Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 571 (23.6.1936)
- Date
- 1936-06-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 571 vom 23. Juni 193 Ijeden Sonntag billig« Ferien - Son- . _ deriahrten mit der CSem. Allg. Zeitung »a<h POLEN u.d CZERNOWITZ Abfahrt: 27. Juni J9d6 (23'»> und 5. JUII, ffüh Anmeldungen ..«Ulichll tsnih" Reisebüro „Marunbrfltkc". I, Rotenturmstr. 26, R 24 2-8h87 ■■■■■■■■■■■■RflllHB Antwort und mit ZionsgruO Ihr ergebener IM e i r Großman n." In Verfolg dieses Briefes kam es zu einer gründlichen Aussprache zwischen Meir G r o ß m a n n, Dr. Weizmann und dem jetzt in London anwesenden Vorsitzenden der Exekutive in Palästina, Ben Gurion. Die beiden letzteren pflichteten Großmann bei und seine Vorschläge wurden angenommen. Ende Juni findet tatsächlich die Sitzung der europäischen A. C.-Mitglieder in London statt, welche auch die Bildung der von den Judenstaatszionisten beantragten politischen Spezialkommission beschließen wird. Abgesehen davon erklärte sich die Exekutive bereit, die Herren Dr. Machower, Vertreter der Weltleitung der Judenstaatspartei in London, und Meir Großmann zu enger politischer Zusammenarbeit mit der Exekutive sofort heranzuziehen. * Zwei katholische Pri'e§ter Aus Berlin wird berichtet, daß der seit einem Jahre laufende Prozeß gegen den katholischen Pfarrer Buddenbrock in Münster nunmehr durch die Bestätigung des Freispruches seitens des Reichsgerichtes in Leipzig abgeschlossen wurde. Pfarrer Buddenbrock hatte in einer Predigt die wüste Hetze, welche von den Nationalsozialisten gegen die Bibel, als Produkt des zersetzenden und lasterhaften jüdischen Geistes, aufs schärfste verurteilt und auch gegen das Christus und das Christentum schmähende Glaubensbekenntnis der Hitler-Leute Stellung genommen. Er hatte, wie die Anklage ausführte, u. a. gesagt: „Jedenfalls ist die Sittlichkeit des von den Juden' uns gegebenen Alten Testaments und der Zehn Gebote höher zu werten als die Sittlichkeit von manchen, die in unseren Tagen Führung und führende Stellen beanspruchen." Die „Reichspost" teilte mit, daß das Wiener erzbischöfliche Ordinariat über den Pfarrer Leopold S c h m i d der Kirche vom St. Rochus im Wiener Gemeindebezirk Landstraße ein Red e- und Predigtverbot verhängt hat. Pfarrer Schmid hatte es nicht nur verstanden, seine Kirche mit Elementen zu füllen — ja zu überfüllen —. welche sonst dem katholischen Gottesdienst grundsätzlich fernbleiben, sondern brachte es auch zuwege, seine neuen Zuhörer so zu befriedigen, daß sie ihrer Begeisterung, den in einer Kirche gebotenen Anstand beiseite lassend, mit brausendem Beifallssturm und wütendem Händeklatschen Ausdruck gaben. So ging es einige Wochen hindurch. Die Mittel, dank welcher Pfarrer Schmid sein Auditorium in die Kirche brachte und tiefinnerlich befriedigte, waren einfach und zeitgemäß. Er beschimpfte die Juden in rücksichtlosester Art und spendete den Nationalsozialisten Lob und warmes Mitempfinden. Wie er beides verband, zeigt ein Satz aus einer seiner Reden: ,;Etwa ein Jahr nach dem Februar 1934 hat man den von den gottlosen Juden verführten Brüdern volle Amnestie gewährt, und das war recht so. Aber bei den oft gar nicht so schlechten und nationalen Brüdern wird drakonisch weitergestraft! Das ist eine verbitternde und vergiftende Inkonsequenz . . . Wie lange noch?" Das Wiener erzbischöfliche Ordinariat aber hat gefunden, daß diese Art zu predigen der Würde und dem Interesse der katholischen Kirche wohl nicht entspricht und hat den Pfarrer Schmid mit einem Redeverbot belegt. * Eine anständige und vernünftige jüdische Publizistik muß es vermeiden, sich in interne Vorgänge der katholischen Kirche irgendwie einzumengen. Aber es gibt Vorfälle innerhalb der katholischen Kreise, die das Judentum tangieren und daher zu Stellungnahme berechtigen, ja verpflichten. Es ist keine unbefugte Einmischung, wenn man dem Verhalten eines Pfarrers Buddenbrock, der unter den schrecklichsten Verhältnissen den Gewalthabern gut-priesterlich zu trotzen und edelstes jüdisches Gedankengut zu schützen wagt, respektvolle Anerkennung zollt. Es ist keine unbefugte Einmischung, wenn man Unwillen über die Methoden des Pfarrers Schmid kundgibt, der von geweihter Stelle aus Giftpfeile gegen das jüdische Volk schleudert. _ Die Juden rn Abessmien Aus Rom: Hier hat unter dem Vorsitz dos Ministers für die Kolonien und unter Beteiligung von Vertretern des Verbandes der israelitischen Gemeinden Italiens eine Sitzung stattgefunden, in welcher die Lage der in Abcssinicn geborenen oder eingewanderten J u d e n besprochen wurde. Es ist beachloasen worden, daß die Vereinigung der israelitischen Gemeinden Italiens Vertretungen nach Addis Abeba und Diredauna schicken und dort jüdische Gemeinden begründen soll. Die Delegation soll auch die Aufgabe haben, mit den nördlich vom Tanasec ansässigen schwarzen Juden, den F alaachas, Beziehungen aufzunehmen, um dort für Scclsorge und Einrichtung von Schulen Sorge zu tragen. Ormsby-Gore über Palästina Aus London wird berichtet: In der Sitzung dc3 Unterhauses am 10. Juni gab der Minister für die Kolonien Ormsby-Gore die seit seiner Ernennung mit Spannung erwartete eingehennde Erklärung über die Politik der britischen Mandatarmaeht In Palästina ab. Man sah dieser Erklärung mit um so höherer Spannung entgegen, als man wußte, daß sich die englische Regierung in einer speziellen Kabinettssitzung mit den dem Kolonienminister zu erteilenden Anweisungen betreffend diese Erklärung befaßt hat. Die Parlamentserklärung des Ministers Ormaby- Gorc enthielt aber keine politischen Momente weitgehender Art. Er bezeichnete den heutigen Stand der Dinge in Palästina als sehr bedauerlich und sprach Befürchtungen aus, daß der „Bürgerkrieg" andauern könne, wenn auch die Administration Herr der Lage sei und überall, wo sich die Unruhe bemefkbar macht, rechtzeitig auftauchen und sie liquidieren könne. Minister Ormsby-Gore gab einen Bericht über die Sicherheitsvorkehrungen der Regierung, um der Situation in Palästina Herr zu werden, und betonte, die dringlichste Aufgabe im gegenwärtigen Moment sei die Wiederherstellung der Ordnung. Der Minister gab dann Bericht Uber die bisherigen Opfer der Unruhe: Unter der arabischen Bevölkerung zählt man 42 Tote, 109 Schwerverletzte und 275 Leichtverletzte; unter der christlichen Bevölkerung 4 Tote, 24 Schwerverletzte und 54 Leichtverletzte; unter der jüdischen Bevölkerung 38 Tote, 65 Schwerverletzte und 85 Leichtverletzte. Ueber die Zahl der in Palästina verhafteten und abgeurteilten Personen machte der Minister folgende Angaben: Von den Arabern wurden 1823 Personen verhaftet, davon 1205 abgeurteilt. 418 Juden wurden vor Gericht gestellt, 328 von ihnen sind abgeurteilt. Von den Arabern wurden 336 Personen freigeclic m ischcr Erfinderg vs i s t h a, L u nser Problem gelöst". (Weizmann erfand im Weltkrieg die Erzeugung von Azeton und machte dadurch, wie durch andere Erfindungen, die englische Munitionsversorgung von gewissen Rohstoffen unabhängig, die sie bis zum Krieg nur aus Deutschland beziehen konnten und deren Quellen nun verschlossen waren. Hinsichtlich der arabischen Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung sagte der Redner, daß England diese Forderung nicht annehmen könne, ohne seine Verpflichtungen zu verletzen. Die Echtheit des Vertrages zwischen Weltmann und König Feisal Am Schluß der Debatte gab der Minister für die Kolonien Ormsby-Gore eine ergänzende Erklärung ab. Auf die Anfrage eines Abgeordneten dementierte der Minister nachdrücklichst die Gerüchte, daß die Kopie des von König Feisal und Dr. Weizmann seinerzeit unterzeichneten Abkommens falsch sei. Der Minister machte sodann folgende Feststellungen: „Wir sind entschlossen", sagte Minister Ormsby-Gore, „diesen Kampf m Ende zu kämpfen, auch wenn dies die Anwendung harter Mittel bedeuten wird". Die Gelder aus dem Ausland Der Abgeordnete Johnston fragte, ob der Kolonienminister schon Beweise dafür habe, daß Unruhen und Blutvergießen in Palästina irgendwie durch Mittel aus außer palästinensischen Quellen finanziell gefördert werden und, wenn dies zutreffe, was für Quellen dies seien. Lord Hartington erklärte, der Kolonienminister sei der Ansicht, es sei kaum daran zu zweifeln, daß vor und während der Anfangsstadien der Unruhen Geld von ausländischen Quellen, die sehr schwer festzustellen seien, an Streikende und andere Personen in Palästina verteilt wurden; der Minister habe vom High Commissioner jedoch keine bestimmten Beweise dafür erhalten, was für Quellen dies seien. Abg. Macquisten: Kam nicht ein Teil aus Rußland? Die Frage blieb unbeantwortet. (J. T. A.) ikauff man für Jahrzehntel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Teilzahlungen! s Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 sprochen, 218 erwarten noch ihr Urteil. Von den Juden wurden 24 freigesprochen, die Urteile gegen 76 stehen noch aus. (Der Minister unterließ es an dieser Stelle anzugeben, daß es sich bei den jüdischen Angeklagten, bzw. Verurteilten nicht etwa um Angreifer handelt, sondern um Perrsonen, die die verschärften P o 1 i z e i v e rordnungen, betreffend den öffentlichen Verkehr überschritten haben. Die Red.) 80 arabische Führer werdon im Konzentrationslager in Sarafend angehalten, weitere 122 stehen an verschiedenen Orten unter polizeilicher Aufsicht. Zwei jüdische und zwei armenische Kommunisten wurden angehalten, 60 jüdische Kommuni st e n stehen unter polizeilicher Aufsicht. Zum Schluß semer Rede gab der Minister eine Erklärung über das künftige Verhalten der britischen Mandatarmacht gegenüber den Ereignissen in Palästina ab. Die britische Regierung, sagte der Minister, werdo sich weder durch Gewalt noch durch Terror einschüchtern lassen. Sobald die Ordnung im Lande wiederhergestellt sein werde, werde sich eine königliche Kommission nach Palästina begeben und die Verhältnisse unparteiisch untersuchen. Jür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 „Die britische Regierung", schloß Minister Ormsby-Gore, „ist bestrebt, eine Lösung zu finden, welche ihren Verpflichtungen beiden Parteien gegenüber entspricht und sie hofft, daß sie ihre Gerechtigkeit und Unparteilichkeit klar beweisen wird. Die Lösung, welche die Regierung finden wird, wird sie mit Festigkeit und Konsequenz durchführen. Juden wie Araber mögen sich dessen bewußt werden, daß der einzige Wunsch der britischen Regierung dahin geht, daß beide Nationalitäten in Frieden miteinander leben. Wir sind entschlossen, unsere Autorität als Mandatsmacht mit administrativer Vollmacht durchzusetzen. Sensationelle Rede Lloyd Georges Im Verlauf der Aussprache im Unterhaus über die Situation in Palästina hielt David Lloyd George, der zur Zeit der Verkündung der Balfour-Deklaration britischer Ministerpräsident war, eine aufsehenerregende Rede, in deren Verlauf er daran erinnerte, daß die Deklaration über die Errichtung der nationalen Heimstätte der Juden in Palästina in einem der dunkelsten Augenblicke des Weltkrieges erlassen wurde, Großbritannien sei damals zu der Ansicht gelangt, daß es eine bedeutsame Sache sei, die Sympathien der jüdischen Oeffentlichkeit in der Welt zu gewinnen. „Ich weiß nicht", fuhr Lloyd George fort, „ob sich das Haus vergegenwärtigt, was wir dem hervorragenden Gelehrten Dr. Chaim Weizmann schuldig sind, der die britische Armee im kritischen Augenblick im wahren Sinne des Wortes gerettet hat, als die erforderlichen Rohstoffe für unsere großen Geschütze fehlten. Sein AUS PALÄSTINA Die letzten Nachrichten besagen, daß an allen Stollen des Landes — bis auf die großen, geschlossenen jüdischen Siedlungen — weitere Terrorakte verübt wurden. In Jerusalem und Haifa waren wiederum Bombenwürfe zu verzeichnen. Zur Verwunderung des Jischuvs wurden an der Peripherie von Tel-Aviv die jüdischen Polizisten überraschend durch englische abgelöst und dio jüdischen Pressevertreter plötzlich zu einer Besprechung ins Regierungsgebäude geladen. Bei Kfar S a b a, bei der Arbeitersiedlung Kfar- Ezion, den Kolonien Atarot, den Emekkolonien Mischmar Haemek und Giwat Brenner, Ejn Wrad, Ekron, Monachmia und Mischmar Hajarden kam es zu Schießereien. Einen Feuerüberfall verübte eine starke Araberbande auf die Punkstation Ramallah bei Jerusalem. In den Pflanzungen von Pctach Tikwa wurden 10.000 Orangenbäume, an verschiedenen anderen Orten des Landes wiederum 25.000 Orangenbäume herausgerissen. Die Erklärung des Oberkommissärs (bei seinem Besuch im jüdischen Hadassa-Spital), daß er mit der Möglichkeit der Wiederherstellung normaler Vorhältnisse für die nächsten Tage rechne, scheint eine beruhigende Wirkung ausgeübt zu haben. Denn man sah am 16. Juni nach langer Zeit wieder in den jüdischen Hauptstraßen Jerusalems Araber in Nationaltracht in friedlichem Geschäftsverkehr mit Juden. In Jaffa wurde bereits mit der Evakuierung arabischer Familien aus der Altstadt begonnen. Durch das niedergelegte Viertel sollen zwei breite Straßen zum Hafen führen. Die Jaffaer Polizeistation wurde an dio Straße Jaffa—Tel-Aviv verlegt. Auf dem berühmten jüdischen Friedhof in Safed wurden 20 Grabsteine cerstört. Ein unruhiger Jahrestag Der 17. Juni, der Jahrestag der Hinrichtung der nach den Unruhen im Herbst 1020 zum Tode verurteilten drei Araber, verlief außerordentlich unruhig. In vielen Teilen des Landes kam es zu Attentaten auf Geleise und Brücken der Eisenbahnen und zu Feuerangriffen auf Militärpatrouillen. In Jerusalem beschossen arabische Aufständische jüdische Unternehmungen und auch das Kinderhospital in der amerikanischen Kolonie. Gegen das Gemeindeamt in Haifa wurden Bomben geworfen. — Trotz der vielen arabischen Angriffe ist man in britischen militärischen Kreisen der Meinung, daß die Araber infolge der guten Grenzüberwachung seitens des Militärs an Munitionsmangel zu leiden beginnen. Ein Wiener lüde getötet Aus Jerusalem (21. Juni). Der bei dem Bombenanschlag auf einen jüdischen Autobus in der Nähe von Jazur zwischen Rischon-lo-Zion und Tel-Aviv getötete Jude ist der 28jährige Josef S c h e f t e r, der aus Wien stammt. Er war Direktor der „Leviathan"-Gcrborci in Rischon-lo-Zion. Kelwehüro Irut tollt mit: Unsere beliebten Ferienreisen nach Polen und Caernowit/. mit direkten Schnellzügen beginnen am 28. Juni und 5. Juli. 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