil niemand da ist, der in seinem Namen vor dem Forum der Kulturvölker das Wort führen und handeln kann, In hartem Schicksal sind seine Teile vereint, aber zersplittert und zerschlagen ist es, wenn es gilt, dem Ünrecht und der Gewalt zu begegnen. Sollen die Juden nicht zugrunde gehen, soll nicht das älteste Kulturvolk die Beute grausamer und schimpflicher Verfolgung werden, dann muß diesem Zustande stummer Wehrlosigkeit ein Ende gesetzt werden. Den Juden aller Welt eine Vertretung zu geben, die, getragen vom Vertrauen des ganzen Volkes, für dieses Volk sprechen und handeln kann, das ist Sinn und Zweck des Jüdischen Weltkongresses. Nach gewissenhafter Prüfung aller maßgebenden Umstände ist das von Vertretern aller Länder beschickte Komitee für die Vorbereitung des Kongresses zu dem Entschluß gekommen, den ersten jüdischen Weltkongreß für den 8. August. 1936 nach Genf einzuberufen. Die Tagesordnung des Kongresses wird der Erledigung folgenden Programms gewidmet sein: Ziel des Kongresses: Schaffung einer ständigen Repräsentanz des jüdischen Volkes. Aufgaben des Kongresses und der von ihm zu wählenden Instanzen: 1. Verteidigung der Gleichberechtigung der Juden. (Wahrung seiner nationalen und bürgerlichen Rechte.) 2. Wiederherstellung der Gleichberechtigung der deutschen Juden. 3. Kampf gegen den Antisemitismus. 4. Schaffung der Grundlagen für eine jüdischökonomische Politik. 5. Rationalisierung und Demokratisierung der jüdischen Hilfsarbeit. 6. Beteiligung am Aufbau des jüdischen Palästina. 7. Jüdische Emigration und Kolonisation. 8. Schaffung eines Volksfonds für die Durchführung dieser Aufgaben. Wahlmodus- Wahlberechtigt ist jeder Jude und jede JÜ&Ui, welche sich zum Programm des Jüdischen Weltkongresses bekennen und das 18. Lebensjahr überschritten haben. Wählbar ist jeder in die Wahlliste eingetragene Jude (Jüdin), welcher das 24. Lebensjahr über«* schritten hat. Juden Oesterreichs! Die harte Zeit, in der wir leben, macht es übe? flüssig, weitere Worte über die große Bedeutung dieser historischen Tagung zu verlieren, die nicht nur füt das jüdische Volk eine Lebensfrage bedeutet, sondern für die ganze Kulturmenschheit von größter Wichtigkeit ist, weil die gerechte Lösung der Judenfrage dazu beitragen wird, den Frieden in der Welt zu fördern. Wo die Vertreter der Weltjudenschaft versammelt sind, dürfeu die Vertreter der österreichischen Juden nicht fehlen.