Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 571 (23.6.1936)
- Date
- 1936-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen Dienstags den 23« Juni 1#36 jitLJLahfgang 186 Nr* S71 V*b*b* Zeitung vom Verleger versendet -Tnarnal &p6di6 par rediteur" m- Dn,vers»«äfeWWioth REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.4U, vierteljährig ö 4.-, ganzjährig S 16. ~; Polen monatlichZloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monaUlch Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.— : Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa SO.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anaeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung. IXtUniversitätsstr,8,IeLA-20-2-78 ~ Erscheint Dienstag u.Freita* ORBIS ' POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-aM-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Frledrlchstraoe 7, B.sr-soo, i. Graben 20, u.a».o-3S Weltpolitik der Woche Nach mehr als acht Monaten hat England die Sanktionen gegen Italien aufgehoben und dadurch auch den anderen Sanktionsmächten die Möglichkeit gegeben, die Beziehungen zu Mussolini normal zu gestalten. Die Sanktionsaufhebung seitens Englands ist allerdings nicht als „bessere Erkenntnis" zu werten, sondern als das Resultat der Ueberlegung, daß jetzt, wo Italien im materiellen Besitz Abessiniens sich befindet, diese Lage nur durch militärische Maßnahmen, also durch K r i e g, geändert werden könnte. Und einen Krieg? — einen Krieg um eines ostafrikanischen Kolonialkonflikts willen will England, kann Englaiid nicht führen: zunächst deshalb, weil es weder militärisch noch diplomatisch genügend gerüstet ist. Die Machtverhältnisse und die StimmungS: Verhältnisse haben sich in Europa seit dem abessinischen Abenteuer geändert. Englands Wort hat nicht die unantastbare Wirkung mehr. Der Glaube an Englands politische Unfehlbarkeit wankt. Man hat erkannt, daßes auf dem Weg der britischen Aktionen von Zeit zu Zeit Improvisationen gibt — hervorgerufen durch die unübersichtlichen Maschen der Weltpolitik oder durch minderbegabte Diplomaten. Mr. Eden z. B. hat in seiner Haltung gegenüber Mussolinis Abessinienforderungen mehr Irrtum als Bosheit, mehr. Naivität als Schlauheit, mehr Starrheit als Konsequenz bewiesen. Aber wie dem immer sei: Englands Politik scheint von einer schweren Last befreit und geeignet, sich den europäischen Fragen mit mehr Intensität hingeben zu können als bisher. Und das ist zweifellos ein Gewinn. Ein Gewinn für die friedensliebenden Staaten und für England selbst, allerdings unter der Voraussetzung, daß diese Politik -konsequent bleibt — gegenüber Europa und auch dem Vorderen Orient, d. i. Palästina, wo eben das Viertrauen auf Englands Fair Play auf die Probe gestellt wird. Das Aufgeben der Sanktionen kann als der Beginn der geänderten außenpolitischen Orientierung Englands angesehen werden. Maßgebend hiefür ist nicht nur das Fait accompli in Abessinien, sondern aüeh;—- so führt der „Daily Telegraph" aus — Deutschlands zunehmend unnachgiebige und die Entscheidungen hinausziehende Haltung, die Befürchtung .langandauernder Unstabilität in Frankreich Ufrd wahrscheinlich Mussolinis positive Zusicherungen. Diese erwartete Neuorientierung müßte natürlicherweise ein Abrücken von Hitler-Deutschland zur Folge haben. Wie weit solch eine Prognose Aussicht auf Treffsicherheit hat, läßt sich zur Stunde noch nicht ermessen. Deutschlands Antwort auf den sogenannten „Fragebogen" steht noch immer aus und wird gewiß noch längere Zeit auf sich warten lassen. Man erwartet im allgemeinen, Deutschland werde erklären, daß es noch immer nicht die volle „Rechtsgleichheit" mit den anderen Größmächten habe, daher dem gegenwärtigen Status seine Zustimmung versagen müsse. Aber schließlich wird auch diese Angelegenheit erledigt werden müssen, und da wird klar werden, auch für die englischen Politiker, ob eine Zusammenarbeit mit Deutschland auf dem Gebiete der friedlichen Bereinigung aller Fragen möglich ist. Eine Niederlage, wie Mr. Eden sie sich in Sachen des italienisch-abessinischen Feldzuges angesichts der ganzen Welt geholt hat, kann sich wohl nicht mehr wiederholen. Denn sie würde tragischere Folgen haben als die abessinische. Sie würde zu völliger Prestige,- Einbuße des 'britischen Imperiums führen, o. r, Motive der englischen Araber*Politik Von unserem palästinensischen Dr.-H.-R.Korresponden ten T e 1 - A v i v, Mitte Juni. Die politische Lage in Palästina hat sich in keiner Hinsicht geändert: Wie bisher werden jüdische Passagiere auf allen öffentlichen Straßen des Landes angegriffen, Bäume und Plantagen vernichtet und verbrannt, Häuser angezündet. Die Araber beweisen von Tag zu Tag mehr, daß sie ein unerschöpfliches Reservoir von Waffen und Munition haben und daß sie von einer militärisch geschulten Hand geführt werden, die mit materiellen Kriegsmitteln gut versorgt ist. Einen besonders tiefen Eindruck machte letztens die Tatsache, daß fast bei allen Zusammenstößen zwischen den Banditen und der Polizei diese gezwungen ist, wegen Mangels an Munition das Schießen einzustellen. Das macht den Eindruck, als wären die Banditen besser ausgerüstet als. die militärischen^ Kräfte der Exekutive. Die letzte Woche ist dadurch charakterisiert, daß die arabischen Terroristen zu offenen, brutalen Angriffen auf die jüdischen Kolonien übergegangen sind und daß Tel-Aviv schon zweimal von arabischen Terroristen besucht wurde, welche den Mut hatten, bei der Durchfahrt durch drei-verhältnismäßigi^elebt^. Gassen, wie Achad Haam Str., Balfour Str. und, Magid Str., Bomben zu werfen. So wagten sie auch letztens auf das Regierungsgebäude des Hochkommissärs zu schießen . . . Jeden Sonntag - Sonderfahrten mit Ii FRANC0P0L und Czernowiiz •i nach POLEN Nächste Abfahrten: 27. Juni und 5.Juli „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel.U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroß, VII. Mariahilferstraße 42, Tel. B-38-2-68 1 1 um Solche Erscheinungen sind ein Beweis dafür, wie sicher sich die Banditen unter der Patronage der Palästina-Administration fühlen. Man darf nicht vergessen, daß seit Beginn der Unruhen bloß zwei Mörder festgenommen wurden und daß man sie nicht wegen Mordes verurteilt hat. Nichtsdestoweniger ist der allgemeine Eindruck der, daß die Palästina-Administration alles tut, was in ihren Kräften steht, um dem arabischen Aufstand so rasch wie möglich den Atem auszublasen, und daß sie es wegen gewisser politischer Motive tut. die noch nicht ganz klar sind. Der „Daily Herald" bestätigt die Version, die man vor einigen Wochen in Palästina hören konnte, daß die Unruhen künstlich vom Oberkommissär gezüchtet werden, damit Grund vorhanden sei, das Militär, welches auf Grund des ägyptisch-britischen Abkommens nunmehr Aegypten verlassen muß, in das nahe gelegene Palästina transportieren zu können. Auch sollen finanzielle Motive eine Rolle spielen: England wird von nun an die große britische Garnison, die es am Mittelmeer braucht, auf Kosten der palästinensischen, das ist jüdischen Kasse aushalten. Und tatsächlich gewinnt diese Meinung immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Heute hat Palästina bereits rund 11.000 Soldaten, d. h. fünfmal soviel wie früher, wobei die Regierung sich anschickt, noch weitere Truppen ins Land'zu bringen, obwohl das Militär fast gar nicht zur Unterdrückung der Unruhen eingesetzt wird. Alle Nachrichten darüber, daß Wauchope strengere ^Mittel" gegenüber den Terroristen - an- . wende, iiai>enr^lsiier' kenic Bestätigung'''gefuin'den.^ Man zweifelt daher an der sogenannten „Verschärfung der Strafen", welche er eingeführt hat. In jüdischen Kreisen herrscht eine gewisse Aufregung über die offiziellen regelmäßigen Kommuniques, mit welchen der Oberkornmissär schon zehn Wochen hindurch das Land füttert. Diese Kommuniques, welche Zeugnis ablegen von der wachsenden Frechheit der Banditen und der Unzulänglichkeit der Macht-, organe, vergrößern bloß die Spannung im Lande und erhöhen die Angriffslust der arabischen Terroristen. Auch bezüglich des neuen Kolönienministers Ormsby Gore dürfen wir uns vorläufig keine allzu. großen Hoffnungen machen, denn seine Erklärung, daß das Mandat eine doppelte Verpflichtung beinhalte und daß man die' arabischen Führer nicht verhaften könne, da sie bloß einen ,,Streik" führen, läßt nicht viel Zuversicht zu. Der Standpunkt, nach welchem (nach Angabe unserer zionistischen Führer) unsere Lage nur in Palästina schlecht sei, in London aber günstig, muß daher revidiert werden. Wir dürfen nicht das Opfer einer Illusion werden. Die Judenstaafler fordern politische Konzentration Meir Großmann in London. — Weizmann und Ben Gurion nehmen seine Vorschläge an Der Vorsitzende der Weltleitung der Judenstaatspartei, Meir Großmann, ist nach einer viermonatigen Propagandareise durch die Vereinigten Staaten und Kanada in London eingetroffen und hat im Einvernehmen mit der Exekutive der Judenstaatspartei die Initiative zur Sammlung aller Kräfte in der Zionistischen Organisation zwecks Führung des politischen Kampfes für den bedrohten zionistischen Aufbau Palästinas ergriffen. Er hat vorerst folgendes Schreiben an den in London weilenden Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Professor Weizmann, gerichtet: „Werter Herr Dr. Weizmann! In Anbetracht der schwierigen politischen Lage, in welche der Zionismus jetzt geraten ist, und der Notwendigkeit sofortiger Gegenaktionen unterbreite ich Ihnen im Namen der Judenstaatspartei folgende Vorschläge: 1. Sofortige Einsetzung einer permanenten politischen Spezialkommission aus Vertretern aller zionistischen Gruppen. 2. Einberufung einer Sitzung aller in Europa weilenden A. C.-Mltglieder. Ich will die politische Tätigkeit, welche die Mitglieder der Exekutive jetzt in London entwickeln, in ihrem Werte gewiß nicht herabsetzen. Aber es scheint mir, daß es die Exekutive stärken würde, wenn sie sich in dieser schwierigen Lage auf den Rat und die Mitarbeit einer vom Vertrauen aller Gruppen getragenen politischen Kommission stützen könnte. Die Annahme meiner Vorschläge, so glaube ich, würde beim jüdischen Volk und bei der britischen Regierung den besten Eindruck hervorrufen. Ich glaube, daß es in dieser Situation unsere Pflicht ist, die zionistische Bewegung durch Zusammenfassung aller positiven Kräfte zum Zweck enger Zusammenarbeit moralisch zu stärken/ Die Verschiebung der A. C.-Sitzung in Jerusalem mag unvermeidlich gewesen sein. Aber die Versammlung aller verantwortlichen zionistischen Führer bleibt drinr gendes Gebot der Stunde. Ich glaube daher, daß die Exekutive die in Europa weilenden A. C.-Mitglieder zur Besprechung der Lage nach London einladen sollte. Die Sache ist dringend. Wir müssen ungesäumt alle unsere Kräfte mobilisieren. Ich bin überzeugt, daß die Exekutive diese Pflicht erfüllen wird. In Erwartung einer baldigen ff IRUT Unsere beliebten Ferienreisen nach Polen und Czernowiiz beginnen am 21 Juni und 5. Juli. Aukulhalt beliebig u-s inklusive September. Wir bitten um Ihre Teilnahme. R e. i. s e b ü r o ff IRUT" &SSSi Karlsplatz f Ä