Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 570 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712195--5854-2719528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
' Nr. 570 vom 19. Juni 1036 DIE NEUE WELT Seite 7 schweizerische Angelegenheiten gemischt hätte. Allcrdrjgs seien hier jüdische Hände im Spiele gewesen... Der Prozeß Frankfurter ist für den September 1936 angesetzt. Bei der bekannten schweizerischen Korrektheit und Unvoreingenommenheit der schweizerischen Gerichte ist mit einer einwandfreien Prozeßführung zu rechnen, wie seinerzeit im Fall des Prozesses um die „Protokolle der Weisen von Zion", die mit einer beispiellosen Blamage der Beklagten und ihres famosen Sachverständigen Oberstleutnant Fleischhauer endete. Aber man muß nichtsdestoweniger auch den nationalsozialistischen Versuchen, Stimmung gegen den jüdischen Attentäter zu machen, Beachtung schenken. Die Kommunisten und der Jüdisdte Weltkongreß Aus Paris wird uns berichtet: Die jüdischen Kommunisten in New York und in Paris haben in den letzten Monaten ihre frühere scharf gegnerische Einstellung zu gesamtjüdischen Aktionen und zur Kongreßbewegung geändert. In New York haben sich die jüdischen Kommunisten, die sich um den „Arbeiter-Orden" und um die Tageszeitung „Morgen-Freiheit" gruppieren, positiv für den Kongreß ausgesprochen, als für dasjenige gesamtjüdische Organ, das berufen ist, den Kampf gegen den Antisemitismus und Hitlerismus auf sich zu nehmen. Sie haben sich zum Beitritt zum „American Jewish Congress" und zur Beteiligung am J. W. K. bereit erklärt. Doch haben sich die Führer der jüdischen KQngreßbewegung wie auch die diese Bewegung unterstützende Presse (hauptsächlich der „Tog" und das „Morgen-Journal") gegen die Zulassung der Kommunisten ausgesprochen. Diese Stellung wird in dem offiziellen Organ des „American Jewish Congress" begründet. In einem „Achtung! Kommunisten! überschriebenen Artikel wird gesagt, daß die jüdischen Kommunisten in ihrem Vorgehen nicht frei seien und daß sie ihre bisherige Taktik nach Instruktionen von oben her geändert hätten. Ihrer Doktrin nach seien sie nicht in der Lage, sich. an einer nationalen jüdischen Einheitsbewegung zu beteiligen,' wie sie der J. W. K. darstelle. Die Kommunisten haben noch durch nichts bewiesen, daß sie es mit ihrer neuen Taktik für Demokratie und für gesamtjüdische Interessen ernst und aufrichtig meinen. In einem anderen Artikel weist das „Bulletin" darauf hin, daß die jüdischen Kommunisten, während sie sich in anderen Ländern an einer jüdischen Einheitsfront beteiligen wollen, zu gleicher Zeit unter den A r .a45 e r n in? Erez Israel - eine Hetzkampagne gegen die Juden und gegen die jüdische Einwanderung führen, und daß; sie, •'Solange dieser. Zustand ^andauere,- nicht zu der.Kongreß- "bewegung zugelassen werden, könnten. Auch in Paris haben die jüdischen Kommunisten (die sogenannte Sous-Section der kommunistischen Partei Frankreichs) in den letzten Monaten eine sehr positive Stellung zum Kongreß und zur jüdischen Einheitsfront eingenommen und sie haben diese Stellung in ihrer Tages: zeitung „Naje Presse" und in öffentlichen Versammlungen verteidigt. Die Führer der Kongreßbewegung in Frankreich haben sich der neuen kommunistischen Taktik gegenüber von Anfang an positiv verhalten und haben die Gruppe zu den in Paris stattfindenden Wahlvorbereitungen zugezogen. Auf der ersten Beratung am 13. Mai von Vertretern aller Vereine und Gesellschaften, die auf dem Boden der Kongreß-Idee stehen, haben die Kommunisten den Antrag auf eine telegraphische Intervention des französischen Kongreßkomitees beim „American Jewish Congress" gestellt, durch die dieser zu einer Annullierung seines Beschlusses betreffend die Nichtzulassung des „Arbeiter-Ordens" zum Kongreß aufgefordert werden sollte. Auch auf der zweiten Beratung am 20. Mai haben sie, in noch kategorischerer Form, die gleiche Forderung erhoben. Die Vertreter der Poale-Zion haben in ihrer Antwort auf die Hetzkampagne der jüdischen Kommunisten in Erez Israel hingewiesen und haben, sich gegen eine derartige Intervention ausgesprochen, solange man aus Amerika keine Aufklärung über die Gründe der Nichtzulassung der dortigen Kommunisten habe. Mit 24 gegen 17 Stimmen hat sich die Mehrheit der auf der Beratung vom 20. Mai anwesenden Vertreter dafür entschieden, daß man sich telegraphisch an den „American Jewish Congress" wegen einer Revision des gegen die Kommunisten gerichteten Beschlusses wenden solle. Nach der Abstimmung erklärten die kommunistischen Vertreter, daß sie sich bi3 zur Aufklärung der Frage der Zulassung der amerikanisch-jüdischen Kommunisten an den Kongreßvorbereitungsarbeiten nicht weiter beteiligen würden. Nach Abgabe dieser Erklärung verließen sie die Beratung. Gratisfahrt nadi Palasfaita Der L1 o y d - T r 1 e s t i n o hat dem Verband der Judenstaatszionlsten Oesterreichs zum Sommerfest, welches am 27. Juni 1936 am Konstantinhüge! (Prater- Hauptallee) stattfindet, eine Schiffsfreifahrt nach Palästina (tour-retour) in uneigennütziger Weise gespendet. Jeder Besucher des Sommerfestes erhält ein Gratislos, das ihm die Chance gibt, die Freifahrt nach Palästina zu gewinnen. «►«♦••«S»-» ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ <» •^>O-<»~«0i»-<»"»-<^-«»»"<fr ♦ ♦ ♦ ♦ Jüdische Brauchbücher. Die Weckung unseres Nationalgefühls und die Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren machen mußten, haben die Entstehung interessanter, schon längst notwendig gewesener Werke hervorgerufen, die unser Wissen um Juden und Judentum in erstaunlichem Maße erweitern. Oft konnte und kann man gerade auf dem Gebiet altjüdischen Brauchtums in Familie und Gemeinschaft eine geradezu erschreckliche Unkenntnis beobachten. Der um die Popularisierung jüdischen Wissens so verdiente Schocken-Verlag in Berlin hat es sich in den beiden vorliegenden Werken von Moritz Zobel „Der Sabbath" und „Das Jahr des Juden in Brauch und Lithurgie" zur Aufgabe gestellt, auch hier bahnbrechend zu wirken. In dem dem Sabbath gewidmeten Buch faßt der gelehrte Verfasser schlechthin alle auf diesen Tag bezüglichen Quellen aus Bibel, Talmud, Midrasch und mittelalterlicher Literatur zusammen, um uns so sein: Werden und seine Stellung im jüdischen Schrifttum vor Augen zu führen. Die Besprechung der außerjüdischen Anerkennung für den Sabbath, wie die Darstellung der Gebete, des Rituals, der Sabbathbräuche und Gesänge erschöpfen den Gegenstand vollends und geben uns ein interessantes Abbild dieses wichtigsten Zeugnisses jüdischen Geistes. „Das Jahr des Juden" will ein bescheidener Beitrag zu einem umfassenden volkskundlichen Sammelwerk sein. Das Buch ist eine Fundgrube für alle häuslichen, öffentlichen und gottesdienstlichen Bräuche unseres Volkes. Nichts entgeht dem kundigen Auge des Autors. Er schildert in großartigem Aufbau alle Tage des jüdischen Jahres in ihrer Beziehung zum Judentum. Die vielen transkribierten Bezeichnungen und übersetzten Stellen erhöhen den Wert des Buches. Dr. L. M. Joachim Stutschewsky: Mein Weg zur jüdischen Musik. Jibneh-Verlag, Wien. Seit Jahren kämpft Joachim Stutschewsky — als Musiker und Publizist — um das Verständnis für jüdische Musik in all ihren Abarten und Schattierungen. Eine lange Reihe von Aufsätzen ist der Niederschlag seines propagandistischen Wirkens, von dem man ohne Einschränkung sagen kann, daß es im Begriff ist, erfolgreich zu sein. Ein Vorkämpfer und Wegbereiter der jüdischen Musik, wie er sich in Stutschewsky präsentiert, bedarf weitester Resonanzmöglichkeiten, und darum war es ein glücklicher Gedanke, die Aufsätze gesammelt erscheinen zu lassen. Wesentlich für die Betrachtungsweise Stutschevvskys ist der Umstand, daß dieser feurige, temperamentvolle und kompromißlose Kämpfer Vertrauen zum schöpferischen Genius des jüdischen Volkes hat und von ihm Großes, spezifisch Jüdisches erwartet. Von besonderem Interesse und von besonderem Reiz sind die polemischen Aufsätze Stutschewskj's, der schließlich einen Appell an die jüdischen Komponisten richtet, sich ihrem jüdischen Schicksal anzuvertrauen, ihrer inneren Stimme zu folgen — im Bewußtsein ihres Judcscins und der Verantwortung, die sie als Künstler, das heißt Erzieher des Volkes tragen. Stutschewskys Schrift hat historische Bedeutung. o. r. STÄF Äf Mariahilf erstraBe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Ulli mit äosn Crawff©rc8 VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 tieginn: »M, V»6, 'AB, VnlO IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-Ö6 Beginn: 4, %6, V28, %t0 mitJoan Crawfforcü V t" >'•>!- " ': ' :.-jj: <- 1 ■ ":; ,y.- . \ < ' .V * . '. ''<; AM UlVo, AM S^£ä2 forwerug . - v« ciuott*®' «»rrÄ^"'"" »•» *•* *.»»• .:, „»...-* «ttocco.»a^att»ttfle; XI aettttueW"1 un> ^TuineS*e, ^ZA^ S b ***.«,**be.^